Merseburger Dom
Der Merseburger Dom St. Johannes der Täufer und Laurentius repräsentiert das Hochstift Merseburg. Der Dom ist eine Station an der Straße der Romanik.
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Geschichte [Bearbeiten]
Die Kirche des Merseburger Domkapitels geht auf die von Heinrich I. gestiftete Johanniskirche zurück. Der Grundstein für den Bau einer repräsentativen Kathedrale des Bistums Merseburg wurde am 8. Mai 1015 durch den Bischof Thietmar von Merseburg (Thietmar von Walbeck) gelegt, der sich in seiner umfangreichen Chronik nicht ausführlich zum Bau und den dahinter stehenden kirchlichen und künstlerischen Absichten äußert. Er erwähnt jedoch ein Gelübde Ottos I. vor der Schlacht auf dem Lechfeld 955, im Falle des Sieges in Merseburg ein Bistum zu errichten und die Königspfalz zur Laurentiuskirche auszubauen.[1] Die erste Weihe des viertürmigen Kirchbaus auf das Laurentiuspatrozinium fand am 1. Oktober 1021 in Anwesenheit Heinrichs II. statt. Nach zwei Einsturzunglücken und nach dem Wiederaufbau erfolgte 1042 eine zweite Weihe. Neben der nach 1036 begonnenen Krypta sind vom ursprünglichen romanischen Baukörper nur noch Teile erhalten, und zwar die runden Chorbegleittürme aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, die Untergeschosse der Westtürme und die unteren Wandteile des Querschiffs mit den beiden östliche Apsiden.
Durch den Merseburger Bischof Werner von Wolkenburg wurde, wohl in Vollendung des ursprünglichen Baukonzeptes, der Bau eines fünften Turmes über der Vierung eingeleitet, der allerdings 1230 einstürzte. Besagtem Bischof ist auch geschuldet, dass Rudolf von Rheinfelden, der 1080 einer in der Schlacht bei Hohenmölsen erlittenen Verwundung erlegen war, seine Grablege im Merseburger Dom fand, obwohl der Tod des gebannten Gegenkönigs (1077-1080 gegen Heinrich IV.) von nicht wenigen Zeitgenossen als Gottesurteil angesehen wurde.
Durch spätere Umbauten, vor allem in der Zeit zwischen 1510 und 1517 unter Thilo von Trotha, ist der Dom im Stil der Spätgotik überformt. Aus der basilikalen Anlage des Langhauses wurde dabei eine Hallenkirche.
1545 predigte Martin Luther im Dom, nach dem Tod des letzten katholischen Bischofs im Jahr 1561 setzte sich in Merseburg die Reformation endgültig durch.
Für die weitgehend verlorene Glasmalerei von 1280 hat Charles Crodel von 1947 bis 1960 in moderner Fortschreibung der mittelalterlichen Bildsprache ähnlich wie im Erfurter Dom und im Dom zu Halberstadt Ersatz geschaffen. Crodel Führte die Glasmalerei eigenhändig bei Ferdinand Müller in Quedlinburg aus.
Am 17. August 2006 wurde das renovierte Kapitelhaus in einem Festakt in Anwesenheit des Kultusministers Jan-Hendrik Olbertz und des Bischofs Axel Noack eingeweiht. Gemeinsam mit dem Schloss und Schlossgarten in Merseburg gehört der Dom zum Netzwerk Gartenträume Sachsen-Anhalt.
Fürstengruft [Bearbeiten]
Im Dom ist seit 1654 auch das Erbbegräbnis der wettinischen Seitenlinie Sachsen-Merseburg untergebracht. Folgende Mitglieder der herzoglichen Familie wurden in Prunksärgen bestattet:
- Christian I. (1615–1691), 1. Herzog von Sachsen-Merseburg
- Christiana von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1634–1701), Ehefrau von Christian I.
- Hedwig von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1640–1671), Schwägerin von Christian I.
- Magdalena Sophia (1651–1675), Tochter von Christian I.
- Johann Georg (1652–1654), Sohn von Christian I.
- namenlose Totgeburt (*/† 1656), Sohn von Christian I.
