Metropolregion Mitteldeutschland

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Metropolregion Mitteldeutschland (in Rot)
Übersicht
Bundesländer:

SachsenSachsen Sachsen,
Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt,
ThüringenThüringen Thüringen

Raumordnung: polyzentral
Fläche: etwa 2.000 km² bez. ehemals elf Mitgliedsstädten
Einwohner: etwa 2,4 Millionen in ehemals elf Mitgliedsstädten
Mitgliedsstädte
Sachsen:

Chemnitz
Leipzig
Zwickau

Sachsen-Anhalt:

Dessau-Roßlau
Halle (Saale)

Thüringen:

Gera
Jena

Die Metropolregion Mitteldeutschland umspannt den zentralen Ballungsraum Leipzig-Halle und zu ihren Mitgliedsstädten zählen Leipzig, Chemnitz und Zwickau im Freistaat Sachsen, Halle und Dessau-Roßlau im Land Sachsen-Anhalt sowie Jena und Gera im Freistaat Thüringen.[1] Alle Städte sind Oberzentren im jeweiligen Bundesland und außer Zwickau sind alle Mitgliedsstädte kreisfrei. Seit dem 21. März 2014 hat sich die Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH mit der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland GmbH zusammengeschlossen.[2] Beide arbeiten nun unter dem Dach der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland.

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) zählt demgegenüber zur Metropolregion Mitteldeutschland sehr weite Teile der drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit hinzu, ausgenommen sind dabei der Landkreis Harz, die Altmarkkreise Salzwedel und Stendal, die Oberlausitzkreise Bautzen und Görlitz sowie die Landkreise Nord- und Westthüringens. Daraus ergibt sich eine Einwohnerzahl von 6,9 Millionen (Stand 2008).[3] Die Region wurde von der deutschen Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) 1997 als siebte der insgesamt elf Metropolregionen in Deutschland bestätigt und liegt als einzige vollständig in den neuen Bundesländern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Metropolregion Mitteldeutschland ist 2009 aus der Metropolregion Sachsendreieck hervorgegangen, deren Ursprung die Städte Dresden, Leipzig/Halle, Chemnitz und Zwickau waren. Zunächst erhielt die Stadt Jena 2007 hier Stimmrecht und vertrat die Städte der Impuls-Region Erfurt–Weimar–Jena sowie die Stadt Gera in der Metropolregion Sachsendreieck. Im gleichen Jahr wurde hier auch die Stadt Magdeburg beratendes Mitglied. Die Städte Jena und Magdeburg wurden 2009 als Vollmitglieder aufgenommen: Gleichzeitig beschlossen die Mitglieder die der räumlichen Erweiterung entsprechende Umbenennung in Metropolregion Mitteldeutschland. Im Jahr 2010 wurden schließlich auch die Städte Gera und Dessau-Roßlau Vollmitglieder und eine Neuausrichtung wurde eingeleitet.[4] Im März 2013 gab der Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert bekannt, dass die sächsische Landeshauptstadt ihre Mitarbeit in der Metropolregion beendet.[5] Im Juni 2013 beschloss auch die Stadt Magdeburg den Austritt zum Ende des Kalenderjahres.[6] Die Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH und die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland GmbH fusionierten am 21. März 2014 zur Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland mit Sitz in Leipzig.[7] Dort sind neben den Städten nun auch Landkreise, drei Industrie- und Handelskammern sowie zahlreiche Wirtschaftsunternehmen Mitglied.

Bevölkerungsbewegung[Bearbeiten]

Suburbanisierung in Leipzig 1995

Seit dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung der Staatsgrenzen der DDR nach Westdeutschland im Jahre 1989 kam es in der Region zu erheblichen Bevölkerungsverschiebungen.

Die erste Phase bis etwa 1995 ist geprägt durch eine vor allem aus ökonomischen Gründen verstärkte Abwanderung in die alten Bundesländer. Diese Phase war noch flächendeckend und für fast jede Gemeinde gleich. In der zweiten Phase verloren die Großstädte durch eine sprunghafte Suburbanisierung (vor allem kaufkräftigere und wohlhabendere) Bürger an das Umland. In den gesamten 1990er Jahren wurden in annähernd jeder stadtnahen Gemeinde neue Gebiete für die Wohnbebauung mit Eigenheimen angelegt. Alle Großstädte haben zumindest Teile dieses Bevölkerungsverlusts über Eingemeindungen rückgängig gemacht. Gründe hierfür sind Steuereinnahmen, über die meist berufstätige Bevölkerung sowie Gelder des kommunalen Finanzausgleichs, die auch nach Einwohnern mit Hauptwohnsitz aufgeschlüsselt werden, auf die die Städte nicht verzichten können.

Bei diesen landesweiten Gebietsreformen sind allerdings auch große Einzelgemeinden entstanden, wodurch es den Städten mittlerweile recht schwer fallen dürfte, weiter einzugemeinden. Der Prozess kann daher als beendet betrachtet werden. Aus den Eingemeindungen ergeben sich auch verkehrstechnische Probleme, weil den eingegliederten Ortschaften bessere (öffentliche) Verkehrsanbindungen zustehen. Mittlerweile gewinnen die Städte Halle (Saale) und Leipzig aus dem Umland und anderen Regionen neue Bürger, was daran liegt, dass die innerstädtischen Wohnräume modernisiert wurden und auch mit dem Umland vergleichbare Wohngebiete in den Stadtgebieten zur Verfügung stehen.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Intermetropolitane Trassen und Achsen[Bearbeiten]

Intermetropolitane Trassen sind solche Verkehrswege, die die Region durchqueren und an andere europäische Metropolregionen anbinden. Metropolregionen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie Verkehrsknotenpunkt solcher Verbindungen sind.

Autobahn[Bearbeiten]

Kreuzungspunkt A 4

Von Osten nach Westen durchläuft die Bundesautobahn 4 (E 40) die Region. Die A 4 beginnt in Görlitz an der polnischen Grenze. In der Region um Dresden und Chemnitz kommt es zu einer Verteilung des Ost-West-Transitverkehrs nach Nordwesten über die A 14 nach Leipzig, Halle, Magdeburg sowie Hannover und Südwesten auf die A 72 nach Nürnberg und weiter nach München. Die A 4 führt weiter Richtung Westen nach Erfurt und Frankfurt am Main. Die A 38 verbindet die Metropolregion mit Göttingen, also den südlichen Teilen der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.

Mit der Fertigstellung des Ausbaus der Nord-Süd-Verbindung der A 13/A 17 (Europastraße E 55) kommt es auch hier zu einer weiteren Verkehrsteilung in Nordrichtung nach Berlin und Hannover. Insbesondere die A 4 zwischen dem Kreuz Chemnitz (A 72) und dem Autobahndreieck Dresden-Nord (A 13) wird daher ein Knotenpunkt zweier europäischer Fernstraßen. Die E 40 und E 55 sind dabei, erkennbar an der Endziffer, Fernstraßen erster Klasse. Die Autobahn ist heute zwischen dem Autobahndreieck Dresden-Nord und dem Autobahnkreuz Chemnitz dreispurig ausgebaut.

Die A 9 verbindet den Ballungsraum Leipzig-Halle mit Berlin, Nürnberg und München. Sie ist deshalb eine wichtige Straßenverbindung insbesondere innerhalb Deutschlands. Die Autobahn führt den Fernstraßenverkehr an der westlichen Kante des Dreiecks.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Leipziger Hauptbahnhof

Der Leipziger Hauptbahnhof ist ein wichtiger Umsteigepunkt im ICE-Netz. Neben den Verbindungen von Dresden nach Frankfurt am Main bzw. Köln und von München nach Berlin bietet er auch Anschluss an IC-Verbindungen Richtung Hannover und Dortmund über Magdeburg.

Topografisches Liniennetz
Linie Wichtige Städte
ICE50 DresdenLeipzigErfurtFuldaFrankfurt am Main
ICE51 DresdenLeipzigErfurtKasselDüsseldorfKöln
IC51 BerlinHalleErfurtKasselDüsseldorfKöln
ICE28 HamburgBerlinLeipzigNürnbergMünchen
IC55 LeipzigHalleMagdeburgHannoverDortmund
IC56 LeipzigHalleMagdeburgHannoverBremenOldenburg
FSX* DresdenChemnitzZwickauHofNürnberg
* Der Franken-Sachsen-Express wird von der DB Regio im Auftrag der DB Fernverkehr bedient

Anmerkung: Die Fernbahnlinien, welche die Region anbinden, im Überblick. Fett markierte Städte liegen in anderen Metropolregionen

Interregionale Trassen und Achsen[Bearbeiten]

Interregionale Trassen verbinden die Großräume der Metropolregion miteinander. Da die Metropolregion Mitteldeutschland aus Städten und Ballungsräumen besteht, die teilweise 100 km auseinander liegen, konzentriert sich der Verkehr auf wenige Korridore.

Autobahn und Straßen[Bearbeiten]

Die Autobahnen A14, A4 A9, A38 und A72 bilden die wichtigsten Korridore innerhalb der Metropolregion. Der letzte Lückenschluss findet derzeit mit dem Neubau der A72 zwischen Chemnitz und Leipzig statt. In den Städten und Ballungsräumen sind teilweise auch Bundesstraßen vierspurig ausgebaut.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Innerhalb der Region gibt es zwischen nahezu allen Städten direkte Bahnverbindungen. Dabei werden folgende Relationen auch durch Fernverkehr bedient:

Wichtige Nahverkehrsverbidungen sind unter anderem

S-Bahnen[Bearbeiten]

S-Bahn-Station Leipzig-Markt unter der Leipziger Innenstadt

Innerhalb der Region gibt es das S-Bahnnetz der S-Bahn Mitteldeutschland.

Mit Inbetriebnahme des Citytunnels in Leipzig ging am 15. Dezember 2013 die S-Bahn Mitteldeutschland, ein neues S-Bahnnetz im Raum Leipzig mit sieben Linien, in Betrieb. Die S-Bahn Mitteldeutschland verkehrt vor allem im Ballungsraum Leipzig-Halle, allerdings sind beispielsweise sowohl Zwickau als auch ab 2015 Dessau-Roßlau in das Netz eingebunden. Mit einer Streckenlänge von 430 km ist es das drittgrößte S-Bahnnetz in Deutschland.

Flughäfen[Bearbeiten]

Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig-Halle

Der zentrale und größte Flughafen der Metropolregion ist der Flughafen Leipzig/Halle. Von ihm aus gibt es Linienflüge zu den großen deutschen Drehkreuzflughäfen sowie zu europäischen Metropolen. Größere Bedeutung im Passagierbereich besitzt allerdings der Charterverkehr, vor allem in den Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Im Frachtbereich hat sich der Leipzig Halle Airport seit Ansiedlung des europäischen Hauptdrehkreuzes der DHL zum Main-Hub entwickelt. Die relativ junge Frachtfluggesellschaft Aerologic hat ihren Sitz am Flughafen Leipzig-Halle. Seit 2006 lässt die US Army auch über den Flughafen Leipzig/Halle Passagierflüge für den regelmäßigen Truppenaustausch im Irak und in Afghanistan durchführen. Pro Monat werden bis zu 80 Truppentransportflüge mit ungefähr 160 Soldaten pro Tag abgefertigt. Bis Anfang 2009 sollen auf diesem Weg bereits 450.000 Soldaten über Leipzig/Halle in den Kampfeinsatz geflogen sein. Im Jahr 2010 wurden am Flughafen Leipzig/Halle 2,35 Mio. Passagiere abgefertigt sowie 663.000 t Fracht (zweitgrößter Frachtflughafen in Deutschland). Die Zahl der Flugbewegungen lag bei 62.000.

Der dritte internationale Flughafen der Region ist der Flughafen Erfurt-Weimar. Er besitzt eine geringere Bedeutung mit 323.000 Passagieren bei ca. 11.000 Flugbewegungen im Jahr 2010.

Nicht den Mitgliedsstädten der Region direkt, allerdings in deren Umfeld zuzuordnen sind die Regionalflugplätze Leipzig-Altenburg und Magdeburg-Cochstedt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Metropolregion Sachsendreieck ist eine der ältesten Industrieregionen der Welt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war sie einer der drei wirtschaftsstärksten Räume Deutschlands. Momentan ist die Metropolregion die wirtschaftlich stärkste Region der ostdeutschen Bundesländer. Dresden und Leipzig gehören mittlerweile, auch am tatsächlich erreichten Inlandsprodukt gemessen, zu den 20 wichtigsten Städten in Deutschland.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Das Bruttoinlandsprodukt von Sachsen in Höhe von etwa 79 Milliarden Euro geht weitestgehend auf den großen sächsischen Anteil der Metropolregion zurück, in der die meisten sächsischen Bürger leben. Das angenommene Prokopf-BIP des Sachsendreiecks liegt mit 19.000 Euro leicht über dem sächsischen. Die Metropolregion dürfte etwa 61 Milliarden Euro zum deutschen Bruttoinlandsprodukt beitragen. Einzelne statistische Teilgruppen zeigen dabei große Einkommensunterschiede. So liegen die Einkommen der Altersgruppe 20–35 Jahre bereits über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 3500 Euro, in der Altersgruppe ab 40 fallen die Einkommen aber rapide ab, was durch die häufigen Qualifikationswechsel nach der Wiedervereinigung zu begründen ist. Die größten Städte Dresden und Leipzig gehen mit etwa 10 bzw. 9 Milliarden Euro in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ein und erzeugen damit rund ein Viertel des sächsischen Inlandsprodukts.

Die Arbeitslosenquoten der Kreise und Gemeinden in der Region weichen stark voneinander ab. Am niedrigsten ist sie in Dresden mit 9,1 % (Oktober 2011).[8] Für Sachsen ist 14,2 % aktuell (Juni 2007). Ein großes Problem bleibt nach wie vor der Mangel an „einfachen Arbeitsplätzen“ bzw. die Nachfrage nach „einfachen Tätigkeiten“. Die angesiedelten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, teilweise auf Hightech-Niveau, konnten dieses nur geringfügig lösen. In der Metropolregion ist die Arbeitslosenquote über zehn Jahre betrachtet leicht rückläufig, was auf Großinvestitionen und eine erstarkende Wirtschaft, aber auch auf Abwanderung zurückzuführen ist. In den letzten Jahren haben insbesondere Ausgründungen aus der Forschungslandschaft für einen Zuwachs an hochqualifizierten Arbeitsplätzen geführt. Zum Beispiel besitzen 20 % der Beschäftigten in Dresden einen Hochschulabschluss.

Wirtschaftliche Probleme[Bearbeiten]

Obwohl sich die Region in den letzten 10 Jahren nicht schlecht entwickelt hat und quasi Modellcharakter für die ostdeutschen Bundesländer besitzt, bleiben enorme Probleme bestehen. An erster Stelle steht dabei die hohe Arbeitslosigkeit, die sich direkt auf die gesamte Produktivität der Bevölkerung und deren Kaufkraft auswirkt.

In der Region wurden zwar von großen Konzernen Milliardensummen in zweistelliger Höhe investiert, die Kapitalbasis der mit Hauptsitz ansässigen und privaten Unternehmen bleibt aber gering. Das spiegelt sich auch in der Anzahl der Unternehmenshauptquartiere wider, die vergleichsweise gering ist. Viele heute noch bestehende Großkonzerne wie zum Beispiel Audi, Schubert & Salzer, die Wanderer Werke AG, die Hermann Pfauter AG, die Dresdner Bank oder Agfa verließen die Region aus politischen Gründen vor allem zwischen 1945 und 1961 und kamen nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland nicht mit ihren Unternehmenszentralen zurück.

