Meteor
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| Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Meteor (Begriffsklärung) aufgeführt. |
Meteore (griech. metéoros (μετέωρος) = „schwebend, in der Luft“) sind im weiteren Sinne lokale, sporadische Erscheinungen am Himmel und an der Erdoberfläche. Viele derartige Erscheinungen wurden bereits in der Antike zum Beispiel von Aristoteles in seinem Werk Meteorologie beschrieben[1].
Im engeren Sinne werden damit die Leuchterscheinungen bezeichnet, die von in die Erdatmosphäre eindringende Meteoroiden erzeugt werden. Meteoroide sind meist Staubkörner, kleine Metall- oder Gesteinskörner aus dem interplanetaren Raum, von denen pro Tag etwa 10 Milliarden vom Weltall aus mit einem Gesamtgewicht von 1.000 bis 10.000 Tonnen in die Atmosphäre der Erde einfallen.[2] Wegen ihrer enormen Geschwindigkeit von etwa 11,2 bis 72 km/s – je nach Einfallswinkel zur Bahnbewegung der Erde – verdampfen die meisten in etwa 80 Kilometer Höhe durch Luftreibung; dabei ionisieren sie die Luftmoleküle, was helle Leuchtspuren hervorruft.
Die Wissenschaft der Meteore im engeren Sinne ist die Meteorkunde, jene der bis zur Erdoberfläche herabfallenden Körper die Meteoritenkunde.
Hingegen befasst sich die Meteorologie mit der Beobachtung und Beschreibung des Wettergeschehens in der Erdatmosphäre und am Rande mit den damit im Zusammenhang stehenden Leuchterscheinungen. Einige von ihnen werden ebenfalls als Meteore bezeichnet (siehe unten). Polarlichter und alle sehr hohen Phänomene sind Gegenstand der Aeronomie.
Inhaltsverzeichnis |
Sternschnuppen und Feuerkugeln
Der überwiegende Teil der Meteore ist interplanetaren Ursprungs; nur sehr wenige erreichen die Erde aus dem interstellaren Raum. Wie die Erde und die anderen Planeten die Sonne umkreisen, so umkreisen auch Meteorströme die Sonne.
Neben einzeln auftretenden Meteoren (sogenannte sporadische Meteore) gibt es sogenannte Meteorströme. Diese entstehen, wenn die Erde die Flugbahn eines Kometen kreuzt. Da für den Beobachter der Eindruck besteht, als träfen sich die Spuren all dieser Meteoriten in einem Punkt, wenn man sie entgegengesetzt der Bewegungsrichtung verlängert, sind die Meteorströme nach dem Sternbild benannt, in dem dieser sogenannte Radiant liegt.
Bekannte Meteorströme sind die Quadrantiden im Januar, die Perseiden im Juli und August, die Leoniden im November sowie die Geminiden im Dezember. Besonders sternschnuppenreich sind in der Regel die Tage zwischen dem 8. und dem 14. August, wenn aus dem Sternbild Perseus die „Perseiden“ auf die Erde „regnen“.
Auch künstliche Erdsatelliten sowie Raketenteile (Weltraumschrott) rufen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre meteorartige Leuchterscheinungen hervor. Sie sind jedoch wesentlich langsamer, daran kann man sie von Meteoren unterscheiden.
Größe und Einteilung
Im Volksmund werden kleine Meteore auch Sternschnuppen genannt (vgl. Schnuppe). Deren Ursprungsobjekte haben Durchmesser um 1 mm. Größere Objekte (>10 mm) heißen Boliden, Feuerkugeln oder Feuerbälle.
Als teleskopische Meteore werden solche bezeichnet, die nicht mehr mit bloßem Auge sichtbar sind, und als Radarmeteore jene größeren Leichterscheinungen, deren Ionisationsspuren mit Radargeräten auch am Tage beobachtbar sind.
| Bezeichnung | Durchmesser des Ursprungskörpers |
Masse | Gesamtmasse aller Objekte, die die Erde jeden Tag erreichen |
|---|---|---|---|
| Feuerkugeln, Bolide | größer als 10 mm | mehr als 2 g | 1 t |
| Sternschnuppen (-4mag bis +6mag) |
1 mm bis 10 mm | 2 mg bis 2 g | 5 t |
| Teleskopische Meteore | 0,1 mm bis 1 mm | 0,002 mg bis 2 mg | 20 t |
| Mikrometeore | kleiner als 0,1 mm | weniger als 0,002 mg | 1000 t bis 10.000 t |
Die meisten Meteorerscheinungen dauern nur Sekundenbruchteile und werden von Teilchen erzeugt, die unter einem Millimeter groß sind und im Allgemeinen mit 30 bis 70 Kilometern pro Sekunde auf die Erdatmosphäre auftreffen. Sie verglühen dabei vollständig. Meteoroiden mit der Größe eines Reiskorns liefern schon recht eindrucksvolle Leuchterscheinungen mit einer Dauer >1 s.
Viel seltener sind dagegen größere Objekte von mindestens einigen Kilogramm Masse, die unter Umständen nicht vollständig verglühen, als Meteorit auf der Erdoberfläche auftreffen und dort je nach Größe beträchtliche Spuren hinterlassen können (z. B. das Nördlinger Ries, der Barringer-Krater und der Krater auf Yucatán). Das ist insbesondere bei Eisenmeteoriten der Fall. Steinmeteoroiden zerfallen jedoch selbst bei noch größeren Abmessungen zu einem Schwarm, der dennoch nicht die Erde erreicht, jedoch eine beachtliche Druckwelle erzeugen kann (siehe Tunguska-Ereignis).
