Michael Heltau

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Michael Heltau in Es ist immer jetzt (2012).

Michael Heltau (eigentlich Michael Heribert Huber, * 5. Juli 1933 in Ingolstadt) ist ein deutscher Schauspieler und Chansonnier. Er lebt in Österreich.

Leben[Bearbeiten]

Heltau kam als Kind nach Österreich ins Salzkammergut, wo er auch die Schule besuchte. Seine Schauspielausbildung absolvierte er am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Danach debütierte er in Würzburg, von wo ihn Fritz Kortner an das Münchner Residenztheater holte. Es folgten das Theater in der Josefstadt und das Volkstheater in Wien, das Schillertheater und das Theater am Kurfürstendamm in Berlin, das Hamburger Schauspielhaus und das Hamburger Thaliatheater. Von 1959 bis 1961 gastierte er bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und seit 1964 regelmäßig bei den Salzburger Festspielen, wo er zunächst den Guten Gesellen im Jedermann neben Walther Reyer verkörperte.

Im Jahr 1963 erfolgte der große Durchbruch als Troilus in William Shakespeares Troilus und Cressida (am Wiener Volkstheater und unmittelbar darauf am Hamburger Schauspielhaus). 1965 spielte er unter der Regie von Giorgio Strehler den Bassa Selim in der rasch legendär gewordenen Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Die Entführung aus dem Serail für die Salzburger Festspiele (Bühnenbild und Kostüme: Luciano Damiani, Dirigent Zubin Mehta; mit Anneliese Rothenberger, Fritz Wunderlich u. a.), die mit Heltau bis 1974 gezeigt wurde. Zum ersten Mal trat durch Heltau und Strehler diese bis dato vernachlässigte Rolle in den Vordergrund. Der Schauspieler und der Regisseur arbeiteten später noch einige Male zusammen, sowohl bei den Festspielen (Heltau als Heinrich VI. in Das Spiel der Mächtigen nach William Shakespeare in der Felsenreitschule) als auch am Burgtheater (1974 Trilogie der Sommerfrische von Carlo Goldoni; 1975 Das Spiel der Mächtigen; 1994 Die Riesen vom Berge von Luigi Pirandello) und am Pariser Théâtre du Châtelet (Mackie Messer in der französischsprachigen Version von Die Dreigroschenoper, 1986/87).

Im Laufe seiner Karriere spielte er an vielen Theatern in Deutschland und Österreich. Zu seinen Erfolgen gehören auch die deutschsprachigen Interpretationen von Liedern des Belgiers Jacques Brel. Auch mit literarischen Solo-Programmen ist er immer wieder zu hören. Heltau gilt auch als bedeutender Wienerlied-Interpret.

Ein Jugendfoto von ihm wurde 2006 von der Fotokünstlerin Ilse Haider für die neue Porträtgalerie des Burgtheaters fotografisch inszeniert. Seit 2013 hängt ein Porträt Heltaus, das sein Freund Loek Huisman angefertigt hat, in der Ehrengalerie des Burgtheaters.

Arbeiten[Bearbeiten]

Heltau spielte nahezu alle Rollen seines jeweiligen Faches. Er war Orlando in Shakespeares Wie es euch gefällt, verkörperte die Hauptrolle in Friedrich Schillers Don Karlos und den Tellheim in Minna von Barnhelm im Theater in der Josefstadt, den Hamlet und Romeo am Wiener Volkstheater (Regie: Gustav Manker). Dort bekam er den Karl-Skraup-Preis für die Darstellung des Dr. Jura in Hermann Bahrs Das Konzert.

Am Burgtheater der 1970er und 1980er Jahre war Heltau einer der prägendsten Protagonisten, spielte Arthur Schnitzlers Anatol, Theodor in Liebelei, Sala in Der einsame Weg, Kari Bühl in Hofmannsthals Der Schwierige, Harold Pinters Lenny in Heimkehr sowie den Tristan Tzara in Tom Stoppards Travesties. Schillers Wallenstein gab er unter der Regie von Manfred Wekwerth. In Richard II. von Shakespeare spielte Heltau unter der Regie des damaligen Burg-Direktors Gerhard Klingenberg. In der Inszenierung von Peter Wood war Heltau 1981 der Mozart in Peter Shaffers Amadeus, 1988 bis 1999 sah man ihn in Maxim Gorkis Kinder der Sonne unter der Regie des scheidenden Burg-Direktors Achim Benning, in Cesare Lievis Inszenierung von Pirandellos Heinrich IV. spielte er die Titelrolle. Seine letzte Rolle am Burgtheater (Akademietheater) war der Mann in Edward Albees Spiel ums Baby, 1999.

Am Theater an der Wien war Heltau der Bluntschli in dem Udo Jürgens-Musical Helden, Helden (nach George Bernard Shaw). Dafür bekam er 1972 die Kainz-Medaille der Stadt Wien. Außerdem profilierte er sich damals auf Schallplatten und in eigenen Showabenden als deutschsprachiger Interpret der Lieder und Chansons von Jacques Brel (in der Übertragung von Werner Schneyder und Loek Huisman), der Heltau noch persönlich beauftragt hatte, seine Arbeiten im deutschen Sprachraum zu präsentieren. Außerdem war Heltau in zahlreichen TV-Shows zu sehen, zumal als Moderator im Liedercircus für das ZDF. Weitere musikalische Bühnenprogramme waren „Auf d’Nacht, Herr Direktor“, „Aber jetzt, Herr Direktor“, „Meine Leute“ , „Classical“ und „Meine Zeit“.

Im Jahr 1964 entstand die erste von Heltaus vielen Schallplatten-Aufnahmen: Goethes Die Leiden des jungen Werthers. Beim Kulturfest Weimar war er erstmals 1990 mit seinem Goethe-Programm im Goethe-Theater Bad Lauchstädt und im Goethe-Haus am Frauenplan zu Gast. In der Folge wurde er Mitglied des Kuratoriums dieser Festspiele.

Im Jahr 1993 konnte Michael Heltau einen großen Erfolg bei Publikum und Presse als Professor Higgins in Frederick Loewes My Fair Lady an der Wiener Volksoper verbuchen und gastierte in dieser Rolle auch im Berliner Metropoltheater. Ebenfalls an der Volksoper war er der Honoré Lachailles in Loewes Gigi.

Am Theater an der Wien studierte Heltau auf Wunsch von Riccardo Muti die Strehler-Inszenierung von Mozarts Le nozze di Figaro neu ein, die später auch beim Festival in Ravenna zu sehen war.

Heltau ist auch als Filmschauspieler tätig, so hatte er 1954 eine Nebenrolle im Film Schloß Hubertus nach einem Roman von Ludwig Ganghofer inne, spielte 1955 mit Hans Albers und Romy Schneider in Der letzte Mann sowie unter der Regie von Otto Schenk mit Maria Schneider in Reigen, 1973.

Filmografie (Auszug)[Bearbeiten]

  • 1954: Unsere kleine Stadt
  • 1954: Schloß Hubertus
  • 1955: Undine
  • 1955: Der letzte Mann
  • 1956: Verlobung am Wolfgangsee
  • 1957: Die liebe Familie
  • 1958: Wiener Luft
  • 1959: Auch Männer sind keine Engel
  • 1961: Verdammt die jungen Sünder nicht
  • 1962: Man ist nur zweimal jung
  • 1964: Eine Frau ohne Bedeutung
  • 1965: Kabale und Liebe
  • 1967: Die Entführung aus dem Serail
  • 1968: Der Feldmarschall
  • 1969: Liebelei (Aufzeichnung aus dem Theater in der Josefstadt, Wien)
  • 1970: Tartuffe oder Der Betrüger
  • 1971: Die Stimme hinter dem Vorhang
  • 1972: Manolescu – Die fast wahre Biographie eines Gauners
  • 1973: Reigen
  • 1974: Der Kommissar – Mit den Augen eines Mörders
  • 1985: Wiener Klatsch
  • 1986: Derrick (3 Folgen)
  • 1986-1987: Mino – Ein Junge zwischen den Fronten (2 Folgen)
  • 1987: Willkommen im Club
  • 1991: Der Alte – Der verlorene Sieg
  • 1999: Kinder der Sonne

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie Michael Heltau. Auf: michaelheltau.at.
  2. Mozartgemeinde Wien verleiht „Goldenen Mozart-Ring“ an Heltau. 1995 gestifteter Wander-Ring geht von Angelika Kirchschlager an Michael Heltau über. Auf: ots.at. APA vom 8. Februar 2008.
  3. Das Wiener Burgtheater verleiht zusammen mit der Ehrenmitgliedschaft nun auch einen Ring. In: Nachtkritik.de. 20. Oktober 2010, abgerufen am 26. Dezember 2013.
  4. Ehrenring für Michael Heltau. In: burgtheater.at. 25. Juni 2014, abgerufen am 26. Juni 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Monika Mertl: Auf Stichwort: Michael Heltau. Deuticke Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-552-06086-9.
  • Michael Heltau: Auf d'Nacht, Herr Direktor! Momente aus dem Milieu, gesammelt von Michael Heltau, Gabriela Brandenstein, Claudia Kaufmann-Freßner, Peter Michael Braunwarth. Styria Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-222-13374-9.
  • Michael Heltau: Jetzt. Michael Heltau und die Wiener Theatermusiker. BOOK-let mit Fotos von Christoph A. Hellhake. Burgtheater - Preiser Records 2013, PR 91249