Messwein

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Brautamt mit Spendung der Kelchkommunion

Messwein, auch Altarwein, ist der Wein, der in christlichen Gottesdiensten zur Feier der Heiligen Messe oder des Heiligen Abendmahles verwendet wird. Insbesondere in der katholischen Kirche hat Messwein eine besondere Bedeutung. Die Herstellung von Messwein erfolgt nach bestimmten, von der Kirche festgelegten Vorschriften der natürlichen Reinheit und Unverfälschtheit.[1] Diese werden heute von den gesetzlichen Regelungen und Bestimmungen des Weinrechtes bei Prädikatsweinen erfüllt.

Geschichtliche Aspekte[Bearbeiten]

Jesus stiftete beim Mahl mit seinen Jüngern am Abend vor seinem Tod Brot und Wein als bleibende Zeichen seiner Gegenwart in der Gemeinde. Die Wurzeln dieser Feier liegen im jüdischen Sederabend, dem Beginn des Pessach-Festes, bei dem Juden neben verschiedenen Speisen mit vier Gläsern gesegneten Weins des Auszugs aus Ägypten gedenken.

Bis etwa Mitte des 15. Jahrhunderts wurde für die Eucharistiefeier ausschließlich Rotwein als Messwein verwendet. 1478 wurde durch Papst Sixtus IV. zum ersten Mal Weißwein zugelassen.

Da früher Weinverfälschungen zahlreich vorkamen, erließ die Kirche eigene Vorschriften zur natürlichen Reinheit und Unverfälschtheit des Messweins und kontrollierte die Herstellung.[1] Messwein unterliegt nicht den Eichgesetzen.

Wegen der sakralen Bedeutung, die der durch Transsubstantiation gewandelte Messwein in der katholischen Kirche hat, erklärt sich, warum die katholische Kirche von jeher den Weinbau und die Weinbereitung nachhaltig gepflegt, bewahrt und veredelt hat. Neben dem Gebrauch bei der Eucharistiefeier wurde Wein auch als geweihter Wein vielfältig als Sakramentale verwendet.[2] Mit der weltweiten Verbreitung des christlichen Glaubens verbreitete sich auch wegen des liturgischen Erfordernisses an Messwein der Weinbau.[3][4]

Während der Prohibition in den Vereinigten Staaten war Messwein als einziges alkoholhaltiges Getränk erlaubt.

Katholische Kirche[Bearbeiten]

Wurde früher hauptsächlich Rotwein als Messwein verwendet, wird seit längerer Zeit aus praktischen Gründen vorwiegend Weißwein genommen. Während der Gabenbereitung wird ihm ein wenig Wasser beigefügt.

Eine gültige Wandlung kann nach katholischem Verständnis nur mit echtem Wein erfolgen, nicht jedoch mit Traubensaft oder Wein, der nicht den Vorgaben des Kirchenrechts entspricht. Die Kirche schreibt daher vor:

„Der Wein für die Eucharistiefeier muss vom Gewächs des Weinstocks (vgl. Lk 22, 18) stammen und naturrein und unvermischt sein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen. Mit besonderer Sorgfalt achte man darauf, dass das Brot und der Wein, die für die Eucharistiefeier bestimmt sind, in einwandfreiem Zustand aufbewahrt werden. Das heißt, es ist dafür zu sorgen, dass der Wein nicht zu Essig wird (...).[5]

Grundordnung des Römischen Messbuchs 2007

Diese Grundvorschrift wurde immer wieder durch Messweinverordnungen erläutert, zuletzt im Jahr 1976. Nach solchen Verordnungen muss der Wein aus Trauben sein. Zuckerzusätze oder nicht erlaubte Beigaben sind verboten. Diese Anforderungen werden heute weinrechtlich in Deutschland, Österreich und in der Schweiz von Prädikatsweinen erfüllt. Außerdem ist die Beigabe von reinem Alkohol („spiritus“) aus Wein zum Wein erlaubt, daher kommen Sherry oder Portwein grundsätzlich für Messwein in Frage. Tafelwein ist als Messwein wegen seiner Verwässerung nicht zugelassen. Noch heute ist es üblich, dass Lieferanten von Messwein auf die Qualität ihrer Produkte („reiner, klarer Wein“) vereidigt werden. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als diese Vereidigungen große offizielle Veranstaltungen waren, erfolgt der Eid heute nur noch schriftlich. Über die Zulassung eines Weines als Messwein entscheidet der Bischof, der die Messweine auch alle fünf Jahre überprüft und bestätigt. Bezieher von Messwein sind verpflichtet, ihren Wein bei vereidigten Händlern zu beziehen.