Auf Grund der geringen Kaufkraft, die wenig privates Kapital für Unternehmensgründungen bereitstellt, ist auch das Unternehmertum vergleichsweise wenig ausgebildet. Es kommt hier das allgemeine Problem der östlichen Bundesländer zum Tragen: Es fehlen die Nachkriegsgenerationen, die Kapital ansammeln oder bereits ein familiär geführtes Unternehmen aufbauen konnten. In der Region gibt es wenige private Patentanmeldungen, die häufig technische Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung sind und bei mangelnder Kapitalausstattung folglich nicht stattfinden.

Da die Ausgaben der Kommunen und Gebietskörperschaften für Infrastruktur und Modernisierung der öffentlichen Einrichtungen in den letzten 15 Jahren sehr hoch waren, bleibt der öffentlichen Hand immer weniger Geld für direkte Wirtschaftsförderung. Die Verschuldung der Gemeinden ist dabei pro Einwohner gar nicht so hoch. Es muss aber bedacht werden, dass die Kommunen weniger Steuern zur Tilgung einnehmen als vergleichbare Kommunen in den westlichen Bundesländern.

In der Strukturförderung der Europäischen Union verliert die Region gerade den Status des Ziel-1-Gebiets, besitzt also um 75 % des Bruttonationaleinkommens des Gemeinschaftsdurchschnittes der EU. Die Region Halle-Leipzig verlor den Status im Jahr 2007. Ein wesentlicher Grund für den Aufstieg war der Beitritt der osteuropäischen Länder, die den Gemeinschaftsdurchschnitt senkten. Auch in der Chemnitzer und Zwickauer Region darf weiterhin am stärksten gefördert werden.

Bildung, Forschung und Entwicklung[Bearbeiten]

In der Region arbeiten etwa 6 % aller Beschäftigten in der Forschung und Entwicklung. Diese Zahl liegt über dem gesamtdeutschen Schnitt. Der Anteil der Beschäftigten mit Hochschulabschluss ist vor allem in den Metropolen vergleichsweise sehr hoch. In der Metropolregion liegen fünf Universitäten oder Technische Universitäten, fünf Fachhochschulen und sieben Kunsthochschulen.

Die Universitäten in Erfurt (gegr. 1392) und Leipzig (gegr. 1409) gehören zu den ältesten Hochschulen in Deutschland. Drittmittel sind ein Indikator für den Wert der Vertragsforschung, die eine Hochschule anderen Unternehmen und Institutionen anbietet. Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sowie die Hochschule für Bildende Künste Dresden besitzen über die Region hinaus einen Stellenwert in der Bildenden Kunst.

Im Bereich der außeruniversitären Forschung führt die Fraunhofer-Gesellschaft mit insgesamt sechs Instituten und Teilinstituten in keiner anderen Stadt so viele Einrichtungen wie in Dresden und ist dabei bedeutender Teil des Kompetenznetzwerks „Mikrotechnische Produktion“. Auch weitere bedeutende Institute der Grundlagenforschung, insbesondere die der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft, sitzen in Halle, Jena und Leipzig. Ebenfalls regional vertreten ist die Leibniz-Gemeinschaft, deren bekanntestes Institut der Region das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle ist. Insgesamt sitzen zehn Mitglieds-Institute aus den Bereichen (Sektionen) „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften“, „Lebenswissenschaften“, „Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften“ sowie „Umweltwissenschaften“ in der Region.


Tourismus[Bearbeiten]

Weimar und Leipzig sind wichtige Reiseziele in der Metropolregion. In der gesamten Metropolregion wird der Bereich Tourismus weiter zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein ausgebaut, in Leipzig zum Beispiel über die landschaftliche Aufwertung der Tagebaurest- zu einer Seenlandschaft („Leipziger Neuseenland“) im direkten Umland.

Unternehmen[Bearbeiten]

Automobil- und Maschinenbau[Bearbeiten]

Produktionsstraße des Apollo in Altenburg

Sachsen ist ein traditioneller Maschinenbaustandort. Außer Daimler besitzen alle großen deutschen Automobilbaukonzerne Produktionsstandorte zwischen Zwickau, Chemnitz und Leipzig. Diese sind Volkswagen Sachsen in Zwickau und Chemnitz (VW-Motorenwerk) sowie BMW und Porsche in Leipzig. Mit dem Porsche Cayenne in Leipzig werden in der Region Fahrzeuge im Hochpreissegment gebaut. Seit 2009 wird in Leipzig auch der Porsche Panamera produziert. VW und Porsche haben für ihre Produktionen in der Region Tochterunternehmen gegründet, um die sich ein dichtes Netz an Zulieferern entwickelt hat. Die Bildung von Clustern ist in der Automobilbranche am weitesten fortgeschritten, da zum Beispiel auch Fahrzeugelektronikzulieferer in der Region produzieren.

