Merseburger Dom

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Dom zu Merseburg am Tag der Wiedereröffnung des Kapitelhauses im Jahre 2006

Der Merseburger Dom St. Johannes der Täufer und Laurentius repräsentiert das Hochstift Merseburg. Der Dom ist eine Station an der Straße der Romanik.

Geschichte[Bearbeiten]

Tafel zur Erinnerung an Predigten Martin Luthers

Die Kirche des Merseburger Domkapitels geht auf die von Heinrich I. gestiftete Johanniskirche zurück, die auch als Kirche des ersten Bistums in Merseburg genutzt wurde. Der Grundstein für den Bau einer repräsentativen Kathedrale des Bistums Merseburg wurde am 8. Mai 1015 durch den Bischof Thietmar von Merseburg (Thietmar von Walbeck) gelegt, der sich in seiner umfangreichen Chronik nicht ausführlich zum Bau und den dahinter stehenden kirchlichen und künstlerischen Absichten äußert. Er erwähnt jedoch ein Gelübde Ottos I. vor der Schlacht auf dem Lechfeld 955, im Falle des Sieges in Merseburg ein Bistum zu errichten und die Königspfalz zur Laurentiuskirche auszubauen.[1] Die erste Weihe des viertürmigen Kirchbaus auf das Laurentiuspatrozinium fand am 1. Oktober 1021 in Anwesenheit des Kaiserpaares Heinrichs II. und Kunigunde statt. Nach zwei Einsturzunglücken und nach dem Wiederaufbau erfolgte 1042 eine zweite Weihe. Neben der nach 1036 begonnenen Krypta sind vom ursprünglichen romanischen Baukörper nur noch Teile erhalten, und zwar die runden Chorbegleittürme aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, die Untergeschosse der Westtürme und die unteren Wandteile des Querschiffs mit den beiden östliche Apsiden.

Durch den Merseburger Bischof Werner von Wolkenburg wurde, wohl in Vollendung des ursprünglichen Baukonzeptes, der Bau eines fünften Turmes über der Vierung eingeleitet, der allerdings 1230 einstürzte. Besagtem Bischof, einem Anhänger Rudolfs, ist auch zu verdanken, dass Rudolf von Rheinfelden, der 1080 einer in der Schlacht bei Hohenmölsen erlittenen Verwundung erlegen war, seine Grablege im Merseburger Dom fand, obwohl der Tod des gebannten Gegenkönigs (1077–1080 gegen Heinrich IV.) von nicht wenigen Zeitgenossen als Gottesurteil angesehen wurde.

Durch spätere Umbauten, vor allem in der Zeit zwischen 1510 und 1517 unter Thilo von Trotha, ist der Dom im Stil der Spätgotik überformt. Aus der basilikalen Anlage des Langhauses wurde dabei eine Hallenkirche.

1545 predigte Martin Luther im Dom. Nach dem Tod des letzten katholischen Bischofs im Jahr 1561 setzte sich in Merseburg die Reformation endgültig durch.

Bei Lufangriffen während des Zweiten Weltkriegs auf die BUNA- und Leuna-Werke wurde auch Merseburg hart getroffen, dabei wurde auch der Nord- und Ostflügel des Schloßes, das Kapitelhaus und der Chor des Doms gegen Ende des Kriegs beschädigt.

Am 17. August 2006 wurde das renovierte Kapitelhaus in einem Festakt in Anwesenheit des Kultusministers Jan-Hendrik Olbertz und des Bischofs Axel Noack eingeweiht. Gemeinsam mit dem Schloss und Schlossgarten in Merseburg gehört der Dom zum Gesamtwerk „Gartenträume Sachsen-Anhalt“.

