Michael Holm

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Michael Holm auf der UNESCO Gala (2012)

Michael Holm, eigentlich Lothar Bernhard Walter (* 29. Juli 1943 in Stettin) ist ein deutscher Schlagersänger, Songwriter, Texter, Musiker und Musikproduzent.

Leben[Bearbeiten]

Michael Holm wuchs nach der Vertreibung 1945 zusammen mit seiner Zwillingsschwester Mechthild in Erlangen auf, wo er auch die Schule bis zum Abitur besuchte. Danach studierte er zunächst Jura in West-Berlin.

Er ist in zweiter Ehe verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in der Nähe von Weilheim in Oberbayern.

Karriere[Bearbeiten]

Mit 15 Jahren gründete er seine erste Band. Bekannt wurde Holm vor allem als Schlagersänger. Erste Veröffentlichungen hatte Holm schon in den frühen 60er Jahren – so 1961 mit einer Version von Das Lied von der Liebe, Denke nicht daran, oh Cowboy und Bald wirst du wieder glücklich sein. Seine erste deutsche Chartnotierung gelang ihm 1962 mit Lauter schöne Worte, aber seinen ersten großen Hit hatte er erst 1969: Mendocino, eine deutschsprachige Adaption eines Stücks des Sir-Douglas-Quintets, war in diesem Jahr die in Deutschland meistverkaufte Single. Es folgten mit Barfuß im Regen (1970), Wie der Sonnenschein (1970), Nachts scheint die Sonne (1971), und My Lady of Spain (1973) weitere Hits. Sein einziger Nummer-1-Hit war Tränen lügen nicht (1974). Danach hatte er noch mit Musst Du jetzt grade gehen, Lucille (1977) und El Lute (1979) große Erfolge.

Eine jahrelange künstlerische Zusammenarbeit und private Freundschaft verbindet ihn mit dem Musiker und Produzent Giorgio Moroder, dem er mit Giorgio und ich sogar ein Lied widmete. Als Duo Spinach veröffentlichten sie einige Singles und die LP Spinach 1. 1969 komponierte er die Musik zum Horrorfilm Hexen bis aufs Blut gequält. Das von ihm bevorzugt getragene Seidenhalstuch wirkte in den frühen 70er Jahren stilbildend.

1973 nahm Michael Holm mit zwei Titeln an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil: Das Beste an dir (selbst geschrieben) erreichte den neunten, Glaub' daran den zwölften und damit letzten Platz. 1975 schrieb er den Text zu Joy Flemings Wettbewerbsbeitrag Ein Lied kann eine Brücke sein. Ebenso schrieb er den Text für Zarahs Beitrag Don't Say Goodbye bei der deutschen Vorentscheidung 2002.

Zwar erschien 2004 mit Liebt Euch! das erste Album des Sängers Michael Holm seit 1982. Doch der Musikbranche den Rücken zugekehrt hatte Holm nie. So gründete er Ende der 1970er zusammen mit Kristian Schultze das Projekt Cusco, für das er 2004 bereits zum dritten Mal für den Grammy nominiert wurde. Von diesem Instrumentalmusik-Projekt, das einer ganz anderen Richtung folgt, sind bis heute über 20 Alben erschienen.

Daneben war Holm zunehmend als Macher hinter den Kulissen am Werk und konzentriert sich bis heute hauptsächlich auf das Texten, Komponieren, Produzieren und Verlegen anderer Künstler. In den 1980er Jahren war er unter anderem als ausführender Produzent an drei Alben der amerikanischen Künstlerin Lisa Nemzo bei Metronome Records beteiligt. 1998 produzierte er das Guildo-Horn-Album Danke und war damit einer der wichtigsten Köpfe des Schlager-Revivals Ende der 1990er Jahre.

Der nach der kalifornischen Stadt Mendocino benannte Schlager Mendocino dient auch als Vorlage für den beliebten Pokalschlachtruf der Fans des FC St. Pauli und ist damit nach wie vor auch bei den jüngeren St.-Pauli-Anhängern sehr bekannt.

2007 erschien sein Album Mal die Welt aus dem diverse Promosingles ausgekoppelt wurden, die sich zu Airplayhits entwickelten, wie Mir fehlt dieses Wort, Ich freu mich, Herz aus Gold oder Wozu. Auch im Fernsehen bleibt Michael Holm präsent.

Am 23. Juni 2009 wurde ihm der Willy-Dehmel-Preis verliehen

Im November 2010 erschien die CD Holm 2011, u.a. mit dem Lied Tausend Lügen.

Im September 2011 nahm Michael Holm an dem TV-Format Cover my Song des Senders VOX teil. Er traf dabei auf die Nachwuchsrapperin Kitty Kat, die seinen Titel "Mendocino" in einen Rap umschrieb: "Keiner kennt meinen Namen (Mendocino)", während er ihren Titel "Kriegerin" in Schlagerform präsentierte. Die Reaktionen auf seine Version "Sie ist eine Kriegerin" waren so positiv, dass der Sender sich entschied, den Schlager am 30. September 2011 als Download zu veröffentlichen.

Coverversionen[Bearbeiten]

Viele Hits von Michael Holm während der 1970er Jahre waren – wie bereits Mendocino – von ihm selbst verfasste deutschsprachige Coverversionen von Erfolgstiteln anderer Interpreten. Wie der Sonnenschein war im Original ein französisches Lied mit dem Titel Fernando (1969), gesungen von Sheila. Bevor Holm seine deutsche Version veröffentlichte, hatte die spanische Gruppe Los Diablos mit Un rayo de sol einen Sommerhit in Spanien.

1970 erschien Träume sind frei, im Original Hitchin' A Ride von Vanity Fare.

Die Musik zu Nachts scheint die Sonne hat Giorgio Moroder komponiert. Fast zeitgleich im Spätsommer 1971 erschien von ihm als „Giorgio“ auch die englische Version mit dem Titel Son of My Father, getextet von Pete Bellotte. Anfang 1972 hatte die britische Popband Chicory Tip einen Nummer-1-Hit mit diesem Song in Großbritannien. 1972 erschien auch eine dänische Fassung (Smil ille pie) der Sängerin Ulla Pia.

Du weinst um mich ist im Original das Instrumentalstück I Will Return von Phil Cordell, der damit unter dem Projektnamen „Springwater“ Ende 1971 einen europaweiten Hit landete. Das englische Original von Es ist schön, bei dir zu sein stammt aus der Feder von Jim Gold, der mit Nice to Be with You und seiner Band Gallery in den USA erfolgreich war. Oh oh July war abermals die deutschsprachige Adaption eines Hits der spanischen Band Los Diablos. Mit ihrem englischen Original von My Lady of Spain war die niederländische Popgruppe The Classics 1972 in ihrem Heimatland erfolgreich.

Tränen lügen nicht ist im Original ein Instrumentalstück mit dem Titel Soleado vom Daniel Sentacruz Ensemble. Im englischsprachigen Raum wurde dieser Song als When a Child Is Born zu einem beliebten Weihnachtslied. Als der US-amerikanische Sänger Lobo mit I'd Love You to Want Me auch in Deutschland einen Tophit landete, veröffentlichte Michael Holm seine deutsche Version als Baby, du bist nicht alleine. Tornerò von der italienischen Formation I Santo California entwickelte sich 1975 auch im deutschsprachigen Raum zum großen Hit; Michael Holm hatte mit seiner deutschen Version Wart' auf mich fast zeitgleich seinen bis dato drittgrößten Erfolg. Musst du jetzt grade gehen, Lucille? stammt im Original von Kenny Rogers; Lucille war für Rogers im Frühjahr und Sommer 1977 ein weltweiter Erfolg. Boney M. hatte mit El Lute im Sommer 1979 bereits einen Tophit, bevor die von Fred Jay getextete deutsche Version mit Michael Holm ebenfalls erfolgreich war.

Auf seinem 1990 erschienenen Album King Rocko Schamoni And The Explosions - Jeans Und Elektronik coverte der Künstler Rocko Schamoni Holms Lied Mendocino. Das Stück wurde im selben Jahr auch als Single veröffentlicht. In der rockigen Variante singt Rocko Schamoni mit Michael Holm gemeinsam im Duett.

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Michael Holm/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chart-Position[1] Anmerkung
DeutschlandDeutschland OsterreichÖsterreich SchweizSchweiz
1970 Auf der Straße nach Mendocino Erstveröffentlichung: 1970
1971 Spinach 1. Erstveröffentlichung: 1971
(mit Giorgio Moroder als „Spinach“)
1971 Michael Holm Erstveröffentlichung: 1971
1972 Meine Songs Erstveröffentlichung: 1972
1973 Stories Erstveröffentlichung: 1973
1975 Wenn ein Mann ein Mädchen liebt Erstveröffentlichung: 1975
1976 Zwei Gesichter Erstveröffentlichung: 1976
1977 Poet der Straße Erstveröffentlichung: 1977
1978 Labyrinth Erstveröffentlichung: 1978
1979 El Lute Erstveröffentlichung: 1979
1980 Halt mich fest Erstveröffentlichung: 1980
1981 Im Jahr der Liebe Erstveröffentlichung: 1981
2004 Liebt Euch! Erstveröffentlichung: 8. November 2004
2007 Mal die Welt Erstveröffentlichung: 18. Mai 2007
2010 Holm 2011 Erstveröffentlichung: 19. November 2010

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckhard Wendt: Ein verrückter Tag. Michael Holm zum bevorstehenden 70 Geburtstag. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 2/2013, ISSN 0032-4167, S. 34–37.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chartquellen: DE AT CH