Micheline (Eisenbahn)

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Micheline im Eisenbahnmuseum Mülhausen (Cité du Train)

Eine Micheline ist ein Schienenbus[1] (Leichttriebwagen), bei dem die Räder mit luftgefüllten Reifen ausgestattet sind. Diese Bauweise wurde in den 1930er Jahren von Michelin entwickelt. Der Name Micheline wurde in der Folge in Frankreich auch oft für Dieseltriebwagen im Allgemeinen verwendet.

Gummirad[Bearbeiten]

Spezieller mit luft gefüllter Reifen für Micheline Triebwagen
Demonstration Micheline Triebwagen in Utrecht in 1932

Das Ziel dieser Erfindung von André Michelin war die Verbesserung des Reisekomforts. Es musste ein Rad mit einer mittigen Vertiefung entwickelt werden, das auf dem schmalen Schienenkopf rollen konnte, in der Lage war, Weichen zu durchlaufen und auch das Fahrzeuggewicht tragen konnte. Die erste Version wurde 1929 patentiert, und in der Folge wurde das Rad mit einer widerstandsfähigeren Metallstruktur gebaut. Die Spurführung auf der Schiene erfolgt durch einen aus der Felge ausgeformten Spurkranz. Außerdem mussten die Wagenkästen leicht sein. Bestehend aus Duraluminium, wurden für deren Bau Konstruktionsverfahren aus der Luftfahrttechnik eingesetzt. Der erste Prototyp wurde 1931 den Bahngesellschaften vorgestellt.

Um diese Erfindung zu bewerben, organisierte Marcel Michelin, Sohn von André Michelin, am 10. September 1931 eine Rekordfahrt. Der Prototyp Michelin Nr. 5 fuhr von Paris Saint-Lazare nach Deauville und wieder zurück. Auf der Rückfahrt legte das Fahrzeug die 219,2 km zwischen den Bahnhöfen in genau zwei Stunden zurück, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 107 km/h entspricht. Damit wurde die Einsatzfähigkeit unterstrichen. In der Folge wurden durch Michelin mehrere Fahrzeuge gebaut.

Einsatz[Bearbeiten]

Die von Michelin gebauten Triebwagen waren für viele Jahre auf dem Netz der französischen Eisenbahnen vor und auch noch nach Gründung der SNCF im Einsatz. Für die Schmalspur wurden Micheline-Triebwagen auch in den französischen Kolonien in Afrika, in Indochina und auf Madagaskar adaptiert. Dort legten im Jahre 1937 Micheline-Triebwagen die 369 km lange Strecke Tamatave-Tananarive in neun Stunden zurück, was einer Reisegeschwindigkeit von 44 km/h entspricht, und die Pneus hielten 20.000 km.[2]

Zwei Exemplare existieren in Madagaskar, wo damit noch Tourismusverkehr betrieben wird. Ein Exemplar ist im Eisenbahnmuseum Mulhouse ausgestellt.

Die Budd Company baute 1932/1933 drei Fahrzeuge, die ebenfalls nach dem System Michelin funktionierten. Die Fahrzeuge besaßen durch Goodyear in Lizenz gefertigte Reifen. Die Fahrzeuge bewährten sich jedoch nicht und wurden innerhalb kurzer Zeit wieder ausgemustert oder umgebaut.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schweizerische Bauzeitung, Band 102, Nummer 8, Artikel Neuer Michline-Schienenbus aus dem Jahre 1933
  2. Labbé, siehe Bibliographie
  3.  Bert Pennypacker: Budd before the Zephyr. In: Trains. Kalmbach Publishing Co., April 1973, ISSN 0041-0934, S. 24–28.

Literatur[Bearbeiten]

  • Yves Broncard, Yves Machefert-Tassin, Alain Rambaud, Autorails de France : Les Automotrices à Vapeur, Michelin, Bugatti (Band 1), Verlag La Vie du rail, Paris, 1997 ISBN 978-2-90280839-7.
  • Gaston Labbé, Les Autorails dans les colonies françaises, in Chemin de fer régionaux et urbains N° 281 (2000), Neuauflage eines 1937 in Traction nouvelle erschienenen Artikels über die Michelines in Madagaskar.

Weblinks (auf Französisch)[Bearbeiten]