Fürstengruft[Bearbeiten]

Im Dom ist seit 1654 auch das Erbbegräbnis der wettinischen Seitenlinie Sachsen-Merseburg untergebracht. Folgende Mitglieder der herzoglichen Familie wurden in Prunksärgen bestattet:

  • Christian I. (1615–1691), 1. Herzog von Sachsen-Merseburg
  • Christian II. (1653–1694), 2. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian I.
    • Erdmuth Dorothea von Sachsen-Zeitz (1661–1720), Ehefrau von Christian I.
    • Johann Wilhelm (1681–1685), Sohn von Christian II.
    • August Friedrich (1684–1685), Sohn von Christian II.
    • Philipp Ludwig (1686–1688), Sohn von Christian II.
    • Friedrich Erdmann (1691–1714), Sohn von Christian II.
    • Christiane Eleonore Dorothea (1692–1693), Tochter von Christian II.
  • Christian III. Moritz (1680–1694), 3. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian II.
  • Moritz Wilhelm (1688–1731), 4. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian II.
    • Friederike Charlotte Ulrike (*/† 1720), uneheliche Stieftochter Moritz Wilhelms
  • August (1655–1715), Herzog von Sachsen-Merseburg-Zörbig, Sohn von Christian I.
    • Hedwig Eleonore von Mecklenburg-Güstrow (1666–1735), Ehefrau von August
    • Christiane Magdalene (1687–1689), Tochter von August
    • Totgeburt (*/† 1689), Tochter von August
    • Caroline Auguste (1691–1743), Tochter von August
    • Hedwig Eleonore (*/† 1693), Tochter von August
    • Gustav Friedrich (1694–1695), Sohn von August
    • August (*/† 1696), Sohn von August
  • Philipp (1657–1690), Herzog von Sachsen-Merseburg-Lauchstädt, Sohn von Christian I.
    • Eleonore Sophia von Sachsen-Weimar (1660–1687), 1. Ehefrau von Philipp
    • Christiana Ernestina (1685–1689), Tochter von Philipp
    • Johann Wilhelm (1687–1687), Sohn von Philipp
    • Christian Ludwig (1689–1690), Sohn von Philipp
  • Heinrich (1661–1738), 5. Herzog von Sachsen-Merseburg, Sohn von Christian I.

Ausstattung[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: 1. Altäre fehlen! 2. Die Domstiftbibliothek besitzt 200 Inkunabeln

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Fenster[Bearbeiten]

  • Reste der mittelalterlichen Verglasung haben sich in vier Medaillons mit einem Durchmesser von ca. 60 cm über dem Westportal in der Vorhalle im Zentrum der Dreifenstergruppe erhalten. Sie stammen aus einer Merseburg-Naumburger Werkstatt um 1260. Die Glasmalerei mit Schwazlot wurde seit 1839 mehrfach restauriert. Es sind dargestellt:
    • Verkündigung Mariae
    • Geburt Christi
    • Anbetung der Könige
    • Kreuzigung
  • Für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte historistischen Chorverglasung von 1885/86 hat Charles Crodel von 1947 bis 1960 in moderner Fortschreibung der mittelalterlichen Bildsprache ähnlich wie im Erfurter Dom und im Dom zu Halberstadt Ersatz geschaffen. Crodel führte die Glasmalerei eigenhändig bei Ferdinand Müller in Quedlinburg aus. Das ikonographische Programm der Fenster umfasst alt- (links) und neutestamentalische (rechts) Ereignisse, die in aufsteigender Lesefolge dargestellt sind:
    • linkes Fenster - Geschichte des Propheten Jona: Erschaffung Adams und Evas, der vom Fisch verschlungene Jona, der vom Fisch ausgespiehene Jona, der geläuterte Jona in der Laubhütte
    • rechtes Fenster - Heilsgeschehen: Geburt Christi, der Gekreuzigte, der auferstandene Gottessohn, der "Gnadenstuhl" als Darstellung der Dreieinigkeit

Triumphkreuz und Lettner[Bearbeiten]

Ein ursprünglich zu einer Triumphkreuzgruppe gehörender Kruzifix ist in der Vierung aufgehängt. Der aus Eichholz geschnitzte romanische Kruzifix ist aus drei Teilen zusammengesetzt; die beiden Arme sind seitlich in den Körper eingezapft. Auf dem um 1240 entstandenen Kruzifix wurden noch geringe Reste der mittelalterlichen Farbfassung nachgewiesen. Heute ist er auf ein Trägerkreuz aus Fichtenholz (1954/55) montiert. Der Kruzifix entstanden vermutlich um 1240 und bildete zusammen mit der dazugehörige Triumphkreuzgruppe (nicht erhalten) den krönenden Abschluss eines Bühnenlettners. Vergleichbare Lettner mit monumentalen Triumphkreuzgruppen finden sich u.a. im Dom zu Halberstadt und der Stiftskirche in Wechselburg. Von dem Lettern habe sich noch die beiden seitlichen Chorschranken erhalten. In den Nischen der nördlichen Schranke wurde um 1500 in Seccomalerei die 43 Vorgänger Bischof Thilos mit zugehöriger Umschrift abgebildet.

