Metachromatische Leukodystrophie

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Klassifikation nach ICD-10
E75.2 Sonstige Sphingolipidosen
Metachromatische Leukodystrophie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die metachromatische Leukodystrophie (von altgriechisch μετά meta „zwischen“, „inmitten“ und altgriechisch χρῶμα chroma „Farbe“, siehe auch Metachromasie sowie altgriechisch λευκός leukós „weiß“, altgriechisch δύς dýs „schlecht“ und altgriechisch τροφή trophé „Ernährung“) (MLD, auch Arylsulfatase A Mangel genannt) gehört zur Gruppe der Lipidspeicherkrankheiten (Sphingolipidosen). Sie führt zu einer Degeneration der weißen Substanz oder einer Demyelinisation.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Die Häufigkeit wird mit 1:40 000 angegeben ohne Geschlechterpräferenz.[1] Die Erkrankung scheint autosomal rezessiv vererbt zu werden, wobei verschiedene Gene beteiligt sind.[2]

Klinik[Bearbeiten]

Je nach Manifestationsalter werden verschiedene Unterformen unterschieden:

  • Spätinfantile Form (40%)
  • Juvenile Form (40%)
  • Adulte Form (20%)[3]

Die ersten Symptome treten bei zuvor unauffälligen Kindern auf mit chronischer Verschlechterung. Als Hauptsymptome treten zunächst Gangunsicherheit, Ataxie,[1] Verlust der Sprachfähigkeiten[4] sowie schlaffe Lähmungen auf. Im Verlauf entwickeln sich spastische Lähmungen. Typisch ist auch ein Visusverlust, der durch eine Optikusatrophie verursacht wird und sich in der Augenhintergrundspiegelung als charakteristischer kirschroter Fleck in der Fovea centralis zeigt. Weitere Symptome sind Demenz, Gallenblasenentzündung und die Bildung von Gallensteinen, die zu Koliken führen können.

Ursache[Bearbeiten]

Die metachromatische Leukodystrophie wird durch einen Mangel an Arylsulfatase A verursacht. Dadurch kann die Sulfatgruppe sulfatierter Glycosphingolipide nicht abgespalten und die Lipide können nachfolgend nicht wie üblich im Lysosom weiter degradiert werden: Sie akkumulieren dort. Es kommt zu einer Speicherung von Sulfatid vor allem in den Markscheiden des ZNS und PNS mit nachfolgender Markscheidendegeneration.

Diagnose[Bearbeiten]

Die Störung der weißen Substanz kann durch eine Schädel-Magnetresonanztomographie entdeckt werden. Typische Befunde sind:

Differentialdiagnostisch sind M.Krabbe, ADEM, Adrenoleukodystrophie abzugrenzen.[3]

Bestätigt wird die Diagnose über die Bestimmung der Arylsulfatase A im Harn. Als spezifisch gilt die verminderte Aktivität der Arylsulfatase A in Leukozyten.[4]

Therapie[Bearbeiten]

Eine kausale Therapie ist nicht bekannt, so dass eine symptomatische Therapie im Vordergrund steht. Allerdings gibt es einen neuen Ansatz, nach dem mit Hilfe transgener, also veränderter Lentiviren die intakte Nukleinsäure-Sequenz des für die Krankheit verantwortlichen Gens in die Blutstammzellen des Patienten integriert wird. Das Verfahren macht sich den Umstand zunutze, dass Lentiviren, wie beispielsweise das HIV, Teile ihres Genoms in das Genom der Wirtszellen integrieren.[5]

Prognose[Bearbeiten]

Die Erkrankungen verlaufen in der Regel innerhalb von Monaten oder wenigen Jahren tödlich.

Quellen[Bearbeiten]

  • K. Masuhr, M. Neumann: Duale Reihe – Neurologie. Hippokrates Verlag 1998, 4. Auflage. ISBN 3-7773-1334-3
  • A. Biffi et al.: Lentiviral Hematopoietic Stem Cell Gene Therapy Benefits Metachromatic Leukodystrophy. Science Express, 11. Juli 2013, DOI:10.1126/science.1233158.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Caffey's Pediatric Diagnostic Imaging 10th ed., edited by JP Kuhn, TL Slovis, JO Haller, Mosby 2004. ISBN 0-323-01109-8
  2. http://www.mldfoundation.org/mld-101-genetics.html MLD Foundation
  3. a b M van derKnaap, J Valk: Magnetic Resoncance of Myeliation and Myelin Disorders, Springer 2005, ISBN 3-540-22286-3
  4. a b http://myelin.de/index.php/leukodystrophien/metachromatische-leukodystrophie Myelinprojekt: Metachromatiche Leukodystrophie
  5. Alessandra Biffi et al. (2013): Lentiviral Hematopoietic Stem Cell Gene Therapy Benefits Metachromatic Leukodystrophy. www.sciencemag.org/content/early/2013/07/10/science.1233158.full
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