Messner Mountain Museum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wegweiser zum MMM Dolomites

Das Messner Mountain Museum (kurz MMM) ist ein Museumsprojekt von Reinhold Messner in den italienischen Provinzen Südtirol und Belluno. Fünf verschiedene Standorte bilden dabei ein Bergmuseum.

Aufgebaut ist das Projekt aus dem Zentrum MMM Firmian und den Satelliten MMM Juval, MMM Dolomites, MMM Ortles und MMM Ripa. Von der zentralen Struktur ausgehend sind die Strecken zwischen Zentrum und Satelliten untereinander vernetzt und die Eindrücke am Weg zusätzlich Teil des Museums. Bis auf die jährlichen Eröffnungsfeiern in den einzelnen Objekten finden alle weiteren Veranstaltungen zentral in Firmian statt.[1]

Schloss Sigmundskron

Projekte[Bearbeiten]

Firmian[Bearbeiten]

Buddha-Abbildung im MMM Firmian

In der spätmittelalterlichen Anlage des Schloss Sigmundskron bei Bozen (Standort: 46.48059811.30484) ist der Hauptsitz des Museumsprojekts. Hier befinden sich die Verwaltung und die Räumlichkeiten für Veranstaltungen. Dafür gibt es ein Felsentheater, das 200 Menschen Platz bietet. Am 11. Juni 2006 wurde das Museum nach dreijähriger Bauzeit, in der die nahezu verfallene Burg restauriert und umgebaut wurde, eröffnet.[2]

Das Konzept von Firmian gründet auf drei Strängen: Die Burg, die Sanierung und die Ausstellungen. So soll das Erscheinungsbild der Burg nicht durch die modernen Umbauten zerstört werden. Der Architekt Werner Tscholl achtete dabei darauf, dass das historische Gemäuer seine Ursprünglichkeit bewahren konnte, in dem beispielsweise die neuen Glasdachkonstruktionen und Leitungen aller Art von außen nicht sichtbar sind.[3]

Auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern befindet sich das eigentliche MMM Firmian. Thema des MMM Firmian ist die Geschichte und Kunst des Bergsteigens. Messner will zeigen, „was der Berg mit dem Menschen macht[4][5] sowie über den Berg und die Menschen in den Gebirgen aufklären.[6] Dies zeigt er mit Hilfe von Bildern, Skulpturen und symbolischen Gegenständen sowie Erinnerungsstücken verschiedenster Expeditionen, die auf einem Parcours durch das Schloss ausgestellt sind. Darüber hinaus zeigt Messner die Geschichte des Alpinismus und die Auswirkungen des Alpinismus und des Tourismus auf die Natur und die Umwelt. Im sogenannten Weißen Turm befindet sich eine separate Ausstellung zur Geschichte der Burg und der Region.[7]

Zwischen Schlern und Texelgruppe draußen – Kunst, Installationen, Reliquien drinnen – gibt die großräumige Anlage einen Parcours vor. Die Wege, Treppen, Türme führen die Besucher aus der Tiefe der Gebirge, wo Entstehung und Ausbeutung der Berge nachvollziehbar werden, über die religiöse Bedeutung der Gipfel als Orientierungshilfe und Brücke zum Jenseits, bis zur Geschichte des Bergsteigens und zum alpinen Tourismus unserer Tage.[8] Die religiöse Dimension des Gebirges und seiner Bewohner wird dem Besucher durch eine Vielzahl von Objekten aus asiatischen Kulturkreisen verdeutlicht, die in der Burganlage angebracht oder aufgestellt sind.