Der Textilmaschinenbau war der Motor des Maschinenbaus. Davon profitiert das gesamte verarbeitende Gewerbe in der Region, beginnend beim Guss von Motorblöcken bis hin zur Reinraumtechnik. In der Region Chemnitz-Zwickau, die hinsichtlich des Automobilbaus eine mehr als hundertjährige Tradition hat, zählen Unternehmen wie Audi, Auto Union, DKW, Framo, Horch, Presto-Werke, Schüttoff und Wanderer-Werke. Hierbei schlossen sich 1932 die 4 Unternehmen Audi, DKW, Horch und Wanderer zum sächsischen Auto-Union-Konzern unter dem Logo der 4 Ringe mit Sitz in Chemnitz zusammen. Hieraus ist in der Region Chemnitz-Zwickau seit den 1990er Jahren eine vitale mittelständische Maschinenbau- und Zulieferindustrie entstanden.

„Fast ein Viertel der Deutschen Autoproduktion vor dem Krieg stammte aus Sachsen und mit dem majestätischen Horch 8 Zylinder sicherlich auch die schönsten Autos. Diese Tradition ist nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abgebrochen. Nicht nur die Maschinen mussten das Land verlassen. Auch das Können und Wissen ging mit vielen Köpfen nach Westen. Für eine Region wie Ingolstadt war das ein belebender Vitaminstoß. Im Übrigen nur als Anekdote: Audi gehörte seit der Weltwirtschaftskrise dem sächsischen Staat und insoweit kaufte VW den Automobilstandort Ingolstadt von uns ab.“

Georg Milbradt, damaliger sächsischer Ministerpräsident, Ansprache am 11. Mai 2004 zur Veranstaltung „100 Jahre Automobilbau in Zwickau“

Aus der Entwicklungsabteilung der Horch-Werke, dem ehemaligen Fahrzeughersteller Sachsenring in der DDR, ging nach der politischen Wende das Unternehmen Fahrzeug-Entwicklung Sachsen GmbH (FES) hervor, welches zum Auto-Entwicklungsring Sachsen GmbH (AES) gehört. Heutzutage werden hier Entwicklungsaufträge für die Automobilindustrie bearbeitet. Das ausgegründete Unternehmen konnte sich damit am Markt etablieren. Der Nachbau des Weltrekordrennwagens Typ C der Auto-Union von 1936 rollte 2010 hier aus der Halle, der seither in der Ausstellung des August-Horch-Museum Zwickau zu sehen ist.

Chemnitz als Gründerstadt des deutschen Maschinenbaus ist das mitteldeutsche Maschinenbauzentrum mit Firmen wie Niles-Simmons-Hegenscheidt Gruppe, Heckert (Starrag Group), Unitech Maschinen GmbH, Samputensili Werkzeugmaschinen GmbH, Union Werkzeugmaschinen GmbH, Samputensili GmbH – Zahnradschleifmaschinenbau, Schönherr Textilmaschinenbau GmbH, Terrot GmbH – Strickmaschinen, Karl Mayer Malimo Textilmaschinenfabrik GmbH, Sitec Industrietechnologie GmbH, 3D Micromac AG und anderen.

In Altenburg baut die Gumpert Sportwagenmanufaktur den Supersportwagen Apollo. Die zweite Sportwagenmanufaktur der Metropolenregion, die Firma Melkus Sportwagen, ging 2013 in die Insolvenz. Sie stellte in Nachfolge des DDR-Rennsportwagens Melkus RS 1000 den Melkus RS2000 her.

Mikroelektronik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Silicon Saxony

Neben der Mikroelektronik und der Rechentechnik werden auch in anderen Technologiebereichen, wie Solarzellen (zum Beispiel Hanwha Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen oder Solarworld in Freiberg) oder organische Leuchtdioden (OLED), Produkte entwickelt und produziert. Beispielsweise wird in Chemnitz mit dem Smart Systems Campus ein Technopark für Mikrosystemtechnik in unmittelbarer Nachbarschaft zur TU Chemnitz errichtet, um Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auszubauen.

Chemie, Pharmazie und Biotechnologie[Bearbeiten]

Die Region um Leuna, südlich von Halle, wurde vor allem zu DDR-Zeiten zu einer bedeutenden Chemie-Region ausgebaut. Die Auswirkungen, insbesondere die Umwelt betreffend, waren dabei teilweise enorm schädigend. Teile der Anlagen konnten erhalten bleiben und laufen mittlerweile unter europäischen Umweltstandards zum Beispiel für den europäischen Ölkonzern Total

Biotechnologie in Halle spielt vermutlich eine enorme Bedeutung in den nächsten Jahren und wird daher, wie in annähernd jeder Region, als Kernkompetenz ausgebaut. Zwei führende Unternehmen hier sind die Aktiengesellschaften Probiodrug und Novosom.

Dienstleistungen und Informationstechnologie[Bearbeiten]

Neue Leipziger Messe

Leipzig ist einer der ältesten Messestandorte der Welt. Seinen Höhepunkt als Messestadt hatte Leipzig nach der Einführung der Mustermesse im Jahr 1895 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dominierte das nationale und europäische Messewesen. Die deutsche Teilung führte zu einem Bedeutungsverlust. Mit der Frühjahrs- und Herbstmesse übernahm die Leipziger Messe aber die Funktion als wichtigste Schnittstelle zwischen den beiden Wirtschaftssystemen. Seit dem Zusammenbruch des RGW fällt dieses Messethema weg, was die Leipziger Messe dazu zwingt, mit anderen Messestädten wie Hannover, Frankfurt am Main, Köln, Genf oder München um wichtige internationale Fachmessen zu konkurrieren. Dabei musste sie wie bei der CeBIT Home auch Rückschläge einstecken. Die Anlagen der Messe gehören zu den modernsten in Deutschland und sind verkehrstechnisch gut erschlossen.

Mit Comparex ist in Leipzig ein europaweit agierender und börsennotierter IT-Dienstleister in der Region vertreten. Das ehemalige „Neue Markt“- und TecDAX-Unternehmen SAP SI gehört mit etwa 1.800 Mitarbeitern zu den größten IT-Dienstleistern in Deutschland, es ist inzwischen wieder Bestandteil von SAP.

Der amerikanische PC-Hersteller Dell betreibt in Halle ein Vertriebs- und Servicezentrum für Geschäfts- und Privatkunden in Deutschland mit etwa 750 Mitarbeitern (Ende 2008) aufgebaut.

Kultur[Bearbeiten]

Internationale Rolle[Bearbeiten]

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig

Unter anderem mit dem Gewandhaus in Leipzig befinden sich Oper- und Konzerthäuser von europäischem Rang in den Metropolen. Auch die Händel-Festspiele in Halle werden international – insbesondere im englischsprachigen Raum – beachtet. Leipzig ist neben Frankfurt am Main ein bedeutender Ort des Buchdrucks und -handels. Die Stadt beheimatet mit der Deutschen Bücherei den Vorläufer und heutigen Teil der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) und trägt jährlich eine international bedeutende Buchmesse aus.

Ebenfalls internationale Bekanntheit besitzen die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst und die Galerien der Leipziger Baumwollspinnerei.

Architektonische Bedeutung genießt durch seine historische Symbolkraft das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Der Neubau des Museums der bildenden Künste in Leipzig, sowie der Umbau der Galerie Moritzburg in Halle bestechen vor allem durch ihr weiträumige Innenarchitektur.

Industriekultur[Bearbeiten]

Industrie, die seit mehr als 200 Jahren die gesellschaftliche Entwicklung in der Region antreibt, wirkt selbstverständlich in andere Kulturbereiche hinein. Einfluss nahm sie wesentlich auf Wissenschaft und Architektur. Vor allem die Stadt Chemnitz und die damit verbundene südwestsächsische Region können auf eine Vielzahl industrieller Kulturdenkmäler verweisen. So befinden sich beispielsweise die Gebäude der Wanderer Werke AG in Chemnitz-Schönau und der erste Firmensitz der Auto Union in Chemnitz. Industriegeschichte vermitteln auch das Sächsische Eisenbahnmuseum und das schön restaurierte Industriemuseum Chemnitz, welches bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gießerei der damaligen Auto Union war.

Grundlagen und Frühindustrialisierung[Bearbeiten]

Darstellung des historischen Bergbaus

Das Erzgebirge erhielt seinen Namen auf Grund der ehemals reichen Erzvorkommen. Insbesondere Silber, Zinn, Eisen und zuletzt Uran wurden fast vollständig abgebaut. Gerade nach dem Ergebnis des Wiener Kongresses im Jahr 1815 suchte Sachsen nach einem Weg, die auferlegten Kriegsentschädigungen begleichen zu können. Um den Silberabbau verbessern zu können, wurde schon 1765 die Bergakademie Freiberg gegründet. Um den Holzbedarf für den Bergbau decken zu können, wurde in Tharandt von Johann Heinrich Cotta die weltweit erste Hochschuleinrichtung für Forstwirtschaft gegründet und ausgebaut. In der Tat sind viele der heutigen Wälder im Erzgebirge auf damals gerodeten Flächen angelegt worden. Aus diesem Zwang zum Erzabbau ergab sich später ein gewisser Reichtum des Königreichs, so dass Mittel für den Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung standen (Leipzig-Dresdner Eisenbahn, 1839 die erste Ferneisenbahnstrecke Deutschlands). Mit dem weiteren Ausbau eines der dichtesten Eisenbahnnetze der Welt im 19. Jahrhundert war die Grundlage für die Industrialisierung gelegt.

Industrie und Kultur[Bearbeiten]

Das Zentrum der sächsischen eisenverarbeitenden Industrie war Chemnitz. Es wurde bekannt als Wiege des deutschen Maschinen- und Fahrzeugbaus. Ebenfalls hohe Bedeutung besitzt die Region in der Textilindustrie. Chemnitz wurde damals auch das sächsisches Manchester aufgrund seiner hohen Industriedichte mit über 500 Schornsteinen genannt. Die Wohnquartiere der Arbeiter und die Villen der Fabrikanten befanden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Fabriken. In Chemnitz wurde ebenfalls der Grundstein des deutschen Patentrechts gelegt. Und dies nicht ohne Grund, da in Chemnitz um das Jahr 1900 herum sechsmal soviel Patente wie im deutschen Durchschnitt angemeldet wurden. Damit wurde die Stadt zu jener Zeit zur reichsten Stadt Deutschlands. Von dieser Zeit berichten heute noch die ingenieurstechnischen Leistungen im Maschinen-, Fahrzeug-, Eisenbahn- und Bergbau, die im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz ausgestellt werden. Gezeigt werden dort neben den Produktionsmitteln der Betriebe auch die Produkte selbst. In der Region um Chemnitz befinden sich heute Außenstellen des Museums, die sich auf spezielle Gebiete konzentrieren.

Rekultivierung und Bergbaufolgelandschaften[Bearbeiten]

Cospudener See

Auch wenn es damals noch kein bekannter Begriff war, kann man bei der Aufforstung im Erzgebirge ab 1811 sicher von einer Rekultivierung sprechen. Bei dieser Rekultivierung versuchte man den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, auch wenn man sich auf bestimmte Baumarten konzentrierte und damit in gewisser Weise das Problem der Monokulturen erzeugte.

Im Gegensatz dazu ist das Aussehen der Tagebaufolgelandschaft im Süden von Leipzig wesentlich anders als die Landschaft vor dem Bergbau. Die entstandenen Tagebaurestlöcher sind oder werden mit Grundwasser gefüllt und es entsteht eine weitläufige Seenlandschaft (Leipziger Neuseenland). Da sich das Ufer eines neuen Sees geologisch festigen muss, dauert es sehr lange, bis sich ein See gefüllt hat. Südlich von Halle wurde der Geiseltalsee, der größte künstliche See in Deutschland, mit Wasser des Flusses Saale geflutet, benötigt jedoch noch jahrzehntelang Fremdwasser, um seinen Wasserstand zu halten.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtschloss Weimar
Rote Spitzen in Altenburg

Oberzentren:

Mittelzentren

Naturraum und Landschaften[Bearbeiten]

Der nördliche Teil der Metropolregion liegt vor allem in der Leipziger Tieflandsbucht sowie dem Naturpark Saale-Unstrut-Triasland als südlichem Ausläufer des norddeutschen Tieflands.

Das mittelsächsische Hügelland, etwa im Schwerpunkt des Dreiecks, und die flacheren Lagen des Erzgebirges als Streifen zwischen Dresden, Freiberg und Chemnitz grenzen die flacheren Lagen im Süden ab. Die südlichen und mittleren Teile Zwickaus zählen bereits zum Erzgebirge. Das Landschaftsbild der Region geht im Westen und in der Mitte von den flachen Tiefebenen in die Hochlagen des Mittelgebirges über.

Wichtige Flüsse der Region sind die Elbe, Saale, Mulde und Weiße Elster. Nahezu die gesamte Region war 2002 vom Hochwasser betroffen, insbesondere dort, wo sich Städte und Infrastruktur auf die Gebirgstäler konzentrieren.

Wirkung der Metropolregion[Bearbeiten]

Namensgebung[Bearbeiten]

Die Namensgebung bezieht sich auf die Region Mitteldeutschland in dem Sinne, wie er auch beispielsweise im Mitteldeutschen Rundfunk oder der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland Verwendung findet. Gemeint ist das Gebiet Sachsens, Thüringens und Sachsen-Anhalts mit Zentrum im Raum Leipzig-Halle.

Kooperationen[Bearbeiten]

Kooperationen finden insbesondere im Bereich Wirtschaft über das Bilden von Clustern statt. So gibt es zum Beispiel beim Automobilbau enge Verflechtungen zwischen dem Ballungsraum Chemnitz-Zwickau und Dresden. Insbesondere VW Sachsen betreibt hier verteilte Produktionen. Auch Unternehmen im Großraum Leipzig treten nach außen geschlossen in Industrieverbänden auf.

Ebenso gibt es auf wissenschaftlicher Ebene Kooperationen, wie zum Beispiel zwischen den Universitäten Halle-Jena-Leipzig. Auch einige außer-universitäre Forschungseinrichtungen verteilen sich auf mehrere Städte in der Region. Letztendlich ist es im Moment vorrangig die Wissenschaft selbst, die die Existenz und Bedeutung der Metropolregion vorantreibt. Praktische Kooperationsansätze lassen jedoch seit längerem auf sich warten.

In den letzten Jahren haben sich die Großräume auf bestimmte Branchen spezialisiert. Die Region Leipzig-Halle ist unumstritten der wichtigste Raum für Dienstleistungen im Bereich Logistik (durch Ausbau des Flughafens) und des Handels (Messestandort). Die anderen Branchen, zum Beispiel die Mikroelektronik in Dresden und Freiberg, sind insbesondere dann auf Logistik und internationale Marktzugänge angewiesen, wenn sie global verteilte Produktionen und Märkte besitzen. Chemnitz hat an seine alten Wurzeln des Maschinenbaus für Werkzeug- und Textilmaschinen, sowie der Textil- und Fahrzeugindustrie angeschlossen. Die Spezialisierung der Ballungsräume ist also erkennbar, führt jedoch zu einem starken Konkurrenzdenken und einem Mangel an Kooperationsansätzen zwischen den Regionen, die immer unterschiedlichere Profile ausbilden. Beispielhaft dafür ist die konkurrierende Bewerbung von Städten bei Neuansiedlungen wie bei der Ansiedlung von BMW in Leipzig. Halle hatte sich ebenfalls um diese Ansiedlung beworben.

Abschließend kann auf Grundlage dieser Feststellungen konstatiert werden, dass sich Clusterinitiativen nicht ausrufen lassen, sondern sie bilden sich auf natürlichem Wege. Dies kann zur Schlussfolgerung führen, dass diese nicht zur Standortvermarktung etabliert werden sollten, da man sie als kostenintensive aber nutzlose Gebilde mit zusätzlicher Komplexität sehen kann, die keinen Mehrwert erbringen.

Wahrnehmung[Bearbeiten]

Die Wahrnehmung der Region nach innen an sich ist, wie bei fast allen Metropolregionen in Deutschland, nach nunmehr 10-jährigem Bestehen eher mangelhaft. Das liegt insbesondere daran, dass der Begriff der Metropolregion kaum allgemeine Bekanntheit genießt. Andere Begriffe wie „Ballungsgebiet“, „Stadtregion“ oder „Metropole“, unter denen sich die meisten Menschen zumindest etwas vorstellen können, sind weitaus gängiger. Eine Ausnahme bildet da allenfalls die Metropolregion Hamburg, die sich über Aktionen wie die Metropolcard und eine Internetseite der Öffentlichkeit vorstellt.

Wie bereits angesprochen ist die Region sehr weitläufig, dazu kommt ein seit Jahrzehnten bestehendes Konkurrenzdenken zwischen den Großstädten, so zum Beispiel zwischen Dresden und Leipzig, aber auch schon zwischen Leipzig und Halle oder den thüringischen Städten. Dieses ist nicht nur in den Stadtbevölkerungen verankert, sondern auch häufig in der Kommunalpolitik erkennbar (zum Beispiel bilden alle drei Ballungsräume eigene Verkehrsverbünde). Folglich ist es schwer, bei einer so ausgedehnten Region ein breites Bewusstsein für den Raum zu schaffen, wenn neben der räumlichen Entfernung auch eine teilweise ausgeprägte Antipathie zwischen den Städten vorherrscht.

Nach außen wird die Region vor allem im Bereich Kultur wahrgenommen, wo aber nicht die Region im Ganzen, sondern wieder nur die einzelnen Ballungsräume besondere Geltung und Anerkennung besitzen. Insbesondere die Kulturunterschiede zwischen der bürgerlichen Kultur und Kunst in Leipzig und der staatlich-„monarchischen“ in Dresden bilden einen starken Widerspruch. In dieser Hinsicht ist es sicher nicht der Sinn einer Metropolregion, Monotonie in das kulturelle Bild der Metropolen zu bringen. Eher soll sie über touristische und kulturwirtschaftliche Aktionen die Abhängigkeiten und Verbindungen der kulturellen Geltungsbereiche aufzeigen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Raum „Metropolregion Mitteldeutschland“ ein raumplanerisches Konstrukt bleibt, das relativ bedeckt im Bereich Wissenschaft und Wirtschaftspolitik behandelt wird. Auf absehbare Zeit sind keine synergetischen Projekte geplant. Auch das immer wieder durch Akteure wie die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland beförderte Thema einer Länderfusion, steht gegenwärtig in Thüringen und Sachsen nicht zur Debatte. Vielmehr sah sich die Wirtschaftsinitiative Kritik gegenüber ihrer gescheiterten Clusterpolitik ausgesetzt, da nur einer der angestoßenen Unternehmensverbünde dauerhaft auf eigenen Füßen steht. Insbesondere in Teilen der Unternehmerschaft wird das überregionale Konzept kritisch gesehen. Hier herrscht die Sichtweise vor, ärmere Regionen wie Sachsen-Anhalt oder Ostsachsen profitierten unrechtmäßig von der Dynamik einzelner Standorte wie Jena und Dresden. Zudem bestehen massive Vorbehalte auf Seiten der Politik, welche die Aktivitäten der Wirtschaftsinitiative eher kritisch begleiten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hannes Berger: Metropolregion Mitteldeutschland - Eine kritische Analyse der politischen Institution. Akademische Verlagsgruppe München, München 2013, ISBN 978-3-86924-437-2.
  • Tobias Federwisch: Metropolregion 2.0: Konsequenzen einer neoliberalen Entwicklungspolitik. Steiner Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-515-10003-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Region Mitteldeutschland, Mitgliedstädte.
  2. http://www.mitteldeutschland.com/leistungen/news/singleansicht/datum/2014/03/21/wirtschaftsinitiative-und-metropolregion-fusionieren.html
  3. deutsche-metropolregionen.org (PDF), BBR, Monitoring-Bericht 2010.
  4. region-mitteldeutschland.com (PDF), Region Mitteldeutschland – Leitfaden (Seite 4)
  5. Dresdner Neueste Nachrichten vom 28. März 2013 (Seite 15)
  6. Magdeburger Stadtratinfo (PDF) Niederschrift zum Stadtratsbeschluss vom 14. Juni 2013
  7. http://www.mitteldeutschland.com/leistungen/news/singleansicht/datum/2014/03/21/wirtschaftsinitiative-und-metropolregion-fusionieren.html
  8. http://www.arbeitsagentur.de/Dienststellen/RD-S/Dresden/AA/Presse/Presseinformationen/2011/Generische-Publikationen/AMA-Oktober.pdf
  9. geiseltalsee-ifv.de: Der Geiseltalsee, Zugriff am 11. Februar 2011