Merle Haggard

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Haggard im Weißen Haus im Jahr 2010

Merle Ronald Haggard (* 6. April 1937 in Bakersfield, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Country-Musiker und Songwriter. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen Okie from Muskogee, Mama Tried, Silver Wings, Swingin’ Doors und Big City.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Merle Haggard wurde 1937 in der Nähe von Bakersfield geboren. Die Eltern und zwei Geschwister lebten in dieser Zeit in einem umgebauten Güterwagen. Sein Vater arbeitete für die Santa Fe Railroad und brachte ein regelmäßiges Einkommen mit nach Hause. Bis kurz vor Merles Geburt hatte die Familie in Oklahoma gelebt. In den 1930er Jahren wurde die Existenz vieler Farmer durch die Große Depression und die Staubstürme in der sogenannten Dust Bowl bedroht. Als dann auch noch das Farmhaus der Familie abbrannte, entschlossen sie sich, wie viele andere, nach Kalifornien auszuwandern, um dort Arbeit in der Landwirtschaft zu finden.

Als Haggard neun Jahre alt war, starb sein Vater. Während seine Mutter arbeitete, um die Familie zu ernähren, wurde Haggard bei Verwandten untergebracht. Mit zehn Jahren riss er das erste Mal von zu Hause aus. Auf einem Güterzug ging es Richtung Norden. Mit zwölf Jahren brachte er sich selbst das Gitarrespielen bei. Er begann mit dem Nachspielen von Stücken Bob Wills und Hank Williams, später begeisterte er sich für die Musik von Lefty Frizzell. Mehrere Jahre lang spielte er fast ausnahmslos Frizells Songs und adaptierte nach und nach dessen Stil.

Seine ersten bezahlten Auftritte hatte er 1951 in Modesto. Zusammen mit einem Freund spielte er für fünf Dollar am Abend. In diesen Jahren kam Haggard regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt und wurde wiederholt in Jugendgefängnisse und Besserungsanstalten eingewiesen. Dazwischen schlug er sich mit kleineren Jobs durch. Er war unter anderem Koch und Lastwagenfahrer, und er machte Musik. 1953 gab sein Idol Lefty Frizzell ein Konzert in Bakersfield. Merle schaffte es, ihm einige Songs vorzuspielen. Frizell war so beeindruckt, dass Haggard an diesem Abend gemeinsam mit ihm auftreten durfte.

1957 wurde Haggard bei einem Einbruch erwischt und verbrachte die folgenden drei Jahre im Gefängnis San Quentin, wo er unter anderem den in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartenden Caryl Chessman kennenlernte. Dort sah er im Januar 1958 Johnny Cash bei einem Konzert für die Insassen des Zuchthauses live auf der Bühne. Beeindruckt von Cash und seiner Musik startete Haggard im Anschluss an die Haftstrafe seine Musikerkarriere.

Die ersten Erfolge[Bearbeiten]

1960 auf Bewährung entlassen, schloss sich Haggard der Country-Szene von Bakersfield an, die während seiner Haft enorm an Bedeutung gewonnen hatte. Aufstrebender Star war Buck Owens, der den Bakersfield Sound prägte. Haggard spielte als Ersatzmann im Lucky Spot Club. Dort freundete er sich mit Fuzzy Owen an, der später sein Manager werden sollte. Owen besaß eine kleine Plattenfirma. Haggard spielte die Eigenkomposition Skid Row ein, die auf der B-Seite von Owens Singin’ My Heart out veröffentlicht wurde. Es wurden insgesamt 200 Singles gepresst.

