Michail Jefimowitsch Kolzow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Michail Jefimowitsch Kolzow (Friedland) (russisch Михаил Ефимович Кольцов (Фридлянд); * 31. Maijul./ 12. Juni 1898greg. in Kiew; † 2. Februar 1940 oder 4. April 1942) war ein sowjetischer Feuilletonist und Journalist. Bekannt, aber als historische Quelle umstritten sind unter anderem seine Reportagen aus dem spanischen Bürgerkrieg. Er war der ältere Bruder des Karikaturisten Boris Jefimowitsch Jefimow.

Leben[Bearbeiten]

Michail Jefimowitsch Kolzow wurde als erster Sohn eines jüdischen Schuhmachers geboren. Er ist berühmt für seine über 1800 Feuilletons, in denen er das Leben in der Sowjetunion satirisch beschrieb. Stand Kolzow im russischen Bürgerkrieg noch auf Seiten der monarchistischen Weißgardisten, schlug er sich nach dem Sieg der Roten Armee auf die Seite der Kommunisten und wurde Starjournalist der Prawda, später dann „Hofjournalist“ Stalins.

So verfasste er dann neben seinen sehr treffenden Satiren über „Iwan Wadimowitsch“, einen Spießbürger im ungewohnten Milieu der revolutionären jungen Sowjetunion, auch Loblieder auf die stalinistische Geheimpolizei GPU.

1936 reiste er nach Spanien und berichtete über den dortigen Bürgerkrieg, dort traf er neben anderen bekannten Persönlichkeiten auch Buenaventura Durruti und Ernest Hemingway. Kolzow gilt als reales Vorbild des Sowjetjournalisten Karkow in Hemingways legendärem Roman Wem die Stunde schlägt.

Während des Bürgerkriegs verfasste Kolzow sein Werk Das spanische Tagebuch – allerdings ebenfalls aus parteiorthodoxer Sicht und somit als Teil der unzähligen Legendenbildungen um den spanischen Bürgerkrieg.

Wie so viele hochrangige Persönlichkeiten der stalinistischen Sowjetunion fiel auch Kolzow letztendlich dem eigenen Apparat zum Opfer. Er wurde am 14. Dezember 1938 verhaftet und am 1. Februar 1940 als angeblicher Trotzkist zum Tode verurteilt. Nach offiziellen Angaben wurde er am Tag darauf erschossen; nach anderen Angaben starb er 1942 im Gulag.

Werke / Literatur[Bearbeiten]

Deutsche Ausgaben[Bearbeiten]

  • Michail E. Kol'cov, Und richten sie die Gewehre, Berlin: Verlag der Jugendinternationale 1932
  • Michail E. Kol'cov, Handelnde Personen; Moskau (u. a. ): Verl.-Genossenschaft Ausländischer Arbeiter in der UdSSR 1933
  • Michail E. Kol'cov, Der Mann im Soldatenmantel: Skizzen; Moskau (u. a. ): Verl.-Genossenschaft Ausländischer Arbeiter in der UdSSR 1933
  • Michail E. Kol'cov, Guadalajara : eine Niederlage des Faschismus; Zürich: Verlag Freie Schweiz 1937
  • Michail E. Kol'cov, Spanisches Tagebuch; Berlin: Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik 1986 (3. Aufl.)
  • Michail E. Kol'cov, Die Rote Schlacht (über. von Rahel Strassberg); Berlin: Verlag des Ministeriums für Nationale Verteidigung 1960
  • Michail E. Kol'cov, Iwan Wadimowitsch – ein Mann von Format: Skizzen, Feuilletons; Frankfurt am Main: Röderberg 1974

Werkausgaben (russisch)[Bearbeiten]

  • Michail E. Kol'cov, Izbrannye proizvedenija v 3 tomach (Ausgewählte Werke in 3 Bänden); Moskva : Gosudarstvennoe Izdatel'stvo Chudožestvennoj Literatury 1957; (Tom I: Fel'etony i očerki (Feuilletons und Essays); Tom II: Zarubežnye očerki (Essays aus dem Ausland); Tom III: Ispanskij dnevnik (Spanisches Tagebuch))
  • Michail E. Kol'cov; Vostorg i jarost': očerki i fel'etony; stat'i; vospominanija sovremennikov (Begeisterung und Wut: Essays und Feuilletons; Artikel; Erinnerungen von Zeitgenossen); Moskva: Izdatel'stvo Pravda 1990; ISBN 5-253-00094-1

über Michail Kolzow[Bearbeiten]

  • Gleb Anatol'evic Skorochodov, Michail Kol'cov: kritiko-biografičeskij očerk (Michail Kolzow: Kritisch-biografischer Essay); Moskva: Sovetskij Pisatel' 1959
  • N. Beljaev (Hrsg.); Michail Kol'cov: kakim on byl; sbornik vospominanij (Michail Kolzow: wie er war; Sammlung von Erinnerungen); Moskva: Sovetskij Pisatel' 1990; ISBN 5-265-01068-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michail Kolzow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien