Michael Schmidt-Salomon
Michael Schmidt-Salomon (* 14. September 1967 in Trier) ist ein freischaffender Philosoph, Autor und humanistisch-atheistischer Aktivist.[1][2]
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Leben [Bearbeiten]
Michael Schmidt-Salomon entstammt einer liberal-katholischen Familie. Er studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Trier, erwarb dort 1992 sein Diplom in Pädagogik und promovierte im selben Fach 1997 zum Dr. phil. mit dem Thema Erkenntnis aus Engagement. Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne. Er erhielt die Bewertung summa cum laude. Von 1992 bis 2001 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Trier tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit waren Wissenschaftstheorie, Anthropologie, Ästhetik, Gesellschaftstheorie, Zukunftsforschung, Religions- und Ideologiekritik sowie praktische Ethik. Ab 2002 arbeitete er als Dozent, u.a. am Institut D'Etudes Educatives et Sociales (IEES) in Luxemburg.
Schmidt-Salomon ist heute Vorstandssprecher der vom Unternehmer Herbert Steffen gegründeten Giordano-Bruno-Stiftung und verfasste in deren Auftrag das Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. Darin formulierte er 10 Angebote des evolutionären Humanismus als Gegenposition zu den Zehn Geboten.
Schmidt-Salomon ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Tätigkeiten [Bearbeiten]
Humanismus und Religionskritik [Bearbeiten]
Von 2004 bis 2006 war Schmidt-Salomon geschäftsführendes Vorstandsmitglied, seit 2006 ist er Vorstandssprecher der naturalistischen und humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung. 2007 leitete er die Kampagne „Wir haben abgeschworen!“ des Zentralrats der Ex-Muslime. Er sieht sich als Mitglied der Brights-Bewegung.[3]
In religionskritischen Kreisen wurde Schmidt-Salomon bekannt durch seine öffentlichkeitswirksamen Aktionen: 1994 wurde die Aufführung seines Musicals Das Maria-Syndrom, das als Hommage an den US-amerikanischen Komponisten Frank Zappa gedacht war, unter Bezugnahme auf den sogenannten „Gotteslästerungsparagraphen“ 166 StGB verboten. Im Jahr 2005 war Michael Schmidt-Salomon einer der Organisatoren und Sprecher der Gegenveranstaltung zum katholischen Weltjugendtag in Köln, Religionsfreie Zone: Heidenspaß statt Höllenqual!.[4]
Herausgeberschaft [Bearbeiten]
Schmidt-Salomon war von 1999 bis 2007 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift MIZ, Materialien und Informationen zur Zeit, politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistInnen. Das Magazin erscheint vierteljährlich im Aschaffenburger Alibri-Verlag, der auch die Schriften Schmidt-Salomons veröffentlicht. Seit 2006 schreibt er für den Humanistischen Pressedienst.
Kinder- und Jugendbücher [Bearbeiten]
Im Herbst 2007 erschien sein – von Helge Nyncke illustriertes – religionskritisches Kinderbuch Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Im Dezember 2007 beantragte das Bundesfamilienministerium, dieses Buch auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften zu setzen, da es „geeignet sei, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren“. Auch werde dort der jüdische Glaube verächtlich gemacht, womit antisemitische Tendenzen vorlägen.[5][6] Am 6. März 2008 lehnte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Antrag ab.[7]
Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bezeichnete Schmidt-Salomon wegen des Buches in einer Predigt am 25. Mai 2008 als „geistigen Amokläufer, der Gläubige als Schweine einstuft und Kindsmord befürwortet“. Nachdem das Bistum aufgefordert worden war, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, wurde die im Netz verfügbare Predigt gegen eine entschärfte Fassung ausgetauscht. Darüber hinaus beruft sich das Bistum aber auf die Meinungsfreiheit des Predigenden. Daraufhin reichte Schmidt-Salomon Klage gegen den Bischof ein, um sich gegen die aus seiner Sicht beleidigenden und wahrheitswidrigen Unterstellungen zu wehren.[8][9] Die Klage wurde in erster Instanz aus formellen Gründen abgewiesen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof stellte im Berufungsverfahren hingegen fest, dass die Behauptungen des Bischofs im Widerspruch zu Schmidt-Salomons Veröffentlichungen standen und geeignet waren, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden. Der Bischof hätte eine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit“, die er nicht erfüllt habe. Das Gericht verurteilte die Diözese Regensburg, die Schmidt-Salomon entstandenen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten zu erstatten. Schmidt-Salomon sieht das Urteil als wegweisend an. „Das Gericht hat deutlich gemacht, dass die Kirche kein rechtsfreier Raum ist. Auch Bischöfe sind zu Sorgfalt und Wahrhaftigkeit verpflichtet, wenn sie über Andersdenkende herziehen.“ Vielleicht würden Müller und andere Bischöfe es auch irgendwann einsehen, „dass es ratsam ist, ein Buch erst einmal zu lesen, bevor sie es in ihrer Sonntagspredigt verdammen.“[10]
Sein Buch Die Geschichte vom frechen Hund richtet sich an Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren und versucht zu vermitteln, dass es klug sei, sich anderen gegenüber sozial zu verhalten, und dass es wichtig sei, Freunde zu haben. Da das Buch ohne die Vorstellung von Schuld oder schlechtem Gewissen auskommt, sei es besonders für säkular eingestellte Eltern geeignet, die ihre Kinder ohne diese religiös geprägten Begriffe erziehen möchten.
Zum 200. Geburtstag Charles Darwins erschien 2009 das Buch Susi Neunmalklug erklärt die Evolution. Es sei als „witzige, neunmalkluge Einführung in die Evolutionstheorie“ für Kinder gedacht und richte sich an eine junge Leserschaft.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
1998 erhielt Schmidt-Salomon den Ethik-Preis des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts, 2001 erhielt er gemeinsam mit Elke Held den Multimediapreis des Landes Rheinland-Pfalz für das Projekt Porta-L einer damals von beiden betriebenen PR- und Marketing-Agentur und 2004 den mit 2000 Euro dotierten Ernst-Topitsch-Preis der Kellmann-Stiftung Humanismus und Aufklärung.[11]
Bücher [Bearbeiten]
als Autor:
- 1999: Erkenntnis aus Engagement. Alibri, Aschaffenburg 1999, ISBN 978-3-932710-60-5.
- 2003: Stollbergs Inferno. Alibri, Aschaffenburg 2003, ISBN 978-3-865690-49-4.
- 2005: Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. Alibri, Aschaffenburg 2005, ISBN 978-3-86569-011-1.
- 2007: Die Kirche im Kopf. Von „Ach Herrje!“ bis „zum Teufel!“. Alibri, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-024-1 (Mit Carsten Frerk).
- 2007: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen. Alibri, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-030-2 (Mit Helge Nyncke als Illustrator).
- 2007: Auf dem Weg zur Einheit des Wissens. Die Evolution der Evolutionstheorie und die Gefahren von Biologismus und Kulturismus (= Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung. Band 1). Alibri, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-200-9.
- 2008: Vom Virus des Glaubens. Deschner-Preis 2007 (= Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung. Band 2). Alibri, Aschaffenburg 2008, ISBN 978-3-86569-201-6.
- 2008: Die Geschichte vom frechen Hund: Warum es klug ist, freundlich zu sein. Alibri, Aschaffenburg 2008, ISBN 978-3-86569-041-8 (Mit Helge Nyncke).
- 2009: Susi Neunmalklug erklärt die Evolution: Ein Buch für kleine und große Besserwisser. Alibri, Aschaffenburg 2009, ISBN 978-3-86569-053-1 (Mit Helge Nyncke).
- 2009: Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind. Pendo, München-Zürich 2009, ISBN 978-3-86612-212-3.
- 2009: Happy Birthday, Charly! Darwin-Jahr 2009 (= Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung. Band 3). Alibri, Aschaffenburg 2009, ISBN 978-3-86569-202-3.
- 2011: Grundrechte für Menschenaffen. Ethik-Preis 2011 (= Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung. Band 4). Alibri, Aschaffenburg 2011, ISBN 978-3-86569-203-0.
- 2011: Leibniz war kein Butterkeks. Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur. Pendo, München 2011, ISBN 978-3-86612-280-2 (Mit Lea Salomon).
- 2011: Anleitung zum Seligsein. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2011, ISBN 978-3-86569-068-5 (mit Karikaturen von Jacques Tilly).
- 2012: Keine Macht den Doofen. Eine Streitschrift. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-27494-4.
als Herausgeber:
- 2006: Karlheinz Deschner: „Aufklärung ist Ärgernis“. Alibri, Aschaffenburg 2006, ISBN 978-3-86569-003-6.
- 2011: Aufklärung im 21. Jahrhundert (PDF; 2,8 MB). Giordano Bruno Stiftung, Oberwesel 2011 (mit Elke Held, ohne ISBN).
Sekundärliteratur [Bearbeiten]
- Die Welt verändern. Der Komponist, Musiker und Schriftsteller Michael Schmidt-Salomon. In: Krautgarten. Forum für junge Literatur, Nr. 20, 1992, ISSN 0771-6079.