Effekte
Der auftretende Leuchteffekt entsteht dabei nur zum kleinen Teil durch das Verglühen des Teilchens selbst, denn Meteore leuchten in über 100 Kilometern Höhe. Durch Luftreibung und abdampfendes Material bildet sich hinter dem Körper eine Plasmaspur, die durch strahlende Rekombination angeregter Elektronen der Luftatome leuchtet. Die Spuren können daher noch leuchten, nachdem der Meteoroid bereits verglüht ist. Sie lassen sich anhand der Reflexion von Funkwellen am leitfähigen Plasma noch minutenlang nachweisen (Meteorscatter). Der Bereich der angeregten Teilchen ist nur wenige Millimeter breit. Da sich die Teilchen jedoch für etwa 0,7 Sekunden im angeregten Zustand befinden, können sie sich bis zu 300 Meter vom Ort der Kollision entfernen, sodass eine mehr oder weniger breite Leuchtspur entsteht.[3] Die durch Meteore hervorgerufenen Leuchteffekte werden vom Europäischen Feuerkugelnetz systematisch beobachtet und aufgezeichnet.
Außer der sichtbaren Erscheinung sind bei größeren Meteoren manchmal auch Geräusche wahrnehmbar – etwa als fernes Donnergrollen (wegen der niedrigen Schallgeschwindigkeit aber erst nach einigen Minuten) – doch manchmal auch nach sehr kurzer Zeit. Letzteres Phänomen wurde oft für eine Einbildung gehalten, weil man normalerweise bei jeder naher Leuchtspur (wie bei einem Feuerwerk) eine Art Zischen hört. Heute geht man davon aus, dass die Geräusche durch niederfrequente Radiowellen erzeugt werden können, die durch Verwirbelungen im durch den Meteor hervorgerufenen Plasma zusammen mit dem Erdmagnetfeld entstehen (siehe Magnetohydrodynamik).
Die Meteore werden fast unabhängig von ihrer Geschwindigkeit in etwa 40 km Höhe durch den zunehmenden Luftwiderstand stark gebremst, wie im Bild rechts zu sehen ist. Mit Tabellenkalkulation kann man mit relativ geringem Aufwand nachrechnen, welche Auswirkungen die Änderung einzelner Parameter wie Masse und Durchmesser hat. Das Verfahren wird in Freier Fall im Detail erklärt.
Andere Arten von Meteoren
Abgesehen von den oben beschriebenen Meteoroiden, die Leuchterscheinungen hervorrufen, wird zwischen den folgenden Kategorien von als Meteore bezeichneten Erscheinungen unterschieden, die nicht durch verglühende Körper entstehen:
- Elektrometeore im Zusammenhang mit geladenen Teilchen
- Hydrometeore im Zusammenhang mit Wasser in den Aggregatzuständen fest und flüssig
- Lithometeore im Zusammenhang mit Schwebeteilchen, die nicht aus Wasser bestehen
- Photometeore durch Reflexion, Brechung, Beugung oder Interferenz von Licht hervorgerufen
Bei Erdbeben handelt es sich explizit nicht um Meteore, obschon sie durch einen solchen durchaus ausgelöst werden können. Ferner sind auch astrophysikalische Phänomene außerhalb des Sonnensystems, wie zum Beispiel veränderliche Sterne, Novae oder Supernovae keine Meteore.
Meist handelt es sich bei Meteoren um Naturerscheinungen, einige sind jedoch anthropogenen Ursprungs, wie zum Beispiel Kondensstreifen von Flugzeugen, Rauch aus Schornsteinen oder Iridium-Flares, die durch Spiegelung der Sonnenstrahlung an Satelliten entstehen.
Aberglaube
Im volkstümlichen Aberglauben vieler Länder hat jemand, der zufällig eine Sternschnuppe am nächtlichen Himmel sieht, einen Wunsch frei, der angeblich in Erfüllung geht. Sobald man die Sternschnuppe gesehen hat, solle man die Augen schließen und sich etwas wünschen. Wichtig sei, dass man niemand anderem von dem Wunsch erzählt, sonst gehe er nicht in Erfüllung.
Quellen
- ↑ Meteorologie von Aristoteles
- ↑ solarsystem.nasa.gov: Meteoroids
- ↑ Die Spur der Feuerbälle bei www.wissenschaft.de
Literatur
- Heinrich Müller: Vater Beresfort’s naturhistorische Unterhaltungen mit seinen Söhnen über die Wunder, die Pracht und den Nutzen der Meteore. Anleitung zur Betrachtung und Kenntniß großer, mächtiger, freundlicher u. ergötzlicher Naturerscheinungen. Krappe, Leipzig 1837 (Digitalisat).
- Cuno Hoffmeister: Meteore, ihre kosmischen und irdischen Beziehungen. Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1937.
- Cuno Hoffmeister: Meteorströme. J. A. Barth Verlag, Leipzig 1948.
- Jürgen Rendtel: Sternschnuppen. Urania Verlag 1991. ISBN 3-332-00399-2
- Robert Hawkes, Ingrid Mann, Peter Brown: Modern Meteor Science. An Interdisciplinary View. Berlin 2005. ISBN 1-402-04374-0.
Siehe auch
- Radiant (Astronomie)
- Liste von Meteoriten
- Freier Fall#Berechnung mit Tabellenkalkulation Meteorbremsung in der Atmosphäre ab 120 km Höhe
Weblinks
- Sternschnuppe bzw. Meteor im Astrolexikon
- Sternschnuppen-Highlights, Der Meteorschauer-Kalender
- Feuerkugel über Berlin
- Arbeitskreis Meteore e. V.
- Blitzender Kometenschmutz – Über die Rolle der Perseiden und Leoniden in der Forschungsgeschichte, von Chr. Pinter
- Filmaufnahme Feuerball Peekskill (Englisch)

