Messerschmitt Me 328

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Messerschmitt Me 328
Seitenriss der Me 328
Typ: Mehrzweckkampfflugzeug
Entwurfsland: Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Hersteller: Messerschmitt AG
Erstflug: 3. August 1942
Stückzahl: > 2

Die Messerschmitt Me 328 war ein von der Messerschmitt AG und der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) konzipiertes einsitziges Mehrzweckkampfflugzeug mit zwei Verpuffungsstrahltriebwerken, das gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in großen Stückzahlen hergestellt werden sollte.

Geschichte[Bearbeiten]

Universal-Kampfflugzeug[Bearbeiten]

Das Entwicklungsbüro von Messerschmitt konzipierte ab Anfang 1941 unter der Projekt-Nummer P1079 eine ganze Reihe von Vorentwürfen für ein schnelles einsitziges, zweimotoriges leichtes Kampfflugzeug, das als Jäger, Bordjäger und Aufklärer verwendet werden sollte. Als Triebwerk war das damals noch in Entwicklung befindliche Schmidt-Argus-Schubrohr (As 014) vorgesehen, wobei vor allem der Preisvorteil von 2000 Reichsmark gegenüber dem 43.000 Reichsmark kostenden, z. B. bei der Me 109 eingesetzten DB 601 eine Rolle spielte. Messerschmitt sah hier die Möglichkeit ein Universalflugzeug in großen Stückzahlen herstellen zu können.

Nach einem Vorentwicklungsauftrag des RLM begannen im September 1941 die Konstruktions- und Werkstattarbeiten. Wegen der Überlastung von Messerschmitt wurden diese Arbeiten Anfang 1942 an die DFS in Ainring abgegeben. Die DFS übernahm den bereits fertigen Stahlblech-Rumpf und baute hierzu die Holzflügel und das Leitwerk. Am 3. August 1942 erfolgte in Ainring der Erstflug als Gleiter, der im Schleppstart von einer Heinkel He 111 gezogen wurde. Die weitere Flugerprobung, zusammen mit der zweiten gebauten Maschine, wurde auf den Flugplatz Hörsching bei Linz verlegt, wo auch zwei As-014-Schubrohre in unterschiedlichen Konfigurationen (unter den Tragflächen, an beiden Rumpfseiten) angebaut wurden.

Das Flugzeug, in der 1942 noch weiterhin in der Planungsphase befindlichen Auslegung als Bordjäger, erhielt die Bezeichnung Me 328 A, und das Universal-Schnellkampfflugzeug wurde zur Me 328 B. Im Dezember 1942 arbeitete Messerschmitt ein Programm zur Produktion von 300 Me 328 B Schnellbombern aus. Es sollten 20 Versuchs- und 280 Vorserienflugzeuge bei der Firma Jacobs-Schweyer-Flugzeugbau (JSF) in Darmstadt gebaut werden. JSF wies bereits eine große Erfahrung im Bau von Segelflugzeugen auf. Als Auslieferungsbeginn war der Juni 1943 vorgesehen.

Probleme mit dem Triebwerk - die Hitze und der pulsierende Schalldruck verursachten Zerstörungen am hinteren Rumpfteil - führten dazu, dass sich die Flugerprobung noch weit in das Jahr 1943 hinzog. Bei Einstellung des Programms am 3. September liefen immer noch die Serienvorbereitungen und der Bau der Versuchsmuster. Eine zum gleichen Zeitpunkt noch geplante Variante (Me 328 C) mit einem unter dem Rumpf angebauten Jumo 004-Strahltriebwerk, blieb lediglich ein Projekt.

Projekt für den Selbstopferungseinsatz[Bearbeiten]

Nachdem bereits Anfang 1944 damit gerechnet wurde, dass die Alliierten eine Invasion auf dem Festland versuchen werden, setzte sich eine kleine Gruppe von Luftwaffenpiloten für eine „Totaleinsatzwaffe“, eine bemannte Gleitbombe als Verlustgerät, ein. Hierbei sollte der Pilot das Flugzeug bis kurz vor dem Aufschlag auf ein Landeschiff ins Ziel lenken und dann im letzten Augenblick mit dem Fallschirm abspringen. Dazu wurde eine Gruppe von 70 jungen Freiwilligen gegründet. Deren Führung entschied, die Me 328 B in die engere Wahl für ihren Einsatz zu ziehen. Anstelle einer Bombe unter dem Rumpf sollte ein Lufttorpedokopf von 500 kg im Bug eingebaut werden.

Im Juni 1944 wurde beschlossen, dass die Firma JSF die im Bau befindlichen V-3 bis V-10 mit den vorgesehenen Änderungen als Segler-Schulmaschinen fertigbauen und gleichzeitig die Gothaer Waggonfabrik (GWF) auf den Serienbau (ab V-11) vorbereiten sollte. Die Einsatzmaschinen sollten ebenfalls als Segler mit einer Sprengstoffladung von Schleppmaschinen in Zielnähe gebracht werden. Während der Umstellung auf die neue Aufgabe fiel beim RLM die Entscheidung für den vorgesehenen Zweck statt der modifizierten Me 328 B eine bemannte Version der Flugbombe Fieseler Fi 103, das den Tarnnamen Reichenberg-Gerät trug, einzusetzen. Das dem Kampfgeschwader 200 angegliederte Selbstopfer-Kommando wurde jedoch im Februar 1945 wegen Treibstoffmangels aufgelöst, so dass keinerlei derartige Einsätze erfolgten.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Me 328 war ein freitragender Mitteldecker mit zweiteiligem einholmigem Flügel in Holzbauweise, mit einem Holm aus Stahlrohren, Vorflügel und abnehmbarem Randbogen. Landeklappen waren zwischen Querruder und Rumpf angebracht. Der Rumpf war ein Leichtmetallschalenrumpf mit kreisrundem Querschnitt. Die Steuerung erfolgte über ein freitragendes Normalleitwerk in Holzbauweise, für das Teile des Holzleitwerks der Messerschmitt Bf 109 verwendet wurden. Das Fahrwerk war eine durch ein Federbein abgefederte Zentralkufe für die Landung. Gestartet wurde auf einem abwerfbaren Zweiradfahrgestell. Die Besatzung bestand aus einem Piloten in geschlossener Kabine.

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Länge: 7,17 m
  • Spannweite: 6,90 m
  • Höhe: 1,60 m
  • Antrieb: 2 × Argus As 014 zu je 360 kp Schub
  • Höchstgeschwindigkeit: 805 km/h
  • Reichweite: 485 km

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans J. Ebert, Johann B. Kaiser, Klaus Peters: Willy Messerschmitt - Pionier der Luftfahrt und des Leichtbaus, Die deutsche Luftfahrt Bd. 17, ISBN 978-3-7637-6129-6, S. 291 - 296
  • Horst Lommel: Vom Höhenaufklärer bis zum Raumgleiter 1935 – 1945, Geheimprojekte der DFS, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3613020726
  •  Peter Ocker: Hans Jacobs - Pionierleben im Flugzeugbau. Eigenverlag, Heidenheim 2012, ISBN 978-3-00-039539-0.

Weblinks[Bearbeiten]