Michael Ballhaus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Michael Ballhaus 2007 bei der Deutschlandpremiere Die Fremde in Dir

Michael Ballhaus (* 5. August 1935 in Berlin) ist ein deutscher Kameramann, einer der bedeutendsten des deutschen und internationalen Films. Er arbeitete in den 1960er Jahren beim deutschen Fernsehen und wurde Ende der 1960er Stammkameramann von Rainer Werner Fassbinder, mit dem er 17 Filme drehte. In den 1980er Jahren wechselte er nach Hollywood, wurde dort zu einem der gefragtesten Kameramänner und drehte mit vielen bedeutenden US-Regisseuren wie Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Robert Redford und Wolfgang Petersen. Im Jahr 2007 verkündete er seinen Rückzug aus Hollywood und widmet sich seitdem verschiedenen Projekten, so ist er in der Nachwuchsförderung und -ausbildung aktiv und rief ein Projekt zum Klimaschutz ins Leben. Ballhaus gilt als Erfinder der 360-Grad-Kamerafahrt, des sogenannten „Ballhaus-Kreisels". [1] Sie wurde jedoch bereits 1966 von Claude Lelouch eingeführt, Ballhaus machte sie jedoch populär. In Film und Fernsehen fand sie seitdem viel Nachahmung. [2]

Leben[Bearbeiten]

Seine Eltern waren die Theaterschauspieler Oskar Ballhaus und Lena Hutter, Mitbegründerin und bis zu ihrem Tod Prinzipalin des nach seinem heutigen Spielort benannten Fränkischen Theaters Schloss Maßbach. Durch sie kam er über das Theater zum Film. Als Kind lebte er in Coburg, wo seine Eltern den Coburger Kulturkreis gründeten. Seine Jugend verbrachte er im unterfränkischen Wetzhausen, wo die Eltern im Jahr 1948 ein erstes festes Domizil für ihr Privattheater gefunden hatten.

Ballhaus durfte 1955 die Dreharbeiten des Films Lola Montez aus der Nähe beobachten. Regisseur dieses Films war der Freund der Familie, Max Ophüls,[3] Kameramann der Franzose Christian Matras. Dieses Erlebnis führte ihn zum Entschluss, selbst Kameramann zu werden. Nach einer zweijährigen Fotografenausbildung begann Ballhaus beim Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden eine Kameraassistenz. Eine Ausbildung zum Kameramann gab es zu der Zeit nicht. Bereits ab 1960 arbeitete er dann als Kameramann für das Fernsehen, zunächst vor allem für den Südwestfunk. Sein erster Film dort entstand für den Regisseur Peter Lilienthal. Bis 1966 war er beim SWF Chefkameramann. 1968 drehte er seinen ersten Kinofilm: die Komödie Mehrmals täglich mit Dieter Hallervorden.

Durch die Mitarbeit an einigen Low-Budget Produktionen Ende der 1960er Jahre traf er auf Rainer Werner Fassbinder. Mit ihm allein drehte er dann siebzehn Filme, die ihn über Deutschland hinaus in der Filmszene bekannt machten und ihm auch in den USA die Türen öffneten. Über die Arbeit an zahlreichen Independent-Produktionen dort wurden dann renommierte Regisseure auf ihn aufmerksam. Seit dem Film Die Zeit nach Mitternacht 1985 war er der Director of photography von Martin Scorsese. Insgesamt führte Michael Ballhaus die Bildregie in über 80 Kinofilmen. Er arbeitete unter vielen anderen mit Mike Nichols, Volker Schlöndorff, Wolfgang Petersen, Francis Ford Coppola, Jeanine Meerapfel und Peter Stein zusammen. Seine effiziente, gleichzeitig gestalterische Arbeitsweise macht ihn zu einem begehrten Chefkameramann. 1987 erhielt er für seine Arbeit an Nachrichtenfieber seine erste Oscar-Nominierung. Zwei Jahre später wurde er für Die fabelhaften Baker Boys ein weiteres Mal nominiert. Eine dritte Nominierung erhielt er im Jahr 2003 für Gangs of New York. Michael Ballhaus bekam 2007 als erster Deutscher den begehrten Preis für sein Lebenswerk von der American Society of Cinematographers (US-amerikanischer Verband der Kameraleute).

Michael Ballhaus auf der Berlinale 2006

Am Rande der Berlinale im Februar 2007 verkündete Michael Ballhaus seinen Rückzug aus Hollywood, um künftig vor allem Filme zu produzieren und unterrichten. Bereits zuvor gab Ballhaus als regelmäßiger Gast der Berlinale und als Dozent auf dem Berlinale Talent Campus und der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin seine Erfahrungen jungen Kameraleuten weiter. Seit 1999 war er Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Im gleichen Jahr rief er auch das Ballhaus-Projekt ins Leben, eine Initiative zum Klimaschutz, die zum sparsamen Umgang mit Energie aufruft.

2009 übernahm Ballhaus an der Hamburg Media School die Fachbereichsleitung Kamera für den Master-Studiengang in Zusammenarbeit mit Achim Poulheim.[4] Seit 2010 ist er Abteilungsleiter Kamera an der Hochschule für Fernsehen und Film München.

Im Jahr 2014 zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück.[5] Am 11. März 2014 wurde bekannt, dass Ballhaus seit 1996 an Grünem Star leidet und fortschreitend erblindet; das Lesen sei ihm bereits nicht mehr möglich.[6][7] Am 17. März 2014 veröffentlichte Michael Ballhaus seine Autobiographie Bilder im Kopf – Die Geschichte meines Lebens, die er zusammen mit dem Co-Autoren Claudius Seidl verfasste.

Ballhaus lebt in Berlin-Zehlendorf.

Familie[Bearbeiten]

Michael Ballhaus bei der Vorstellung seiner Autobiographie auf dem „Blauen Sofa“ auf der Leipziger Buchmesse 2014

Aus der 1960 geschlossenen Ehe mit der Schauspielerin und Filmaustatterin Helga Ballhaus gingen die beiden Söhne Sebastian und Florian Ballhaus (Kamera bei Flightplan und Der Teufel trägt Prada) hervor, mit denen er eng zusammenarbeitet. Seine Frau verstarb am 28. September 2006 in Los Angeles.

In der Rückschau auf sein Leben verweist Ballhaus immer auf die enge vertrauensvolle berufliche und nicht nur private Rolle seiner Ehefrau, mit der er über viele Jahrzehnte zusammenarbeitete. Aus der gleichen Branche kommend, schon zu Zeiten der Fassbinder-Filme als Ausstatterin am Drehort im Produktionsprozess beteiligt, hatte sie nach seinen Aussagen großen Anteil an seinem beruflichen Erfolg.[8]

Fünf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau Helga heiratete Michael Ballhaus am 28. Oktober 2011 die Regisseurin Sherry Hormann.[9] Im Mai 2012 begann der gemeinsame Dreh zu dem Film 3096 Tage über die Entführung von Natascha Kampusch, dessen Weltpremiere am 25. Februar 2013 in Wien stattfand.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Stern von Michael Ballhaus auf dem Boulevard der Stars in Berlin

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michael Ballhaus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.derwesten.de/kultur/kino/michael-ballhaus-der-mit-der-kamera-tanzt-id286565.html
  2. https://wiki.univie.ac.at/display/filex/Kreisfahrt
  3. A Conversation With Michael Ballhaus, ASC. American Society of Cinematographers, 20. November 2006, abgerufen am 18. März 2014.
  4. Welt am Sonntag, 13. Dezember 2009.
  5. Kameramann Michael Ballhaus will keine Filme mehr drehen. In: Focus. 26. Februar 2014, abgerufen am 18. März 2014.
  6. Kameramann Michael Ballhaus erblindet langsam. In: Der Tagesspiegel. 11. März 2014, abgerufen am 18. März 2014.
  7. "Ich hätte gern mehr gesehen", Interview mit Michael Ballhaus. In: Die Zeit, Nr. 12/2014. 23. März 2014, abgerufen am 23. März 2014.
  8. Zum Beispiel in der Hörfunksendung Redezeit des WDR5, April 2006.
  9. Filmreife Hochzeit in Zehlendorf! In: Bild . 28. Oktober 2011, abgerufen am 18. März 2014.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKategorie Kultur und Medien. Archiviert vom Original am 20. Februar 2009, abgerufen am (unbekannt).
  11. Bisher bekannte Bambi-Preisträger 2009. In: Naumburger Tageblatt. 24. November 2009, abgerufen am 18. März 2014.