Das Museum Firmian „ist ein autoritäres Museum, das vorschreibt, wie es besichtigt werden möchte. Der Rundgang führt rund um den ‚heiligen Berg‘, vorbei an Vetrinen, Skulpturen, ausgestopften Tieren, symbolischen Gegenständen, Fotos und Bildern, Erinnerungen an zahlreiche Expeditionen in alle Welt. Die Burgruine und die schwarzen, in die Türme gesetzten Stahlkonstruktionen sind Bühnen. Die Umrundung des heiligen Berges nennt man in Tibet Kora und eben eine Kora hat Reinhold Messner mit seinem Museum schaffen wollen. Die zerfallene Kapelle auf dem Gipfel des Schlossberges ist tabu wie der Gipfel des Kailash in Tibet.“[9]

Juval[Bearbeiten]

Schloss Juval

Auch dieser Teil des MMM ist mit Schloss Juval bei Naturns (Standort: 46.65153110.968019) in einer spätmittelalterlichen Burganlage untergebracht und 1995 eingeweiht worden.[10] Dieses Schloss ist Messners Privatbesitz und wird von ihm im Sommer als Wohnsitz genutzt.

Dieses MMM befasst sich mit dem Mythos Berg. Dabei geht es hauptsächlich um die heiligen Berge der Welt, wie den Kailash, den Fujisan oder Ayers Rock. Daneben werden tibetische Ausstellungsstücke wie kostbare Buddha-Skulpturen und eine riesige Gebetsmühle gezeigt. Weiterhin gibt es eine Ausstellung über Gesar Ling einen epischen, tibetischen König, einen Tantraraum und einen Expeditionsraum im Keller. Zuletzt werden dem Betrachter eine Maskensammlung und Elemente des Animismus sowie Bergbilder im Bergfried dargeboten.[11]

Dolomites[Bearbeiten]

Museum in den Wolken

Auf dem Monte Rite, in einem Fort aus dem Ersten Weltkrieg zwischen Valle del Boite und Val di Zoldo (Standort: 46.3839312.254713), in einer Höhe von 2181 Metern befindet sich das MMM Dolomites. Dieses Museum in den Wolken wurde 2002 eröffnet[12] und hat die vertikale Welt der Dolomiten zum Thema. Es wird die Erschließungsgeschichte der Dolomiten sowie ein Teil der Alpingeschichte und deren Protagonisten gezeigt.[13]

Ortles[Bearbeiten]

Unterhalb des Ortlers in Sulden (Standort: 46.53043810.579247) ist unterirdisch der vierte Teil des MMM angelegt.[14] Seit der Eröffnung 2004[15] befindet sich auf einer Ausstellungsfläche von 300 Quadratmetern die Thematisierung von Ewigem Eis und Ortler [16] mit Ausstellungen zu Skilauf, Eisklettern, Arktis sowie Antarktis.[14] Dem Besucher ermöglicht sich ein Einblick in die Tiefen der Berge und eines Gletschers.[15]

Ebenfalls in Sulden befindet sich die Ausstellungsfläche Alpine Curiosa in einer zwölf Quadratmeter kleinen, ehemaligen Bergsteigerhütte, Flohhäusl genannt (Standort: 46.52940210.58548), in der die Darstellung von 13 legendären Bergsteigergeschichten (von Yogi Milarepa bis zu Messner selbst) eine andere Interpretation des Alpinismus ermöglichen und alpine Kuriositäten ausgestellt sind.[17]

Ripa[Bearbeiten]

Der fünfte Teil des MMM wurde mit dem MMM Ripa (MMM Bergvölker) auf Schloss Bruneck über der Stadt Bruneck (Standort: 46.79429911.939497) geschaffen und im Juli 2011 eröffnet. Es handelt sich um ein interaktives Museum, das verschiedenen Bergvölkern ein Forum zum Erfahrungsaustausch auch mit der örtlichen Bevölkerung bieten soll. Die Gäste aus verschiedenen Bergregionen sollen jeweils einen Sommer hier verbringen und aus ihrem Leben berichten. Dabei wird von Messner zum Beispiel an Sherpa, Indios, Tibeter, Mongolen oder Hunza gedacht.[18]

Kosten und Finanzierung[Bearbeiten]

