Midas

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Dieser Artikel behandelt einen mythischen König, weitere Bedeutungen finden sich unter Midas (Begriffsklärung).
Midas verwandelt seine Tochter versehentlich in Gold (Walter Crane, 1893)

Midas (griechisch Μίδας) ist der Name mehrerer Könige von Phrygien. Zum Teil haben sie mythischen Charakter; mindestens ein Midas ist aber eine historische Persönlichkeit.

Mythos[Bearbeiten]

Der sagenhafte Midas soll ein Sohn des Gordios und der Kybele gewesen sein und seiner Mutter das große Heiligtum in Pessinus geweiht haben.[1] Über seine Gier und Dummheit gab es etliche antike mythische Anekdoten:

Um so weise wie Silenos zu werden, glaubte Midas, genüge es, ihn zu fangen. Er stellte ihm eine Falle, indem er einer Waldquelle Wein beimischte, aus der Silenos trank und berauscht einschlief. Dionysos, der seinen alten Lehrer vermisste, musste dem König für dessen Freigabe einen Wunsch erfüllen. Midas wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold würde.

Der Wunsch wurde ihm gewährt. Doch da ihm nun auch Essen und Trinken zu Gold wurden, drohte ihm der Tod durch Hunger oder Durst. Deshalb bat er den Gott, die Gabe zurückzunehmen. Dionysos riet ihm, im Fluss Paktolos zu baden, auf den dann die Gabe überging, so dass er zum goldreichsten Fluss Kleinasiens wurde.

Am Paktolos-Fluss (heute Sart Çayı, Westtürkei) lag die antike Stadt Sardes (griech. Sardeis, türk. Sart), in der der sagenhaft reiche letzte lydische König Krösus residierte.

Wettstreit zwischen Pan und Apoll: Midas mit Eselsohren (Hendrik de Clerck, ca. 1620)

Nach einer weiteren Erzählung erkannte Midas bei einem musikalischen Wettstreit zwischen dem hässlichen Pan und dem wohlgestalteten Apollon, den Vertretern der Syrinx und der Kithara, Pan den Preis zu, wofür ihm Apoll die Ohren zu zwei Eselsohren lang zog (vgl. Bachkantate Der Streit zwischen Phoebus und Pan). Midas verbarg diese Schmach unter einer Phrygischen Mütze. Nur sein Barbier entdeckte sie. Der wagte zwar nicht, das Geheimnis einem Menschen zu verraten, konnte aber dem Drang, es weiterzusagen, nicht widerstehen, grub am Flussufer ein Loch und rief dreimal hinein: „König Midas hat Eselsohren!“ Dann warf er es wieder zu. Doch das Schilfrohr hatte mitgehört und flüsterte es anderen Binsen weiter, wenn der Wind rauschte, so dass am Ende alle Welt es wusste. Eine allgemein bekannte Tatsache wird daher auch Binsenweisheit genannt.

Von Ovid sind die gleichen Sagen überliefert (Metamorphosen XI, 85–145), die ebenfalls von Aristoteles in dessen Werk Politik (Πολιτικά) erwähnt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Der historische Midas war in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. Herrscher des phrygischen Reichs, das damals wahrscheinlich weite Teile Anatoliens beherrschte. Er ist sowohl in griechischen („Midas von Phrygien“) als auch in assyrischen („Mita von Muschki“) Schriftquellen gut bezeugt. Seine früheste Erwähnung datiert 738 v. Chr. Als die Kimmerier ins Phrygerreich einfielen und die Hauptstadt Gordion vor dem Fall stand, nahm Midas sich das Leben – nach einer griechischen Erzählung, indem er Stierblut trank.[2] Ob es derselbe Midas war, der ab 738 v. Chr. sehr oft im 8. Jahrhundert erwähnt wurde, ist unklar. Das hängt von dem Datum der Zerstörung Gordions – 696 oder 679 v. Chr. – ab. Früher bevorzugte man das erstgenannte Datum und ging davon aus, dass es dieselbe Person sei. Da immer mehr Althistoriker und Archäologen zu 679 v. Chr. tendieren, geht nun ein Teil der Forschung davon aus, dass der Midas des 8. Jahrhunderts und der Midas, unter dessen Herrschaft Gordion fiel, zwei unterschiedliche Könige gleichen Namens sind.

Ein großer Tumulus in der Nähe von Gordion, der sehr viele kostbare Grabbeigaben enthielt, könnte das Grab des Midas sein. Einige Gegenstände konnten typologisch ungefähr in die Zeit um 700 v. Chr. datiert werden. Für ein Stück Holz wurde dendrochronologisch als Fälldatum 718 v. Chr. ermittelt (neueste Untersuchungen deuten allerdings auf ein früheres Datum). In dem Grab wurde das Skelett eines 60–70 Jahre alten Mannes gefunden. Das alles passt sehr gut zum berühmten historischen König Midas – vorausgesetzt Gordion ist 696 v. Chr. zerstört worden. Daher wird der Tumulus – auch von der seriösen Forschung – als „Midas-Grab“ bezeichnet. Eine Rekonstruktion der Grabkammer ist im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara zu sehen.

Nach William Francis Ainsworth, einem Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts, war an einem Grab bei Seyitgazi (in der Nähe von Eskişehir) ebenfalls der Name Midas zu lesen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: König Midas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Wilhelm Stoll: Die Götter und Heroen des classischen Alterthums, Verlag B. G. Teubner, 1861, Seite 289
  2. Max Duncker: Band 1 von Geschichte des Alterthums, Verlag Duncker und Humblot, 1863, Seite 745
  3. William Francis Ainsworth: Travels and Researches in Asia Minor, Mesopotamia, Chaldea and Armenia Band 2. London 1892. S. 59.