MSD Sharp & Dohme

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Merck & Co., Inc.
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Rechtsform Incorporated
ISIN US5893311077
Gründung 1891
Sitz Whitehouse Station, NJ, USA
Leitung Kenneth Frazier (CEO & President)[1]
Mitarbeiter ca. 80.000 (2013)[1]
Umsatz 44,0 Mrd. USD (2013)[2]
Branche Pharmazie
Produkte MedikamenteVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.merck.com,
www.msd.de

MSD Sharp & Dohme (kurz MSD) oder Merck & Co., Inc., wie es aus namensrechtlichen Gründen nur in den USA und Kanada genannt wird, ist ein US-amerikanisches Pharmaunternehmen mit Sitz in Whitehouse Station, New Jersey. Es war ursprünglich das US-amerikanische Tochterunternehmen des Darmstädter Pharmakonzerns Merck KGaA. Ebenso wie zahlreiche andere deutsche Vermögenswerte wurde es jedoch 1917 im Rahmen des Ersten Weltkrieges konfisziert und arbeitet seitdem unabhängig. Merck & Co. beschäftigt weltweit ca. 80.000 Mitarbeiter[1] und ist mit 44,0 Mrd. USD[2] Umsatz weltweit – nach Novartis und Pfizer – der drittgrößte Arzneimittelhersteller der Welt.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten]

Merck & Co[Bearbeiten]

Ein Merck & Co. Lkw in New York

Merck & Co. verdankt seinen Ursprung Friedrich Jacob Merck, der im Jahr 1668 die Engel-Apotheke in Darmstadt erwarb, welche sich als Keimzelle des ältesten pharmazeutischen Unternehmens der Welt bis heute im Besitz der Familie befindet, und Emanuel Merck, der die Apotheke seit 1816 weiterführte.

Georg Merck

Nachdem 1887 bereits eine Niederlassung von Merck in New York gegründet worden war, expandierte Georg Merck 1891 und gründete Merck & Co. in New York. Merck & Co. wurde 1917 während des Ersten Weltkrieges konfisziert und zu einem von der Muttergesellschaft unabhängigen, US-amerikanischen Unternehmen gemacht. Dies ist der Grund dafür, dass Merck & Co. ausschließlich auf dem nordamerikanischen Markt mit diesem Markennamen auftreten darf.

Sharp & Dohme[Bearbeiten]

Das Unternehmen Sharp & Dohme war 1845 in Baltimore (Maryland) von Alpheus Phineas Sharp als Apotheke gegründet worden. Sein Lehrling Louis Dohme stammte aus dem deutschen Obernkirchen und war ein Vetter von August Oetker, den er beim Aufbau seiner späteren Backpulverproduktion unterstützte.[5] Sharp & Dohme war vor allem in der Erforschung und Vermarktung von Sulfonamiden, Impfstoffen und Blutplasmaprodukten erfolgreich.

Merck, Sharp & Dohme[Bearbeiten]

1953 fusionierte die Merck & Co. Inc. mit dem zu diesem Zeitpunkt in Philadelphia ansässigen Unternehmen Sharp & Dohme und nannte sich fortan international „Merck Sharp and Dohme (MSD)“. In Deutschland tritt es als „MSD Sharp & Dohme GmbH“ auf. Die deutsche Merck KGaA hingegen ist im Gegenzug in den USA als „EMD“ (für Emanuel Merck, Darmstadt) vertreten.

Heute beschäftigt Merck & Co. rund 86.000 Angestellte in über 140 Ländern und betreibt 28 Fertigungseinrichtungen. Der Konzern hat seit 1963 eine deutsche Niederlassung, die seit September 1994 in Haar (bei München) ihren Sitz hat.

Der Cholesterinsenker Zocor (Simvastatin), dessen Patentschutz 2006 in den USA auslief, war lange das umsatzstärkste Medikament des Unternehmens. Zeitweise war es das weltweit umsatzstärkste Medikament. 2006 war erstmals der Umsatz des Asthmapräparats Singulair (Montelukast) am höchsten.

2005 trat Mercks Chief Executive Officer Raymond Gilmartin im Alter von 64 Jahren von seinem Posten zurück, nachdem ein Skandal um Mercks Antirheumatikum Vioxx (Rofecoxib) bekannt geworden war. Der frühere Produktionsleiter Richard Clark wurde daraufhin zum neuen Geschäftsführer gewählt.

Im selben Jahr definierte Merck im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms die neun Forschungsschwerpunkte: Alzheimer-Krankheit, Atherosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, neuartige Impfstoffe, Übergewicht, Krebs, Schmerzen sowie Schlafstörungen. Mit Hilfe dieser Fokussierung der Forschungsressourcen beabsichtigt das Unternehmen, die verlorengegangene Marktführerschaft zurückzuerlangen und vermehrt neue potentielle Blockbuster zu entwickeln, um den erwarteten Umsatzrückgang von Zocor zu kompensieren.

Die Merck & Co gab am 9. März 2009 bekannt, das Pharmaunternehmen Schering-Plough für 41 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen,[6][7] die Fusion wurde am 3. November 2009 abgeschlossen.[8] Seit 2011 wird das Unternehmen von Kenneth C. Frazier geführt.[9]

Merck in Deutschland[Bearbeiten]

Logo der MSD Sharp & Dohme GmbH

MSD Deutschland beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter, die 2010 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erzielten. Zur MSD-Unternehmensgruppe gehören:

  • MSD Sharp & Dohme GmbH
  • MSD Chibropharm GmbH
  • Dieckmann Arzneimittel GmbH
  • Chibret Pharmazeutische GmbH
  • Varipharm Arzneimittel GmbH
  • Intervet Deutschland GmbH (Veterinär)
  • Intervet Innovation GmbH (Veterinär)

Alle fünf Unternehmen haben ihren Sitz in Haar.

Vioxx-Skandal[Bearbeiten]

Merck & Co. Inc. stellte das Schmerzmittel Vioxx her, einen COX2-Inhibitor, von dem das Unternehmen bereits ein Jahr, bevor das Medikament im September 2004 vom Markt genommen wurde, wusste, dass es Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiken bei Patienten erhöht.[10][11] Aus diesem Grund wurde Merck seit Beginn des Skandals Ende 2003 in mehr als 10.000 Einzelverfahren in den USA verklagt. In einem ersten Prozess um den möglicherweise durch Vioxx verursachten Tod eines 59 Jahre alten Texaners, wurde Merck & Co. zu einer Zahlung von 253 Mio. Dollar an dessen Witwe verurteilt. Allerdings sieht texanisches Recht eine Begrenzung der Summe auf maximal 27 Mio. Dollar vor. Zudem hat Merck & Co. gegen das Urteil Berufung eingelegt und argumentiert, dass der Betroffene an einer Arrhythmie (Herzrhythmusstörungen) starb. Für eine Begünstigung dieses Krankheitsbildes durch Vioxx gebe es keine Anhaltspunkte. In zwei weiteren Verfahren wurde das Unternehmen freigesprochen. Vioxx war eines der weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamente. Das wirtschaftliche Risiko für Merck, im Zusammenhang mit diesen Klagen, ist folglich enorm und wird von einigen Analysten auf bis zu 50 Mrd. Dollar geschätzt.

2008 wurde bekannt, dass Studien über Vioxx von MSD manipuliert wurden, um das Medikament besser darzustellen.[12] Auch wurden firmeninterne Analysen, die schon 2001 eine Zunahme der Sterblichkeitsrate unter Vioxx zeigten, nicht publiziert und der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA auch auf Nachfrage hin nicht vorgelegt[13]. In der APPROVe Studie wurde eine falsche Statistik angewendet, die dazu führte, dass kardiovaskuläre Komplikationen erst nach 18 Monaten (etwa 540 Tabletten) signifikant häufiger auftraten. Die korrigierte Statistik zeigt einen signifikanten Anstieg von kardiovaskulären Komplikationen schon nach 4 Monaten (120 Tabletten).[14] Bei dem US-amerikanischen Vergleich werden sogar nur 1 Monat (30 Tabletten) verlangt. Zudem wurde bei der APPROVe Studie die tägliche Einnahme von VIOXX durch einen sonst üblichen „Pillcount“ nicht kontrolliert. Dennoch werden in Deutschland viele Klagen abgewiesen, wenn eine tägliche Einnahme von Vioxx über 18 Monate nicht bis auf die letzte Tablette nachgewiesen werden kann. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schätzt, dass allein in Deutschland 7000 Menschen durch die Einnahme von Vioxx erkrankt oder verstorben sind.[15]

2009 wurde öffentlich, dass Merck vor der Marktrücknahme eine interne Liste mit Kritikern des Medikaments führte, die mundtot gemacht werden sollten.[16] Auch die wissenschaftlichen Arbeiten von G.A.FitzGerald, die die kardiovaskulären Komplikationen (insbesondere die Herzinfarkte) von Vioxx voraussagten, wurden verheimlicht und unterdrückt.[17]

Ebenfalls 2009 wurde bekannt, dass die australische Filiale von Merck zwischen 2002 und 2005 den Wissenschaftsverlag Elsevier dafür bezahlte, acht Kompilationen wissenschaftlicher Artikel mit für Merck positiven Aussagen unter anderem zu Vioxx als scheinbare Peer-Review-Fachzeitschrift mit dem Namen Australasian Journal of Bone and Joint Medicine herauszugeben. Auf die Finanzierung durch Merck wurde in den Veröffentlichungen nicht hingewiesen.[18][19][20]

Verlag[Bearbeiten]

Merck betreibt auch einen Fachbuchverlag, der verschiedene Nachschlagewerke publiziert, darunter das Merck Manual of Diagnosis and Therapy und den Merck Index.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c 2012 Company Fact Sheet, Company WebSite
  2. a b Merck: Merck Announces Fourth-Quarter and Full-Year 2013 Financial Results. 5. Februar 2014. Abgerufen am 7. Februar 2014.
  3. IMS Health Infografik: Führende pharmazeutische Unternehmen in Deutschland und weltweit im Jahr 2012 (PDF; 25 kB), IMS Health, Infografik 04/2013, abgerufen am 4. Februar 2014
  4. Pharm Exec's 2013 ranking of the top 50 pharma companies worldwide, www.pharmexec.com, abgerufen am 4. Februar 2014
  5. Rüdiger Jungblut: Die Oetkers, Frankfurt 2004, ISBN 3-404-61594-8, S. 38 ff.
  6. Notker Blechner: Merck & Co schluckt Schering-Plough. ARD.de. 9. März 2009. Abgerufen am 27. November 2009.
  7. Merck and Schering-Plough to Merge, Company information. 9. März 2009. Abgerufen am 10. März 2009. 
  8. Merck and Schering-Plough to Complete Merger Today Pressemitteilung von Merck & Schering-Plough, 3. November 2009.
  9. Merck Board Elects Kenneth C. Frazier as Next CEO; Richard T. Clark to Continue as Chairman – New Roles Effective 1. Januar 2011 (Version vom 8. Juli 2012 im Internet Archive)
  10. Dow Jones News (30. September 2004) Merck & Co nimmt ab sofort Arthritis-Mittel Vioxx vom Markt
  11. Dow Jones News (18. November 2004) Merck & Co wusste früh über Risiken von Vioxx Bescheid – NYT
  12. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Unser Medikament soll schöner werden, 17. April 2008, S. 39
  13. The Journal of the American Medical Association, JAMA 2008;299(15):1813-1817.
  14. Correction, N Engl J Med, 355;2 July 13,2006
  15. Rainer Kurlemann: Herzzellen helfen bei Medikamententests. In: Hamburger Abendblatt. 14. Januar 2014, S. 19.
  16. Miranda Rout: Vioxx maker Merck and Co drew up doctor hit list. The Australian. 1. April 2009. Abgerufen am 27. November 2009.
  17. Tom Nesi: Poison Pills -The Untold Story of the Vioxx Drug Scandal, 2008, St.Martin’s Press, New York, ISBN 978-0-312-36959-0
  18. Natasha Singer: Merck Paid for Medical ‘Journal’ Without Disclosure (englisch) New York Times. 13. Mai 2009. Abgerufen am 27. November 2009.
  19. Bob Grant: Merck published fake journal (englisch) The Scientist. 30. April 2009. Abgerufen am 27. November 2009.
  20. Konrad Lischka: Elsevier ließ Pseudo-Fachblätter von Pharmafirmen bezahlen. Spiegel Online. 11. Mai 2009. Abgerufen am 27. November 2009.