Michael Schmidt-Salomon

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Michael Schmidt-Salomon, August 2009

Michael Schmidt-Salomon (* 14. September 1967 in Trier als Michael Schmidt) ist ein freischaffender Philosoph, Autor, Musiker und humanistisch-naturalistischer Aktivist.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Michael Schmidt-Salomon entstammt einer liberal-katholischen Familie. Seine Eltern, Horst und Doris Schmidt betrieben einen Obst- und Gemüsegroßhandel. [3] Er studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Trier, erwarb dort 1992 sein Diplom in Pädagogik und promovierte im selben Fach 1997 zum Dr. phil. mit dem Thema Erkenntnis aus Engagement. Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne. Er erhielt die Bewertung summa cum laude. Von 1992 bis 2001 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Trier tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit waren Wissenschaftstheorie, Anthropologie, Ästhetik, Gesellschaftstheorie, Zukunftsforschung, Religions- und Ideologiekritik sowie praktische Ethik. Ab 2002 arbeitete er als Dozent, u.a. am Institut D'Etudes Educatives et Sociales (IEES) in Luxemburg. Gemeinsam mit Michael Kernbach schrieb er unter anderem den Mottosong Liebt euch für den Christopher Street Day 2006, der von Michael Holm auf der Hauptbühne des Kölner CSD vorgetragen wurde.[4]

Schmidt-Salomon ist heute Vorstandssprecher der vom Unternehmer Herbert Steffen gegründeten Giordano-Bruno-Stiftung und verfasste in deren Auftrag das Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur.[5] Darin formulierte er 10 Angebote des evolutionären Humanismus als Gegenposition zu den Zehn Geboten.

Schmidt-Salomon ist verheiratet und hat zwei Kinder (* 1990; * 2005), mit seiner Tochter Lea verfasste er das Buch Leibniz war kein Butterkeks.

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Humanismus, Naturalismus und Religionskritik[Bearbeiten]

Von 2004 bis 2006 war Schmidt-Salomon geschäftsführendes Vorstandsmitglied, seit 2006 ist er Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. Die Stiftung hat sich nach eigenen Angaben dem Naturalismus und dem Evolutionären Humanismus verschrieben.

2007 leitete Schmidt-Salomon die Kampagne „Wir haben abgeschworen!“ des Zentralrats der Ex-Muslime. Er sieht sich als Mitglied der Brights-Bewegung.[6]

In religionskritischen Kreisen wurde Schmidt-Salomon bekannt durch seine öffentlichkeitswirksamen Aktionen: 1994 wurde die Aufführung seines Musicals Das Maria-Syndrom, das als Hommage an den US-amerikanischen Komponisten Frank Zappa gedacht war, unter Bezugnahme auf den sogenannten „Gotteslästerungsparagraphen“ 166 StGB verboten. Im Jahr 2005 war Michael Schmidt-Salomon einer der Organisatoren und Sprecher der Gegenveranstaltung zum katholischen Weltjugendtag in Köln, Religionsfreie Zone: Heidenspaß statt Höllenqual!.[7]

Herausgeberschaft[Bearbeiten]

Schmidt-Salomon war von 1999 bis 2007 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift MIZ, Materialien und Informationen zur Zeit, politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistInnen. Das Magazin erscheint vierteljährlich im Aschaffenburger Alibri-Verlag, der auch die Schriften Schmidt-Salomons veröffentlicht. Seit 2006 schreibt er für den Humanistischen Pressedienst.

Kinder- und Jugendbücher[Bearbeiten]

Im Herbst 2007 erschien sein – von Helge Nyncke illustriertes – religionskritisches Kinderbuch Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Im Dezember 2007 beantragte das Bundesfamilienministerium, dieses Buch auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften zu setzen, da es „geeignet sei, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren“. Auch werde dort der jüdische Glaube verächtlich gemacht, womit antisemitische Tendenzen vorlägen.[8][9] Am 6. März 2008 lehnte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Antrag ab.[10]

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bezeichnete Schmidt-Salomon wegen des Buches in einer Predigt am 25. Mai 2008 als „geistigen Amokläufer, der Gläubige als Schweine einstuft und Kindsmord befürwortet“. Nachdem das Bistum aufgefordert worden war, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, wurde die im Netz verfügbare Predigt gegen eine entschärfte Fassung ausgetauscht. Darüber hinaus beruft sich das Bistum aber auf die Meinungsfreiheit des Predigenden. Daraufhin reichte Schmidt-Salomon Klage gegen den Bischof ein, um sich gegen die aus seiner Sicht beleidigenden und wahrheitswidrigen Unterstellungen zu wehren.[11][12] Die Klage wurde in erster Instanz aus formellen Gründen abgewiesen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof stellte im Berufungsverfahren hingegen fest, dass die Behauptungen des Bischofs im Widerspruch zu Schmidt-Salomons Veröffentlichungen standen und geeignet waren, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden. Der Bischof hätte eine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit“, die er nicht erfüllt habe. Das Gericht verurteilte die Diözese Regensburg, die Schmidt-Salomon entstandenen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten zu erstatten. Schmidt-Salomon sieht das Urteil als wegweisend an. „Das Gericht hat deutlich gemacht, dass die Kirche kein rechtsfreier Raum ist. Auch Bischöfe sind zu Sorgfalt und Wahrhaftigkeit verpflichtet, wenn sie über Andersdenkende herziehen.“ Vielleicht würden Müller und andere Bischöfe es auch irgendwann einsehen, „dass es ratsam ist, ein Buch erst einmal zu lesen, bevor sie es in ihrer Sonntagspredigt verdammen.“[13]

