Metaphysische Dichtung

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Als metaphysische Dichtung (engl. metaphysical poetry) wird eine Strömung in der englischen Dichtung des Barock im 17. Jahrhundert bezeichnet.

Ihre Vertreter eint ein Interesse an philosophischen Fragen, wobei metaphysisch hier nicht als das Adjektiv zu Metaphysik zu verstehen ist, sondern vielmehr einer willkürlichen, negativ konnotierten Beschreibung der fraglichen Dichter durch einen ihrer Hauptkritiker, Samuel Johnson, in seinem Werk The Lives of the Poets (1744) entsprungen ist. Beliebteste Themen der 'metaphysischen Dichter' sind Liebe und Religion, die oft in Form einer Argumentation behandelt werden, im Gespräch mit einer untreuen Geliebten, mit Gott oder allegorischen Figuren wie dem Tod, oder auch im Selbstgespräch. Wortspiele (puns), Oxymora und Paradoxa, besonders aber metaphysical conceits - weit hergeholte, besonders ausgefeilte Metaphern - sind Stilmittel, die besonders häufig in der metaphysischen Dichtung zu finden sind. Elliptische Syntax, metrische Unregelmäßigkeit und eine eher umgangssprachliche Ausdrucksweise sind weitere Kennzeichen der Werke metaphysischer Dichter. Der geistreiche Charakter dieser conceits besteht im Wesentlichen darin, dass zunächst lächerlich wirkende Vergleiche am Ende völlig logisch und in sich schlüssig erscheinen, wodurch den metaphysischen Dichtern letztendlich eine äußerst positive Bewertung zuteilwird.

Als Hauptvertreter und Vater der metaphysischen Dichtung wird allgemein John Donne betrachtet, der durch seine berühmten metaphysical conceits vor allen Dingen in den Gedichten The Flea, in dem er das Bündnis der Liebe einem blutsaugendem Floh gleichsetzt und in A Valediction: Forbidding Mourning, in dem ein Liebespaar mit einem Zirkel vergleicht, als besonders witty (dt. geistreich) angesehen wird. Ein weiteres Charakteristikum metaphysischer Dichtung ist die bewusste Abgrenzung zur elisabethanischen Dichtung, bzw. zum Petrarkismus, den gängigen literarischen Bewegungen dieser Zeit, welche in der Kritik gesellschaftlicher Normen und Werte zum Ausdruck kommt.

Entscheidend ist aber, dass die Bewegung der metaphysischen Dichter und die Kritik, die in ihr enthalten ist, nicht als offizielle Gegenbewegung der vorherrschenden literarischen Strömungen angesehen wird. Im Gegenteil, die ersten metaphysischen Gedichte wurden ausschließlich in privaten Kreisen vorgetragen und waren, besonders während der Anfänge bei John Donne, noch nicht für ein breiteres Publikum gedacht. Die Bedeutung, die dieser Poesie heutzutage beigemessen wird, beruht hauptsächlich auf einer nachträglichen Interpretation.

Die bedeutendsten metaphysischen Dichter waren:

Im 20. Jahrhundert wurde die metaphysische Dichtung insbesondere von den Dichtern der englischsprachigen Moderne zum Vorbild genommen; T. S. Eliot würdigte diesen Einfluss 1921 in einem Aufsatz.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Metaphysical Poetry. Ed. with an Introduction and Notes by Colin Burrow. London: Penguin. (ISBN 0-140-42444-X)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. T. S. Eliot: The Metaphysical Poets. In: Times Literary Supplement, 20. Oktober 1921.