Michael Schmidt-Salomon

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Michael Schmidt-Salomon.

Michael Schmidt-Salomon (* 14. September 1967 in Trier als Michael Schmidt) ist ein deutscher Philosoph, Autor und religionskritischer Publizist. Er vertritt einen evolutionären Humanismus der naturalistisch ausgerichtet ist und ist Mitbegründer und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich die Entwicklung, Förderung und Verbreitung einer humanistischen Weltanschauung zum Zweck gegeben hat. Neben seiner Tätigkeit als Aktivist ist er auch durch die Veröffentlichung von Kinderbüchern und als Musiker in Erscheinung getreten. Er sieht sich als Mitglied der Brights-Bewegung.

Sein philosophisches Hauptwerk besteht aus dem Manifest des evolutionären Humanismus, Jenseits von Gut und Böse, Keine Macht den Doofen. Eine Streitschrift. und Hoffnung Mensch, von ihm als eine „viersätzige Sinfonie“ bezeichnet.[1]

Schmidt-Salomon ist verheiratet und ist der Vater zweier Kinder (* 1990; * 2005).

Leben[Bearbeiten]

Michael Schmidt-Salomon entstammt einer liberal-katholischen Familie. Seine Eltern, Horst und Doris Schmidt, betrieben einen Obst- und Gemüsegroßhandel. Er studierte Pädagogik an der Universität Trier, erwarb dort 1992 sein Diplom in Pädagogik und promovierte im selben Fach 1997 zum Dr. phil. mit dem Dissertationsthema Erkenntnis aus Engagement. Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne mit der Bewertung summa cum laude.

1998 erhielt Schmidt-Salomon den Ethik-Preis des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts. Von 1992 bis 2001 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Trier. Ab 2002 arbeitete er als Dozent, u. a. am Institut D'Etudes Educatives et Sociales (IEES) in Luxemburg. Mit Joachim Kahl, den Schmidt-Salomon 1998 bei einer Veranstaltung am Bodensee kennenlernte, führt Schmidt-Salomon eine öffentliche Debatte zwischen einem „weltlichem“ und evolutionärem Humanismus.

Schmidt-Salomon war von 1999 bis 2007 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Materialien und Informationen zur Zeit. 2004 wurde Schmidt-Salomon für seine Arbeit und für den Roman Stollbergs Inferno von 2003 mit dem Ernst-Topitsch-Preis der Kellmann-Stiftung ausgezeichnet.[2]

Von 2001 bis 2005 bildete er mit seiner Frau Elke Held das Text- & PR-Büro Held & Salomon, das 2001 für das Projekt Porta-L den Multimediapreis des Landes Rheinland-Pfalz erhielt.

Von 2004 bis 2006 war Schmidt-Salomon geschäftsführendes Vorstandsmitglied, seit 2006 ist er Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, in deren Auftrag er 2005 das Manifest des evolutionären Humanismus verfasste. Die Stiftung vertritt einen sogenannten Evolutionären Humanismus und ist dem Kirchenkritiker Karlheinz Deschner besonders verbunden. In dem im Untertitel als Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur bezeichneten Bandes formulierte er 10 Angebote des evolutionären Humanismus als Gegenposition zu den zehn Geboten. Er ist auch Gründungsmitglied der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland und schreibt seit 2006 für den Humanistischen Pressedienst.

Im Jahr 2005 war Michael Schmidt-Salomon einer der Organisatoren und Sprecher der Gegenveranstaltung zum katholischen Weltjugendtag 2005 in Köln, Religionsfreie Zone: Heidenspaß statt Höllenqual!.[3]

2007 leitete Schmidt-Salomon die Kampagne „Wir haben abgeschworen!“ des Zentralrat der Ex-Muslime. 2009 leitete er die Kampagne „Evolutionstag statt Christi-Himmelfahrt!“ zum Darwinjahr.

Kinderbuchautor[Bearbeiten]

Schmidt-Salomon veröffentlichte mit dem Illustrator Helge Nyncke mehrere Kinderbücher, die von seinen humanistischen Ansichten geprägt sind.

Um sein 2008 erschienenes religionskritisches Kinderbuch Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel entstanden mehrere Konflikte. Im Dezember 2007 beantragte das Bundesfamilienministerium, dieses Buch auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften zu setzen, was die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien jedoch ablehnte.[4][5] Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bezeichnete in einer Predigt Schmidt-Salomon wegen des Buches u. a. als „geistigen Amokläufer“. Es gelang ihm, den Bischof wegen verschiedener weiterer grob polemischer Unterstellungen öffentlichkeitswirksam zu verklagen.[6][7][8]

Eine weitere Zusammenarbeit mit Nynck ist das 2008 erschienene Kinderbuch Die Geschichte vom frechen Hund, dass den Anspruch hat, Kindern eine naturalistisch begründete Moralität im sinne sozialen Verhaltens ohne Gewissensdruck zu vermitteln.

Zum 200. Geburtstag Charles Darwins erschien 2009 das Buch Susi Neunmalklug erklärt die Evolution.[9][10]

Musiker[Bearbeiten]

Neben seiner wissenschaftlichen und publizistischen Tätigkeit ist Schmidt-Salomon seit Beginn der 1990er Jahre auch als Musiker und Kabarettist aktiv.

Die Aufführung seines Musicals Das Maria-Syndrom, eine Hommage an den US-amerikanischen Komponisten Frank Zappa, wurde 1994 unter Bezugnahme auf den sogenannten „Gotteslästerungsparagraphen“ 166 StGB verboten.

Er brachte 2005 eine „offizielle CD zum Anti-Weltjugendtag“ heraus, gemeinsam mit Michael Kernbach. Für den Mottosong Liebt euch zur Christopher Street Day-Parade in Köln 2006 arbeitete das Duo wieder zusammen. An seinem Bandprojekt „Kommando Hanf Baumann“ wirken außerdem ehemalige Mitglieder von Guildo Horn & Die orthopädischen Strümpfe mit, das Projekt wurde „SALOMON“ benannt.[11]

Als Komponist war er auch an Luci van Orgs Projekt „Üebermutter“ beteiligt. 2009 veröffentlichte er zum Darwin-Jahr den Song Children of Evolution.[12]

Positionen[Bearbeiten]

Weltanschauliche Positionen[Bearbeiten]

Schmidt-Salomon vertritt eine Philosophie des evolutionären Humanismus, die er in seinem Manifest des evolutionären Humanismus beschreibt. Diese soll eine säkulare Weltanschauung auf naturwissenschaftlicher Basis bieten, welche als Alternative zur Religion dient. Insbesondere legt er Wert darauf, dass eine solche Philosophie nicht von unerschütterlichen Dogmen ausgeht, sondern von Hypothesen, die jederzeit überprüft und verändert werden können. Es gäbe somit keine ewigen Wahrheiten, keine heiligen Schriften und keine unfehlbaren Propheten, Priester oder Philosophen.[13][14]

In Zuge dessen baut er etwa auf den Theorien von Peter Singer auf. So kritisiert er den Speziesismus, plädiert für Grundrechte für Menschenaffen und die Förderung des Effektiven Altruismus. Des Weiteren fordert er ein Beschneidungsverbot an Minderjährigen zu nichtmedizinischen Zwecken und für ein Recht auf Sterbehilfe.[15] Die Idee der absoluten Willensfreiheit und die Kategorien von „Gut“ und „Böse“ lehnt er aus evolutionsbiologischen sowie ethischen Erwägungen ab und bezieht sich dabei auf Friedrich Nietzsche. Von einer Aufgabe dieser Denkweisen verspricht er sich eine Stärkung des ethischen Bewusstseins und zugleich eine „entspanntere [...] Weltsicht“, nicht im Sinne eines „Paradies[es] auf Erden“ ohne Konflikte, aber einer vernünftigeren, gelasseneren und humorvollen Grundhaltung.[16]

Die Idee einer multikulturellen Gesellschaft, in der verschiedene Kulturen nebeneinander existieren, hält Schmidt-Salomon für gescheitert und plädiert stattdessen für eine transkulturelle Gesellschaft. In einer solchen gäbe es gemeinsame Leitnormen (z.B. universelle Menschenrechte) und es würde zu einer permanenten Vermischung von kulturellen Eigenschaften kommen.[17]

Debatte mit Joachim Kahl[Bearbeiten]