Die Kosten für das Projekt werden auf bis zu 30 Millionen Euro geschätzt. Aufgeteilt werden diese zwischen Messner und dem Land Südtirol. Letzteres finanziert den Ausbau der alten Gemäuer, im Gegenzug dazu muss Messner seine Ausstellungen ohne Subventionen 30 Jahre lang aufrechterhalten.[2] Die Restaurierung des ehemaligen Forts auf dem Monte Rite übernahm die Region Venetien gemeinsam mit der Gemeinde Pieve di Cadore.[19] Für die Sanierung und Gestaltung von MMM Bergvölker werden Kosten zwischen drei und vier Millionen Euro veranschlagt, die zu 80 % vom Land Südtirol übernommen werden, um der Gemeinde Bruneck finanzielle Hilfestellung zu geben.[20]

Kritik[Bearbeiten]

Das Projekt ist nicht unumstritten, vor allem in der Bevölkerung. Messner wird vorgeworfen, sich selbst ein „Messner-Mausoleum“ zu schaffen.[2] Des Weiteren wird das MMM als „Disneyland“ bezeichnet, das die Südtiroler Kultur zerstört.[21]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MMM. Das Projekt - MMM Rundreise. In: MMM - Messner Mountain Museum. MMM - Messner Mountain Museum GmbH, abgerufen am 20. August 2012 (de, it, en).
  2. a b c Mountain Museum: Messners heiliger Gral. stern.de, 11. Juni 2006, abgerufen am 19. August 2012.
  3. Firmian. Museum - Burgsanierung. In: MMM - Messner Mountain Museum. MMM - Messner Mountain Museum GmbH, abgerufen am 20. August 2012 (de, it, en).
  4. Herbstfrischler ziehen nach Süden, wienerzeitung.at, 19. November 2010
  5. Messner Mountain Museum Übersichtsseite Firmian (messner-mountain-museum.it) (Deutsch, Italienisch) Zitat am 20. August 2012 unter dieser Adresse nicht mehr auffindbar
  6. Firmian. Museum - Berg und Mensch. In: MMM - Messner Mountain Museum. MMM - Messner Mountain Museum GmbH, abgerufen am 20. August 2012 (de, it, en).
  7. Firmian. Museum - Schloss Sigmundskron. In: MMM - Messner Mountain Museum. MMM - Messner Mountain Museum GmbH, abgerufen am 20. August 2012 (de, it, en).
  8. Messner Mountain Museum: Homepage
  9. Bolzano.net: Messner Mountain Museum Firmian
  10. Schloss Juval bei Naturns (suedtirolerland.it) (Deutsch, Englisch, Italienisch)
  11. Juval. Museum - Mythos Berg. In: MMM - Messner Mountain Museum. MMM - Messner Mountain Museum GmbH, abgerufen am 20. August 2012 (de, it, en).
  12.  Sabine Boomers: Reisen als Lebensform - Isabelle Eberhardt, Reinhold Messner und Bruce Chatwin. 1. Auflage. Campus Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 978-3593374765, S. 143 (online bei Google Books).
  13. Messner Mountain Museum Übersichtsseite Dolomites (messner-mountain-museum.it) (Deutsch, Italienisch)
  14. a b Messner Mountain Museum Übersichtsseite Ortles (messner-mountain-museum.it) (Deutsch, Italienisch)
  15. a b Martin Dziersk: Bilder eines Gipfelstürmers. Hamburger Abendblatt - Axel Springer AG, 18. Dezember 2004, abgerufen am 19. August 2012.
  16. Sehenswertes - Kultur in all ihren Facetten. Messner Mountain Museum Ortles. Ferienregion Ortlergebiet, abgerufen am 20. August 2012 (de, it, en).
  17. Messner Mountain Museum Alpine Curiosa (messner-mountain-museum.it) (Deutsch, Italienisch)
  18. Messner Mountain Museum: RIPA Bergvölker
  19. Ein Treffpunkt in den Wolken. In: dolomiti.it. Dolomiti.it Srl, abgerufen am 20. August 2012 (de, it, en).
  20. Pressemitteilung der Südtiroler Landesregierung vom 28. Jänner 2008
  21. Radikale Seilschaften. Echo 04/2006, abgerufen am 19. August 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Messner Mountain Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing