Messerschmitt-Bölkow-Blohm

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Messerschmitt-Bölkow-Blohm
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Rechtsform GmbH
Gründung 1969
Auflösung 1982 Fusion mit ERNO zu MBB-ERNO
Sitz Ottobrunn, Deutschland
Branche Luft- und Raumfahrttechnik

Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) gehörte zu den größten deutschen Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungskonzernen. Zu seinen bekanntesten Produkten zählen die Hubschraubertypen BO 105 und BK 117.

Geschichte[Bearbeiten]

Messerschmitt-Bölkow-Blohm entstand durch die Übernahme der Bölkow GmbH (einschließlich der seit 1958 als Siebelwerke/ATG GmbH (SIAT) firmierenden Unternehmen Waggon- und Maschinenbau GmbH Donauwörth und Siebel Flugzeugwerke) durch die Messerschmitt AG (1968) und die anschließende Fusion mit der Hamburger Flugzeugbau GmbH (1969), einer Tochter von Blohm + Voss. Die Familien Walther Blohm (Sohn von Hermann Blohm), Willy Messerschmitt und Ludwig Bölkow waren anfangs mit mehr als 51 % des Kapitals[1], später mit sinkendem Anteil an MBB beteiligt. Der Rest verteilte sich auf mehrere Beteiligungsgesellschaften, über die das Land Bayern mittelbar mit 17,05 %, unmittelbar mit 7,02 %, das Land Hamburg mittelbar mit 22,07 % beteiligt war. Die übrigen Teilhaber waren die Thyssen AG mittelbar mit 7,16 %, die Siemens AG mittelbar mit 7,16 %, die Allianz Versicherungs-AG mittelbar mit 7,13 % und die Robert Bosch GmbH mittelbar mit 7,13 % und die Fried. Krupp GmbH mittelbar mit 6,15 %.[2]

Im Jahr 1971 umfasste die 20.000 Mitarbeiter zählende MBB die Firmen (Holdings) zu 100 Prozent: EWR GmbH, Messerschmitt-Bölkow, HFB, SIAT, Messerschmitt-Werke und Junkers sowie Anteile an Bölkow Apparatebau 96 %, Deutsche Airbus 65 % und Panavia etwa 42 %.

Die Gesellschafter waren die Unternehmen Blohm mit 24,85 %, Messerschmitt 21,30 %, Bölkow 13,42 %, Freistaat Bayern 5,90 %, Boeing 8,90 %, Aérospatiale 8,90 %, Siemens 8,35 % und Thyssen 8,35 %.

1980: Entwicklung der ersten Windkraftanlage Monopteros, einem Einflügler. Im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie entwickelte die MBB die Windenergieanlage Monopteros. Der Begriff Monopteros setzt sich aus den griechischen Bestandteilen mónos (eins) und pterón (Flügel) zusammen. Insbesondere bei der Entwicklung des Rotorblatts der Anlage konnte MBB von der großen Expertise auf dem Gebiet der Hubschrauberbau profitieren. Dadurch war es möglich, eine der leistungsstärksten Windkraftanlagen der damaligen Zeit zu konzipieren: Die Anlage erreichte bei Windstärke 5 (Windgeschwindigkeit 8-11m/s) eine Auslegeleistung von 370 Kilowatt, die in das Bremerhavener Stromversorgungsnetz eingespeist wurde.

1981 übernahm MBB das Unternehmen Vereinigte Flugtechnische Werke, ein Nachfolger der Unternehmen Focke-Wulf, Focke-Achgelis (Gründer sind Gerd Achgelis und Henrich Focke) und Weser-Flugzeugbau, um ein Jahr später mit dem von VFW ausgegliederten Raumfahrtkonzern ERNO zu MBB-ERNO zu fusionieren. 1982 erwirtschaftete MBB einen Umsatz von 5,68 Milliarden DM (2,90 Milliarden Euro) und einen Jahresüberschuss von 60,1 Millionen DM. Im August 1984 bestätigte MBB zwei Transporthubschrauber für Regierungsmitglieder während des Ersten Golfkriegs in den Irak geliefert zu haben. 24 von der Construcciones Aeronáuticas S.A. (CASA) in Spanien in Lizenz gebaute Hubschrauber, ausgerüstet mit Oerlikon-Maschinenkanonen, wurden ebenfalls in den Irak geliefert.

1983: Gründung der Ludwig Bölkow-Stiftung zur Förderung nachhaltiger Technologien Ludwig Bölkow gründete nach seinem Ausscheiden aus dem MBB-Vorstand 1983 die Ludwig-Bölkow-Stiftung mit Sitz in Ottobrunn. Ziel der Stiftung ist seitdem die Förderung nachhaltiger Energie- und Wirtschaftsstrukturen in allen gesellschaftlichen Bereichen, mit besonderem Fokus auf Energie, Landwirtschaft und Mobilität.

1985-1986: Gründung des Unternehmensbereichs Energie- und Industrietechnik Mit der Gründung des Unternehmensbereichs Energie- und Industrietechnik, innerhalb des MBB Konzerns, wurden systematisch neue vielversprechende Technologien, wie effiziente Energie- und Automatisierungs-Technik in den Fokus der Geschäftstätigkeit gerückt.[3]

Am 20. September 1984 wird der MBB-Abteilungsleiter Manfred Rotsch, der auch mit der Entwicklung des Mehrzweck-Kampfflugzeugs Panavia Tornado befasst war, wegen Spionagetätigkeit für den sowjetischen Nachrichtendienst KGB verhaftet.[4] 1985 beteiligte sich die Bayerische Vereinsbank AG und die Dresdner Bank AG mit 5 Prozent an MBB. 1989 übernahm die Daimler-Benz-Tochter DASA MBB-ERNO. Die DASA und damit auch Messerschmitt-Bölkow-Blohm gehören seit dem Jahr 2000 zum europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Die Beteiligungen der Bundesländer Hamburg und Bayern an MBB sind angesichts der Kontroverse über die Beteiligung der Öffentlichen Hand an dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS von Bedeutung. MBB, wie auch die DASA, waren jeweils die größten Rüstungsexporteure Deutschlands.

Produkte bzw. Produktionsbeteiligungen[Bearbeiten]

Abspaltungen und Tochterunternehmen[Bearbeiten]

MBB Umwelttechnik[Bearbeiten]

Gegründet wurde die Tochtergesellschaft 1996 zur Bündelung der Ressourcen des Konzerns in dem Bereich Umwelttechnologien. Projekte des Unternehmens waren unter anderem Abwasserreinigungsanlagen, Biogasanlagen, und Solarparks. Die MBB baute bereits in den 1980er Jahren Photovoltaikmodule auf Basis von amorphem Silizium.

MBB-Liftsystems AG und MBB-Sondertechnik[Bearbeiten]

1933 wurde Henrich Focke aus der von ihm mitgegründeten Focke-Wulf-Albatros AG verdrängt. Er gründete 1937 die Focke, Achgelis und Co. GmbH in Ganderkesee (Hoykenkamp), die sich erst mit der Entwicklung, später auch mit der Fertigung von Hubschraubern (zum Beispiel Focke-Wulf Fw 61 und Focke-Achgelis Fa 61) verschrieb. Nach dem Krieg wurden an diesem Standort Wohnwagen und Förder- und Hebesysteme hergestellt. 1944 übernahm die Weser Flugzeugbau GmbH Focke-Achgelis. 1961 verschmolz die „Weserflug“ schließlich mit Focke-Wulf zu den Vereinigten Flugtechnischen Werken (VFW).

Durch die Fusion von MBB mit VFW in den 80er Jahren entstanden an diesem Standort im Kern die beiden Unternehmen MBB-Liftsystems AG und die MBB-Sondertechnik.

Die MBB-Liftsystems AG wurde vom Salzburger Kranhersteller Palfinger AG übernommen und produziert in erster Linie Hebesysteme für Lastwagen und Kleintransporter.

Die MBB-Sondertechnik (jetzt FHS Förder- und Hebesysteme GmbH) entwickelt innovative Sondertechniken. Im zivilen Bereich wurde in den 80er und 90er Jahren Windkraftanlagen entwickelt und produziert (zum Beispiel Monopteros, die mit nur einem Rotorblatt auskam). Im militärischen Bereich werden für die Luftwaffe, die Marine und das Heer innovative Sondertechniken (insbesondere in der Hebetechnik) entwickelt.

Mitte der 90er wurde von der DASA, bzw. von deren Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp das Programm „Dolores“ (Dollar Low Rescue) eingeführt – Daimler wollte sich wieder mehr auf das Kerngeschäft konzentrieren. Es wurden über 16.000 Mitarbeiter bei der DASA entlassen; unter anderem wurde die Entwicklung von Windenergieanlagen und die Produktion bei MBB eingestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weitere Unternehmen mit MBB-Wurzeln[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Commerzbank AG: "Wer gehört zu wem", Hamburg 1977, 12. Auflage
  2. Commerzbank AG: "Wer gehört zu wem", Hamburg 1985, 15. Auflage
  3. Messerschmitt-Bölkow-Blohm: Eine Unternehmensbiographie: Firmengeschichte der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH 1956-1986. Ottobrunn 1987.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format"SOVIET ACQUISTION OF MILITARILY SIGNIFICANT WESTERN TECHNOLOGY: AN UPDATE". Central Intelligence Agency, 18. September 1985, abgerufen am 26. April 2010.
  5. MBB Group AG

Weblinks[Bearbeiten]