Michelbacher Hütte

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Der Brunnen aus Dasbach mit Herstellerangabe
Laufbrunnen aus Oberseelbach von der Michelbacher Hütte
Schachtdeckel der Firma PASSAVANT in Halberstadt

Michelbacher Hütte ist die historische Bezeichnung für eine Eisenhütte im Rheingau-Taunus-Kreis.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Hütte war ein seit 1656 betriebenes landesherrliches Eisenhüttenwerk der Grafen von Nassau-Idstein im Tal der mittleren Aar zwischen Aarbergen-Michelbach und Kettenbach im westlichen Hintertaunus. Sie ist Ausgangspunkt der Eisenstraße nach Taunusstein.

Besonders im 17. und 18. Jahrhundert führte der Betrieb der Hütte durch übermäßigen Holzkohleverbrauch zu einer nie wieder dagewesenen Entwaldung im Aar-Gebiet. Die Folge war das Einreißen Meter tiefer Erosionsschluchten, sogenannter Runsen oder Gullies, die sich bis heute zahlreich in den Wäldern rund um die Hütte finden. Das Eisenerz in historischer Zeit kam hauptsächlich aus den Eisengruben bei Zollhaus und Rückershausen.

1818 pachtete Anselm Lossen die Hütte, die sein Sohn Karl Lossen leitete. Die Pachtsumme betrug 800 Gulden pro Jahr und wurde 1847 auf 1645 Gulden erhöht. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen kündigte Preußen den Pachtvertrag und suchte einen Käufer. Dies misslang zunächst. Auch die Familie Lossen hatte zu den angebotenen Konditionen kein Interesse. Der dann gefundene Käufer Disch nahm die Produktion gar nicht erst auf und verkaufte 1872 an die Frankfurter Firma Oppenheim & Weill. Diese verkaufte die Hütte am 16. März 1885 an Adolph Samuel Passavant.

Unter Adolph Samuel Passavant wurde die Hütte bekannt. Zu dem Erfolg trug eine Konzentration auf Kanalguss bei. Im Jahr 1911 trat sein Sohn Wilhelm in die Geschäftsleitung ein, sechs Jahre später übernahm er die Führung des Betriebs. In den Gemeinden des Taunus finden sich eine Vielzahl von Laufbrunnen aus Gusseisen aus der Michelbacher Hütte. Mit seinen Kanalgussartikeln (Beton-Guss, Begu) wurde Passavant weltbekannt. Kanaldeckel mit der Aufschrift "Passavant" sind fast weltweit verbreitet. Diese Sparte der Passavantwerke wurde im Jahr 2000 an die ACO Gruppe verkauft.[1]

Auf Betreiben der Industriellenfamilie Passavant wurde 1894 die Aartalbahn zwischen Zollhaus und Bad Schwalbach fertiggestellt, was die Hütte an das Schienennetz anschloss.

Im Zweiten Weltkrieg stellte Passavant Rüstungsgüter her. Nach dem Krieg wurden Baumaschinen, Kläranlagen und Entwässerungsanlagen produziert. Das Unternehmen wurde an den Bilfinger Berger-Konzern verkauft. Das Tochterunternehmen Passavant-Geiger GmbH mit Hauptsitz in Aarbergen bietet im weltweiten Vertrieb Komponenten und Systemlösungen im Bereich der Wasser-, Abwasser- und Schlammbehandlung, der Wasserentnahme und der Vakuumtechnologie an. Es vereint die Marken Passavant, Geiger, Noggerath, Intech und RoeVac.[2]

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Teile des Werks stehen unter Denkmalschutz. Dies betrifft zunächst das ehemalige Verwaltungsgebäude der Michelbacher Hütte. Das Gebäude befindet sich in beherrschender Lage über dem Werksareal. Es handelt sich um einen Fachwerkbau des 18. Jahrhunderts mit jüngeren Veränderungen des Gefüges. Ein kleiner Dachreiter mit Haubenlaterne und Uhr bestimmt das Aussehen das Daches. An der Giebel- und östlichen Traufseite befindet sich abgerundetes Schwellholz, profiliertes Rähm. Die Haustür und Anbauten stammen aus dem 19. Jahrhundert.[3] Bei den Direktorenwohnhäusern handelt es sich um eine Gruppe aus zwei Wohngebäuden unterschiedlicher Bauzeit. Das ältere, gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Gebäude ist in schmuckloser Fachwerkkonstruktion errichtet, daran anschließendes befindet sich ein villenartiges Wohnhaus um 1930. Dieses ist ein verputzter Kubus mit Walmdach und Segmenterker mit runden, gedrechselten Holzsäulen. [4] Die Villa Passavant ist die ehemalige Direktorenvilla des Firmengründers und steht mit Gartenpavillon und Einfriedung unter Denkmalschutz. Das Haus wurde 1890 erbaut, mit nachfolgenden Um- und Anbauten verschiedener Epochen. Heutige Nutzung als Gästehaus und Schulungsgebäude. Der Komplex ist auf winkelförmigem Grundriss über ansteigendem Geländeniveau, oberhalb eines angestauten Teiches erbaut. Jeweils unterschiedliche Erscheinung der Fassaden zur Hof- und Gartenseite mit neuklassizistischen und Jugendstil-Elementen. [5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stolz, C. (2013): Hunger nach Holzkohle war immens. Energienutzung: Michelbach und andere nassauische Hüttenwerke in Früher Neuzeit. - Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 64, S. 19-21.
  • Weber, M. (2011): Von der Ofenplatte zu High-Tech. Kanaldeckel trugen den Namen "Passavant" in die Welt. In: Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 62, S. 18-22.
  • Stolz, C. (2008): Historisches Grabenreißen im Wassereinzugsgebiet der Aar zwischen Wiesbaden und Limburg. Geologische Abhandlungen Hessen 117.
  • Löhr, K. (2002): Öfen, Stabeisen, und Kanonenkugeln. Die Michelbacher Hütte in der Zeit von 1656 bis 1800. In: Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 53. S. 70-72.
  • Geisthardt, F. (1957): Landesherrliche Eisenindustrie im Taunus. In: Nassauische Annalen 68. S. 156-174.
  • Rudolph Reinhardt: Strukturwandel in der Eisenindustrie des Lahn-Dill-Gebietes 1840-1914, Diss, 1999, S. 86-90

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ACO in Zahlen – Expansion mit klarem Fokus. Strategisches Wachstum
  2. Passavant-Geiger Gruppe im Internet
  3. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ehemaliges Verwaltungsgebäude. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  4. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Direktorenwohnhäuser. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  5. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Villa Passavant. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen

Weblinks[Bearbeiten]

50.242938.066078Koordinaten: 50° 14′ 34,5″ N, 8° 3′ 57,9″ O