1962 fuhr Haggard nach Las Vegas, um eine Vorstellung von Wynn Stewart zu besuchen. Er hatte die Gelegenheit, ein paar Songs vorzutragen, woraufhin Stewart ihn in seine Band aufnahm. Kurz darauf bat Haggard Stewart, dessen Neukomposition Sing a Sad Song selbst aufnehmen zu dürfen. Sie wurde Haggards zweite Single, wieder produziert von Fuzzy Owen, und sie wurde ein Top-Twenty-Hit, der Haggard in der Country-Szene von Bakersfield etablierte. Es folgten weitere Platten, die sich zunehmend besser verkauften. 1965 stellte er eine eigene Band zusammen: The Strangers. Mitglied der Band war der Gitarrist Roy Nichols, der als einer der bedeutsamsten Musiker des Bakersfield Sounds gilt. Seinen ersten Nummer-1-Hit hatte Haggard 1966 mit The Fugitive. 1967 erreichte er vier Mal hintereinander die Spitze der Country-Charts, mit dem autobiographischen Mama Tried stand er 1968 vier Wochen an der Spitze der Country-Charts.[1]

Okie from Muskogee[Bearbeiten]

1969 schrieb Haggard den Song Okie from Muskogee. Der Legende nach fuhr die Band während einer Tournee durch den kleinen Ort Muskogee in Oklahoma und es wurden ein paar Witze über den Namen gerissen. Daraus entstand ein Song, in dem ein Okie, also ein ländlicher, weißer, armer US-Amerikaner aus Oklahoma mit geringer Bildung, über die langhaarigen Hippies herzieht, die Haschisch und LSD konsumieren, und ihnen die Werte des konservativen Südstaatenamerikaners entgegenstellt. In der Zeit der Anti-Vietnamproteste und des gesellschaftlichen Umbruchs hatte Haggard genau den Nerv der Konservativen getroffen, indem er die Gefühle der Menschen wiedergab, die sich nicht mit der aktuellen Entwicklung identifizierten, sondern von ihr irritiert oder abgestoßen waren.

Bevor der Song im Studio eingespielt wurde, trugen ihn Merle und seine Band in einem Konzert in Fort Bragg vor. Die GIs tobten vor Begeisterung. Merle Haggard sagte später, er habe in diesem Moment gespürt, dass dieser Song etwas Besonderes war, und dass er zum ersten Mal sein Publikum wirklich erreichte.

Der Song polarisierte entsprechend stark: Während die Liberalen Haggard Verrat vorwarfen, waren konservative Kreise von dem Song begeistert, Richard Nixon wurde angeblich über Nacht sein Fan. Haggard sagte in Interviews mehrfach, der Song sei eigentlich ironisch gemeint gewesen. Okie from Muskogee wurde nicht zuletzt wegen seiner eingängigen Melodie zum Hit, und Merle Haggard über die Country-Gemeinde hinaus zu einem Begriff. Kinky Friedman parodierte den Song später: Bei ihm hieß es zur selben Melodie (I'm Proud to Be an) Asshole from El Paso.[2]

Weitere Karriere[Bearbeiten]

Haggard bei einem Auftritt im Jahr 2009

Die erste Single nach Okie From Muskogee, The Fighting Side of Me, schlug textlich in dieselbe Kerbe wie der Vorgängersong: Hierin kritisierte er die Gegner des Vietnamkriegs und sprach ihnen den Patriotismus ab. Der Song schaffte es ebenfalls an die Spitze der Charts. Die Erfolge hielten an bis Mitte der 80er Jahre. Seine größten Hits waren If We Make It Through December (1973) und sein Duett mit Willie Nelson, bei dem sie 1985 Townes Van Zandts Pancho and Lefty interpretierten. Insgesamt hatte Haggard in seiner Karriere 23 Nummer-1-Hits – seinen letzten 1987: Twinkle, Twinkle Lucky Star. 1994 tauchte er das bisher letzte Mal mit In My Next Life in der Country-Hitparade auf. Im gleichen Jahr wurde er in die Country Music Hall of Fame aufgenommen.

2001 gelang ihm mit dem Achtungserfolg von Roots Vol. 1 ein kleines Comeback. Hier wurde versucht, mit einem ähnlichen Marketing-Konzept wie bei Johnny Cashs American Recordings, nicht auf die Mainstream-Countrycharts zu zielen, sondern ein jüngeres Publikum zu erreichen, das sich eher an Independent-Musik orientiert. 2007 brachte er das Album Working Man's Journey heraus, das sechs neue Titel und sechs alte, jedoch unveröffentlichte Titel enthält.