Taufstein im Merseburger Dom, um 1188

Taufsteine[Bearbeiten]

  • In der Vorhalle des Doms befindet sich seit 1831ein monolithischer Taufstein aus rotem Sandstein. Der Stein stammt ursprünglich aus der Neumarktkirche in Merseburg, die 1188 erstmals urkundlich erwähnt wird und nicht wesentlich älter sein kann. Aus dieser Zeit stammt auch der Taufstein. Das ikonographische Programm umfasst:
    • vier liegende Löwen, die die zylindrische Kufe tragen;
    • zwischen den Löwen hockende Allegorien der vier Paradiesflüsse;
    • 12 rundbogige Arkaden gliedern die Kufe. In diesen stehen die 12 Propheten, auf deren Schultern je ein Aposteln sitzt.
    • Zu den Füßen des Propheten Jeremia kniet eine Stifterfigur, Es handelt sich vermutlich um den Abt des Merseburger Benediktinerkloster St. Peter.
  • Im südlichen Querschiff vor dem Eingang zur Fürstengruft befindet sich ein weiterer Taufstein. Der kelchförmige Stein aus Sandstein wird auf 1665 datiert. Auf jeder Fläche der hexagonalen Kuppa befinden sich drei bis vier skulptierte Wappen, insgesamt 21,die die Würden des inn der Umschrift genannten Stifters Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg wiedergeben.

Gestühl[Bearbeiten]

Kanzel[Bearbeiten]

Altäre[Bearbeiten]

  • Tragaltar (1. Drittel 13. Jh.). - Niedersächsisch oder Mitteldeutsch. Rechteckiger Holzkorpus aus Eichenholz und sechseckiger Aussparung auf der Oberseite zur Aufnahme einer Reliquie. Die Seitenflächen sind mit Silberblech ummantelt, auf den Langseiten waren insgesamt je fünf, auf den Schmalseiten drei und auf den Ecksäulen je 1 Relieffeld erhalten:
    • auf der Vorderseite: in der Mitte die Kreuzigungsgruppe; daneben die Apostel Petrus und Paulus; darauffolgend links - Christi Geburt; darauffolgens rechts Mariae Verkündigung.
    • auf der linken Schmalseite: Enthauptung eines Heiligen; Paulus nach gleicher Vorlage wie auf der Vorderseite; nicht identifizierbarer Heiliger mit Spruchband.
    • auf der Rückseite: eine weitere Geburtsszene, die nicht mit der auf der Vorderseite identisch ist; daneben vermutlich Heilige, nur bruchstückhaft erhalten.
    • auf der linken Schmalseite sind keine Reliefs erhalten
    • auf den Ecksäulen: die vier Evangelisten, nur bruchstückhaft erhalten.
  • Kleines Flügelretabel mit Skulptur der Muttergottes (um 1500). - Merseburger Werkstatt ?
  • Allerheiligenretabel (um 1505). - Niederländisch.
  • Kleines Flügelretabel mit Darstellung des Hortus Conclusus (um 1530). - Mitteldeutsch.
  • Triptychon mit Madonna in der Engelsglorie (um 1530). - Mitteldeutsch.
  • Barocker Hochaltar (1668). - Unbekannter Künstler.


Bronzegrabplatte des Gegenkönigs Rudolfs von Rheinfelden mit den Reichskleinodien. Sie war einst vergoldet und mit Edelsteinen ausgelegt.
Kreuzgang des Merseburger Doms. Bestattungen des 17./18.Jh. im Kreuzgang und Kreuzganginnenhof.

Epitaphe und Grabmäler[Bearbeiten]

In der Kirche und im Kreuzgang befinden sich Epitaphe und Grabmäler von Bischöfen, Domherren und Adeligen, von denen zahlreiche künstlerisch herausragend sind.

  • Grabplatte des Bischofs Thietmar († 1018). Die schlichte Sandsteinplatte wird in das 13. Jh. datiert. Bereits 1883 ließen sich nur geringe Reste der Umschrift lesen. Sie ist in einer Umzeichnung überliefert.
  • Neben der Grabplatte von Thietmar markieren schlichte Platten, die Gräber der ersten Bischöfe von Merseburg. Ursprünglich noch in der Johannis-Stiftskirche beigesetzt wurden sie nach Errichtung des ersten Doms an diese Stelle umgebettet.
  • Das bedeutendste Kunstwerk ist die Grabplatte Rudolfs von Schwaben, der am 15. Oktober 1080 starb. Es gilt als ältestes Bildnisgrabmal des deutschen Mittelalters. Hervorzuheben ist hier besonders die technische Perfektion des Bronzegusses. Es befindet sich im Chor.
  • Grabplatte eines Ritters Hermann von Hagen (Hayn/Hahn) aus der Mitte des 13. Jh., dessen Erschaffung dem Naumburger Meister bzw. dessen Werkstatt zugerechnet wird.
  • Das Epitaph und die Tumba des Bischofs Thilo von Trotha († 1514) befinden sich im nördlichen Querhaus und sind aus Messing gefertigt. Die Deckplatte der Tumba wurde vermutlich noch von Hermann Vischer dem Älteren um 1470/80, also noch vor Thilos Tod angefertigt. Das Epitaph und die Seitenwände stammen aus der Vischer-Werkstatt und werden auf die Zeit um 1514 datiert.
  • Epitaph des Bischof Vincenz von Schleinitz († 1535).
  • Epitaph des Bischof Adolfs von Anhalt († 1526).
  • Grabmal und ehemalige Schranken der Grabkapelle des Bischof Sigismund von Lindenau († 1544).
  • Epitaph des Bischof Sigismund von Lindenau († 1544). Die 2,46 m hohe und 1,29 m breite gegossene Bronzeplatte ist graviert und ziseliert. Die Signatur HF mit Meisterzeichnen weisen sie als Arbeit des Nürnberger Bildhauer Hans Vischer aus. Das Epitaph befindet sich in der Vorhalle des Doms.
  • Im Kreuzgang und Kreuzhof befinden sich zahlreiche barocke Epitaphe von Domherren. Dazugehörige in Backstein ausgeführte Grüfte, die zum Teil im Inneren verputzt und farblich gefasst sind, sind durch Ausgrabungen belegt. Neben den Backsteingrüften konnten während der Ausgrabungen 2004 auch zahlreiche Erdbestattung in Holzsärgen nachgewiesen werden.[2]

Orgel[Bearbeiten]

Ladegast-Orgel hinter barockem Prospekt, um 1700

Der Dom enthält hinter einem barocken Prospekt von ca. 1700 eine der größten romantischen Orgeln in Deutschland, geschaffen in zwei Etappen 1855 und 1866 von dem Orgelbauer Friedrich Ladegast. Von 2003 bis 2006 wurde sie durch die Orgelbaufirmen Eule, Scheffler und Wegscheider umfassend restauriert. Auf dieser Orgel wurde 1856 Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H von Franz Liszt uraufgeführt. Sie hat folgende Disposition:[3]