- Christiane (1659–1679), Tochter von Christian I., Ehefrau Christians von Sachsen-Eisenberg
- Moritz (1662–1664), Sohn von Christian I.
- Christian Erdmann (1686–1689), Enkel von Christian I.
- Elisabeth Sibylle (1693–1694), Enkelin von Christian I.
- Christian II. (1653–1694), 2. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian I.
- Erdmuthe Dorothea von Sachsen-Zeitz (1661–1720), Ehefrau von Christian I.
- Johann Wilhelm (1681–1685), Sohn von Christian II.
- August Friedrich (1684–1685), Sohn von Christian II.
- Philipp Ludwig (1686–1688), Sohn von Christian II.
- Friedrich Erdmann (1691–1714), Sohn von Christian II.
- Christiane Eleonore Dorothea (1692–1693), Tochter von Christian II.
- Christian III. Moritz (1680–1694), 3. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian II.
- Moritz Wilhelm (1688–1731), 4. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian II.
- Friederike Charlotte Ulrike (*/† 1720), uneheliche Stieftochter Moritz Wilhelms
- August (1655–1715), Herzog von Sachsen-Merseburg-Zörbig, Sohn von Christian I.
- Hedwig Eleonore von Mecklenburg-Güstrow (1666–1735), Ehefrau von August
- Christiane Magdalene (1687–1689), Tochter von August
- Totgeburt (*/† 1689), Tochter von August
- Caroline Auguste (1691–1743), Tochter von August
- Hedwig Eleonore (*/† 1693), Tochter von August
- Gustav Friedrich (1694–1695)), Sohn von August
- August (*/† 1696), Sohn von August
- Philipp (1657–1690), Herzog von Sachsen-Merseburg-Lauchstädt, Sohn von Christian I.
- Eleonore Sophia von Sachsen-Weimar (1660–1687), 1. Ehefrau von Philipp
- Christiana Ernestina (1685–1689), Tochter von Philipp
- Johann Wilhelm (1687–1687), Sohn von Philipp
- Christian Ludwig (1689–1690), Sohn von Philipp
- Heinrich (1661–1738), 5. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian I.
- Elisabeth von Mecklenburg-Güstrow (1668–1738), Ehefrau von Heinrich
- Christiane Friederike (1697–1722), Tochter von Heinrich
- Gustava Magdalena (*/† 1699), Tochter von Heinrich
Ausstattung [Bearbeiten]
Ein Holzkruzifix aus dem Jahr 1240 steht direkt vor der Vierung.
Das bedeutendste Kunstwerk ist die Grabplatte Rudolfs von Schwaben, der am 15. Oktober 1080 starb. Es gilt als ältestes Bildnisgrabmal des deutschen Mittelalters. Hervorzuheben ist hier besonders die technische Perfektion des Bronzegusses.
Der Merseburger Taufstein stammt aus der Zeit um 1180.
Grabplatte eines Ritters (Hermann) von Hagen (Hayn/Hahn) aus der Mitte des 13. Jh., dessen Erschaffung dem Naumburger Meister bzw. dessen Werkstatt zugerechnet wird.
Das Bronzegrabmal des Bischofs Thilo von Trotha, gestorben 1514, wurde vermutlich von Hermann Vischer der Ältere um 1470/80, also noch vor seinem Tod angefertigt.
Grabmal für den Magdeburger Erzbischof Friedrich II. von Hoym.
Orgel [Bearbeiten]
Der Dom enthält hinter einem barocken Prospekt von ca. 1700 eine der größten romantischen Orgeln in Deutschland, geschaffen in zwei Etappen 1855 und 1866 von dem Orgelbauer Friedrich Ladegast. Von 2003 bis 2006 wurde sie durch die Orgelbaufirmen Eule, Scheffler und Wegscheider umfassend restauriert. Auf dieser Orgel wurde 1856 Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H von Franz Liszt uraufgeführt. Sie hat folgende Disposition:[2]
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- Koppeln: I/II, III/II, IV/II, I/P, II/P, III/P.