Im November 2008 musste Merle Haggard sich einer Operation unterziehen, da Ärzte im März desselben Jahres einen bösartigen Tumor in seiner Lunge entdeckt hatten und diesen entfernen mussten. Anfang 2010 unterschrieb Haggard einen neuen Plattenvertrag bei Vanguard Records, wo im Oktober 2011 sein bisher letztes Album Working In Tennessee erschien.[3]

Rezeption[Bearbeiten]

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Merle Haggard gilt als ein der schöperischer Singer/Songwriter. Mit seiner nasalen Stimme schaffte er es über Jahrzehnte, Publikum und Kritiker gleichermaßen anzusprechen. Seine sparsam instrumentierten und arrangierten Songs wirken authentisch und ungekünstelt.

Der Fach-Journalist Walter Fuchs sagte einmal: „Merle Haggard ist genau der Typ, den man eigentlich hinter Johnny Cash vermuten würde. Doch während der so hart und brutal wirkende Cash nur eine einzige Nacht in einem Gefängnis zugebracht hat, saß der fast zart und sehr sensibel wirkende Haggard insgesamt sieben Jahre hinter Gittern.“

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Strangers (1965)
  • Just Between the Two of Us (1966)
  • Swinging Doors / The Bottle Let me Down (1966)
  • I’m a Lonesome Fugitive (1967)
  • Sing Me Back Home (1968)
  • Legend of Bonnie & Clyde (1968)
  • Mama Tried (1968)
  • Introducing My Friends, the Strangers (1970)
  • Tribute to the Best Damn Fiddle Player (1970)
  • Hag (1971)
  • Someday We’ll Look Back (1971)
  • Let Me Tell You About a Song (1972)
  • It’s Not Love (But It’s Not Bad) (1972)
  • If We Make It Through December (1974)
  • Merle Haggard Presents His 30th Album (1974)
  • My Farewell to Elvis (1977)
  • I’m Always on a Mountain When I Fall (1978)
  • Serving 190 Proof (1979)
  • Back to the Barrooms (1980)
  • Big City (1981)
  • Going Where the Lonely Go (1982)
  • A Taste of Yesterday’s Wine (1982)
  • Pancho & Lefty (1983)
  • Chill Factor (1988)
  • 5:01 Blues (1981)
  • Blue Jungle (1990)
  • All Night Long (1991)
  • 1994 (1994)
  • 1996 (1996)
  • HAG – The Best Of Merle Haggard (2006)
  • Last Of The Breed (mit Ray Price und Willie Nelson, 2007)
  • The Bluegrass Sessions (2007)
  • I Am What I Am (2010)
  • Working In Tennessee (2011)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roland, Tom: The Billboard Book of Number One Country Hits. New York, N.Y.: Billboard Books, 1991, S. 12
  2. Songtext von Asshole From El Paso
  3. Merle Haggard unterschreibt neuen Plattenvertrag

Literatur[Bearbeiten]

  • Shestack, Melvin: The Country Music Encyclopaedia. London / New York / Sydney: Omnibus Press, 1977, S. 91–95
  • Stambler, Irwin / Landon, Grelun: Encyclopedia Of Folk, Country And Western Music. New York / London: St. Martin’s Press, 1969, S. 121f
  • Dellar, Fred / Thompson, Roy: The Illustrated Encyclopedia Of Country Music. Vorwort von Roy Acuff. 2. Auflage London: Salamander Books, 1979, S. 103
  • Fuchs, Walter: Geschichte der Country Music. Zentren, Stile, Lebensläufe. Bergisch-Gladbach: Gustav Lübbe Verlag, 1980, S. 266
  • Jeier, Thomas: Das neue Lexikon der Country Music, München: Wilhelm Heyne Verlag, 1992, S. 186-189

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Merle Haggard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien