Michael Baumgarten

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Michael Baumgarten, 1860.

Michael Baumgarten (* 25. März 1812 in Haseldorf, Holstein; † 21. Juli 1889 in Rostock) war ein protestantischer Theologe.

Leben[Bearbeiten]

Michael Baumgarten entstammte einer alten Haseldorfer Bauernfamilie. Seine Eltern waren der Hofbesitzer und Deichgraf Hinrich Baumgarten (1774–1853) und dessen Frau Anna Catharina (1790–1832), Tochter des Johann Hauschild. Baumgarten besuchte die Schule in Altona und studierte seit 1832 evangelische Theologie an den Universitäten in Kiel und Berlin und habilitierte sich 1839 als Privatdozent in Kiel. Zunächst stark vom Pietismus beeinflusst, näherte er sich der konservativen Theologie des Johann Christian Konrad von Hofmann an. Er wurde 1846 Pastor zu Schleswig, wo er 1848 die Nationalbewegung der deutschen Bevölkerung gegen die Integration in den dänischen Landesteil unterstützte. Er musste 1850 aus Schleswig fliehen und wurde bald darauf ordentlicher Professor der Theologie in Rostock.

Streng bibelgläubig, aber feind allem hierarchischen Wesen, geriet Baumgarten bald mit dem Oberkirchenrat in Zwiespalt. Als er auf einer Pfarrkonferenz in Parchim gegen die Einführung zeremonial-gesetzlicher Grundsätze in die Sonntagsfeier eiferte und arglos eine Prüfungsfrage stellte, ob sich eine Revolution aus der Heiligen Schrift rechtfertigen lasse, wurde er am 5. November 1856 aus der theologischen Prüfungskommission entlassen. Am 6. Januar 1858 wurde er unter Nichtachtung des für solche Fälle vorgeschriebenen Verfahrens auf Grund des von Otto Carsten Krabbe verfassten Konsistorialerachtens, das ihm unter anderem Bekämpfung der in der Konkordienformel festgelegten Kirchenlehre und Bruch eidlich angelobter Verpflichtungen vorwarf, seiner Professur enthoben.

Auf Grund der daraufhin von ihm herausgegebenen Schriften Eine kirchliche Krisis in Mecklenburg (Braunschweig 1858), Der kirchliche Notstand in Mecklenburg (Leipzig 1861), An die Freunde aus dem Gefängnis (Berlin 1862) etc. wurde er wegen Preßvergehen zwei Mal zu Haft und Geldbuße verurteilt.

In Rostock lebend wirkte Baumgarten unermüdlich durch Schriften und öffentliche Vorträge für eine Neugestaltung der deutschen evangelischen Kirche und war bis 1877 im Protestantenverein Hauptvertreter der bibelgläubigen Richtung.

Von 1874 bis 1881 war er Mitglied des Reichstags und trat als Mitglied der Fortschrittspartei für die Zivilstandsgesetze ein. Baumgarten trat im Verlaufe seiner ersten Legislaturperiode aus der Fraktion der Fortschrittspartei aus, war zeitweise fraktionslos, schloss sich 1877 und 1878 der Fraktion lediglich als Hospitant an. Gegen Ende seiner Abgeordnetenzeit trat er zur Nationalliberalen Partei über.[1]

Werke[Bearbeiten]

  • Theologischer Kommentar zum Alten Testament. Kiel 1843–1844, Band 1
  • Apostelgeschichte, oder Entwicklungsgang der Kirche von Jerusalem bis Rom. 2. Auflage, Braunschweig 1859, 2 Bände
  • Die Nachtgesichte Sacharias: Eine Prophetenstimme an die Gegenwart. neue Ausgabe, Braunschweig 1858
  • Die Geschichte Jesu. Braunschweig 1859
  • Schleiermacher als Theolog. Berlin 1862
  • Zwölf kirchengeschichtliche Vorträge zur Beleuchtung der kirchlichen Gegenwart. Bremen 1869
  • Der Protestantenverein, ein Panier im Deutschen Reich. Berlin 1871
  • Kirchliche Zeitfragen in Vorträgen. Rostock 1873
  • Eine Krisis innerhalb des Deutschen Protestantenvereins. Rostock 1876
  • Lutherus redivivus, oder die kirchliche Reaktion. Frankfurt 1878
  • Doktor Martin Luther. Volksbuch. Rostock 1883
  • Professor Dr. theol. Michael Baumgarten: ein aus 45jähriger Erfahrung geschöpfter biographischer Beitrag zur Kirchenfrage. Aus handschriftlichem Nachlass herausgegeben von Hans Hinrich Studt. 2 Bände. Homann, Kiel 1891

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 270

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]