- Florian Ossadnik: Spinoza und der „wissenschaftliche Atheismus“ des 21. Jahrhunderts. Ethische und politische Konsequenzen frühaufklärerischer und gegenwärtiger Religionskritik weitere Rezension (PDF; 11 kB). In: Ludwig Tavernier (Hrsg.): Studies In European Culture. 8, VDG Weimar, Kromsdorf/Weimar 2011, ISBN 978-3-89739-705-7, DNB 1007177411, OCLC 698573305 (Der Band geht auf die selbsternannten Brights und auch auf Schmidt-Salomon ein. Der „neue Atheismus“ erscheint dem Autor als im Wesentlichen inhaltlich nicht erweiterte Wiederaufnahme alter atheistischer Argumente[12]).
Weblinks [Bearbeiten]
- Michael Schmidt-Salomon in der Internet Movie Database (englisch)
- Literatur von und über Michael Schmidt-Salomon im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Webpräsenz Michael Schmidt-Salomon
- Ja zur Leitkultur? … aber zur richtigen: der von Humanität, Aufklärung und Menschenrechten Telepolis zu Schmidt-Salomons Manifest des evolutionären Humanismus
-
- vgl. dazu die Antwort Michael Schmidt-Salomons (PDF; 61 kB) sowie seine Kritik an Joachim Kahls Buch „Weltlicher Humanismus“ (PDF; 122 kB)
- «Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht» Interview in: Tages-Anzeiger vom 28. Dezember 2010
- Vortrag (Juni 2012): "Die Legende von den christlichen Werten – Warum wir in Ethik, Recht und Politik auf religiöse Begründungen verzichten sollten"
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Michael Schmidt-Salomon: Philosoph und Kirchenkritiker SWR
- ↑ Vom schönen Sex im sinnvollen Leben - Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 8. April 2011, abgerufen am 4. Oktober 2012
- ↑ Tagesspiegel, Gut ohne Gott, von Bas Kast, zuletzt abgerufen am 7. November 2009
- ↑ Stern: Weltjugendtag – Die Ketzer von Köln 20. August 2005
- ↑ Antrag (PDF; 829 kB) des Familienministeriums an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien vom 21. Dezember 2007
- ↑ Religionskritisches Kinderbuch soll Jugend gefährden Die Presse vom 29. Januar 2007; [1]
- ↑ hpd-Pressedienst: Indizierungsantrag abgelehnt
- ↑ Predigt gegen Ferkelbuch bald vor Gericht? In: regensburg-digital.de. 23. Juli 2008, abgerufen am 26. April 2011.
- ↑ Wo Gott geleugnet wird, fällt Menschenwürde. In: kath.net. 28. Mai 2008, abgerufen am 26. April 2011.
- ↑ Fiona Lorenz: Auch Bischöfe müssen bei der Wahrheit bleiben. In: hpd.de. 4. März 2011, abgerufen am 5. März 2011.
- ↑ Ernst-Topitsch-Preis - Preisträger 2004: Dr. Michael Schmidt-Salomon. In: „Kellmann-Stftung“. 6. April 2006, abgerufen am 26. September 2012.
- ↑ Katalog. Spinoza und der „wissenschaftliche Atheismus“ des 21. Jahrhunderts. In: „VDG Kromsdorf/Weimar online“. VDG Weimar, 2011, abgerufen am 17. April 2011: „Diese Arbeit unternimmt einen kritischen Vergleich der frühaufklärerischen Religionskritik Baruch de Spinozas (1632-77) mit dem gegenwärtigen „neuen Atheismus“, der von den sogenannten „Brights“ (R. Dawkins u. a.) gegen die Offenbarungsreligionen ins Feld geführt wird. [...] Es kann deutlich gemacht werden, dass Spinoza in einem umfassenden und keineswegs bloß entfernten Sinne als Vordenker der bright'schen Religionskritik gelten darf. Zudem drängt sich die Wahrnehmung auf, dass die „neuen Atheisten“ – trotz ihres Ausgangs bei gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Theorien – keine in einem eigentlichen Sinne neue Religionskritik formulieren, sondern lediglich jene Topoi der aufklärerischen Orthodoxie-Kritik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie deren ethische und politisch-philosophische Implikationen variieren – ohne diese jedoch inhaltlich zu erweitern.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schmidt-Salomon, Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Autor und atheistischer Aktivist |
| GEBURTSDATUM | 14. September 1967 |
| GEBURTSORT | Trier |