Metro Pjöngjang

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Logo der Metro Pjöngjang

Die Metro Pjöngjang ist das U-Bahn-System in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, das aus zwei Linien besteht. Sie wurde am 6. September 1973 eröffnet und war die erste U-Bahn auf der Koreanischen Halbinsel. Die folgenden Angaben sind aufgrund der strengen Abschottung des Landes mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.

Streckennetz[Bearbeiten]

Streckennetz der Pjöngjanger Metro

Der Bau des Netzes begann 1968. Ein schwerer Unfall ereignete sich 1971 während der Bauphase in einem Tunnel unter dem Taedong-Fluss. Einigen Quellen zufolge kamen dabei mehr als 100 Arbeiter zu Tode. Dieser Teilabschnitt wurde niemals vollendet und das gesamte U-Bahn-Netz befindet sich heute auf der westlichen Seite des Flusses.

Die Stationen tragen keine Ortsbezeichnung, sie sind stattdessen nach Themen der nordkoreanischen Revolution benannt.

Das Streckennetz verläuft komplett unterirdisch und die Linienführung erfolgte nach dem Vorbild von Metronetzen in anderen kommunistischen Ländern, insbesondere der Metro Moskau. Beide Strecken haben viele Gemeinsamkeiten, darunter den Verlauf in großer Tiefe (teilweise 100 Meter) und die großen Abstände zwischen den Haltestellen. Einige Beispiele sozialistischer Kunst können in den Bahnhöfen gefunden werden.

In Kriegszeiten können die U-Bahn-Haltestellen als Schutzbunker verwendet werden. Für diesen Zweck sind große Stahltore installiert. Spekulationen zufolge sind große Militäranlagen mit den Haltestellen verbunden, aber es konnte niemals ein Beweis hierfür erbracht werden. Nach anderen Spekulationen soll es neben den beiden offiziellen Linien zusätzlich (wie in Moskau angeblich auch) eine unbekannte Zahl von geheimen Linien für militärische und Regierungszwecke geben.

Das Metronetz besteht aus zwei Linien:

Chŏllima-Linie[Bearbeiten]

Sie ist nach einem sehr schnellen Pferd (Ch’ŏllima = Tausend-Ri-Pferd; ein Ri sind etwa 3,9 km) in der koreanischen Mythologie benannt. Die Gesamtlänge beträgt etwa 14 km. Baubeginn war 1968, die Inbetriebnahme zwischen Ponghwa und Pukkŭnbŏl am 6. September 1973. 1987 wurde die Strecke bis Puhŭng verlängert.

  • Puhŭng (부흥 = Wiederauferstehung), Häufiger Startpunkt der U-Bahn-Fahrt für ausländische Besucher
  • Yŏnggwang (영광 = Blühendes Licht), Hauptbahnhof Pjöngjang - Häufiger Endpunkt der U-Bahn-Fahrt für ausländische Besucher
  • Ponghwa (봉화 = Signalfeuer)
  • Sŭngli (승리 = Sieg)
  • Tongil (통일 = Vereinigung)
  • Kaesŏn (개선 = Triumphale Wiederkunft)
  • Chŏnu (전우 = Kriegsfreund), Umsteigestation zur Hyŏksin-Linie (Chŏnseung)
  • Pulgŭnbyŏl (붉은별 = Roter Stern), Depot

Hyŏksin-Linie[Bearbeiten]

Gesamtlänge etwa 10 km, regulärer Passagierbetrieb seit Oktober 1975. Die Gesamtstrecke wurde 1978 in Betrieb genommen. Einige Stationen dienen als Atombunker und liegen mehr als 100 m unter der Erdoberfläche.

  • Kwangbok (광복 = Wiederkommendes Licht, Befreiung), Depot
  • Kŏnguk (건국 = Staatsgründung), Bahnhof Potonggang der P'yŏngnam-Eisenbahnlinie
  • Hwanggimbŏl (황금벌 = Goldenes Feld)
  • Kŏnsŏl (건설 = Aufbau)
  • Hyŏksin (혁신 = Erneuerung)
  • Chŏnseung (전승 = Kriegssieg), Umsteigestation zur Chŏllima-Linie (Chŏnu)
  • Samhŭng (삼흥 = Drei Erweckungen; gemeint ist die Erziehung der Schüler durch Wissen, Moral und Sport)
  • Kwangmyŏng (광명 = Helles Licht), Mausoleum Kim Il-sung; derzeit geschlossen
  • Rakwŏn (락원 = Paradies)

Betrieb[Bearbeiten]

Fahrt mit der Metro Pjöngjang

Ursprünglich war ein Betrieb von 5:30 bis 23:30 Uhr geplant, mit 4-Wagen-Zügen und einer Zugfolge von etwa fünf Minuten tagsüber und zwei Minuten in der Hauptverkehrszeit. Es gibt einen Einheitstarif für das gesamte Netz, bezahlt wird mit einem speziellen Jeton. An den Zugängen sind Sperren aufgestellt.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

„D“-Wagen in der Station Puhŭng

Als der reguläre Betrieb 1973 aufgenommen wurde, fuhren Neufahrzeuge auf den Strecken. Obwohl Nordkorea offiziell behauptet, die Triebwagen seien im Inland gebaut worden, wird angenommen, dass die vier Züge aus China stammten. 1998 wurden diese an die U-Bahn Peking verkauft, wo sie heute auf der Linie 13 in Betrieb sind. Die Fahrzeuge sind 2,7 Meter breit, pro Wagen 18,8 Meter lang und fahren mit 750 Volt Gleichstrom, der von einer seitlichen Stromschiene abgenommen wird. Seit 1998 verwendet die Pjöngjanger U-Bahn ehemalige Züge der Berliner U-Bahn. Es gibt zwei verschiedene Typen von Zügen:

Die Züge erhielten eine neue rot/cremefarbene Lackierung, alle Werbeanzeigen wurden entfernt. In den Wagen sind Porträts der Führer Kim Il-sung und Kim Jong-il aufgehängt. Teilweise sind die Fensterscheiben noch durch für Berlin typische Scratchings beschädigt.

Besucher haben in der letzten Zeit nur den Wagentyp D in Betrieb gesehen. Die schmaleren Kleinprofil-Fahrzeuge des Typs GI sind von der Metro abgezogen worden und fahren nun auf Staatsbahnstrecken unter Oberleitung. Dazu hat man bei einem Vier-Wagen-Zug einen führenden Triebwagen mit je einem Gestell an den Enden ausgerüstet, das einen Bügelstromabnehmer aufnimmt. Außerdem ist in Wagenmitte ein großer Kasten installiert, der einen Umformer aufnimmt, um die Züge für 750 Volt unter 3000 Volt Fahrleitungsspannung fahren zu lassen[1].

Briefmarken[Bearbeiten]

Anlässlich der Metro-Eröffnung erschienen im Folgejahr 1974 drei Briefmarken. Die Motive zeigen einen U-Bahn-Wagen mit einsteigenden Fahrgästen (Michel-Nummer 1223), einen U-Bahnhof (1224) und hinauf führende Rolltreppen (1225).

Auf einer weiteren Serie mit Verkehrsmittel-Motiven aus dem Jahr 1984 existieren zwei Marken mit einem U-Bahn-Zug und Fahrer (2871) und der U-Bahn-Station Yŏnggwang und Schaffnerin (2872).[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pyongyang Metro, Pyongyang: Foreign Languages Publishing House, 1980

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: U-Bahn Pjöngjang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bilder der auf Oberleitungsbetrieb umgerüsteten BVG-Baureihe GI
  2. North Korea Specimens stampsbythemes.com