Meschrabpom
Meschrabpom (Akronym für russisch Международная рабочая помощь (Межрабпом), Internationale Arbeiterhilfe) war eine sowjetische Filmgesellschaft.
Sie wurde am 8. März 1923 durch den Zusammenschluss des Studio Rus und der 1922 eröffneten Filmabteilung der Internationalen Arbeiterhilfe als Meschrabpom-Rus (Межрабпом-Русь) gegründet.[1] Trotz staatlicher Kontrolle durch Sowkino konnte sie sich eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Bei ihr entstanden zirka 600 Filme.[2] Die private Aktiengesellschaft Studio Rus hatte sich von dem Zusammenschluss mit der IAH eine ideologische Absicherung ihrer Produktion erhofft, war jedoch in der Sowjetunion bis zu ihrer Auflösung 1936 beständig als „bürgerlich“ und „unproletarisch“ attackiert worden – während Meschrabpom-Rus im Ausland als Beispiel proletarischen Filmschaffens gepriesen wurde.[1]
Meschrabpom-Rus produzierte unter anderem Filme von Jakow Protasanow (Aelita, 1924), Wsewolod Pudowkin (Das Ende von Sankt Petersburg, 1927) und Boris Barnet (Das Mädchen mit der Hutschachtel, 1927).
Von 1928 bis 1936 agierte die Gesellschaft unter dem Namen Meschrabpom-Film (Межрабпом-фильм) und war 1928/29 gemeinsam mit der Prometheus Film an zwei deutsch-sowjetischen Gemeinschaftsproduktionen beteiligt. 1934 wurde das Studio in „Rot Front“ umbenannt, deutsche Emigranten auf der Flucht vor den Nazis sollten hier tätig werden und den Film Kämpfer über den Reichstagsbrand drehen. Aber etliche der deutschen Mitwirkenden wurden noch während der Dreharbeit verhaftet und fielen dem Stalinschen Terror zum Opfer.[1] Nachdem 1935 beschlossen war, die IAH aufzulösen, ging ihre Film-Sparte in Moskau an das staatliche Filmmonopol,[3] 1936 wurde das Studio geschlossen.[1]
Danach wurde sie zur Sojusdetfilm (Союздетфильм) – hauptsächlich eine Produktionsstätte für Kinderfilme. Ab 1948 firmierte sie unter dem Namen Gorki Filmstudios.
[Bearbeiten] Literatur
- Günter Agde: Zwischen Hoffnung und Illusion. Filmarbeit deutscher Emigranten in Moskau und die Produktionsfirma Meshrabpom-Film. In: Claus-Dieter Krohn, Erwin Rotermund, Lutz Winckler und Wulf Koepke (Hrsg.): Exilforschung. Ein Internationales Jahrbuch. Band 21. Film und Fotografie. edition text + kritik, München 2003. S. 62–84.
- Günter Agde, Alexander Schwarz (Hrsg.): Die rote Traumfabrik: Meschrabpom-Film und Prometheus (1921–1936). Bertz + Fischer, Berlin 2012.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c d Oksana Bulgakowa: Proletarier aller Länder, amüsiert Euch! In: taz vom 9. Februar 2012.
- ↑ Barbara Wurm: Von Robotern, zerrissenen Stiefeln und Mary Pickford, Frankfurter Rundschau, 9. Februar 2012, S. 30
- ↑ Sean McMeekin: The red millionaire, New Haven/London 2003, S. 278
[Bearbeiten] Weblinks
- Meschrabpom-Rus in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Meschrabpom-Film in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Deutsch-russische Kinogeschichte; Die Revolution zeigt ihre Filme - FAZ vom 15.02.2012