Michael Mann (Literaturwissenschaftler)

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Michael Thomas Mann (* 21. April 1919 in München; † 1. Januar 1977 in Orinda, Kalifornien) war ein deutsch-amerikanischer Musiker und Literaturwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Katia Mann mit ihren sechs Kindern (von links nach rechts: Monika, Golo, Michael, Klaus, Elisabeth und Erika), 1919

Michael Mann war das jüngste Kind von Katia und dem Schriftsteller Thomas Mann. Die Familie nannte ihn „Bibi“. Er wuchs in München auf und besuchte dort das Wilhelmsgymnasium, wechselte aber später aufgrund schulischer Schwierigkeiten auf das Internat Schloss Neubeuern. Ab 1933 lebte er mit seiner Familie zunächst in der Schweiz, dann in den USA in der Emigration. Er heiratete am 6. März 1939 in New York die aus der Schweiz stammende Gret Moser (1916–2007) und hatte mit ihr die Söhne Fridolin Mann, genannt Frido, und Anthony Mann, genannt Toni, und die Adoptivtochter Raju Mann.

In Zürich, Paris und New York City lernte er Bratsche und Violine. Zwischen 1942 und 1947 war er Violinist am Symphonieorchester von San Francisco. 1949 hatte er als Solobratschist Auftritte in den USA und Europa. 1951 ging er mit der Pianistin Yaltah Menuhin (1921–2001), einer Schwester Yehudi Menuhins, auf Konzertreise; diese musste jedoch abgebrochen werden, als eine mutmaßliche Affäre zwischen den beiden publik wurde, in deren Folge seine Ehe und auch Musikkarriere zu scheitern drohten. 1953 unternahm er eine Welttournee, die ihn bis nach Japan und Indien führte.

1957 entschloss sich Michael Mann, seinen Musikerberuf aufzugeben. Der genaue Grund hierfür ist nicht bekannt, laut den Erinnerungen Katia Manns war er seines Berufs überdrüssig geworden: „Immer den Leuten Sachen vorspielen, die sie gar nicht so gern hören, außerdem: Konzerte geben und der ganze Betrieb drumherum [...]“ [1] An der Harvard-Universität studierte er anschließend Germanistik und war von 1964 bis 1977 Professor für Deutsche Literatur an der Universität von Kalifornien in Berkeley. 1968 wurde ihm der Schubart-Literaturpreis verliehen.

Das Kilchberger Familiengrab

Michael Mann starb in der Neujahrsnacht 1977 an der Einnahme einer tödlichen Mischung von Alkohol und Barbituraten. Es wird vermutet, dass es sich um einen Suizid handelte und der Auslöser die Beschäftigung mit den ihm im Jahr 1975 zugänglich gewordenen Tagebüchern seines Vaters war. Aus dem Eintrag vom 28. September 1918 ging hervor, dass er ein unerwünschtes Kind gewesen war und auf ärztlichen Rat hin mit Rücksicht auf Katia Manns Gesundheitszustand abgetrieben werden sollte. Michaels Sohn Frido berichtet in seiner Biografie Achterbahn von einem Besuch bei seiner Mutter nach dem Tod des Vaters, es habe nachmittags zwischen den Eltern einen Streit gegeben, sodass eine Silvestereinladung abgesagt wurde und Michael Mann früh ins Bett gegangen sei. Um 22 Uhr sei er noch ins Zimmer der Adoptivtochter Raju gegangen und habe zärtlich mit ihr geredet. Danach sei er in sein Zimmer zurückgekehrt. Frido Mann resümiert: „Man vermutet, dass er dann zum zweiten Mal dieselbe hohe Medikamentendosis eingenommen hat wie wenige Stunden zuvor.“ [2] Michael Mann hatte eine zweibändige Auswahl-Edition der Tagebücher vorbereitet, das Manuskript war Ende 1976 fertiggestellt, doch es wurde in dieser Form nie veröffentlicht. Seine Geschwister beschlossen, vor der hochbetagten Mutter den Tod ihres Sohnes zu verheimlichen. Er liegt in Kilchberg bei Zürich im Familiengrab begraben. Michael Mann hatte als einziges Familienmitglied am Begräbnis seines Bruders Klaus in Cannes (1949) teilgenommen, der durch eigene Hand aus dem Leben geschieden war.

Schriften[Bearbeiten]

  • Heinrich Heines Musikkritiken. Hoffmann & Campe, Hamburg 1971, ISBN 3-455-03111-0
  • Sturm-und-Drang-Drama. Studien und Vorstudien zu Schillers Räubern. Francke, Bern/München 1974, ISBN 3-7720-1080-6
  • Schuld und Segen im Werk Thomas Manns. Weiland, Lübeck 1975
  • Fragmente eines Lebens. Lebensbericht und Auswahl seiner Schriften. Edition Spangenberg im Ellermann-Verlag, München 1983, ISBN 3-7707-0205-0

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katia Mann: Meine ungeschriebenen Memoiren.
  2. Frido Mann: Achterbahn. Rowohlt. Reinbek 2008, S. 241 f