Mercedes-Benz M 270/M 274

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Mercedes-Benz
M270 quer.jpg
M 270
Hersteller: Mercedes-Benz
Produktionszeitraum: seit 2011
Bauform: Reihenvierzylinder
Motoren: 1,6 Liter (1595 cm³)
2,0 Liter (1991 cm³)
Vorgängermodell: M 266
M 271
Nachfolgemodell:  

Der M 270 ist ein Ottomotor mit vier Zylindern in Reihenanordnung von Mercedes-Benz, der im November 2011 in der zweiten Generation der B-Klasse (W 246) vorgestellt wurde. Er ersetzt damit die Baureihe M 266 und als M 274 mittelfristig auch das Modell M 271.[1]

Die Produktion erfolgt in den Mercedes-Benz-Werken Stuttgart-Untertürkheim und bei der MDC Power GmbH in Kölleda. Die Produktion des eigenständig von Daimler entwickelten Motors begann am 29. Juli 2011.[2]

Technik[Bearbeiten]

M 270 DE 16 AL

Die auffälligste technische Besonderheit dieses Motors ist die Möglichkeit zum Quer- und Längseinbau. Während der Motor in den kompakten frontgetriebenen Modellen A- und B-Klassen quer verbaut wird und dort die Bezeichnung M 270 trägt, ist er in den übrigen Modellen längs angeordnet und wird hier als M 274 bezeichnet. Dies erfordert eine sehr kompakte Bauweise des Aggregats. Hierzu wurden die Nebenaggregate dicht angeordnet und der Zylinderabstand mit 90 mm eng ausgelegt. Ein weiteres Entwicklungsziel war die Gewichtsreduktion. Der Vollaluminium-Motor erhielt eine hohlgegossene Kurbelwelle, wodurch sich mit der kompakten Bauweise das Gewicht in der Basisvariante auf 137 kg reduziert.

Alle Motoren dieser Baureihe werden durch einen Abgasturbolader aufgeladen. Trotz der Aufladung sind die Motoren mit einem Verhältnis von 10,3:1 hoch verdichtet. Zunächst wird der Motor mit 1,6 l Hubraum (1595 cm³, Bohrung 83,0 mm, Hub 73,7 mm) gebaut. Im September 2012 folgte eine Variante mit 2,0 l Hubraum (1991 cm³, Bohrung 83,0 mm, Hub 92,0 mm) und 155 kW (211 PS) im Modell A 250 BlueEFFICIENCY.[3]

Der M 270 bzw. der M 274 ist eng mit den BlueDIRECT-V‑Motoren M 276 und M 278 verwandt. Er verfügt dementsprechend über eine Direkteinspritzung mit strahlgeführter Verbrennung dritter Generation, die über einen A-Düsen-Piezoinjektor realisiert wird. Neben der konventionellen, homogenen Gemischbildung wird in den hubraumstarken Derivaten auch die Schichtladung umgesetzt, was in Verbindung mit der Aufladung ein Novum in der Motorentechnik darstellt.

Als Hochdruckpumpe wird eine Einstempelpumpe mit einem im Pumpenmodul integrierten Mengenregelventil eingesetzt. Diese erzeugt einen kennfeldgesteuerten Arbeitsdruck von bis zu 200 bar. Die Kraftstoffeinspritzung in den Brennraum erfolgt je nach Lastbereich bis zu fünfmal pro Arbeitstakt. Dort entzündet eine Multifunkenzündung das Luft-Kraftstoff-Gemisch.

Der Motor verfügt über zwei obenliegende kettengetriebene Nockenwellen. Bei beiden Nockenwellen ist das Timing verstellbar.[4] Dies ermöglicht in Verbindung mit dem Turbolader das sogenannte Scavenging, bei dem sich die Öffnungszeiten von Einlass- und Auslassventil teilweise überschneiden. Hierbei spült die angesaugte kalte Frischluft das noch im Brennraum befindliche heiße Abgas in den Auspuffkrümmer, wodurch sich die Zylinderfüllung wesentlich verbessert. Der Turbolader spricht durch den erhöhten Gasstrom im Abgasstrang vor allem bei niedrigen Drehzahlen deutlich schneller an. Somit wird ein Turboloch vermieden. Durch die Direkteinspritzung wird die Frischluft beim Einströmen in den Zylinder noch nicht mit Treibstoff vermischt, wodurch Spülverluste (Austreten unverbrannten Benzins in den Abgaskrümmer) vermieden werden.

Die 1,6-l-Motoren sind optional mit dem sogenannten Camtronic-System ausgestattet. Dieses kann in Teillastbereichen auf einen kleineren Einlassnocken umschalten, was einen höheren Saugrohrdruck und damit ein Vermeiden von Drosselverlusten ermöglicht. In Verbindung mit der variablen Einlassnockenwelle lässt dies bei entsprechenden Lasten eine Laststeuerung mit der Nockenwelle zu. Bei den M-270- und M-274-Motoren ist somit beim Betrieb mit kleinem Einlassnocken eine dreistufige Laststeuerung verwirklicht: Bei sehr niedrigen Lasten wird die Luftmenge konventionell durch die Drosselklappe eingestellt. Bei mittleren Lasten wird über die Einlassnockenwelle die Zylinderfüllung eingestellt, während die Drosselklappe geöffnet ist, und bei höheren Lasten wird der Saugrohrdruck weiter über den Turbolader erhöht.[5]

Die kompakte Bauweise des Motors und das Brennverfahren erfordern eine ausgeklügelte Motorkühlung. Das Kühlmittel fließt durch einen zweiteiligen Wassermantel mit Querstromkühlung und durch nur drei Millimeter starke Kühlkanäle zwischen Zündkerzen und Kraftstoffinjektoren an die wärmebelasteten Stellen. Um auch bei höheren Geschwindigkeiten einen akzeptablen Kraftstoffverbrauch zu gewährleisten, ist dank der effizienten Motorkühlung eine Volllastanreicherung zur Kühlung des Zylinderkopfs erst bei Geschwindigkeiten über 200 km/h erforderlich. Bei einem Kaltstart strömt dank einer bedarfsgesteuerten Wasserpumpe mit strömungsoptimiertem Kugelventil kein Kühlmittel durch den Motor. Das führt zu einem schnellen Erreichen der Betriebstemperatur und trägt damit zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch und besseren Verschleißverhalten bei. Der Fahrzeuginnenraum wird hierdurch ebenfalls schnellstmöglich erwärmt. Auch der Thermostat enthält ein strömungsoptimiertes Kugelventil. Dieser wird durch die Motorsteuerung in Abhängigkeit von Fahrweise und Umgebungsbedingungen elektronisch geregelt und stellt die optimale Kühlmitteltemperatur ein.

Mit einer bedarfsgerechten Steuerung wurde auch die Ölpumpe versehen, womit sie zu einer weiteren Kraftstoffersparnis beiträgt. Dies ist auch Ziel der ECO-Start-Stopp-Funktion, die den Motor bei kurzen Stopps, wie Staus oder rote Ampeln, selbstständig ausschaltet und verzögerungsfrei wieder startet. Sie ist das Ergebnis der zeitgleichen Entwicklung von Motoren und Getriebe für den Quereinbau. So kommuniziert beispielsweise das Steuergerät des Doppelkupplungsgetriebes 7G-DCT mit dem Motorsteuergerät, um ein möglichst gutes Ansprechverhalten zu gewährleisten.[6][7]

Als Kraftübertragung gibt es folgende Getriebevarianten:

Varianten[Bearbeiten]

M 270[Bearbeiten]

M 270 DE 16 AL red.*[Bearbeiten]

Verkaufsbezeichnung Baureihe Bauzeitraum
Hubraum: 1595 cm³, Leistung: 90 kW (122 PS) bei 5000/min, Drehmoment: 200 Nm bei 1250–4000/min
CLA 180 C 117 seit 2013
CLA 180 BlueEFFICIENCY Edition C 117 seit 2013
A 180
A 180 BlueEFFICIENCY
W 176 seit 2013
2012–2013
A 180 BlueEFFICIENCY Edition W 176 seit 2013
B 180
B 180 BlueEFFICIENCY
W 246 seit 2013
2011–2013
B 180 BlueEFFICIENCY Edition W 246 ab 2015

