Michał Sędziwój

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Michał Sędziwój, auch Michael Sendivogius oder Sędzimir, latinisiert Sendivogius Polonius, (* 2. Februar 1566 in Łukowica, Kleinpolen; † zwischen 20. Mai und 12. August 1636 in Deutsch Krawarn bei Troppau) aus der Adelssippe der von Ostoja, war ein polnischer Alchemist, Philosoph und Arzt. Er befand sich am Hof und im Dienst von Rudolfs II. in Prag und später des Kaisers Ferdinand in Wien, und war Diplomat von Sigismund III. Wasa, zeitweise als Doppelagent. Als Pionier der Chemie erlangten die Ergebnisse seiner chemischen Experimente praktische Bedeutung u.a. in der Metallurgie. Seine Werke inspirierten noch Isaac Newton.

Leben[Bearbeiten]

Wappen der Adelssippe von Ostoja

Sędziwój war Spross einer Adelsfamilie, die der Sippe der von Ostoja angehörte. Die Familie hatte ein kleines Gut bei Nowy Sacz bei Krakau. Sein Vater Jacob Sedzimir schickte ihn zum Studium nach Krakau, wo er zunächst Philosophie und Theologie studierte, sich aber Mathematik und Naturwissenschaften zuwandt und über die Schriften von Arnaldus de Villanova zur Alchemie kam. Sędziwój besuchte darüber hinaus die meisten europäischen Länder, er studierte in Wien, Altdorf, Leipzig (1590)[1] und möglicherweise Cambridge, besuchte Padua, Rom, Neapel, Venedig und nach einigen Angaben Konstantinopel.

Nach Prinke[2] war Veronika Stiebar von Buttenheim die erste Frau Sędziwójs. Die Ehe wurde 1594 geschlossen. Veronika war zuvor bereits mit Hans Ehrenfried von und zu Absberg verheiratet gewesen und bei der Heirat eine wohlhabende Witwe. Sie starb am 23. Oktober 1599 in Prag an der Pest ebenso wie zwei seiner vier Kinder (Veronica und Christopher überlebten).

Portrait von 1862

Ab 1593 reiste er zu Rudolf II. nach Prag, wo er in dessen alchemistischen Labor im Hradschin tätig war. Er war als Höfling in dessen Dienst und kam ihm aufgrund gemeinsamer alchemistischer Interessen auch persönlich nah. Außerdem war er ab 1594 als Diplomat für den polnischen König Sigismund III. Wasa tätig (was durch die Freundschaft der beiden Herrscher und ihre gemeinsamen Interessen möglich war). 1597 kaufter ein Gut bei Prag von der Witwe von Edward Kelley. Um diese Zeit wechselte er seinen Namen von Sedzimir zu dem nobler klingenden Sedziwoj (latinisiert Sendivogius). 1599 wurde er in Prag in einen Gerichtsprozess mit den Erben des im gleichen Jahr verstorbenen Alchemisten (und wohlhabenden Kaufmanns) Ludvik Koralek verwickelt (sie beschuldigten ihn an seinem Tod Schuld zu sein, ihn finanziell ruiniert zu haben und verlangten Geld). Er war deshalb im Gefängnis, wurde aber nicht zuletzt dank Einflußnahme des polnischen Königs freigesprochen. Sendivogius war aber über die mangelnde Unterstützung durch Rudolf II in dieser Affäre enttäuscht und verkaufte sein Gut bei Prag um wieder nach Polen zu ziehen. 1600 bis 1603 scheint er meist in Polen gewesen zu sein in diplomatischer Mission (er verhandelte zwischen Polen und dem Kaiser um einen Zugang zum Schwarzen Meer). Der polnische König war selbst an Alchemie interessiert und im Wawel in Krakau ist noch heute die Kammer zu sehen, wo beide Experimente durchführten. Dem polnischen Adel waren dagegen die hohen Summen für die Experimente ein Dorn im Auge. Sendivogius war in Polen aber später auch im Bergbau und in Gießereien aktiv.

