Michael Harner

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Michael "James" Harner

Michael Harner (* 27. April 1929 in Washington, D.C.) ist ein US-amerikanischer Anthropologe und Schamane sowie Gründer und Präsident der Foundation for Shamanic Studies mit Sitz in Mill Valley, Kalifornien.

Leben[Bearbeiten]

Seine Kindheit verbrachte Harner teilweise in Südamerika.[1] Er studierte zunächst Archäologie und untersuchte die untergegangene Malpais-Kultur in der Gegend des Colorado Rivers.[2]
Während seiner anthropologischen Feldarbeit bei den Shuar (auch Jivaro) in Ecuador, zwischen 1956 und 1957,[1][3] wurde Harner in den Schamanismus initiiert.
1960 bis 1961 war er zur Feldarbeit bei den Conibo, einem indigenen Volk, am Ucayali in Peru.
Seine Dissertation zur Erlangung des Ph.D. in Anthropologie schrieb er 1963. Sie befasst sich mit den Veränderungen der Technologien im Altag der Shuar.[3]
1964 unternahm er eine weiter Forschungsreise nach Ecuador. Auf beiden Expeditionen dorthin sammelte er Schrumpfköpfe für die Sammlung des Hearst Museum der Berkeley Universität.[3]
Mit The Jivaro – People of the Sacred Waterfalls erschien 1972 das erste seiner populärwissenschaftlichen und esoterischen Bücher.
1979 gründete er die Foundation for Shamanic Studies kurz FSS, die sich vor allem der Bewahrung, der weiteren Erforschung und der Verbreitung des schamanischen Wissens widmet.[4]

Lehre[Bearbeiten]

Anthropologie[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Menschheit, ökologische Zusammenhänge und die Knappheit von Ressourcen bilden einen Schwerpunkt in Harners Forschung.
Die Studie Population Pressure and the Social Evolution of Agriculturalists und Scarcity, the Factors of Production and Social Evolution beschreibt den Einfluss von dünn und dicht siedelnden Populationen auf die jeweilige klassenlose Gesellschaft, anhand eines theoretischen Modells.[5]
In The Ecological Basis for Aztec Sacrifice stellt Harner eine Theorie zur Erklärung der eigenartigen Veränderungen von Menschenopfern der Azteken, im Tal von Mexiko, auf. Er führt diese auf Engpässe in der Grundversorgung zurück.[6]

Schamanismus[Bearbeiten]

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Harner gilt als Vorreiter des Neoschamanismus und lehrt weltweit Schamanismus und schamanisches Heilen.
Als erster beschrieb er in The Jivaro – People of the Sacred Waterfalls die von Carlos Castaneda so benannte spirituelle Welt der Nichtalltägliche Wirklichkeit der Shuar detailliert, begründete ihre Leidenschaft für Kampf und Krieg und beschrieb die Praxis ihrer Kopfjägerei. Diese Einblicke ermöglichten Harner grundlegende Erkenntnisse über Prinzipien indigenen Schamanentums.
In Peru lernte er psychotrope Pflanzen kennen, unter ihnen Ayahuasca, mit denen Schamanen in den von Harner später so genannten schamanischen Bewusstseinszustand (engl. Shamanic State of Consciousness, kurz SSC) gelangen können.
Seine bei den Conibo gemachten Erfahrungen fasste er 1968 in einem Artikel The Sound of Rushing Water zusammen. Der Aufsatz ist in dem Sammelband Hallucinogens and Shamanism enthalten, in welchem auch Harners Artikel The Role of Hallucinogenic Plants in European Witchcraft auf Erfahrungen mit Pflanzendrogen in unterschiedlichen Kulturen verweist.

Core Schamanismus[Bearbeiten]

Die Essenz seiner vergleichenden Studien bezeichnet Harner als Core Schamanismus (dt: Kern- oder Basis-Schamanismus) und bietet einen eigenen Ansatz im Umgang mit Schamanismus und seinen Techniken. Core Schamanismus basiert auf universellen (oder nahezu universellen) Prinzipien, wie sie in schamanischen Kulturen zu finden sind. In Experimenten untersucht er deren Wirksamkeit auch in nicht-schamanischen Kulturen, zum Beispiel der westlichen.
Es ist kein festgefügtes System von Dogmen, sondern fußt auf den Erfahrungen der Schamanischen Reise. Diese sind grundsätzlich jedem Menschen zugänglich, kommen in schamanischen indigenen Kulturen ebenso vor wie in den von Carlos Castaneda beschriebenen Erfahrungen.
Voraussetzung für schamanische Erfahrungen ist ein veränderter Bewusstseinszustand, wie er z. B. durch Halluzinogene oder durch Perkussionsinstrumente induziert werden kann. Harner und Mitarbeiter der FSS verwenden hauptsächlich Trommeln und Rasseln, die typische Schlagfrequenz der Trommel liegt bei etwa 220 min-1. In diesem schamanischen Bewusstseinszustand verfeinert sich die Wahrnehmung für das ansonsten Unsichtbare in der Nichtalltäglichen Wirklichkeit; die Probanden kommen mit spirituellen Wesenheiten in Tiergestalt (Krafttiere) oder menschenähnlichen Wesenheiten (Lehrer) in Kontakt. Wie bei Schamanen in indigenen Kulturen auch liegt der Zweck dieser Kontakte in der Gewinnung von spiritueller Kraft, von Hilfe und von Heilung.
Kritik:
Core Schamanismus, wird häufig als "spiritueller Diebstahl" an indigenem Kulturgut und wegen der Entstehung von Plastikschamanen kritisiert (Noel/Wallis).

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Artikel[Bearbeiten]

  • Thermo-Facts vs. Artifacts: An Experimental Study of the Malpais Industry In:Papers on California Archaeology: 37-43 1956 S. 39-43.
  • Population Pressure and the Social Evolution of Agriculturalists In: Southwestern Journal of Anthropology University of New Mexico 1970 Vol. 26, Nr. 1 S. 67-86.
  • The Ecological Basis for Aztec Sacrifice. In: American Ethnologist. Nr. 4, 1977, S. 117–135.
  • Core Shamanism defended. In: Shaman's Drum. Spring issue, 1988, S. 65–67.
  • Shamanic counseling. In: G. Doore (Hrsg.): The Shaman's Path. Healing, Personal Growth and Empowerment. Shambhala, Boston MA 1988, S. 179–187.

Monographien[Bearbeiten]

Herausgeberschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ecuador: The Michael Harner Collection. University of California, Berkeley, abgerufen am 18. April 2013 (englisch).
  2. Michael J. Harner: Thermo-Facts vs. Artifacts: An Experimental Study of the Malpais Industry. University of California, Berkeley, 1956, abgerufen am 19. April 2013 (englisch).
  3. a b c Ira Jacknis: Focus on the Collection: Shrunken Heads: Shuar Collections from Ecuador. Hearstmuseum University of California, Berkeley, abgerufen am 19. April 2013 (englisch).
  4. About The Foundation for Shamanic Studies. FSS Selbstbeschreibung, 2000, abgerufen am 18. April 2013 (englisch).
  5. Abstract von:Preview of Population Pressure and the Social Evolution of Agriculturalists. University of New Mexico, abgerufen am 20. April 2013 (englisch).
  6. Abstract von:The Ecological Basis for Aztec Sacrifice. Wiley online library, abgerufen am 22. April 2013 (englisch).