Micro Mobility Systems

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Micro Mobility Systems AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft [1]
Gründung 1996
Sitz Küsnacht ZH, Schweiz
Leitung Hans-Peter Bolliger
(Geschäftsführer)
Willem Ouboter
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 11 (2011)[2]
Branche Sportartikel, Spielzeug
Website micro-mobility.com

Die Micro Mobility Systems AG ist ein 1996 gegründetes Schweizer Unternehmen, das Tretroller und Kickboards entwirft und als Grosshändler vertreibt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Küsnacht ZH. Die Produktion ist komplett nach Fernost ausgelagert. Die Roller und Kickboards weisen typischerweise einen Klappmechanismus und harte Skate-Rollen auf, und sind aus Aluminium gefertigt.

Das Unternehmen war im Jahr 2000 zentral an einem Hype für diese Art von Rollern beteiligt,[3] der schon im Folgejahr zeitgleich mit dem Platzen der Dotcom-Blase in sich zusammenfiel.[4] Für Micro Mobility Systems wurde der plötzliche Rückgang der Nachfrage noch durch das massenhafte Auftreten von Nachahmerprodukten und Unfälle verschärft. Micro Mobility Systems gilt inzwischen als betriebswirtschaftliches Lehrbuchbeispiel für die Probleme, die KMU mit stark fluktuierender Nachfrage bei ausgelagerter Produktion und ungenügendem Marken- und Patentschutz haben.

Geschichte[Bearbeiten]

Micro Mobility Systems wurde von Wim Ouboter gegründet, einem in der Schweiz ca. 1960 geborenen Bankangestellten mit niederländischen Wurzeln. Das bereits 1974 von der Familie Ouboter gegründete Unternehmen firmierte ursprünglich als Ouboter Invest SA und hatte bis zu seiner Umbenennung 1998 auch einen anderen statutarischen Zweck.[1]

Als Gründungsgeschichte kolportiert Ouboter, dass ihm 1997 der Weg zu seiner Lieblings-Imbissbude am Zürcher Bellevue zu weit war, um ihn zu Fuss zurückzulegen, aber nicht weit genug entfernt, um das Fahrrad oder gar das Auto aus der Garage zu holen. Aus dieser „Not“ heraus entwickelte er einen Klapproller, der ihm den Weg erleichterte, und am Ziel leicht zu verstauen war.[5] Eine andere frühe Inspiration soll seine Kindheit gewesen sein, da seine Schwester ein verkürztes Bein habe, und deshalb statt mit Fahrrädern stets mit Rollern unterwegs war.[6]

Der Roller wird in Europa unter dem Markennamen micro vertrieben, in den USA früher auch als Razor.

Die leichten Tretroller und Kickboards, wie sie auch von Micro Mobility Systems angeboten wurden, standen für den Zeitgeist der „New Economy“, und gerieten bei Erwachsenen mit dem Niedergang des New-Economy-Hypes ebenso schnell in Hintertreffen.[4] 2003 veröffentlichte Heike Bruch an der Universität St. Gallen eine Fallstudie über Micro Mobility Systems,[7] die sie 2004 in einem Buch der Harvard Business Press verarbeitete.[8]

Produkte[Bearbeiten]

Die Micro Mobility Systems AG betreibt die Produktentwicklung selbst und hält zahlreiche Patente.[9] Zum Sortiment gehören neben unterschiedlichen Varianten des micro-Scooter auch Kickboards, Laufräder und Accessoires. In Zusammenarbeit mit Samsonite wurde ein Gepäckstück entwickelt, das im Flugzeug mit ins Handgepäck darf und bei Bedarf mit zwei Handgriffen zum Scooter wird.[10] Zu den Kunden gehört auch die Schweizer Armee, für die Micro Mobility Systems kleine Transportwägelchen entwickelt hat, mit denen Soldaten das 45 kg schweres Gepäckset auf der Fahrt vom und zum Dienst leichter bewegen können.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Micro Mobility Systems – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag der «Micro Mobility Systems AG» im Handelsregister des Kantons Zürich
  2. Presseinformation der Micro Mobility Systems vom 17. Juni 2011.
  3. Matthias Schulz: Kult und Kamikaze. In: Der Spiegel. Jg. 54, Nr. 28 (10. Juli 2000).
  4. a b Thomas Tuma: Von der Rolle. In: Der Spiegel. Jg. 55, Nr. 31 (30. Juli 2001).
  5. Haig Simonian: Scooter pioneer that survived to ride again. In: Financial Times vom 21. Dezember 2010. (Scan online; PDF; 1,7 MB)
  6. Dee O'Connell: Travel innovator: Wim Ouboter, inventor of the Micro scooter. In: The Guardian vom 31. März 2002.
  7. Micro Mobility Systems - Realizing the Scooter Dream. Case study an der Universität St.Gallen, 2003.
  8. Heike Bruch, Sumantra Ghoshal: A bias for action : how effective managers harness their willpower, achieve results, and stop wasting time. Harvard Business Press 2004, ISBN 978-1-59139-408-2.
  9. Micro Mobility Systems - Assignee. Patentübersicht bei IPEXPL.
  10. Micro Scooter, Micro Mobility Systems
  11. AS: Wim Ouboter: Armee fährt auf Microscooter ab. In: Bilanz. Juli 2004.