Meschyhirja

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Hauptgebäude (2014)

Meschyhirja (ukrainisch Межигірʼя; russisch Межигорье/Meschigorje) war die private Residenz des bis zum 22. Februar 2014 amtierenden Präsidenten der Ukraine, Wiktor Janukowytsch.

Das Anwesen liegt in Nowi Petriwzi nördlich der Hauptstadt Kiew am Ufer des Stausees Kiewer Meer. Auf dem Gelände stand vormals das Kloster Meschyhirja, das 1918 geschlossen und 1935 nach einem Beschluss des Politbüros bis 1936 abgerissen wurde.[1][2]

Das gesamte Grundstück ist etwa 137 Hektar groß, zu Zeiten der Sowjetunion befand es sich im Besitz der KP der Ukraine, später diente es als Gästehaus des ukrainischen Staates. Janukowytsch bewohnte das Haus erstmals während seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident 2002 und mietete es später zu einem auffallend niedrigen Preis.[3] Medienberichten zufolge habe sich Janukowytsch später die staatliche Immobilie auf undurchsichtige Art und Weise angeeignet und anschließend, weitgehend auf Kosten des Staates, in eine luxuriöse Residenz umgebaut. Den Erwerb der Immobilie habe er hinter Strohfirmen im Ausland verschleiert.[4]

Das Anwesen umfasst einen Yachtkai, eine Schießanlage, einen Zoo, eine Reitanlage und weitere Komplexe sowie ein privates Jagdgebiet.[5] Meschyhirja ist umgeben von einer bis zu fünf Meter hohen Mauer und gehört zu einem Flugsperrgebiet.[6] Die Residenz wurde von der Spezialeinheit Berkut bewacht sowie durch Fliegerabwehrsysteme geschützt.[7][8] Nachdem Janukowytsch sich in der Nacht zum 22. Februar 2014 nach Charkiw abgesetzt hatte, wurde die Residenz von Protestierenden des Euromaidan besetzt und zum „Volksmuseum der Korruption“ erklärt, auch um Vandalismus zu verhindern.[9] Im Teich vor seiner Residenz wurden eilig entsorgte Dokumente gefunden. Einige hundert davon konnten aus dem Wasser gefischt werden und sind jetzt auf einer extra eingerichteten Website namens Yanukovychleaks[10] zu sehen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Meschyhirja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Российские универсальные энциклопедии Брокгауз-Ефрон и Большая Советская Энциклопедия объединенный словник (russisch) In: Brockhaus and Efron Encyclopedic Dictionary. 14. August 2006. Abgerufen am 22. Februar 2014.
  2. Києво-Межигірський монастир (не зберігся) (ХІІ - ХІХ ст.) (ukrainisch) In: OKO. 30. September 2005. Abgerufen am 22. Februar 2014.
  3. Ukrayinska Pravda exposes president’s Mezhygirya deal. Kyiv Post vom 6. Mai 2010
  4. Alle Macht der „Familie“ – der von Präsident Janukowitsch!, Die Presse vom 15. April 2013
  5. Ukraine elections marked by curses, threats and brutality, theguardian.com (26. Oktober 2012)
  6. Над Межигір’ям заборонено літати. In: Тиждень.ua. 16. November 2011, abgerufen am 27. Februar 2013 (russisch).
  7. Впервые за годы независимости на маяке под Вышгородом появились военные: «Виктора Федоровича охраняют. Знаете такого?». ВИДЕО. In: Цензор.НЕТ. 5. Dezember 2012, abgerufen am 23. Januar 2013 (russisch).
  8. Януковича в Межигорье защищают боевые группы ПВО. ФОТОрепортаж. In: Цензор.НЕТ. 6. Dezember 2012, abgerufen am 23. Januar 2013 (russisch).
  9. Eurasisches Magazin, 22. Februar 2014, zuletzt abgerufen am 22. Februar 2014
  10. Yanukovychleaks. Abgerufen am 26. Februar 2014.

50.61530.474444444444Koordinaten: 50° 36′ 54″ N, 30° 28′ 28″ O