Michel Fourniret

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Michel Fourniret (* 4. April 1942 in Sedan in Frankreich) ist ein französischer Serienmörder.

In die Schlagzeilen geriet der Waldarbeiter am 30. Juni 2004, als er den belgischen Behörden gestand, sechs Mädchen entführt, missbraucht und umgebracht zu haben. Nach Hinweisen durch seine dritte Ehefrau Monique Olivier gestand er tags darauf drei weitere Morde. Unter den Opfern waren auch zwei Erwachsene. Die Aufmerksamkeit der Medien und der Behörden war zu dem Zeitpunkt besonders hoch, da nur eine Woche zuvor der belgische Sexualstraftäter Marc Dutroux wegen Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen sowie wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

Der Prozess gegen das Ehepaar (seine Frau wurde wegen Beihilfe angeklagt) begann am 27. März 2008. Am 28. Mai 2008 wurde Fourniret zu lebenslanger Haft mit einer Mindesthaftdauer von 30 Jahren verurteilt, seine Frau zu lebenslanger Haft mit einer Mindesthaftdauer von 28 Jahren.[1]

Kriminelle Taten und Folgerungen[Bearbeiten]

Fourniret wurde schon 1966 wegen Voyeurismus und Gewaltverbrechen verurteilt. Am 4. September 1982 entführte er die vierzehnjährige Dahina Le Guennan und vergewaltigte sie. 1987 wurde er in Évry zu sieben Jahren Haft verurteilt, kam jedoch nach wenigen Monaten – nach Anrechnung der Untersuchungshaft seit 1984 – auf Bewährung wieder frei. Kurz darauf beging er in Auxerre seinen ersten Mord, an der siebzehnjährigen Isabelle Laville. Danach siedelte er sich in Belgien an. Dort führte er nach außen ein unauffälliges Leben als Aufseher einer Schulkantine in Gedinne.

Am 26. Juli 2003 versuchte er die dreizehnjährige Marie-Ascension zu entführen. Dieser gelang es jedoch, aus seinem Wagen zu springen. Im selben Jahr wurde Fourniret festgenommen. Die belgischen Behörden wurden allerdings laut Presseberichten schon zwei Jahre vor der Festnahme auf ihn aufmerksam gemacht. Eine Frau habe im April 2001 bei der Polizei ausgesagt, sie sei von einem Mann in einem weißen Lieferwagen auf dem Heimweg in Südbelgien belästigt und verfolgt worden. Dabei habe sie eine genaue Beschreibung Fournirets gegeben und das Kennzeichen seines Fahrzeugs genannt. Nur drei Wochen später verschwand in Sedan die dreizehnjährige Mananya Thumpong, deren Ermordung Fourniret mittlerweile gestand.

Am 1. Juli 2004 sagte seine Frau Monique Olivier aus, ihr Mann habe zehn Morde begangen. Sie habe ihm bei den Entführungen geholfen und bei den Vergewaltigungen zugesehen. Am nächsten Tag gestand Fourniret acht Morde. Später gab er noch einen neunten zu. Es wird vermutet, dass es in Wahrheit wesentlich mehr sind, da in seinen Aussagen eine Lücke von zehn Jahren klafft. Neben Frankreich und Belgien werden auch in Deutschland, Holland, Österreich und Dänemark ungelöste Mordfälle auf eine mögliche Täterschaft von Fourniret hin untersucht. Eine anfänglich vermutete Verbindung zu Dutroux erwies sich als haltlos. Anfang 2006 lösten Medienberichte Aufsehen aus, Fourniret sei anwesend gewesen beim Prozess des wegen des umstrittenen Vorwurfs des Mords eines Mädchens 1976 hingerichteten Christian Ranucci.

Während seiner Untersuchungshaft in Frankreich lernte er Jean-Pierre Hellegouarch kennen, ein Mitglied der Terrorgruppe Action Directe. Hellegouarch zog Fourniret kurz vor dessen Entlassung ins Vertrauen und beauftragte ihn, gemeinsam mit Hellegouarchs Ehefrau Farida die „Kriegskasse“ der Action Directe zu verwalten. Stattdessen brachte Fourniret die Frau um, nahm das Geld und erwarb 1988 für zwei Millionen Francs (rund 305.000 Euro) das Schloss Sautou im nordfranzösischen Donchery. Das Jagdschloss aus dem 19. Jahrhundert liegt bei Sedan, fünf Kilometer südlich der französisch-belgischen Grenze abgeschieden in einer Hügellandschaft. Er renovierte das fünfzehn Hektar große Anwesen zu einem luxuriösen Gästehaus. Die großzügigen Bauarbeiten in den folgenden Jahren, bei denen er auch lange Gräben aushob, ließen somit keinen Verdacht aufkommen. Nach dem Geständnis Fournirets hatte er dort mindestens zwei seiner Opfer vergraben.

Die Suche nach den Leichen begann in seinem Beisein am 3. Juli 2004. Auf dem Schlossgelände gruben die Ermittler zwei Skelette aus, bei denen es sich vermutlich um die sterblichen Überreste von Elisabeth Brichet und Jeanne-Marie Desramault handelt.

Insgesamt hat Fourniret nach eigenen Angaben die folgenden Mädchen und Erwachsenen getötet und offenbar in Frankreich und Belgien versteckt:

  • Isabelle Laville (17) – verschwand am 11. Dezember 1987 bei Auxerre.
  • Fabienne Leroy (18) – wurde im August 1988 erwürgt aufgefunden.
  • Jeanne-Marie Desramault (22) – verschwand am 18. März 1989.
  • Farida Hellegouarch – Ehefrau von Jean-Pierre Hellegouarch, vermutlich im Jahr 1989 getötet.
  • Elisabeth Brichet (12) – aus Namur. Von ihr verlor sich jede Spur am 20. Dezember 1989. Ihr Verschwinden war oft mit dem Fall Dutroux in Zusammenhang gebracht worden.
  • Natacha Danais (13) – wurde am 21. November 1990 in der französischen Stadt Rezé bei Nantes entführt. Drei Tage später wurde ihre Leiche 70 Kilometer von Nantes entfernt in den Dünen des am Atlantik gelegenen Ortes Brem-sur-Mer entdeckt.
  • Ein unbekanntes Au-Pair-Mädchen – es arbeitete für das Ehepaar Fourniret und soll 1993 ermordet worden sein.
  • Céline Saison (18) – verschwand am 16. Mai 2000 in Charleville-Mézières. Am 22. Juli 2000 wurde ihr Leichnam in einem Wald bei Sugny in den belgischen Ardennen gefunden.
  • Mananya Thumpong (13) – Von ihr verliert sich jede Spur am 5. Mai 2001 in Sedan. Wanderer fanden ihre Leiche am 2. Mai 2002 in einem Wald bei Nolleveaux, 30 Kilometer entfernt vom Fundort von Céline Saison.
  • Unbekannter Autofahrer – Fourniret erschoss ihn nach eigenen Angaben mit einem Jagdgewehr an einer Autobahnraststätte, um an dessen Geld zu kommen.

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. AFP-Meldung vom 28. Mai 2008