In seiner Kritik zu Schmidt-Salomons Manifest des evolutionären Humanismus warf Joachim Kahl 2005 dem Autor unterbewusste „kryptoreligiöse-, ja Allmachtsphantasien“ vor und kritisierte dessen Zehn Angebote des evolutionären Humanismus als „Türöffner der Beliebigkeit“.[18] Schmidt-Salomon beantwortete Kahls Kritik an seinem Manifest mit einer Kritik zu dessen Werk Weltlicher Humanismus, das er als eine „humanistische Besinnungsfibel“ abtat. Im Rahmen einer Veranstaltung der Humanistischen Akademie Bayern warf er Kahl vor, ein zu „konservatives“ Weltbild für einen „zeitgemäßen Humanismus“ zu besitzen. Kahls Philosophie kritisierte er wie folgt: „Der Begriff „Mainstream-Philosophie“ scheint mir die Philosophie Joachim Kahls über weite Strecken recht gut zu beschreiben. Kahls Philosophie ist eine „Philosophie des Ausgleichs“, […] [er] versucht zu vermitteln zwischen fortschrittlichem und konservativem Denken […] Kahls Extremismus ist der Extremismus der Mitte.[19]

Kahl antwortete in seiner Kritik zu Schmidt-Salomons Hoffnung Mensch. In seiner Rezension bemängelte er, Schmidt-Salomon habe sich noch nicht von seiner „religiösen Nabelschnur“ gelöst und erhebe einen „religiösen Anspruch“[20]

Einer der wesentlichen Streitpunkte der beiden Philosophen sind die Begrifflichkeiten von „Gut“ und „Böse“. Kahl meinte, die von Schmidt-Salomon[21] vertretene Aufhebung dieser moralischen Kategorien käme einer Aufhebung der Unterscheidung von Recht und Unrecht gleich.[22]

2007 publizierte der Alibri Verlag im Rahmen der Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Bayern eine Sammlung ausgewählter Texte Schmidt-Salomons und Kahls unter dem Titel Was heißt Humanismus heute? Ein Streitgespräch zwischen Joachim Kahl und Michael Schmidt-Salomon.

Werk[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Kinderbücher[Bearbeiten]

Herausgeber[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

  • Salomon (2001, Promo-CD)
  • Krank wie das System (2004, Demo-CD)
  • Die offizielle CD zum Weltjugendtag (2005)
  • Soundtrack zum Film Aufklärung ist Ärgernis (2006)
  • Liebt euch (2006)
  • Mit Üebermutter - Unheil (2008)
  • Mit Darwin & The Naked Apes - Children of Evolution (2009)