I Rückpositiv C–g3
1. Bordun 16′
2. Principal 8′
3. Flautotraverso 8′
4. Fugara 8′
5. Bordun 16′
6. Quintatön 8′ A
7. Octave 4′ A
8. Gedeckt 4′
9. Octave 2′
10. Bordun 16′ A
11. Mixtur IV 11/3
12. Cornett II–IV
13. Oboe[Anm. 1] 8′
II Hauptwerk C–g3
14. (H) Bordun (ab c0) 32′
15. (V) Principal 16′
16. (H) Bordun 16′
17. (V) Principal 8′
18. (H) Hohlflöte 8′
19. (H) Doppelgedeckt 8′
20. (H) Gambe 8′
21. (H) Gemshorn 8′
22. (H) Quinte 51/3
23. (V) Octave 4′
24. (V) Gedeckt 4′ A
25. (V) Gemshorn 4′ A
26. (V) Doublette II 4′+2′
27. (V) Quinte 22/3 A
28. (V) Octave 2′ A
29. (V) Mixtur IV 2′ A
30. (V) Scharff IV 1′
31. (V) Cornett III–V 22/3
32. (H) Fagott[Anm. 1] 16′
33. (V) Trompete 8′
III Oberwerk C–g3
34. Quintatön 16′
35. Principal 8′
36. Rohrflöte 8′
37. Flaute amabile 8′
38. Gambe 8′
39. Gedeckt 8′
40. Octave 4′ A
41. Spitzflöte 4′ A
42. Rohrflöte 4′ A
43. Quinte 22/3 A
44. Waldflöte 2′ A
45. Terz 13/5 A
46. Sifflöte 1′ A
47. Mixtur IV A
48. Schalmey 4′ A
49. Octave 8′ A
IV Brustwerk C–g3 (schwellbar)
50. Lieblichgedackt 16′
51. Geigenprincipal 8′
52. Flauto dolce 8′
53. Salicional 8′
54. Unda maris 8′
55. Lieblichgedackt 8′
56. Octave 4′
57. Zartflöte 8′
58. Salicional 4′ A
59. Nassat 22/3 A
60. Cymbel III 2′ A
61. Progressivharmonika II–IV
62. Aeoline[Anm. 1] 16′
Pedal C–f1
63. (III.) Untersatz 32′
64. (I.) Principal 16′
65. (III.) Violonbaß 16′
66. (I.) Salicebaß 16′
67. (I.) Subbaß 16′
(Fortsetzung Pedal)
68. (II.) Großnassat 102/3
69. (I.) Principal 8′
70. (I.) Baßflöte 8′
71. (II.) Violoncello 8′
72. (II.) Terz 62/5 A
(Fortsetzung Pedal)
73. (II.) Rohrquinte 51/3 A
74. (I.) Octave 4′ A
75. (II.) Scharfflöte 4′ A
76. (II.) Flöte 4′
77. (II.) Mixtur IV[Anm. 2]
(Fortsetzung Pedal)
78. (II.) Cornett IV 22/3
79. (III.) Posaune 32′
  • Koppeln: I/II, III/II, IV/II, I/P, II/P, III/P.
  • Spielhilfen: 3 Ventile für die Laden des Pedals, Baß-Coppel, mit Registerzug oder zwei Tritten (an-ab) zu bedienen, schaltet die Ventile für die 2. und 3. Lade gemeinsam, Tritt und Zug für das Schwellwerk.
  • Anmerkungen
A = Alt, Übernahme vorhandener Register aus dem 17./18. Jahrhundert.
H/V = Hinter- bzw. Vorderlade für Sperrventile.
I./II./III. = Erste, zweite bzw. dritte Lade für Sperrventile.
  1. a b c Durchschlagend.
  2. 1866 Trompete 4′.

Glocken[Bearbeiten]

Die zehn Glocken des Domes sind auf die beiden Westtürme, den Mittelbau und den Turmhelm verteilt. Mit einer umfassenden Restaurierung bekam jede einzelne Glocke sowohl einen neuen Klöppel als auch ein neues Holzjoch. Das Geläut wurde nach der ursprünglichen Aufhängung verteilt und in die zum Teil gotischen und barocken Glockenstühle gehängt. Im Dezember 2001 erklang das Domgeläut zum ersten Mal nach der Sanierung.[4] Die Clinsa bekam nach der Schweißung einen neuen, handgeschmiedeten Klöppel, der dem historischen Vorbild nahekommt.

Nr. Name Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Glockenstube
1 Benedicta um 1280 unbekannt 1.568 ≈3.000 es1 0−5 Südwestturm
2 Clinsa um 1180 unbekannt 1.312 1.960 f1 00−7 Nordwestturm
3 Nona 1458 unbekannt,
vom gleichen Gießer
957 ≈600 b1 00−1 Mittelbau
4 Quarta 851 ≈450 c2 00−2
5 1479 unbekannt 825 ≈420 d2 00±0
6 Horaglöcklein 1538 unbekannt 460 59 b2 00−4
7 Bienenkorbglocke Anfang
12. Jh.
unbekannt 472 113 des3
8 Zuckerhutglocke Anfang
13. Jh.
unbekannt 416 58 d3
I Stundenglocke 1474 unbekannt 1.060 ≈500 ges1 +1 außen am Turmhelm
II Viertelglocke 1722 Peter Becker, Halle 608 ≈120  ?