Seine Werke und Bücher, das bekannteste davon war 12 Traktate über den Stein der Philosophen, gewonnen aus der Natur und durch Forschung (De lapide philosophorum tractatus duodecim, auch als Neues chemische Licht, Novum Lumen Chymicum, bekannt), veröffentlicht 1604 unter dem Pseudonym Divi Leschi Genus Amo[3]. Das Buch 56 Auflagen bis 1787, wurden wiederholt übersetzt und von einem breiten Publikum gelesen, darunter auch von Persönlichkeiten wie Isaac Newton. Er kritisierte darin spekulative Alchemisten und legte lange vor Robert Boyle Wert auf das Experiment.

Als ein Pionier der Chemie entwickelte er verschiedene Wege der Gewinnung bzw. Herstellung verschiedener Säuren, Metalle und anderer chemischer Verbindungen. Er entdeckte Jahre vor Scheele und Priestley, dass Luft nicht einfach eine einzige Substanz ist und einen lebensspendenden und Feuer-nährenden Bestandteil hat. Er identifizierte diese Nahrung des Lebens korrekt mit dem Gas, welches bei der Erhitzung von Natriumnitrat freigesetzt wird (später als Sauerstoff bekannt). Diese Substanz, das zentrale Nitrat (Unsichtbares Niter, Philosophisches Salpeter) stand im Mittelpunkt von Sędziwójs Theorie über das Universum. Es kam nach Sendivogius von den Strahlen von Sonne und Mond über Regen und Feuchte in die Erde kam, wo es Salpeter bildete.

Weitere Bücher sind sein Operatie elixiris philosophici, das erste alchemistische Werk, das überwiegend in polnischer Sprache veröffentlicht wurde und aus seinen Erfahrungen in Italien entstand, das Traktat über die Salze von 1598 (erst 1620 veröffentlicht), und im Gegensatz zur alchemistischen Literatur der Zeit klare Laboranweisungen enthielt (z.B. zur Herstellung von Natriumnitrat, Salpetersäure, Königswasser, Stickoxid), und 1613 den Traktat über den Schwefel, in der er auf die Lehre des Paracelsus eingeht. Neben Paracelsus war er auch von Alexander von Suchten beeinflusst. In seinen Gesprächen des Mercurius (Köln 1607), einer Art Satire auf die Alchemie, wandte er sich gegen Betrügereien von Goldmachern. Er genoss einen europäischen Ruf als Alchemist, auch nach seinem Tod, legte aber Wert auf Geheimhaltung und veröffentlichte seine Werke anonym.

1605 wurde er auf der Reise nach Stuttgart (als Abstecher während einer diplomatischen Mission in Frankreich) zum Herzog Friedrich von Württemberg verhaftet und eingesperrt. Wahrscheinlich wollte der Herzog von Württemberg Informationen über den Stein der Weisen von ihm erhalten, deren Besitz sich Sendivogius ins einm Buch rühmte. Daraus erwuchs eine weite Kreise ziehende Affäre - der polnische König und Rudolf II sowie mehrere andere Fürsten setzten sich erfolgreich für seine Freilassung ein. Der Herzog schob die Schuld seinem Hofalchimisten Mühlenfels [4] zu, der als Sündenbock gehängt wurde. Es gibt auch eine Geschichte, er hätte im Austausch für alchemistische Geheimnisse den schottischen Alchemisten Alexander Seton aus sächsischer Haft befreit, was aber wahrscheinlich eine Legende ist und nicht duch Dokumente erhärtbar.[5]

1608 war er auf Veranlassung des Wojwoden Jerzy Mniszech in Moskau als Diplomat in einer gefährlichen Mission in Zusammenhang mit dem Falschen Demetrius. Danach hatte er in Polen die Aufsicht über Bergwerke und Gießereien (besonders die Eisenindustrie in Klobuck), wobei er enge Kontakte zu Marschall Mikolaj Wolski (1555-1630) hatte. 1610 war er kurz in Mantua. 1616 war er in Marburg und machte erneuerte die Bekanntschaft mit dem Alchemisten und Professors Johann Hartmann, den er schon aus Prag kannte. Im selben Jahr traf er auch Michael Maier, der ihn in sein Buch Symbola aureae mensae aufnahm. Danach war er Berater und Agent des Kaisers in Wien (und soll für diesen Bleibergwerke in Schlesien beaufsichtigen) und zog nach einer Reise nach Padua 1624 nach Krakau. Dort hatte er wieder Kontakte zu Wolski, der zur Habsburgerpartei in Polen zählte. Er scheint einige Zeit sowohl für den Kaiser in Wien als auch für den polnischen König gearbeitet zu haben, also gleichsam als Doppelagent. In seinen späteren Jahren war er viel in Wien und gelegentlich in Krakau (wo er mehrere Häuser besass). Nachdem er lange vergeblich vom Kaiser ausstehende Gelder verlangt hatte, erhielt er im Jahr 1630 von dem Kaiser Ferdinand II. die Dörfer Deutsch Krawarn und Kautern im Herzogtum Jägerndorf, allerdings waren diese nicht schuldenfrei und Sendivoglius musste dazu weitere Eingaben machen. Hinzu kamen die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Kurz vor seinem Tod wollte er sie verkaufen. Es gibt einen Brief seiner Tochter Maria Veronica von Eisendorf aus dem Jahr seines Tods 1636.

In alchemistischen Traktaten des 17. und 18. Jahrhunderts genoss er hohe Wertschätzung. Man vermutete in ihm einen Rosenkreuzer und ihn im Besitz des großen Geheimnisses.

Sędziwój als Romanfigur[Bearbeiten]

Alchemik Michał Sędziwój von Jan Matejko, Öl auf Leinwand (73 x 130 cm), Museum der Künste in Łódź

Erstmals trat der Charakter des Sędziwój 1845 im Buch Sędziwoj von Józef Bohdan Dziekoński auf, einem Schriftsteller aus der Zeit der Romantik in Polen. Der polnische Maler Jan Matejko, Realist des 19. Jahrhunderts, stellte Sędziwój dar, wie er vor König Sigismund III. Wasa die Transmutation eines gewöhnlichen Metalls in Gold demonstrierte. Sędziwój ist weiterhin ein Charakter einer Novelle von Gustav Meyrink, einem deutschsprachigen Autor aus Prag, der oft über Alchemie und Alchemisten schrieb. Sie erschien 1925 als Teil der Goldmachergeschichten im August Scherl Verlag in Berlin. Heutzutage erscheint Sędziwój in mehreren Büchern des polnischen Schriftstellers Andrzej Pilipiuk (Kuzynki, Księżniczka, Dziedziczki). Dieser wurde auch als Alchemist Sendivius leicht verkleidet in 1980er Jahren in einer polnischen Fernsehserie gezeigt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genannt (von Carolides a Caspergis) wurden auch Frankfurt, Rostock, Ingolstadt, Wittenberg, Cambridge. Durch Immatrikulation in Leipzig, Wien (1591), Altdorf (1595) nachgewiesen, Rudolf Soukup Chemie in Österreich, 2007. Da er 1595 schon in kaiserlichen Diensten war war er dort 1595 aber wahrscheinlich nicht als Student sondern in offizieller Mission.
  2. Rafał T. Prinke: Veronika Stierbarin, the wife of Michael Sendivogius. S.161ff. (Englisch)
  3. Lech war der legendäre Gründer Polens
  4. Ulrich Petzold: Müller von Mühlenfels (Müllenfels), Johann (Hans) Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 424 f. (Digitalisat).
  5. Hubicki, Dictionary of Scientific Biography