Miķelis Valters

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Miķelis Valters (Aussprache: [ˈmicɛlis ˈvalters], deutsch: Walters; * 13. Apriljul./ 25. April 1874greg.[1] in Liepāja (Libau); † 27. März 1968 in Nizza, Frankreich) war ein lettischer Publizist, Diplomat und Politiker. Er war ein früher Verfechter eines unabhängigen lettischen Staates und 1919 Innenminister der Republik Lettland.

Jugend und Exil[Bearbeiten]

Valters wurde als Sohn eines Hafenarbeiters in Libau (damals Gouvernement Kurland) geboren. Als Eisenbahnarbeiter und Absolvent der Libauer Realschule kam er mit sozialistischen Ideen in Kontakt. Er engagierte sich in der Arbeiterbewegung und arbeitete für die Zeitung "Dienas Lapa" in Riga. Kurzzeitig hielt er sich auch in Berlin auf, wo er Kontakte zu deutschen Sozialisten knüpfte und Vorlesungen an der Universität besuchte. Nach Lettland zurückgekehrt wurde er am 20. Mai 1897 wegen Teilnahme an der Bewegung der "Neuen Strömung" zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Als er danach in die Verbannung nach Vjatka geschickt werden sollte, gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Später zog er in die Schweiz, wo er Staatskunde an der Universität Bern studierte. Mit Gleichgesinnten gründete er eine "Westeuropäische lettische Sozialdemokratische Partei" und publizierte seine radikalen Ansichten als Redakteur von verschiedenen Zeitungen. Er war der erste der (im Gegensatz zu den Bolschewisten) einen vollständig selbstständigen lettischen Staat forderte.

Während der Revolution von 1905 war Valters im Baltikum anwesend, kehrte jedoch 1906 in die Schweiz zurück und promovierte 1907 zum Doktor der Staatswissenschaften. 1909 bis 1910 vervollständigte er seine Ausbildung an der Sorbonne in Paris und lebte 1912 bis 1913 in London. Teilweise unter Pseudonymen veröffentlichte er neben politischen auch kunsttheoretische Schriften und drei Liedersammlungen ("Tantris" "Ēnas uz akmeņiem" und "Mūžība").

Lettische Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Im Mai 1917 reiste Valters nach Lettland und wurde in den "Vorläufigen Rat Vidzemes" gewählt. Er war zusammen mit Kārlis Ulmanis einer der Gründer der lettischen Bauernvereinigung und des lettischen Volksrates. Nach der Ausrufung der Republik Lettland am 18. November 1918 wurde er der erste Innenminister und verhandelte in dieser Position mit dem Generalbevollmächtigten des Deutschen Reiches Winnig und später mit dem Kommandierenden General der deutschen Besatzungsmacht von der Goltz. Beim Baltenputsch vom 16. April wurde er kurzzeitig gefangengesetzt.

Von 1920 bis 1939 war er lettischer Botschafter für verschiedene Länder (Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Polen, Ungarn, Belgien). Als Ulmanis nach 1934 autoritär regierte, war Valters einer der wenigen, die öffentlich und in privaten Denkschriften scharfe Kritik übten. Deshalb wurde er 1939 in Pension geschickt.

Weiteres Leben, Privates[Bearbeiten]

Ab 1940 lebte Valters in der Schweiz und engagierte sich auch nach dem 2. Weltkrieg publizistisch im Sinne eines freien Lettlands. 1968 starb er in Nizza.

Valters war bis 1928 mit Estere Papardīte verheiratet. 1930 heiratete er Alise Ērika Vilsone. Mit Antonija Jākobsone hatte er 1938 einen außerehelichen Sohn.

Rüdiger von der Goltz bezeichnet Valters in seinen Erinnerungen als einen der wenigen geistig hochstehenden Personen in der lettischen Regierung (1919).

Literatur[Bearbeiten]

  • Latvijas ārlietu dienesta darbinieki 1918–1991. Biogrāfiska vārdnīca. / sast. Ē. Jēkabsons un V. Ščerbinskis – Latvijas Valsts vēstures arhīvs; Zinātne: Rīga, 2003, - 437 lpp., 316.-318. lpp.
  • Von der Goltz: Meine Sendung in Finnland und im Baltikum. K. F. Koehler, Leipzig 1920

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im Taufregister der St.-Annen-Kirche zu Libau (lettisch: Liepājas sv. Annas baznīca)