Methoxetamin

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Strukturformel
Struktur von Methoxetamin
Struktur ohne Stereochemie
Allgemeines
Name Methoxetamin
Andere Namen
  • MXE
  • 3-MeO-2-Oxo-PCE
  • 2-(3-Methoxyphenyl)-2-(N-ethylamino)cyclohexanon (IUPAC)
  • Roflcoptr
  • Mexxy
Summenformel C15H21NO2
CAS-Nummer
  • 1239943-76-0 (Base)
  • 1239908-48-5 (Hydrochlorid)
PubChem 52911279
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff (Hydrochlorid)[1]

Eigenschaften
Molare Masse 247,33 g·mol−1 (Base)
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

244,9 °C (Hydrochlorid)[1]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][2]
R- und S-Sätze R: ?
S: 24/25​‐​37/39
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

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Methoxetamin (MXE) oder 3-MeO-2-Oxo-PCE gehört strukturell zur Gruppe der Arylcyclohexylamine und ist damit ein Derivat des Ketamins, das auch strukturelle Eigenschaften mit Eticyclidin und 3-MeO-PCP gemein hat. Es wird vermutet, dass Methoxetamin als NMDA-Rezeptorantagonist und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer wirkt, dies wurde allerdings nur für die NMDA-Rezeptorwirkung formal nachgewiesen.[5] Methoxetamin unterscheidet sich von vielen anderen dissoziativen Anästhetika dadurch, dass es speziell für die Distribution auf halblegalen Märkten entwickelt wurde.[6] Die N-Ethyl-Gruppe wurde gewählt, um seine Potenz zu erhöhen und das Risiko einer interstitiellen Zystitis zu verringern, die durch die Akkumulation von ketaminähnlichen Metaboliten in der Harnblase entstehen kann.[6]

Stereochemie[Bearbeiten]

Methoxetamin ist eine chirale Verbindung, die ein asymmetrisch substituiertes Kohlenstoffatom enthält. Die Verbindung liegt daher in der Regel als 1:1-Gemisch (Racemat) von zwei spiegelbildlichen Molekülen (Enantiomeren) vor, die sich in bestimmten physikalischen Eigenschaften und physiologischen Wirkungen unterscheiden können. Durch geeignete Synthesestrategien (siehe auch: enantiomerenreine Arzneistoffsynthese) oder Trennverfahren (Racematspaltung) lassen sich gezielt die einzelnen Stereoisomere isolieren. Nach der folgenden Synthese fällt Methoxetamin als Racemat an.[7]

Synthese[Bearbeiten]

Methoxetamine synthesis.svg

Durch Umsetzung von 3-Methoxybenzonitril mit Cyclopentylmagnesiumbromid wird das entsprechendes Keton erhalten. Mit elementarem Brom entsteht ein tertiäres Bromid. Dies hydrolysiert in Gegenwart von Ethylamin und erhält dabei sowohl eine Hydroxygruppe und die Imin-Funktion. Durch Erhitzen lagert diese Verbindung zum Methoxetamin um.[7]

Wirkung[Bearbeiten]

Bisher wurde durch die ähnliche Bindungsweise am NMDA-Glutamat-Rezeptor eine ähnliche Wirkung wie die des Ketamins beschrieben, wie z.B. dissoziatives Erleben, erhöhter Puls (Tachykardie) und erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie).[8] Allerdings ist durch die 3-Methoxy-Substituierung die schmerzlindernde Wirkung des MXE durch die Bindung am µ1-Opioid-Rezeptor stärker ausgeprägt als bei Ketamin; im Gegensatz zur dissoziativen Wirkung, die schwächer ausgeprägt ist.[9][6] Weiterhin sind Euphorie, Empathie, Halluzinationen, Schwindel, Verwirrtheitszustände, motorische Störungen und kurzfristiger Gedächtnisverlust als Wirkungen beschreiben. Mangels Langzeitstudien ist nichts über die Toxizität von MXE bekannt, daher kann es bei Missbrauch zu gesundheitlichen Problemen kommen.[8]

Rechtslage[Bearbeiten]

Methoxetaminkristalle

In Deutschland ist Methoxetamin seit 17. Juli 2013 mit der 27. Betäubungsmittel-Änderungsverordnung in der Anlage I des Betäubungsmittelgesetz aufgeführt und damit als nicht verkehrsfähiger Stoff klassifiziert.[10][11]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jennifer E. Shields, Paul I. Dargan, David M. Wood, Malgorzata Puchnarewicz, Susannah Davies, and W. Stephen Waring: Methoxetamine associated reversible cerebellar toxicity: Three cases with analytical confirmation. In: Clinical Toxicology. June 2012, Vol. 50, No. 5, 438–440, PMID 22578175. doi:10.3109/15563650.2012.683437
  • Corazza O, Schifano F, Simonato P, Fergus S, Assi S, et al.: Phenomenon of new drugs on the Internet: the case of ketamine derivative methoxetamine. In: Hum Psychopharmacol. 2012 Mar;27(2):145–9. PMID 22389078. doi:10.1002/hup.1242
  • Ward J, Rhyee S, Plansky J, Boyer E.: Methoxetamine: a novel ketamine analog and growing health-care concern. In: Clin Toxicol (Phila). 2011 Nov;49(9):874–5. Epub 2011 Oct 7. PMID 21981756.
  • Wood DM, Davies S, Puchnarewicz M, Johnston A, Dargan PI.: Acute toxicity associated with the recreational use of the ketamine derivative methoxetamine. In: Eur J Clin Pharmacol. 2012 May;68(5):853–6. Epub 2011 Dec 29. PMID 22205276
  • Hofer KE, Grager B, Müller DM, Rauber-Lüthy C, Kupferschmidt H, Rentsch KM, Ceschi A.: Ketamine-like Effects After Recreational Use of Methoxetamine. In: Ann Emerg Med. 2012 Jan 9. PMID 22237166

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b SWGDRUG Monographs: Methoxetamine Monograph (PDF; 511 kB), abgerufen am 20. Mai 2013.
  2. a b c d Cayman Chemical Company: Methoxetamine (hydrochloride) SAFETY DATA SHEET (PDF; 23 kB), abgerufen am 19. Mai 2013
  3. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. Bryan L. Roth, Simon Gibbons, Warunya Arunotayanun, Xi-Ping Huang, Vincent Setola, Ric Treble, Les Iversen, Kenji Hashimoto: The Ketamine Analogue Methoxetamine and 3- and 4-Methoxy Analogues of Phencyclidine Are High Affinity and Selective Ligands for the Glutamate NMDA Receptor. In: PLoS ONE. 8, 2013, S. e59334, doi:10.1371/journal.pone.0059334.
  6. a b c Hamilton Morris: Interview mit einem Ketamin-Chemiker. Vice Magazine. Abgerufen am 3. Februar 2012.
  7. a b Patrick A. Hays, John F. Casale, and Arthur L. Berrier U.S. Department of Justice Drug Enforcement Administration: The Characterization of 2-(3-Methoxyphenyl)-2-(ethylamino)cyclohexanone (Methoxetamine) (PDF; 1,9 MB) Microgram Journal, Volume 9, Number 1.
  8. a b DM Wood, Davies, S, Puchnarewicz, M, Johnston, A, Dargan, PI: Acute toxicity associated with the recreational use of the ketamine derivative methoxetamine. In: European journal of clinical pharmacology. 2011. PMID 22205276.
  9. Wood DM, Davies S, Calapis A, Ramsey J, Dargan PI.: Novel drugs -novel branding. In: QJM. 2011 Oct 13. PMID 21997441. doi:10.1093/qjmed/hcr191
  10. Bundesministerium für Gesundheit: Kabinett beschließt 27. Betäubungsmittel-Änderungsverordnung. Pressemitteilung vom 22. Mai 2013, abgerufen am 26. Mai 2013.
  11. Bundesministerium für Gesundheit: Verordnungsentwurf der Bundesregierung: Siebenundzwanzigste Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften (PDF; 73kb). Abgerufen am 17. Juli 2013.
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