- Spielhilfen: 3 Ventile für die Laden des Pedals, Baß-Coppel, mit Registerzug oder zwei Tritten (an-ab) zu bedienen, schaltet die Ventile für die 2. und 3. Lade gemeinsam, Tritt und Zug für das Schwellwerk.
- Anmerkungen
- A = Alt, Übernahme vorhandener Register aus dem 17./18. Jahrhundert.
- H/V = Hinter- bzw. Vorderlade für Sperrventile.
- I./II./III. = Erste, zweite bzw. dritte Lade für Sperrventile.
Glocken [Bearbeiten]
Die zehn Glocken des Domes sind auf die beiden Westtürme, den Mittelbau und den Turmhelm verteilt. Mit einer umfassenden Restaurierung bekam jede einzelne Glocke sowohl einen neuen Klöppel als auch ein neues Holzjoch. Das Geläut wurde nach der ursprünglichen Aufhängung verteilt und iIn die zum Teil gotischen und barocken Glockenstühle gehängt. Im Dezember 2001 erklang das Domgeläut zum ersten Mal nach der Sanierung.[3] Die Clinsa bekam nach der Schweißung einen neuen, handgeschmiedeten Klöppel, der dem historischen Vorbild nahekommt.
| Nr. | Name | Gussjahr | Gießer, Gussort | Durchmesser (mm) |
Masse (kg) |
Schlagton (HT-1/16) |
Glockenstube |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Benedicta | um 1280 | unbekannt | 1.568 | ≈3.000 | es1 −5 | Südwestturm |
| 2 | Clinsa | um 1180 | unbekannt | 1.312 | 1.960 | f1 −7 | Nordwestturm |
| 3 | Nona | 1458 | unbekannt, vom gleichen Gießer |
957 | ≈600 | b1 −1 | Mittelbau |
| 4 | Quarta | 851 | ≈450 | c2 −2 | |||
| 5 | – | 1479 | unbekannt | 825 | ≈420 | d2 ±0 | |
| 6 | Horaglöcklein | 1538 | unbekannt | 460 | 59 | b2 −4 | |
| 7 | Bienenkorbglocke | Anfang 13. Jh. |
unbekannt | 472 | 113 | ≈des3 | |
| 8 | Zuckerhutglocke | unbekannt | 416 | 58 | ≈d3 | ||
| I | Stundenglocke | 1474 | unbekannt | 1.060 | ≈500 | ges1 +1 | außen am Turmhelm |
| II | Viertelglocke | 1722 | Peter Becker, Halle | 608 | ≈120 | ? |
Literatur [Bearbeiten]
- Peter Ramm: Der Dom zu Merseburg, Bd 464. 3., aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-02140-2
- Peter Ramm: Dom und Schloss zu Merseburg, Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-02155-6
- Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Architektur – Skulptur – Malerei, Köln 1996, S. 313
- Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz (Hrsg.): Der Merseburger Dom und seine Schätze. Zeugnisse einer tausendjährigen Geschichte. Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-408-0.
Weblinks [Bearbeiten]
- Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz
- Evangelisches Kirchspiel Merseburg
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Thietmar von Merseburg, Chronik, (Hg.) R. HOLTZMANN (MGH SS rer. Germ. N. S. 9), Berlin 1935, II, C. 10, S. 48: Postera die, id est in festivitate Christi martyris Laurentii, rex, solum Se pre caeteris culpabilem Deo professus atque prostratus, hoc fecit lacrimis votum profusis: Si Christus dignaretur sibi eo die tanti intercessione preconis dare victoriam Et vitam, ut in civitate Merseburgiensi episcopatum in honore victoris ignium construere domumque suimet magnam noviter inceptam sibi ad ecclesiam vellet edificare.
- ↑ http://www.inw.Hs−merseburg.de/~buchanan/orgel/merorgel.htm
- ↑ Constanze Treuber u. a.: Gegossene Vielfalt. Glocken in Sachsen-Anhalt. Hinstorff, Rostock 2007, S. 105–114.
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Heutige Konfessionszugehörigkeit: (K) katholisch (P) protestantisch (K/P) Simultankirche (°) ohne Gemeinde (†) nicht erhalten
51.35861111111112.000833333333Koordinaten: 51° 21′ 31″ N, 12° 0′ 3″ O