Michael Mann (Regisseur)

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Michael Mann (2012)

Michael Kenneth Mann (* 5. Februar 1943 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. Er wird zu den wenigen Autorenfilmern des Hollywood-Kinos gezählt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem Heat, Insider, Collateral, Ali, Miami Vice und Public Enemies.

Leben[Bearbeiten]

Michael Mann wurde 1943 in Humboldt Park, einem Arbeiterviertel von Chicago, geboren. Seine Eltern besaßen ein Lebensmittelgeschäft in Budlong Woods.

Nach seinem Abschluss an der High School studierte er vier Jahre lang an der University of Wisconsin-Madison Englische Literatur. 1965 zog Mann nach London, um dort an der London Film School zu studieren. Dieses Studium schloss er nach zwei Jahren mit einem Diplom ab. Danach kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und begann mit seiner Karriere als Autorenfilmer.

Michael Mann ist seit 1974 mit der Kunstmalerin Summer Mann verheiratet und hat vier Töchter. Seine Tochter Ami Canaan Mann arbeitet ebenfalls als Regisseurin und Produzentin im Filmgeschäft.

2012 bekleidete Mann bei den 69. Internationalen Filmfestspielen von Venedig das Amt des Jury-Präsidenten.[1]

Werke[Bearbeiten]

Nach dem Abschluss seines Studiums an der London Film School stellte Mann den kurzen Dokumentarfilm 17 Days Down the Line her, der aus Interviews von verschiedenen Landsleuten besteht, die sich über ihren Beruf definieren. 1970 drehte Mann den „kleinen abstrakten Kurzfilm“ (vgl. Current Biography, 1/1993) Jaunpuri. Danach arbeitete er als Drehbuchautor für verschiedene Fernsehserien wie Starsky & Hutch, Police Story, Crime Story, Bronk und Vegas.

1979 drehte er mit dem Gefängnisdrama Ein Mann kämpft allein seinen ersten Spielfilm als Regisseur für das Fernsehen. 1981 wagte er schließlich den Sprung auf die Kinoleinwand. Der Einzelgänger handelt von einem Einbrecher, der aus einer Verbrecherorganisation aussteigen will und brachte ihm im gleichen Jahr eine Nominierung für die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes ein. 1983 drehte Mann den Mystery- und Horrorfilm Die unheimliche Macht mit Jürgen Prochnow und Ian McKellen in den Hauptrollen, der jedoch kommerziell hinter den Erwartungen zurück blieb.

Dennoch ging es 1985 als ausführender Produzent mit der großen Erfolgsserie Miami Vice weiter, die 15 Emmy Award-Nominierungen erhielt, was damals ein absoluter Rekord war. Noch bevor die Serie 1989 auslief, begann Mann 1986 mit der Produktion der nächsten, stilistisch ähnlichen Fernsehserie, Crime Story. Für diese Serie steuerte Mann auch einige Drehbücher bei.

Mit dem Thriller Blutmond drehte Mann 1986 auf Basis des Romans Roter Drache von Thomas Harris den ersten Teil der Hannibal-Lecter-Reihe. Der Film floppte allerdings. Einem Budget von 15 Millionen US-Dollar standen nur Einnahmen von 10 Millionen US-Dollar gegenüber.

Sechs Jahre dauerte es, bis er wieder einen Versuch als Spielfilmregisseur unternahm – das Kriegsdrama Der letzte Mohikaner von 1992 erwies sich gleichermaßen als Erfolg an den Kinokassen und bei Kritikern. Manns Film gewann unter anderem einen Oscar für den Besten Ton und zwei BAFTA Awards für die Beste Kamera und das Bestes Make-Up.

Angespornt durch diesen Erfolg verfilmte er danach das Drehbuch zum Fernsehserienpilotfilm Showdown in L.A. 1995 erneut als Heat mit Al Pacino und Robert De Niro in den Hauptrollen. Während der Film in den USA mäßig ankam, war sein Erfolg in Europa umso größer. Der Film wurde von den Nutzern der IMDb in die Liste der 250 besten Filme auf Platz 120 gewählt (Stand Juli 2013).[2]

Mann widmete sich ab diesem Zeitpunkt vollständig der Regie von Kinofilmen und drehte 1999 seinen als Meisterwerk geltenden Film Insider mit Al Pacino und Russell Crowe in den Hauptrollen über einen Journalisten, der zusammen mit dem ehemaligen Manager eines Tabakkonzerns dunkle Machenschaften der Tabak-Industrie aufdeckt. Der Film wurde im selben Jahr für insgesamt sieben Oscars nominiert, ging bei der Verleihung aber leer aus.

Die Filmbiografie Ali (2001) über den Boxer Muhammad Ali (gespielt von Will Smith) teilte dieses Schicksal. Beide Filme floppten an den Kinokassen (Ali spielt bei einem Budget von 130 Millionen US-Dollar weltweit nur 90 Millionen US-Dollar ein, Insider bei einem Budget von 90 Millionen Dollar nur 60 Millionen Dollar). Insider erhielt sieben Oscar-Nominierungen (unter anderem für Beste Regie, Bester Film und Bestes Drehbuch).

Michael Mann kehrte 2004 mit dem Actionthriller Collateral auf die Kinoleinwand zurück und landete damit einen großen Erfolg bei Kritikern und Zuschauern. Der mit Tom Cruise und Jamie Foxx besetzte Film spielte das dreifache seiner Produktionskosten ein. Große Beachtung fand auch die Tatsache, dass Mann den Film bis auf wenige Szenen mit digitalen Kinokameras von Sony und Thomson auf HDCAM drehte. Diese Arbeitsweise behielt er auch für nachfolgende Filme bei. Ebenfalls 2004 produzierte Mann die Filmbiographie Aviator des Regisseurs Martin Scorsese, in der Leonardo DiCaprio die Rolle des amerikanischen Filmproduzenten und Flugzeugindustriellen Howard Hughes übernahm.

2006 eröffnete Mann mit Miami Vice, der Kinoversion der gleichnamigen Fernsehserie, das Filmfestival Locarno. Die Hauptrollen im Film übernahmen Colin Farrell und Oscar-Preisträger Jamie Foxx.

Im Jahr 2007 beabsichtigte Mann einen in den 1930er Jahren spielenden Film noir zu drehen- Ein Detektiv hätte die schmutzigen Geheimnisse von Hollywood-Schauspielern kaschieren müssen. Der mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle geplante Film scheiterte allerdings schon in der Vorproduktion, weil Mann ein Budget von 120 Millionen US-Dollar verlangte.

Am 17. März 2008 begann Mann mit der Produktion des Films Public Enemies. Der Film behandelt das Leben des Bankräubers John Dillinger (dargestellt von Johnny Depp) und des FBI-Agenten Melvin Purvis (Christian Bale), der die Bande zur Strecke bringt. Der Film wurde am 18. Juni 2009 in Chicago uraufgeführt. Der Film spaltete die Kritik. Während einige Kritiker ihn als makellosen Film, „der die klassische Symbiose von Tönen, Licht, Farben und exzellenter Kameraarbeit verkörpert und mit überzeugenden Schauspielern und einer Regie, die immer weiß, was sie will“[3] lobten, sahen andere Kritiker einen Film über Dillinger, „der nichts Wesentliches über John Dillinger erzählt, nicht besonders spannend ist und dem Genre des Gangsterfilms zwar eine eigene Ästhetik, aber keine Vision abgewinnt“.[4].

Stil[Bearbeiten]

Viele seiner Werke zeichnen sich durch einen charakteristischen visuellen Stil aus. So legt Michael Mann sehr viel Wert auf die Kameraarbeit und nimmt oft selbst die Kamera in die Hand. So filmte er zum Beispiel in Heat etwa 60 Prozent des Films selbst. Seit seinem Film 2004 Collateral dreht er seine Filme mit digitalen Kinokameras im hochauflösenden Videoformat HD.

Im Current werden Manns Filme als „üppige Kino-Effekte, mit einer Farbenpalette in Pastell-Tönen, pulsierenden Rock- und Soul-Soundtracks, hyperkinetischen Kameraläufen und Filmschnitten, kombiniert mit einer an Andy Warhol und Roy Lichtenstein erinnernden Ästhetik“[5] bezeichnet.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Michael Mann erhielt als „Nobody“ völlig überraschend 1971 den Sonderpreis der Jury beim Filmfestival von Cannes für seinen Kurzfilm Jaunpuri.

Für seinen ersten Film als Regisseur Ein Mann kämpft allein erhielt er 1979 einen Emmy Award. Zudem wurde ihm vom Directors Guild der Best Directors Award verliehen. Durch diesen Film wurde ihm auch die Aufmerksamkeit Hollywoods zuteil.

1992 erhielt er für sein Kriegsdrama Der letzte Mohikaner einen Oscar für den Besten Ton und zwei BAFTA Awards für Beste Kamera und Bestes Make-Up.

Für Insider erhielt Mann unter anderem diverse Preise von der Filmkritikervereinigung aus L.A und dem National Board of Review und einen Preis für die Verteidigung der Meinungsfreiheit.

1990 bekam er einen Emmy Award für The DrugWars.

Für seinen 2004 erschienenen Film Collateral erhielt Mann einen National Board of Review Award.

Sein Film Heat wurde von den Nutzern der IMDb in die Liste der 250 besten Filme auf Platz 120 gewählt (Stand Juli 2013).[2]

2004 erhielt Michael Mann einen Hollywood Film Award und wurde zum Director of the Year ernannt. Total Film platzierte Mann auf Nr. 28 der 100 größten Regisseure aller Zeiten.[6] Sight & Sound gaben ihm Platz 5 auf ihrer Liste der 10 besten Regisseure der letzten 25 Jahre,[7] Entertainment Weekly platzierte Michael Mann auf Platz 8 der 25 besten aktiven Filmregisseure.[8]

Filmografie[Bearbeiten]

Als Regisseur[Bearbeiten]

Als Drehbuchautor[Bearbeiten]

Als Produzent[Bearbeiten]

Als Ausführender Produzent[Bearbeiten]

  • 1985–1989: Miami Vice (Fernsehserie, 111 Episoden)
  • 1986–1988: Crime Story (Fernsehserie, 4 Episoden)
  • 1967–1968: Police Story (Fernsehserie, 4 Episoden)
  • 1989: Showdown in L.A. (L.A. Takedown) (Fernsehfilm)
  • 2011–2012: Luck (Fernsehserie, 10 Episoden)

Literatur[Bearbeiten]

  • Mark Steensland: Michael Mann, London 2002 (englisch).
  • Mark E. Wildermuth: Blood in the Moonlight: Michael Mann and Information Age Cinema (Paperback Ed.) Jefferson, North Carolina: McFarland Company and Inc. 2005, ISBN 978-0-7864-2059-9. (englisch).
  • F. X. Feeney, Paul Duncan: Michael Mann (Hardcover Ed.) Taschenbuch, Köln 2006, ISBN 978-3822831410.
  • Sascha Koebner: [Artikel] Michael Mann. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 489–492 [mit Literaturhinweisen].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michael Mann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cinema: Michael Mann President of the International Jury of the Venezia 69 Competition bei labiennale.org 1. Juni 2012 (abgerufen am 10. Juni 2012).
  2. a b Top 250 bei der IMDb (abgerufen am 20. Juli 2013)
  3. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 2. August 2009 (abgerufen am 15. Dezember 2013; kostenpflichtig)
  4. Anne Leweke in Die Zeit: Feier der Mantelfalten
  5. Current (1/1993)
  6. The Greatest Directors Ever. In: Total Film, 20. August 2007. Abgerufen am 20. Mai 2008. 
  7. Film Forever (Version vom 12. März 2012 im Internet Archive)
  8. 25 Greatest Active Film Directors. In: Entertainment Weekly. Abgerufen am 19. Februar 2009.