Michel Ordener

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Michel Ordener

Michel Ordener (* 2. September 1755 in L’Hôpital (Moselle); † 30. August 1811 in Compiègne) war ein französischer Général de division und Senator des Ersten Kaiserreichs.

Leben[Bearbeiten]

Geboren im (deutschsprachigen) Lothringen beherrschte er zunächst nur sehr schlecht französisch und konnte sich nur in der dort üblichen Regionalsprache, dem „Lothrénger Platt“ oder „Lothrénger Deitsch“ ausdrücken, woraufhin ihn seine Zeitgenossen als „minderwertigen Deutschen“ (mauvais allemand) zu bezeichnen pflegten.

Am 1. Januar 1773 trat er als Dragoner in das „Régiment Condé-Cavalerie“ ein, wo er am 7. November 1776 den Rang eines Brigadiers (Corporal) erreichte. Nachdem am 9. Dezember 1776 das „Régiment Condé-Cavalerie“ in ein Dragonerregiment umgewandelt worden war und den Namen „Dragons de Boufflers“ erhalten hatte, wurde er mit seinem Rang und zusammen mit seiner Escadron in dieses Regiment eingegliedert. Mit seiner Stammescadron ging er dann nach einer weiteren Umstrukturierung in das „4e Régiment de chasseurs à cheval“ (4. Regiment Jäger zu Pferde) über.[1]

Ordener setzte seine militärische Karriere in diesem Regiment fort, so wurde er befördert:

Ordener nahm in der „Armée du Rhin“ und der „Armée de la Moselle“ an den Feldzügen der Jahre 1792 und 1793 teil. Er bewies mehrfach sein brillantes militärisches Können in den Kriegen der Jahre II (1794) bis VIII (1800) wiederum in der Rheinarmee, der „Armée des Alpes“ (Alpenarmee), der „Armée d'Italie“ (Italienarmee) der „Armée d'Angleterre“ (Englandarmee) und der „Armée du Danube“ (Donauarmee). Ordener wurde von den kommandierenden Generalen der Divisionen zu denen sein Regiment jeweils gehörte, in den höchsten Tönen gelobt. In diesen Feldzügen nahm Ordener etwa 6.000 Gefangene und erbeutete 26 Geschütze mit den meisten ihrer Munitionswagen, sieben Fahnen oder Standarten, etwa 200 Troßfahrzeuge und um die 2.400 Pferde.

Sieben Pferde wurden unter ihm getötet und er wurde im Gefecht insgesamt achtmal von Säbelhieben getroffen, davon allein fünf Hiebe gegen den Kopf im Scharmützel von Valevau am 27. Thermidor an VII (17. August 1799). Dreimal wurde er von Kugel getroffen, niemals jedoch so schwer, dass er seine Leistungsbereitschaft eingeschränkt gesehen hätte. Lediglich durch einen, dicht an seinem rechten Ohr abgegebenen Schuss litt zeitweise unter Taubheit.

Am 29. Messidor an VIII (18. Juli 1800) wurde er zum „Chef de brigade des grenadiers à cheval de la garde des Consuls“ (Oberst der Grenadiere zu Pferde der Konsulargarde) ernannt.

Ordener wurde am 11. Fructidor an XI (29. August 1801) zum Général de brigade befördert und am 19. Frimaire an XII (11. Dezember 1803) in die Légion-d’Honneur aufgenommen.

Am 25. Prairial an XII (14. Juni 1804) wurde Ordener zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Er nahm dann mit der Gardekavallerie an den Feldzügen des Jahres 1805 entlang der Atlantikküste teil und stieß dann im Monat „Vendémiaire“ (also im Oktober) des gleichen Jahres zur „Grande armée“. Während der Kriege gegen Österreich konnte der General seinen guten Ruf festigen und sich weitere Verdienste in der Schlacht von Austerlitz erwerben.

Am 4. Nivôse an XIV, (25. Dezember 1804) zum Géneral de division befördert, erhielt er das Kommando über die „Grenadiers à cheval de la Garde“ (Grenadiere zu Pferd der Kaisergarde). Am 20. Mai 1806 wurde er in den Senat berufen und zum Commandant de l’ordre de la Couronne de fer (Kommandant des Ordens der Eisernen Krone) ernannt. Mit dem 25. Oktober schied er aus dem Militärdienst aus.

Napoléon ernannte Général Ordener 1808 zum „Comte de l'Empire“ (Reichsgraf) und übertrug ihm am 1. März 1810 das Amt des Gouverneurs über den kaiserlichen Palast in Compiègne.

Vom bayrischen König wurde ihm der Orden vom Pfälzer Löwen verliehen.[2][3]

Ordener starb am 30. August 1811 in Compiègne in Ausübung seines Dienstes. Er wurde im Panthéon in Paris beigesetzt.

Sein Name befindet sich auf dem Triumphbogen, auf dem westlichen Pfeiler in der 11. Reihe der 31. Kolonne.

Die Affäre Duc d’Enghien[Bearbeiten]

Am 20. Ventôse an XI (11. März 1803) erhielt er vom Kriegsminister, Marschall Louis-Alexandre Berthier den Befehl, sich nach Ettenheim zu begeben um dort die Verhaftung des Louis Antoine Henri de Bourbon-Condé, duc d’Enghien vorzunehmen. Er kam dort am 25. Ventôse (16. März) an und ließ im Einvernehmen mit dem Général Fririon das Anwesen des Herzogs von einem Detachement Gendarmerie und einer Abteilung des „22e régimen de dragons“ (22. Dragonerregiments) umstellen. Nach fünfeinhalb Stunden wurden die Tore gewaltsam geöffnet und der Herzog, der sich in einer Mühle hinter der Ziegelbrennerei aufhielt, in Gewahrsam genommen. Nachdem seine Papiere beschlagnahmt worden waren, wurde er auf einen Karren gesetzt und zwischen zwei Reihen Bewaffneter zum Rhein geleitet.

Nach der Gefangennahme des Herzogs legte Ordener zeit seines Lebens Wert auf die Feststellung, dass er weder direkt noch indirekt an der Verurteilung und der Exekution desselben beteiligt gewesen sei.

Die gesamte Aktion war ein illegaler Akt, der auch bei damaligen Gepflogenheiten auf Unverständnis stieß und Proteste auf höchster Ebene auslöste.

Im Band II seiner Mémoires de Sainte-Hélène schreibt Napoleon Bonaparte diesbezüglich über Ordener:

„... faire remettre à la cour de Bade des explications sur la violation de son territoire, aussitôt qu’Ordener se serait saisi du duc d’Enghien. Ordener a dû obéir à l’ordre de passer le Rhin avec 300 dragons et d’enlever le prince.“

„... ging die Erklärung an den badischen Hof für das gewaltsame Eindringen in dessen Territorium, daß Ordener lediglich mit der Verhaftung des Herzogs d’Enghien beauftragt gewesen sei. Ordener befolgte seinen Befehl, den Rhein mit 300 Dragonern zu überschreiten und den Herzog festzunehmen.“

Literatur[Bearbeiten]

  • « Michel Ordener », in Charles Mullié, „Biographie des célébrités militaires des armées de terre et de mer de 1789 à 1850“, 1852
  • « Michel Ordener » , in Robert et Cougny, „Dictionnaire des parlementaires français“, 1889
  • Service Historique de l’Armée de Terre – Fort de Vincennes – Dossier S.H.A.T. Côte : 7 Yd 431.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Dieses wurde später in 10e Régiment de chasseurs à cheval umbenannt
  2. Almanach impérial (1810)
  3. Das genaue Datum ist nicht bekannt