Metro Minsk

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Bahnsteig der U-Bahn-Station Puschkinskaja (Пушкінская)
Am 7. November 2005 wurde die Station Spartyunaja (Спартыўная) eröffnet
Denkmal Lenins in der Ploschtscha Lenina
Minsk metro construction 1000 200.gif
Linienplan der Minsk Metro für 2013

Die Metro Minsk (weißrussisch Мінскі метрапалітэн/Minski metrapaliten; russisch Минский метрополитен/Minski metropoliten) ist die U-Bahn der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Der erste Streckenabschnitt wurde 1984 eröffnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Maskouskaja-Linie[Bearbeiten]

Am 26. Juni 1984 wurde die erste Linie der Minsker Metro zwischen Instytut Kultury (Інстытут Культуры) und Maskouskaja (Маскоўская) eröffnet. Zwei Jahre später wurde eine weitere Station hinzugefügt, Uschod (Усход). Im Juni 2001 begannen die Bauarbeiten für die Verlängerung bis Urutschtscha (Уручча), die Fertigstellung erfolgte 2008. Die Arbeiten für die Verlängerung in südwestliche Richtung ab Bahnhof Instytut Kultury (Інстытут Культуры) wurden 2008 aufgenommen.

Diese Linie heißt nach der damaligen Endstation Maskouskaja und hat die Kennfarbe Blau.

Autasawodskaja-Linie[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1990 wurde die zweite Linie zwischen den Bahnhöfen Traktarni sawod (Трактарны завод) und Frunsenskaja (Фрунзенская) eröffnet. Die Maskouskaja-Linie wird gekreuzt. Der Kreuzungsbahnhof wurde nicht wie der schon vorhandene Bahnhof Kastrytschnizkaja (Кастрычніцкая), sondern Kupalauskaja (Купалаўская) genannt. 1991 wurde der U-Bahnhof Perschamajskaja (Першамайская) eingefügt. 1995 wurde die Linie nach Westen bis zur Station Puschkinskaja (Пушкінская) erweitert. Bereits zwei Jahre später erfolgte eine Verlängerung in Richtung Südosten bis zur Station Autasawodskaja (Аўтазаводская), 2001 wiederum südwärts bis zum Bahnhof Mahiljouskaja (Магілёўская). Dieser ist der erste Bahnhof mit einem Aufzug in der ehemaligen UdSSR. Rechtzeitig zum Jahrestag der Oktoberrevolution wurde am 7. November 2005 die blaue Linie nach Westen um 3,9 Kilometer und drei neue Stationen bis Kamennaja Horka (Каменная Горка) verlängert.

Diese Linie heißt nach einer früheren Endstation Autasawodskaja und hat die Kennfarbe Rot.

Am 30. Mai 1999 kam es an der Station Niamiha zu einer Massenpanik mit 54 Toten, als mehrere tausend Menschen in der U-Bahn Schutz vor einem Unwetter suchten.[1]

Linien[Bearbeiten]

Die Metro Minsk ist 35,5 Kilometer lang und hat 28 Stationen.

Linienname Farbe Strecke erste Eröffnung Stationen
Maskouskaja (Маскоўская) Blau Instytut Kultury (Інстытут Культуры) ↔ Urutschtscha (Уручча) 1984 14
Autasawodskaja (Аўтазаводская) Rot Kamennaja Gorka (Каменная Горка) ↔ Mahiljouskaja (Магілёўская) 1990 14

Sonstiges[Bearbeiten]

Die U-Bahn-Gleise haben die in der ehemaligen Sowjetunion übliche Breitspur mit 1524 mm und eine seitliche Stromschiene. Die Bahnsteige sind ca. 100 m lang und 10 m breit. Auf der roten Linie werden Vier-Wagen-Züge und auf der blauen Linie Fünf-Wagen-Züge eingesetzt, die täglich etwa 420.000 Fahrgäste befördern. Eine wichtige Zubringerfunktion hat die Straßenbahn Minsk, die mit ihren zehn Linien die Metro an der Oberfläche ergänzt.

Streckennetz der Minsker Metro mit geplanten Erweiterungen

Planungen zum Ausbau[Bearbeiten]

Da das Minsker U-Bahn-System als Sekantennetz mit 45 km geplant ist, also als Drei-Linien-Netz mit drei Kreuzungsstationen, die ein typisches innerstädtisches Dreieck bilden, soll es laut der aktuellen Pläne eine weitere Strecke (Nord-Süd) geben, die an den Bahnhöfen Ploschtscha Lenina (Плошча Леніна) und Frunsenskaja (Фрунзенская) die zwei bestehenden Strecken kreuzen soll.

Gelegentlich ist auch von vier geplanten Linien die Rede.

Explosion im April 2011[Bearbeiten]

Am 11. April 2011 um 18 Uhr Ortszeit ereignete sich eine Explosion an der Station Oktjabrskaja (Октябрская) (russisch; weißrussisch Kastrytschnizkaja (Кастрычніцкая)). Dabei kamen 15 Menschen ums Leben, etwa 300 wurden verletzt. Nach Angaben weißrussischer Sicherheitskräfte war für die Explosion eine ferngezündete, mit Nägeln und anderen Metallteilen versehene Bombe verantwortlich.[2] Rund 100 Meter von der Station entfernt liegt das Hauptbüro des Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka.[3] Zwei Verdächtigte, Wladislaw Kowaljow und Dmitri Konowalow, wurden unter anderem wegen Terrorismus angeklagt[4] und am 30. November 2011 zum Tode durch Erschießen verurteilt.[5] Der Urteilsspruch löste internationale Kritik aus; Prozessbeobachter sahen die Schuld der Verurteilten nicht als erwiesen an und bemängelten, dass das Verfahren nicht fair gewesen sei.[6][7]

Am 16. März 2012 informierte das Oberste Gericht Weißrusslands die Angehörigen von Kowaljow und Konowalow schriftlich darüber, dass jene per Genickschuss hingerichtet wurden; die staatliche Nachrichtenagentur BelTA meldete die Vollstreckung des Urteils am 17. März.[8][9][10] Zahlreiche europäische Regierungen sowie die Europäische Union verurteilten die Vollstreckung auf das Schärfste und zogen die Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens erneut in Zweifel.[11][9]

In der Gedächtniskirche aller Heiligen wurde 2012 ein Gedenkort eingerichtet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Metro Minsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 54 Tote bei Massengedränge Spiegel Online, 31. Mai 1999
  2. Mikhail Fishman: „Stellt das ganze Land auf den Kopf!“, welt.de, 12. April 2011
  3. Terror-Anschlag in U-Bahnstation in: bild.de vom 11. April 2011
  4. Anklage gegen Metro-Attentäter von Minsk in: NZZ Online vom 1. August 2011
  5. RIA Novosti: Weißrussisches Gericht verurteilt Metro-Attentäter zum Erschießen
  6. Der Standard: Metro-Attentäter zum Tode verurteilt, 30. November 2011.
  7. Radio Bremen: Weißrussland ohne Gnade
  8. Tagesschau.de: Angeblicher Minsker U-Bahn-Attentäter hingerichtet, 17. März 2012.
  9. a b Reuters: Angebliche U-Bahn-Attentäter von Minsk hingerichtet, 18. März 2012.
  10. Nascha Niwa: Канавалаў і Кавалёў расстраляныя
  11. Neue Zürcher Zeitung: Mutmassliche U-Bahn-Attentäter von Minsk hingerichtet, 18. März 2012.