Messerschmitt Me 208

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Messerschmitt Me 208
Nord 1101 Noralpha Coventry 12.08.00R.jpg
Nord 1101: Me 208 mit Renault-Flugmotor
Typ: Leichtflugzeug
Entwurfsland: Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Hersteller:
Erstflug: 1944
Indienststellung: nie
Produktionszeit: 1944 (Me 208)
Stückzahl: 2 Prototypen

Die Messerschmitt Me 208 ist ein viersitziges einmotoriges Reiseflugzeug der Messerschmitt AG, das als freitragender Ganzmetall-Kabinentiefdecker ausgelegt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwickelt wurde das Flugzeug in Frankreich bei der Société Nationale de Constructions Aéronautiques du Nord (SNCAN), welche die Messerschmitt Bf 108 seit der Besetzung Frankreichs durch Deutschland fertigte. Die Flugzeugzelle und die Tragflächen sind denen der Bf 108 sehr ähnlich, man kann insgesamt von einer modernisierten und stark modifizierten Bf 108 sprechen.

SNCAN stellte in den Jahren 1943/44 wenigstens zwei Prototypen der Messerschmitt Me 208 fertig, die die Stammkennzeichen „GK+RZ“ und „KR+BZ“ trugen. Bei dem gelegentlich erwähnten dritten Vorserienexemplar handelt es sich vermutlich um eine noch in Augsburg produzierte und zunächst noch mit Spornradfahrwerk versehene Experimentalmaschine, die noch überwiegend auf Me-108-Bauteilen basierte.

Das mit dem Kennzeichen „KR+BZ“ versehene Exemplar mit Argus As 10, das zum Zeitpunkt der Befreiung Frankreichs noch bei SNCAN existierte, erhielt die Bezeichnung Nord 1100 Noralpha. Die zweite – mit einem Renault 6Q 10 ausgestattete – Maschine wurde als Nord 1101 weiterproduziert. Die Version mit dem Renault-6Q-11-Motor erhielt die Bezeichnung Nord 1102. Die beiden Motoren unterschieden sich voneinander durch ihre Drehrichtung. Bei den französischen Streitkräften wurden die Flugzeugmuster entsprechend als Ramier I und Ramier II bezeichnet. Ab 1946 produzierte Nord insgesamt 200 Maschinen dieser beiden Muster. Sie waren bei den Luftstreitkräften und der Armée l'Aeronavale bis 1963 im Einsatz.

Die Me 208 stellt die letzte und damit höchste fertiggestellte Entwicklungsstufe der propellergetriebenen Taifun-Baureihe dar. Ein zweistrahliges, sechssitziges Geschäfts- und Reiseflugzeug unter der Bezeichnung Messerschmitt Me 308 „Jet-Taifun“ wurde 1962 als Modell auf dem Pariser Aero-Salon gezeigt, kam jedoch nicht über das Projektstadium hinaus.

Verbleib[Bearbeiten]

Viele der Maschinen sind erhalten und überwiegend in Museen ausgestellt; in Deutschland befinden sich Exponate im Technikmuseum Berlin und im Museum für Luftfahrt und Technik Wernigerode. Weltweit existiert heute noch etwa ein Dutzend Flugzeuge dieses Typs in lufttüchtigem Zustand, welche als Liebhaberstücke geflogen werden. Die einzige flugbereite Me 208 in Deutschland hat die Werknummer 113 und ist am Flugplatz Lübeck-Blankensee hangariert.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die hauptsächlichen Unterschiede zur Bf 108 sind:

  • Bugrad- statt Spornradfahrwerk (Verbesserung der Sicht bei Start und Landung, besseres Rollverhalten am Boden)
  • Hauptfahrwerk an den Tragflächenholmen angeschlagen und in die Zelle einfahrend (breitere Spur)
  • Kabinentüren und Verglasung

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Triebwerk: Argus As 10 C
  • Spannweite: 11,5 m
  • Länge: 8,85 m
  • Höhe: 3,35 m
  • Flügelfläche: 17,4 m²
  • Leergewicht: 945 kg
  • max. Startgewicht: 1580 kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 305 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 5900 m
  • Reichweite: 1200 km
  • Nord 1101 Noralpha mit Renault 6Q10, 240 PS

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz J. Nowarra: Die Deutsche Luftrüstung 1933–1945. Bernard & Graeffe Verlag, Koblenz 1993, ISBN 3-7637-5464-4.

Weblinks[Bearbeiten]