Michael Heseltine

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Michael Heseltine

Michael Ray Dibdin Heseltine, Baron Heseltine, CH, PC (* 21. März 1933 in Swansea, Wales) ist ein britischer Politiker der Conservative Party, Chef der Tory Reform Group, ehemaliger Minister und Geschäftsmann.

Leben[Bearbeiten]

Michael Heseltine wurde als Sohn eines Oberst geboren, erfuhr an der Shrewsbury School seine Ausbildung und studierte am Pembroke College (Oxford) Geschichte, Philosophie und Politik. In dieser Zeit wurde er Präsident des renommierten britischen Debattierclubs Oxford Union. Aus dieser Zeit stammt die Anekdote, er habe auf der Rückseite eines Umschlags aufgeschrieben: 25 Millionär, 35 Kabinettsmitglied, 45 Parteivorsitzender, 55 Premierminister. Als gelernter Buchprüfer wurde er nach seinem Militärdienst Herausgeber, ab 1966 Mitinhaber und Verleger der Firma Haymarket Publishing und verdiente Millionen durch die Herausgabe von Magazinen, u.a. Management Today und bevor er 40 Jahre alt war, war er bereits Kabinettsmitglied.

1966 wurde er für den Wahlkreis Tavistock in Devon erstmals Abgeordneter des britischen Unterhauses, den er bis 1974 vertrat. Als bei den allgemeinen Wahlen 1970 die Conservative Party einen Sieg errang, berief ihn Premierminister Edward Heath in das Kabinett bis 1972 als Staatssekretär im Verkehrsminister, danach als Minister für Luft- und Schifffahrt. Während der Oppositionszeit 1974 bis 1979 gehörte er dem Schattenkabinett als Schattenindustrieminister an. Während dieser Zeit betrieb die Labour-Regierung die Verstaatlichung der Werften und Luftfahrtindustrie. In der Unterhausdebatte wurde Heseltine durch folgende legendäre Episode bekannt: Die Schilderungen, was exakt passierte, variieren, doch die farbigste zeichnete Heseltine, den Zeremonienstab des Unterhauses (ceremonial mace) greifend und gegen die Linken der Labour Party schwingend, sein langes blondes Haar um ihn wirbelnd, als diese ihren Sieg in der Abstimmung durch Absingen der Hymne „Rote Flagge“ feierten. Seitdem erhielt Heseltine den Spitznamen „Tarzan“.

Er wurde von Margaret Thatcher 1979 zum Umweltminister ernannt. Bei den Gewaltexplosionen in den britischen Innenstädten, die den Auseinandersetzungen in Brixton und Toxteth Anfang der 1980er Jahre folgten, wurde Heseltine als troubleshooter entsandt, um die Gewalt einzudämmen. Vom 6. Januar 1983 bis zum 9. Januar 1986 diente er in Margaret Thatchers Kabinett als Verteidigungsminister. In dieser Zeit betrachtete er die Kontrolle der Rüstungsausgaben und die Verteidigung der britischen Atombewaffnung gegen die Kritik der Friedensbewegung und der Labour-Opposition als seine wichtigsten Aufgaben. Er trat für den NATO-Doppelbeschluss und ein SDI-Abkommen mit den USA ein. Im Zusammenhang mit der Krise beim Hubschrauberhersteller Westland Aircraft kam es zu einer für ihn bitteren Kabinettsdebatte: Heseltine war für eine europäische Lösung zur Rettung des einzigen britischen Hubschrauberherstellers eingetreten und hatte dessen Fusion mit dem italienischen Hersteller Agusta betrieben, während die Premierministerin und der Industrieminister Leon Brittan für eine Fusion Westlands mit dem amerikanischen Hersteller Sikorsky Aircraft Corporation eingetreten waren. Nach verlorener Kabinettsabstimmung trat Heseltine vor die versammelte Presse und gab seinen Rücktritt bekannt, bei dem er Margaret Thatcher blamierte, indem er ihr Uneinsichtigkeit vorwarf. Zwei Wochen später musste Brittan zurücktreten, weil offenkundig wurde, dass er ein kritisches Memo eines Beamten über Heseltine der Presse hatte zukommen lassen.

Die Westland-Affäre wurde als Anfang vom Ende der Ära Thatcher eingeschätzt. Heseltine zog sich auf die Hinterbänke des Unterhauses zurück und wurde zunehmend kritischer gegenüber der Premierministerin. Er forderte Margaret Thatcher im November 1990 als Parteivorsitzende heraus, die darauf gar nicht vorbereitet war. Neben Heseltine, der sich zu früh aus der Deckung gewagt hatte, kandidierte auch Douglas Hurd und schließlich John Major, der letztlich gewann. Heseltine kehrte in das Kabinett als Umweltminister mit spezieller Verantwortung für den Ersatz der von Margaret Thatcher so energisch durchgesetzten poll tax zurück. Später wurde er Handelsminister und Stellvertretender Premierminister. Er war einer der Hauptanhänger des Baus des Millennium Domes.

Nachdem Labour 1997 die Wahl gewonnen hatte, konnte er wegen gesundheitlicher Probleme nicht für den Parteivorsitz der Konservativen Partei kandidieren. Aber er befürwortete aktiv gemeinsam mit Tony Blair, Gordon Brown und Robin Cook die parteiübergreifende Kampagne zum Beitritt Großbritanniens zur gemeinsamen europäischen Währung Euro. Auch auf dem Höhepunkt der Eurokrise 2011 bekräftigte er noch einmal diese Auffassung.[1]

In seinem Wahlkreis Henley-on-Thames, den er seit 1974 vertrat, trat er zu den Unterhauswahlen 2001 nicht mehr an und überließ den Wahlkreis seinem Nachfolger Boris Johnson, aber blieb der britischen Politik erhalten. Durch seine Erhebung im selben Jahr zu einem Life Peer als Baron Heseltine of Thenford im County of Northamptonshire gehört er dem House of Lords an.

Im Dezember 2002 löste Heseltine eine Kontroverse aus, als er verlangte, den glück- und farblosen Parteivorsitzenden Iain Duncan Smith durch das dream-team Kenneth Clarke als Vorsitzenden und Michael Portillo als seinen Stellvertreter zu ersetzen. Ohne die Abwahl Duncan Smith habe die Partei „nicht den Schimmer einer Chance, die nächsten Wahlen zu gewinnen“, erklärte er. Er schlug die Abstimmung in der Fraktion anstelle des satzungsmäßig eigentlich zuständigen Parteitags vor. Tatsächlich wurde Duncan Smith im November 2003 abgelöst, allerdings von Michael Howard, der die Unterhauswahlen 2005 gegen Tony Blair verlor.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUK will ultimately join euro says Lord Heseltine. BBC News, 20. November 2011, abgerufen am 26. November 2011 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]