Domstiftsbibliothek und -archiv[Bearbeiten]

Die Merseburger Domstiftsbibliothek kann am Ort ihres Entstehens auf eine kontinuirliche über 1000-jährige Geschichte zurückblicken.

Sie geht vermutlich bereits auf die Bibliothek des Kollegiatstifts St. Johannis (9. Jh.), spätestens aber auf die Gründung des Bistums Merseburg 968 zurück. Bereits der sächsische Chronist und Merseburger Bischof Thietmar (Amtszeit: 1009-1018) konnte einen umfangreichen von seinen Vorgängern zusammengetragenen Bücherbestand nutzen. Dieser Bestand wurde neben kaiserlichen Geschenken und Anstrengung der Bischöfe vor allem durch Stiftungen einzelner Domherren bis heute erweitert.

Seit dem 17 Jh. bis zum Zweiten Weltkrieg war sie im Kapitelhaus untergebracht. Luftangriffe auf den Dom-/Schlosskomplex und Wassereinwirkungen führten zu Schäden am Bestand. Nach vorübergehender Unterbringung im Haus des Stiftsprokurators (Domstraße 12) wurde sie 1993 in die Südklausur des Doms überführt. Seit 2006 befindet sie sich wieder im Kapitelhaus des Doms.[5]

Der Bestand[Bearbeiten]

Heute umfasst der Fundus über 10.000 Titel, davon beinhaltet der historische Bestand ca. 2.500 Titel, darunter 200 Inkunabeln. Über historische Inventare und Kataloge lässtt sich die Entwicklung des Bestandes seit Mitte des 16. Jhs. rekonstruieren. Ein um 1935 von Walther Holtzmann erstelltes Verzeichnis der Handschriften der Domstiftsbibliothek ist digital zugänglich [6] Neben Büchern finden sich im Bestand zahlreiche Urkunden, z.T. mittelalterliche Urkunden, sowie Aufschwörtafeln von Domherren.

In der Merseburger Domstiftsbibliothek werden drei bedeutende althochdeutsche Textzeugnisse aus dem 9.-11. Jh. aufbewahrt, alle waren in einer mittelalterlichen Sammelhandschrift aus den Überresten von sechs ursprünglich selbständigen Codices (Cod. 136) eingebunden.[7]

  • Die Merseburger Zaubersprüche (Cod. 136, fol. 85r) wurden von Georg Waitz 1841 in einer theologischen Sammelhandschrift des 9./10. Jhs. entdeckt und von Jakob Grimm 1842 zum ersten Mal gewürdigt. Die in Althochdeutsch abgefassten Sprüche handeln von der Befreiung von Gefangenen (Spruch 1) und der Heilung eines verrenkten Pferdefußes (Spruch 2).[8] Bischoff datiert sie in das erste/zweite Drittel des 10 Jh.s. [9]
  • Das Fränkisches Taufgelöbnis (Cod. 136, fol. 16r) ist in einer Handschrift des 9. Jh.s überliefert und in einer angelsächsischen Minuskel abgefaßt. Es ist als ein Frage-Antwort-Formular für Priester und Täufling gestaltet.[10]
  • Das Merseburger Gebetbuchstück (Cod. 136, fol. 53r) ist ein Prosagebetsfragment aus der Mitte des 9. Jh.s. Es handelt sich um ein Stück aus dem Gebet, das der Priester während der Messe nach der Elevation des Kelchs spricht. Der lateinische Text und die deutsche Entsprechung sind nebeneinander gesetzt.[11]

Das Merseburger Nekrolog (Nekrolog des Domkapitels von Merseburg – lat. Necrologium Merseburgensis cathedralis capituli) wurde zwischen 1016 und 1100 unter der Verwendung älterer Vorlagen angelegt. Er listet Personen vom 8. bis zum 11. Jh. auf und zählt zu den bedeutenden prosopographischen Quellen des Früh- und Hochmittelalters.[12]