M 270 DE 16 AL*[Bearbeiten]

Verkaufsbezeichnung Baureihe Bauzeitraum
Hubraum: 1595 cm³, Leistung: 115 kW (156 PS) bei 5000/min, Drehmoment: 250 Nm bei 1250–4000/min
CLA 200 C 117 seit 2013
GLA 200 X 156 seit 2013
A 200
A 200 BlueEFFICIENCY
W 176 seit 2013
2012–2013
B 200
B 200 BlueEFFICIENCY
W 246 seit 2013
2011–2013

M 270 DE 20 AL*[Bearbeiten]

Verkaufsbezeichnung Baureihe Bauzeitraum
Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 115 kW (156 PS) bei 5000/min, Drehmoment: 270 Nm bei 1250–4000/min
B 200 Natural Gas Drive W 246 seit 2013
Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 135 kW (184 PS) bei 5000/min, Drehmoment: 300 Nm bei 1250–4000/min
A 220 4MATIC W 176 seit 2014
B 220 4MATIC W 246 seit 2013
Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 155 kW (211 PS) bei 5500/min, Drehmoment: 350 Nm bei 1200–4000/min
CLA 250 C 117 seit 2013
GLA 250 X 156 seit 2013
A 250
A 250 BlueEFFICIENCY
W 176 seit 2013
2012–2013
B 250
B 250 BlueEFFICIENCY
W 246 seit 2013
2012–2013

M 274[Bearbeiten]

M 274 DE 16 AL*[Bearbeiten]

Verkaufsbezeichnung Baureihe Bauzeitraum
Hubraum: 1595 cm³, Leistung: 115 kW (156 PS) bei 5000/min, Drehmoment: 250 Nm bei 1250–4000/min
C 180 BlueEFFICIENCY W/S/C 204 seit 2012
C 180 W 205 seit 2014
E 180 W 212 seit 2013

M 274 DE 20 AL*[Bearbeiten]

Verkaufsbezeichnung Baureihe Bauzeitraum
Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 115 kW (156 PS) bei 5000/min, Drehmoment: 270 Nm bei 1250–4000/min
E 200 Natural Gas Drive W 212 seit 2013
Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 135 kW (184 PS) bei 5500/min, Drehmoment: 300 Nm bei 1200–4000/min
GLK 200 X 204 seit 2013
C 200 W 205 seit 2014
E 200 C/A 207 seit 2013
E 200 W/S 212 seit 2013
Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 155 kW (211 PS) bei 5500/min, Drehmoment: 320 Nm bei 1250–3500/min
Q50 Infiniti Q50 seit 2014
Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 155 kW (211 PS) bei 5500/min, Drehmoment: 350 Nm bei 1200–4000/min
GLK 250 X 204 seit 2013
C 250 W 205 seit 2014
E 250 C/A 207 seit 2013
E 250 W/S 212 seit 2013

 * Motorbezeichnung ist wie folgt verschlüsselt: M = Motor (Otto), Baureihe = 3 stellig, DE = Direkteinspritzung, Hubraum = Deziliter (gerundet), A = Abgasturbolader, L = Ladeluftkühlung, red. = leistungsreduziert

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mercedes-Benz auf dem Genfer Salon 2012: Zwei Welt-, drei Europapremieren in Genf
  2. Daimler erweitert Motorenproduktion bild.de, 29. Juli 2011
  3. Die neue A-Klasse – der Antrieb: Neue Motoren für Benzin- und Dieselkraftstoff
  4. media.daimler.com: Der Antrieb: High Tech unter der Motorhaube
  5. media.daimler.com: Unter der Lupe: Ventilhubumschaltung CAMTRONIC.
  6. Die B-Klasse: High Tech unter der Motorhaube
  7. Neuer Motor für den C 180