Michel Balinski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Michel Louis Balinski (* 6. Oktober 1933 in Genf) [1] ist ein US-amerikanischer Mathematiker, Ökonom und Politikwissenschaftler, bekannt für Beiträge zur Theorie der Wahlen und Mathematischen Optimierung.

Von links: Michel Balinski, Friedrich Pukelsheim, Steven J. Brams, Oberwolfach 2004

Balinski ist der Sohn eines polnischen Diplomaten beim Völkerbund und Enkel von Ludwik Rajchman. In der Zeit des Nationalsozialismus floh seine Familie über Frankreich in die USA, wo er zweisprachig aufwuchs - in der Familie wurde Französisch gesprochen. Er studierte am Williams College mit dem Bachelor-Abschluss 1954 und am Massachusetts Institute of Technology mit dem Master-Abschluss 1956. Er wurde 1959 an der Princeton University bei Albert W. Tucker promoviert (An algorithm of finding all vertices of convex polyhedral sets).[2]. Danach war er Instructor und danach Lecturer in Princeton und ab 1963 Associate Professor für Ökonomie an der University of Pennsylvania. 1965 wurde er Associate Professor und später Professor für Mathematik an der City University of New York. 1978 bis 1980 war er Professor an der Yale University und 1983 bis 1989 an der State University of New York at Stony Brook und gleichzeitig an der Ecole Polytechnique (Labor für Ökonometrie) und forschte für das CNRS. 1999 wurde er emeritiert.

In den 1960er Jahren beriet er u.a. Mobil Oil Research, die Stadt New York und die Rand Corporation. 1975 bis 1977 war er am IIASA in Laxenburg, 1972/73 Gastprofessor in Lausanne und 1974/75 in Grenoble.

Seit seiner Dissertation befasste er sich mit Kombinatorik von Polyedern. Der Satz von Balinski (1961) macht Aussagen über die Vernetzungseigenschaft von Graphen, die konvexen Polyedern in drei und mehr Dimensionen entsprechen und verallgemeinert einen Satz von Ernst Steinitz (1922), dass Polyeder-Graphen von dreidimensionalen Polyedern genau die 3-zusammenhängenden ebenen Graphen sind. Balinski bewies, dass in d Dimensionen (d \geq 3) der Graph mindestens d-zusammenhängend ist, das heisst entfernt man (d-1) beliebige Knoten bleibt der Graph zusammenhängend.

1982 bewies er mit Peyton Young, dass es immer zu Sitzverteilungs-Paradoxien in Wahlsystemen kommt, wenn drei oder mehr Parteien konkurrieren und die Quotenbedingung gilt (Unmöglichkeitssatz von Balinski und Young).[3]

2013 erhielt er den John-von-Neumann-Theorie-Preis und 1965 den Frederick-W.-Lanchester-Preis. 1975 erhielt er den Lester Randolph Ford Award. 1978 erhielt er einen Ehrendiplom (M. A.) in Yale und 2004 Ehrendoktor der Universität Augsburg.

1970 war er mit J. M. W. Rhys einer der ersten, der das Closure Problem betrachtete, das z.B. als Transportproblem in Netzwerken formuliert werden kann.[4][5]

Er leistete auch wichtige Beiträge zur linearen und nichtlinearen Optimierung und mathematischen Wirtschaftswissenschaft.

Er hat die US Staatsbürgerschaft.

Schriften[Bearbeiten]

  • On the graph structure of convex polyhedra in n-space, Pacific J. Math., Band 11, 1961, S. 431-434
  • Integer Programming : Methods, Uses, Computation, Management Science, Band 12, 1965, 253–313 (erhielt den Lanchester Preis)
  • mit H. Peyton Young: Fair Representation: Meeting the Ideal of One Man, One Vote, Yale University Press 1982, Brookings Institution Press 2001 ISBN 9780815716341.
  • mit Rida Laraki: Majority Judgment: Measuring, Ranking, and Electing, MIT Press, 2010,

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebensdaten nach American Men and Women of Science, Thomson Gale 2004
  2. Michel Balinski im Mathematics Genealogy Project (englisch). Veröffentlicht in J. Soc. Indust. Appl. Math., Band 9, 1961, S. 72–88
  3. Bogomolny The constitution and paradoxes, Cut the Knot 2002
  4. Balinski On a selection problem, Management Science, Band 17, 1970, S.230–231
  5. Rhys A selection problem of shared fixed costs and network flows, Management Science, Band 17, 1970, S. 200-207