Methylnitrit

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Strukturformel
Struktur von Methylnitrit
Allgemeines
Name Methylnitrit
Andere Namen

Salpetrigsäuremethylester

Summenformel CH3NO2
CAS-Nummer 624-91-9
PubChem 12231
Kurzbeschreibung

farbloses Gas[1]

Eigenschaften
Molare Masse 61,04 g·mol−1
Aggregatzustand

gasförmig

Dichte

0,991 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

−40,2 °C[1]

Siedepunkt

−6,42 °C[1]

Löslichkeit

sehr schwer löslich[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben [1]
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−66,1 kJ/mol[3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Methylnitrit, der Salpetrigsäureester des Methanols, ist bei Raumtemperatur ein farbloses, hochentzündliches und giftiges Gas.[1] Es ist das am einfachsten aufgebaute Alkylnitrit.

Darstellung[Bearbeiten]

Methylnitrit entsteht beim Einwirken von kalter, verdünnter Schwefelsäure auf eine Wasser-Methanol-Lösung von Natriumnitrit.[4][5] Methylnitrit kann auch durch Umsetzung von Silbernitrat mit Iodmethan hergestellt werden.[6]

Preparation of methyl nitrite.png

Eine weitere Herstellmöglichkeit besteht durch die Zugabe eines Gemisches aus Nitrosylschwefelsäure und Schwefelsäure in wässriges Methanol.[7]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Methylnitrit hat einen Schmelzpunkt von −40,2 °C und einen Siedepunkt von −6,42 °C.[1] In der älteren Literatur sind diese mit −16 °C (Smp.) und −12 °C (Sdp.) angegeben.[4] Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach August entsprechend lg(P) = −A/T+B (P in Torr, T in K) mit A = 1365 und B = 8,102 im Temperaturbereich von 154 K bis 225 K.[7] Aus der Dampfdruckfunktion lässt sich eine molare Verdampfungsenthalpie von 26,15 kJ·mol−1 ableiten.[7] Wie bei Alkylnitriten üblich entsteht bei der Einwirkung von nascierendem Wasserstoff auf die Verbindung Methanol, Ammoniak und Wasser.[8]

\mathrm{CH_3 ONO\ +\ 6 [H]\longrightarrow\ CH_3OH\ +\ NH_3\ +\ H_2O}

Struktur[Bearbeiten]

Bei Raumtemperatur besteht Methylnitrit aus einem Gemisch aus dem cis und dem trans Konformeren. Das cis Konformere ist mit 3,13 kJ·mol−1 stabiler als die trans Form. Die Energie-Barriere für die innere Rotation beträgt 45,3 kJ·mol−1.[9]

Cis-methyl-nitrite-3D-balls.png
Trans-methyl-nitrite-3D-balls.png
cis-Methylnitrit
trans-Methylnitrit

Explosionsgrenzen[Bearbeiten]

  • Untere Explosionsgrenze[1]: 5,3 Vol.-%, 137 g/m3
  • Obere Explosionsgrenze[1]: 100 Vol.-%, Obere Explosionsgrenze ist nicht existent, da sich der Stoff zersetzt.

Verwendung[Bearbeiten]

Für Nitrosierungen in der organischen Synthese z. B. zur Darstellung von Isonitrosopropiophenon.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Eintrag zu CAS-Nr. 624-91-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 19. Juni 2013 (JavaScript erforderlich).
  2. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 624-91-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-20.
  4. a b L. F. Fieser, M. Fieser: Organischen Chemie. 2. Auflage, Verlag Chemie, 1975.
  5. Tarte, P.: Rotational Isomerism as a General Property of Alkyl Nitrites in J. Chem. Phys., 1952, 20, S. 1570–1575. doi:10.1063/1.1700218
  6. Donald L. Pavia, Gary M. Lampman, George S. Kriz: Organic Chemistry, 2. Thompson Custom Publishing, Mason, Ohio 2004, ISBN 0-03-014813-8.
  7. a b c Rook, F.L.: Preparation, Vapor Pressure, and Infrared Spectrum of Methyl Nitrite in J. Chem. Eng. Data 27 (1982) S. 72–73, doi:10.1021/je00027a022.
  8. Beyer / Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, 22. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1991, S. 154.
  9. B.J. Van der Veken, R. Maas, G.A. Guirgis, H.D. Stidham, T.G. Sheehan, J.R. Durig: Infrared spectrum, ab initio calculations, barriers to internal rotation and structural parameters for methyl nitrite. In: J. Phys. Chem.. 94, Nr. 10, 1990, S. 4029–4039. doi:10.1021/j100373a028.
  10. Walter H. Hartung, Frank Crossley: Isonitrosopropiophenone. In: Org. Synth., Coll. Vol. 2, 1943, S. 363.