Eine der vier überlieferten Handschriften der Merseburger Bischofschronik (Cronica episcoporum ecclesie Merseburgensis) befindet sich in der Domstiftsbibliothek. Das Merseburger Exemplar beinhaltet die Chronik von 968 bis 1136 mit einer Fortsetzung bis ins Jahr 1514. [13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Ramm: Der Dom zu Merseburg, Bd 464. 3., aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-02140-2
  • Peter Ramm: Dom und Schloss zu Merseburg, Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-02155-6
  • Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Architektur – Skulptur – Malerei, Köln 1996, S. 313
  • Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz (Hrsg.): Der Merseburger Dom und seine Schätze. Zeugnisse einer tausendjährigen Geschichte. Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-408-0.
  • Zwischen Kathedrale und Welt. 1000 Jahre Domkapitel Merseburg - Ausstellungskatalog. - Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz Bd. 2, hg. von Karin Heise, Holger Kunde, Helge Wittman. Petersberg 2004. ISBN 3-937251-38-3
  • Zwischen Kathedrale und Welt. 1000 Jahre Domkapitel Merseburg - Aufsätze. (Wissenschaftlicher Begleitband zur Ausstellung) - Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz Bd. 2, hg. von Holger Kunde, Andreas Ranft, Helge Wittmann, Arno Sames. Petersberg 2005. ISBN 3-937251-51-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Merseburger Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thietmar von Merseburg, Chronik, (Hg.) R. HOLTZMANN (MGH SS rer. Germ. N. S. 9), Berlin 1935, II, C. 10, S. 48: Postera die, id est in festivitate Christi martyris Laurentii, rex, solum Se pre caeteris culpabilem Deo professus atque prostratus, hoc fecit lacrimis votum profusis: Si Christus dignaretur sibi eo die tanti intercessione preconis dare victoriam Et vitam, ut in civitate Merseburgiensi episcopatum in honore victoris ignium construere domumque suimet magnam noviter inceptam sibi ad ecclesiam vellet edificare.
  2. - Susanne Geck, Excavations at Merseburg Chapter House, 2004/2005. - Preliminary Report. - Aufgerufen 16. März 2013.
  3. http://www.inw.hsmerseburg.de/~buchanan/orgel/merorgel.htm
  4. Constanze Treuber u. a.: Gegossene Vielfalt. Glocken in Sachsen-Anhalt. Hinstorff, Rostock 2007, S. 105–114. ISBN 978-3-356-01180-7.
  5. Roswitha Nagel 1998, Domstiftsbibliothek (Merseburg), in: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa (Fabian Handbuch). Abgerufen am 14. März 2014.
  6. Walther Holtzmann, Verzeichnis der Handschriften in der Domstiftsbibliothek Merseburg. Handschrift C 5 der Bibliothek der Monumenta Germaniae Historica. Digitale Edition, bearb. Von Arno Mentzel-Reuters, München (MGH) 2000.
  7. : Merseburg, Bibliothek des Domkapitels, 136 (58)
  8. Merseburger Zaubersprüche. Abgerufen am 14. März 2014.
  9. Merseburger Zaubersprüche – Faksimile. Abgerufen am 14. März 2014.
  10. Eduard Sievers; Theodor Balthasar Nacke, Das Hildebrandslied, die Merseburger Zaubersprüche und das Fränkische Taufgelöbnis, mit photographischem Facsimile nach den Handschriften. Halle 1872. Abgerufen am 14. März 2014.
  11. Mathias Henkel, Das Merseburger Gebetsbruchstück im literatur- und liturgiegeschichtlichen Kontext des deutschen Frühmittelalters, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 130 (2011), S. 359-387. Online: http://www.zfdphdigital.de/ZfdPh.03.2011.359.
  12. G. Althoff, J. Wollasch, Die Totenbücher von Merseburg, Magdeburg und Lüneburg, MGH Libri Mem. N.S., 2, 1983. Abgerufen am 14. März 2014.
  13. Chronica episcoporum ecclesiae Merseburgensis, ed. von E. Wilmans, MGH SS., 10, 1852, S. 157-212. Abgerufen am 14. März 2014.

51.35861111111112.000833333333Koordinaten: 51° 21′ 31″ N, 12° 0′ 3″ O