Sein Buch Die Geschichte vom frechen Hund richtet sich an Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren und versucht zu vermitteln, dass es klug sei, sich anderen gegenüber sozial zu verhalten, und dass es wichtig sei, Freunde zu haben. Zum 200. Geburtstag Charles Darwins erschien 2009 das Buch Susi Neunmalklug erklärt die Evolution, das als Einführung in die Evolutionstheorie für junge Leser gedacht ist.[14][15]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1998 erhielt Schmidt-Salomon den Ethik-Preis des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts, 2001 erhielt er gemeinsam mit Elke Held den Multimediapreis des Landes Rheinland-Pfalz für das Projekt Porta-L einer damals von beiden betriebenen PR- und Marketing-Agentur und 2004 den mit 2000 Euro dotierten Ernst-Topitsch-Preis der Kellmann-Stiftung Humanismus und Aufklärung.[16]

Bücher[Bearbeiten]

als Autor:

als Herausgeber:

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michael Schmidt-Salomon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Schmidt-Salomon: Philosoph und Kirchenkritiker SWR
  2. Vom schönen Sex im sinnvollen Leben - Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 8. April 2011, abgerufen am 4. Oktober 2012
  3. www.leibniz-war-kein-butterkeks.de: Biographie Michael. Abgerufen am 22. Oktober 2013 (PDF; 250 kB, deutsch).
  4. www.leibniz-war-kein-butterkeks.de: Biographie Michael. Abgerufen am 22. Oktober 2013 (PDF; 250 kB, deutsch).
  5.  Snježana Kordić: Grundsätze der Wissenschaften: Rezension des Buchs von Michael Schmidt-Salomon "Manifest des evolutionären Humanismus". In: Književna republika. 6, Nr. 11-12, Zagreb 2008, ISSN 1334-1057, S. 216–224 (PDF-Datei; 1,1 MB, abgerufen am 30. Juni 2013).
  6. Tagesspiegel, Gut ohne Gott, von Bas Kast, zuletzt abgerufen am 7. November 2009.
  7. Stern: Weltjugendtag – Die Ketzer von Köln 20. August 2005
  8. Antrag (PDF; 829 kB) des Familienministeriums an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien vom 21. Dezember 2007
  9. Religionskritisches Kinderbuch soll Jugend gefährden Die Presse vom 29. Januar 2007; [1]
  10. hpd-Pressedienst: Indizierungsantrag abgelehnt
  11. Predigt gegen Ferkelbuch bald vor Gericht? In: regensburg-digital. 23. Juli 2008, abgerufen am 26. April 2011.
  12. Wo Gott geleugnet wird, fällt Menschenwürde. In: kath.net. 28. Mai 2008, abgerufen am 26. April 2011.
  13. Fiona Lorenz: Auch Bischöfe müssen bei der Wahrheit bleiben. In: hpd.de. 4. März 2011, abgerufen am 5. März 2011.
  14. Humanistischer Pressedienst: Warum es klug ist, freundlich zu sein, vom 6. November 2008
  15. Humanistischer Pressedienst: Darwin für Kids. Susi Neunmalklug erklärt die Evolution, vom 19. Februar 2009
  16. Ernst-Topitsch-Preis - Preisträger 2004: Dr. Michael Schmidt-Salomon. In: „Kellmann-Stftung“. 6. April 2006, abgerufen am 26. September 2012.
  17. „Ich glaube, dass sich Humor und Inteligenz durchsetzen“ Interview in Migros-Magazin, Nr. 14, Zürich 14. März 2014
  18. Katalog. Spinoza und der „wissenschaftliche Atheismus“ des 21. Jahrhunderts. In: „VDG Kromsdorf/Weimar online“. VDG Weimar, 2011, abgerufen am 17. April 2011: „Diese Arbeit unternimmt einen kritischen Vergleich der frühaufklärerischen Religionskritik Baruch de Spinozas (1632-77) mit dem gegenwärtigen „neuen Atheismus“, der von den sogenannten „Brights“ (R. Dawkins u. a.) gegen die Offenbarungsreligionen ins Feld geführt wird. [...] Es kann deutlich gemacht werden, dass Spinoza in einem umfassenden und keineswegs bloß entfernten Sinne als Vordenker der bright'schen Religionskritik gelten darf. Zudem drängt sich die Wahrnehmung auf, dass die „neuen Atheisten“ – trotz ihres Ausgangs bei gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Theorien – keine in einem eigentlichen Sinne neue Religionskritik formulieren, sondern lediglich jene Topoi der aufklärerischen Orthodoxie-Kritik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie deren ethische und politisch-philosophische Implikationen variieren – ohne diese jedoch inhaltlich zu erweitern.“