Seit 1994 ist es im Ausnahmefall und nach ausdrücklicher Erlaubnis durch den Bischof auch zulässig, statt Messwein Traubenmost zu verwenden. Voraussetzung ist, dass der Priester nachweislich aus gesundheitlichen Gründen keinen Wein trinken darf. Voraussetzung ist weiter, dass der Most nicht in seiner Natur verändert wurde. Deshalb kommt zur Haltbarmachung nur das Einfrieren in Frage, denn durch Sterilisation wird aus dem Most Traubensaft. [6]

Laien stellt sich dieses Problem grundsätzlich seltener, da jeder Gläubige nach alter und auch in anderen Kirchen geltender Lehre den Leib Christi mit der Hostie stets vollständig empfängt. Die Kelchkommunion auch durch die Laien war zudem aus praktischen Gründen lange Zeit unüblich, teilweise sogar verboten. Der Empfang des konsekrierten Weines war darum dem zelebrierenden Priester vorbehalten. Dies war ab dem 14./15. Jahrhundert Gegenstand heftiger Kontroversen zwischen der katholischen Kirche und den Reformatoren.[7] Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist die Kelchkommunion in der Messe nicht nur wieder für alle anwesenden Katholiken erlaubt, sondern an bestimmten Tagen sogar ausdrücklich empfohlen.[8] Das eher seltene Vorkommen ist der Praktikabilität geschuldet. Für die Durchführung der Kelchkommunion gelten besondere Regelungen.[9]

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

In den Evangelischen Kirchen wird in zahlreichen Gemeinden aus Rücksicht auf alkoholkranke Menschen Traubensaft verwendet.

Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche[Bearbeiten]

In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist mit bischöflichen Rundschreiben geregelt, dass ausschließlich Wein zur Sakramentsfeier verwandt werden darf. Freigestellt ist lediglich, ob Rotwein oder Weißwein verwendet wird. Traubensaft wird aus theologischen Gründen kategorisch abgelehnt, da nicht mehr die Gewissheit besteht, der Einsetzung Christi gemäß zu verfahren. Alkoholkranken wird die Kommunion unter einer Gestalt ermöglicht. Ihnen wird Christi Leib durch die Hostie gereicht. Nach "bekenntnislutherischem" Glauben ereignet sich nämlich durch die Konsekration durch den Pfarrer die sakramentale Einheit von Brot und Leib Christi einerseits und Wein und Blut Christi andererseits, so dass der Kommunikant in, mit und unter Brot und Wein Christi wahren Leib und sein wahres Blut mit seinem Mund zur Vergebung der Sünden empfängt.

Andere Kirchen[Bearbeiten]

In vielen anderen Kirchen (in Deutschland: Freikirchen) wird oft generell Traubensaft verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Rudolf Malli: Der Schatz im Keller. Zur Weinwirtschaft der Waldviertler Klöster. Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes, Bd. 14. Horn, Waidhofen/Thaya 2001, S. 197 f.
  2. Rudolf Malli: Der Schatz im Keller. Zur Weinwirtschaft der Waldviertler Klöster. Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes, Bd. 14. Horn, Waidhofen/Thaya 2001, S. 61.
  3. Franz Staab: Agrarwissenschaft und Grundherrschaft. Zum Weinbau der Klöster im Frühmittelalter. In: Alois Gerlich (Hg.): Weinbau, Weinhandel und Weinkultur. Veröffentlichung des Instituts für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz 40, Stuttgart 1993, S. 4.
  4. Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon. Hallwag Verlag, München 2003, S. 480 f.
  5. Missale Romanum, Institutio Generalis / Grundordnung des Römischen Messbuchs, Nr. 322 f.; CIC, Can. 924 § 3; Instruktion Redemptionis sacramentum, 50.
  6. Schreiben der Glaubenskongregation vom 22. August 1994 und Schreiben der Glaubenskongregation vom 24. Juli 2003 (englisch)
  7. Manfred Heim: Von Ablass bis Zölibat. Kleines Lexikon der Kirchengeschichte. München (Beck) 2008, S. 225.
  8. 2. Vatikanisches Konzil: Dogmatische Konstitution über die Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum Editio Typica Tertia 2002, Grundordnung des Römischen Messbuchs, Vorabpublikation zum Deutschen Messbuch (3. Auflage), hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Arbeitshilfe Nr. 215), Bonn 2007, Nr. 80, 85, 283.
  9. Missale Romanum Editio Typica Tertia 2002, Grundordnung des Römischen Messbuchs, Vorabpublikation zum Deutschen Messbuch (3. Auflage), hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Arbeitshilfe Nr. 215), Bonn 2007, Nr. 284-287.