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Die Welt verändern. Der Komponist, Musiker und Schriftsteller Michael Schmidt-Salomon. In: Krautgarten. Forum für junge Literatur, Nr. 20, 1992, ISSN 0771-6079.
  •  Florian Ossadnik: Spinoza und der „wissenschaftliche Atheismus“ des 21. Jahrhunderts. Ethische und politische Konsequenzen frühaufklärerischer und gegenwärtiger Religionskritik. In: Ludwig Tavernier (Hrsg.): Studies In European Culture. 8, VDG Weimar, Kromsdorf/Weimar 2011, ISBN 978-3-89739-705-7, DNB 1007177411, OCLC 698573305.[23]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michael Schmidt-Salomon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Schmidt-Salomon: Hoffnung Mensch. Eine bessere Welt ist möglich., Piper Verlag 2014, S. 331
  2. Ernst-Topitsch-Preis - Preisträger 2004: Dr. Michael Schmidt-Salomon. In: „Kellmann-Stftung“. 6. April 2006, abgerufen am 26. September 2012.
  3. Stern: Weltjugendtag – Die Ketzer von Köln 20. August 2005
  4. Religionskritisches Kinderbuch soll Jugend gefährden Die Presse vom 29. Januar 2007; [1]
  5. hpd-Pressedienst: Indizierungsantrag abgelehnt
  6. Predigt gegen Ferkelbuch bald vor Gericht? In: regensburg-digital. 23. Juli 2008, abgerufen am 26. April 2011.
  7. Wo Gott geleugnet wird, fällt Menschenwürde. In: kath.net. 28. Mai 2008, abgerufen am 26. April 2011.
  8. Fiona Lorenz: Auch Bischöfe müssen bei der Wahrheit bleiben. In: hpd.de. 4. März 2011, abgerufen am 5. März 2011.
  9. Humanistischer Pressedienst: Warum es klug ist, freundlich zu sein, vom 6. November 2008
  10. Humanistischer Pressedienst: Darwin für Kids. Susi Neunmalklug erklärt die Evolution, vom 19. Februar 2009
  11. Vita auf seiner persönlichen Website.
  12. Persönliche Website zu seinen musikalischen Veröffentlichungen.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKai Kupferschmidt: Eine Ethik für nackte Affen. Der Tagesspiegel, 30. April 2008, abgerufen am 17. Oktober 2014 (deutsch).
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMichèle Binswanger: Unmündigkeit wird sozial erworben. Tages-Anzeiger, 31. Januar 2012, abgerufen am 17. Oktober 2014 (deutsch).
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFrank Nicolai, Michael Schmidt-Salomon: Widerstand gegen ein Verbot der Sterbehilfe wächst. Pressekonferenz zur Kampagne "Mein Ende gehört mir!" Humanistischer Pressedienst, 10. Oktober 2014, abgerufen am 11. Oktober 2014 (Bericht, deutsch).
  16. Jenseits von Gut und Böse (2009), S. 9-22
  17. Hoffnung Mensch (2014), S. 294-303
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJoachim Kahl: Fehlstart. Zur Kritik an Michael Schmidt-Salomons „Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine aufgeklärte Gegenwartskultur. (2005)“. 27. Juni 2006, S. 3, abgerufen am 22. Juli 2014 (deutsch).
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMichael Schmidt-Salomon: Der Humanismus mit der Bügelfalte – Kritische Überlegungen zu Joachim Kahls Buch „Weltlicher Humanismus“. Redebeitrag zum Streitgespräch „Humanismus zwischen Lebenskunst und Kirchenkritik“ (Fürth, 27. Juni 2006, Veranstalter: Humanistische Akademie Bayern). 27. Juni 2006, S. 1 ff., abgerufen am 22. Juli 2014 (deutsch).
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJoachim Kahl: Zwischen Reduktionismus und Heilshoffnungen. Michael Schmidt-Salomon unterwegs zu einer neuen Religion?! Sein gerade erscheinendes Buch „Hoffnung Mensch. Eine bessere Welt ist möglich“ mündet in ein „alternatives Glaubensbekenntnis“, das in der bombastischen Verheißung gipfelt: „Ich glaube an den Menschen / Der die Hoffnung der Erde ist / Nicht in alle Ewigkeit / Doch für Jahrmillionen.“ 11. März 2014, abgerufen am 22. Juli 2014 (deutsch).
  21. Vgl. etwa Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind.
  22. Michael Schmidt-Salomon: Wer den Schuss nicht gehört hat, sollte nicht von Fehlstart sprechen... Replik auf Joachim Kahls Kritik am Manifest des evolutionären Humanismus. 2005, S. 5, abgerufen am 22. Juli 2014 (Replik, deutsch).
  23. Der Band geht auf die Brights und u. a. Schmidt-Salomon ein. Der „neue Atheismus“ erscheint dem Autor als im Wesentlichen inhaltlich nicht erweiterte Wiederaufnahme alter atheistischer Argumente. So heißt es im Klappentext. 2011, abgerufen am 17. April 2011: „Diese Arbeit unternimmt einen kritischen Vergleich der frühaufklärerischen Religionskritik Baruch de Spinozas (1632-77) mit dem gegenwärtigen „neuen Atheismus“, der von den sogenannten „Brights“ (R. Dawkins u. a.) gegen die Offenbarungsreligionen ins Feld geführt wird. […] Es kann deutlich gemacht werden, dass Spinoza in einem umfassenden und keineswegs bloß entfernten Sinne als Vordenker der bright'schen Religionskritik gelten darf. Zudem drängt sich die Wahrnehmung auf, dass die „neuen Atheisten“ – trotz ihres Ausgangs bei gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Theorien – keine in einem eigentlichen Sinne neue Religionskritik formulieren, sondern lediglich jene Topoi der aufklärerischen Orthodoxie-Kritik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie deren ethische und politisch-philosophische Implikationen variieren – ohne diese jedoch inhaltlich zu erweitern.“. Rezension auf explizit.net und von Till Kinzel für den IFB (PDF; 11 kB).