Michel Reimon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Michel Reimon (* 11. Juli 1971 in Eisenstadt) ist ein österreichischer Autor, ehemaliger Journalist, Kommunikationsberater und Politiker. Er war Spitzenkandidat der Burgenländischen Grünen bei der Landtagswahl im Burgenland 2010 und ist seit Anfang Juli 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Ausbildung[Bearbeiten]

Reimon absolvierte die Volks- und Hauptschule in Siegendorf, bevor er die HTBLuVA Wien 5 Spengergasse besuchte und 1991 maturierte. 2001 startete er, an der Außenstelle der Universität Derby in Wien, ein Informatikstudium, welches er 2004 abschloss. Drei Jahre später startete er an der Universität Augsburg ein Studium im Bereich Organisationsentwicklung und -beratung. Einen Teil seines Studiums absolvierte er in den USA, wo er an der Johns Hopkins Universität und an der Columbia Universität studierte. Das Studium konnte er 2009 mit dem Titel Master of Business Administration abschließen.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Studium arbeitete Reimon als selbstständiger Kommunikationsberater und Journalist. Zudem war er 2002 Pressesprecher der Initiative STOPP GATS, welche sich gegen das Freihandelsabkommen der WTO und damit gegen die fortschreitende Liberalisierung einsetzt. 2002 veröffentlichte er sein erstes Buch Days of Action. Zusammen mit Christian Felber veröffentlichte er 2003 das Schwarzbuch Privatisierung. 2004 trat er den Grünen bei und wurde prompt Pressesprecher des burgenländischen Landesverbandes.

Seit 2006 nimmt er zusätzlich einen Lehrauftrag an der Universität Wien im Fachgebiet Politische Kommunikation wahr, welcher sich 2008 auf den Bereich Interne Organisationskommunikation erweiterte. Zusätzlich erschien in diesem Jahr auch sein Buch Die sieben Todsünden der EU. Es folgte die Gründung des Demokratischen Salons im Jahr 2008. Der Demokratische Salon ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, welcher sich zum Ziel gesetzt hat ein Volksbegehren für mehr direkte Demokratie zu initiieren. Hauptanliegen des Vereins ist eine Verfassungsänderung, die eine verpflichtende Volksabfragung bei allen Nationalratsbeschlüssen vorsieht, gegen den ein Volksbegehren mit zumindest 100.000 Unterzeichnern eingebracht wurde.

Am 30. Jänner 2010 wurde er bei der 34. Landesversammlung der Grünen Burgenland mit 60 von 61 abgegebenen Stimmen zum Spitzenkandidat, der Grünen Partei bei der Landtagswahl 2010, gewählt.[1] Bei den Wahlen am 30. Mai 2010 konnten die Grünen ein Mandat erringen. Michel Reimon zog somit als einziger grüner Abgeordneter in den burgenländischen Landtag ein.

Am 1. Februar 2012 hat Michel Reimon auf seinem Blog seinen Roman Incommunicado als DRM-freies, creative commons lizenziertes E-Book gratis veröffentlicht.

Bei den Wahlen 2014 zum europäischen Parlament trat Michel Reimon für die österr. Grünen an (2. Listenplatz) und errang ein Mandat. Im Europaparlament zählt er zur "Fraktion der Grünen / freie europäische Allianz".

Reise in den Nordirak als EU-Parlamentarier[Bearbeiten]

Bekanntheit über die österreichischen Landesgrenzen hinaus erlangte Reimon schon kurz nach seinem Einzug in das europäische Parlament, als er im Sommer 2014 den Nordirak besuchte und das Leid der Jesiden dokumentierte: Reimon begleitete einen Hilfsflug zu den Jesiden, von denen Tausende auf dem Berg Sindschar von der Dschihadisten-Milizen Islamischer Staat (IS) eingekesselt waren. Seine diesbezüglichen Videos [2] und Blogbeiträge [3] wurden von zahlreichen Medien aufgegriffen. [4] [5]

Skandale[Bearbeiten]

Oaschloch-Skandal[Bearbeiten]

Im Oktober 2013 bezeichnete Reimon während der Budgetdebatte im Burgenländischen Landtag die Abgeordneten der SPÖ als "rechte Oaschlöcher". [6] Er selbst behauptete später, er habe "rechte Oaschloch-Politik" gesagt. [7] Günter Kovacs (SPÖ) forderte Reimon nach seiner verbalen Entgleisung auf, zurückzutreten. [8] Im November 2013 gab Reimon bekannt, mit Jahresende aus dem Burgenländischen Landtag auszuscheiden, bestritt aber, dass dieser Schritt mit seinem Oaschloch-Sager in Zusammenhang stand. [9]

Keller-Skandal[Bearbeiten]

Im September 2014 verlautbarte Reimon über den Kurznachrichtendienst Twitter "Schad, dass man Freiheitliche und Islamisten nicht in einen Keller sperren und mit sich allein lassen kann." [10] Nach Entschuldigungsaufforderungen, unter anderem durch den freiheitliche EU-Abgeordnete Harald Vilimsky, gab Reimon zu "einen schweren Fehler" gemacht zu haben. [11] Die Grüne Parteichefin Eva Glawischnig bezeichnete Reimons Äußerung als "im Ton vergriffen", setzte allerdings keine weiteren Maßnahmen. [12] Trotz Kritiken von vielen Seiten, löschte Reimon seinen Keller-Tweet nicht, sondern beschimpfte in späteren Kommentaren auch noch andere Politiker. [13] [14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reimon als grüner Spitzenkandidat bestätigt. In: ORF. 30. Januar 2010, abgerufen am 3. Mai 2010.
  2. Michel Reimon: Luftbrücke zu den Jeziden, Sinjar, Irak..
  3. Michel Reimon: Es ist nie genug.
  4. Spiegel: EU-Politiker filmt dramatischen Hilfsflug für Jesiden
  5. Zeit: Im Bann der Gotteskrieger
  6. Stenographisches Protokoll der 43. Sitzung der XX. Gesetzgebungsperiode des Burgenländischen Landtages (Seite 56). Abgerufen am 17. September 2014.
  7. "O...loch"-Sager im Burgenland-Landtag. Abgerufen am 17. September 2014.
  8. Schimpfender Reimon sorgt für Eklat. Abgerufen am 17. September 2014.
  9. Grüne: Reimon tritt als Landtagsabgeordneter zurück. Abgerufen am 17. September 2014.
  10. Schad, dass man Freiheitliche und Islamisten nicht in einen Keller sperren und mit sich allein lassen kann. Abgerufen am 17. September 2014.
  11. Reimon will "Freiheitliche und Islamisten in einen Keller sperren". Abgerufen am 17. September 2014.
  12. Reimon und Vilimsky liefern sich Schlagabtausch. Abgerufen am 17. September 2014.
  13. Michel Reimon auf Twitter. Abgerufen am 17. September 2014.
  14. Michel Reimon auf Twitter. Abgerufen am 17. September 2014.