Midori Gotō

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Midori Gotō (jap. 五嶋 みどり Gotō Midori; * 25. Oktober 1971 in Moriguchi[1], Präfektur Ōsaka) ist eine japanische Geigerin.

Familie und Ausbildung[Bearbeiten]

Midori wurde 1971 als Tochter einer Geigerin und eines Ingenieurs in Japan geboren.[2] Sie begann bereits im frühesten Alter Geige zu spielen, zuerst unter der Anleitung ihrer Mutter Setsu Gotō.[3] Die Grundschule besuchte sie ab 1978.[4] 1981 nahm Midori an dem von Dorothy DeLay geleiteten Sommerkurs des Aspen Music Festival teil. Ihre Mutter begleitete sie während des Amerikaaufenthaltes und bemühte sich erfolgreich bei DeLay um eine Aufnahme ihrer Tochter an der New Yorker Juilliard School.[5] Im Februar 1982 übersiedelten beide nach New York,[6] so dass Midori im März ihr Vorstudium bei Dorothy DeLay im Pre College Program der Juilliard School beginnen konnte.[7] Parallel besuchte Midori die private Professional Children's School, an der sie 1991 den Highschool-Abschluss erlangte.[8] Die Juilliard School hingegen verließ sie nach Differenzen ihrer Familie mit der Schule 1987 vorzeitig.[9] 1988 kam Midoris Halbbruder Ryu Brian zur Welt.[10] Im Frühjahr 1995 nahm Midori ein Studium mit dem Schwerpunkt Psychologie und Geschlechterforschung an der Gallatin School of Individualized Study (New York University) auf.[11] Im Jahr 2000 graduierte sie als Bachelor of Arts mit dem Prädikat "Magna cum laude", 2005 erhielt sie den Master of Arts in Psychologie.[12]

Berufliche Laufbahn und Konzertkarriere[Bearbeiten]

Bereits am 30. Dezember 1982 debütierte die damals Elfjährige mit dem New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta in der Avery Fisher Hall in Manhattan.[13] In Tanglewood begeisterte sie im Alter von 14 Jahren Publikum, Kritiker und Musiker gleichermaßen, als sie den fünften Satz von Leonard Bernsteins von ihm selbst dirigierter Serenade wegen zweier gerissener E-Saiten auf drei verschiedenen Geigen meisterte.[14][15] Schon bald entwickelte sich Midori zu einer international gefragten Violinvirtuosin, die als Solistin regelmäßig unter der Leitung namhafter Dirigenten mit den weltweit bedeutendsten Orchestern sowie mit Recitalturneen auftritt.[16]

Von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen getrieben,[17] hatte sie aber auch ein zwanghaftes Perfektionsstreben entwickelt, das 1994 zum völligen Zusammenbruch führte und Midori zeitweise allen Lebensmutes beraubte.[18] In einer fünfjährigen Therapiephase mit mehreren Klinikaufenthalten[19] gelang es ihr, diese durch Depression und Magersucht gekennzeichnete Krise zu überwinden. Selbst in dieser Zeit kam sie immer wieder Konzertverpflichtungen nach, [20] gestattete sich aber erstmals auch die Beschäftigung mit kammermusikalischem Musizieren.[21] Allerdings waren es nach eigener Einschätzung vor allem die neuen Herausforderungen und Erfolge während des Studiums an der Gallatin School, durch die Midori wieder Stabilität und neue Zuversicht erlangte und schließlich ihre Laufbahn als Geigerin weiterverfolgen konnte.[22]

2001 wurde Midori als Dozentin für Violine an die Manhattan School of Music berufen. 2004 folgte sie einem Ruf als Professorin für Violine auf den Jascha-Heifetz-Lehrstuhl für Musik an der Thornton School of Music (University of Southern California).[23] Seitdem lebt Midori in Los Angeles.

Instrumente[Bearbeiten]

Midoris erste 4/4 Geige war die Guarnerius del Gesù "ex-David" von 1735. Sie wurde ihr im September 1985 leihweise durch Mary Galvin überlassen. Später konnte sie das Instrument von Galvin erwerben.[24] Um 1992 kaufte die Unternehmer-Familie Hayashibara für Midori die Stradivarius "Jupiter" von 1722,[25] die sich später doch als weniger geeignet für sie herausstellte. Schon nach zwei Jahren spielte Midori die "Jupiter" nur noch gelegentlich und gab sie schließlich zurück.[26] Etwa seit 2000 spielt Midori eine Guarnerius del Gesù "ex-Huberman" von 1734, die ihr von der Hayashibara-Stiftung lebenslänglich zur Verfügung gestellt wird.[27] Sie verwendet Bögen von Dominique Peccatte, François Peccatte und Paul Siefried.[28]

Engagement[Bearbeiten]

Neben ihrer erfolgreichen künstlerischen Karriere hat sich die Geigerin mit Gründung der Organisation "Midori & Friends" besonders für die Förderung und Bildung im musikalischen Bereich, zunächst in den USA und Japan, eingesetzt. Sie widmet sich vier von ihr gegründeten Outreach-Organisationen, die Menschen, unabhängig von Herkunft und Alter, den Zugang zur Musik ermöglichen sollen. In Japan hat Midori die Organisation „Music Sharing“ gegründet, die sich auf Konzerte und Unterricht für Kinder und Jugendliche konzentriert, die an klassischer sowie traditioneller japanischer Musik interessiert sind. Die Kurse, die in Schulen, Krankenhäusern und Jugendeinrichtungen angeboten werden, legen ihren Schwerpunkt auf Zusammenarbeit und aktive Beteiligung des Publikums.

In den USA fördert Midori darüber hinaus aktiv die Verbreitung der Kammermusik mit der gemeinnützigen Organisation „Partners in Performance“, die sie 2001 mit ihrem Avery-Fisher-Preisgewinn ins Leben rief, um Konzerte auch in Orten abseits des normalen Konzertbetriebs organisieren zu können.

Mit der Spielzeit 2003/04 begann Midori eine neue Reihe dieser Art: Im Rahmen ihres „University Residencies Program“ besucht sie mit von ihr geladenen Künstlern verschiedene Universitäten in den USA für jeweils fünf bis zehn Tage. Die erste Station dieses jährlichen Programms bildete Chicago. Ziel der Residencies ist es, den Kontakt zwischen Künstlern, Studenten, Fakultäten und an die Universität angeschlossenen Veranstaltern zu stärken.

Beim „Orchestra Residencies Program“ verbringt Midori eine Woche mit einem Jugendorchester, das Verbindungen zu einem kleinen professionellen Orchester unterhält. Sie tritt mit beiden Orchestern auf und unterrichtet die jungen Musiker. So arbeitete Midori 2002 u. a. mit Esa-Pekka Salonen und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra in einer zweiwöchigen Residency „On Location“ zusammen.

Von 2002 an verwirklicht die Geigerin in verschiedenen Kleinstädten Japans das Projekt, „Total Experience“ mit dem Ziel, das Publikum aktiv mit in das Konzertgeschehen einzubeziehen. Somit erstreckt sich Midoris pädagogische Arbeit auch auf Bereiche außerhalb ihrer Meisterklassen für Violinstudenten, die sie neben ihrer regulären Lehrtätigkeit an der Manhattan School of Music und der Universität von Südkalifornien weltweit gibt. Ab 2006/07 gibt sie zudem, wie auch der Geiger Vadim Repin, bei jungen Komponisten Werke in Auftrag, die sie als Zugaben bei ihren Rezitalen spielt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Midori erhielt zahlreiche Auszeichnungen: darunter den Avery Fisher Prize (2001) sowie Japans höchste künstlerische Ehrung, den Crystal Award, oder den Suntory Hall Award. In den letzten Jahren wurde besonders ihr Engagement für „Midori & Friends“ mit Ehrungen bedacht, so mit dem Spirit of the City Award der Stadt New York, dem National Arts Award und dem Encore Award. „Musical America“ verlieh Midori 2002 die Auszeichnung „Beste Instrumentalistin des Jahres“.

Werke[Bearbeiten]

  • Midori: Einfach Midori. Autobiografie. Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. (Redaktionelle Bearbeitung und Übersetzung: Susanne Van Volxem) Henschel Verlag, Leipzig 2012, ISBN 978-3-89487-721-7.

Diskographie[Bearbeiten]

  • "Sonaten von Janacek, Bloch, Schostakowitsch mit Özgür Aydin Oktober 2013)
    • Janacek: Sonate für Violine und Klavier
    • Bloch: Sonate Nr. 2 "Poème mystique"
    • Schostakowitsch: Sonate für Violine und Klavier
  • "Hindemith Violin concerto" (Live-CD mit dem NDR-Sinfonieorchester unter Christoph Eschenbach August 2013)
    • Hindemith: Violinkonzert
    • Hindemith: Symphonische Metamorphosen
    • Hindemith: Konzertmusik op. 50
  • "Mendelssohn & Bruch Violin Concertos" (Live-CD mit den Berliner Philharmonikern September 2003)
    • Mendelssohn: Concerto for Violin and Orchestra in E minor, Op. 64
    • Bruch: Concerto No.1 for Violin and Orchestra in G Minor, Op. 26
  • "Midori's 20th Anniversary Album" (mit dem Saint Louis Symphony Orchestra) 2002
    • Wieniawski: Concerto No.1 in F-sharp Minor for Violin and Orchestra, Op. 14
    • Debussy: La fille aux cheveux de lin (Arr. Arthur Hartmann)
    • Kreisler: La Gitana
    • Prokofiev: Tales of an Old Grandmother, Op. 31
    • Amy Beach: Romance for Violin and Piano, Op. 23
    • Poldini: The Dancing Doll (Arr. Fritz Kreisler)
    • Elgar: Chanson de nuit, Op. 15, No. 1
  • "French Sonatas" Midori mit Robert McDonald, Piano 2002 (Preis der Deutschen Schallplattenkritik 4.Quartal 2002)
    • Poulenc: Sonata for Violin and Piano
    • Debussy: Sonata in G Minor for Violin and Piano
    • Saint-Saëns: Sonata No.1 in D minor for Violin and Piano, Op. 75
  • 2001 (mit NDR-Sinfonieorchester unter Christoph Eschenbach und Nobuko Imai an der Viola)
    • Mozart: Sinfonia Concertante in E-flat Major, KV. 364/320d
    • Mozart: Concerto in D Major, KV. Anh. 56 (315f)
  • 2000 (mit Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado)
    • Tchaikovsky: Concerto for Violin and Orchestra in D Major, Op. 35
    • Shostakovich: Concerto for Violin and Orchestra No.1 in A minor
  • Midori, Violine, und Robert McDonald, Piano 1999
    • Franck: Sonata for Violin and Piano in A Major
    • Elgar: Sonata for Violin and Piano in E minor, Op. 82
  • Midori (mit Israel Philharmoniker unter Zubin Mehta)
    • Sibelius: Concerto for Violin and Orchestra in D minor, Op. 47
    • Bruch: Scottish Fantasy, Op. 46
  • "Encore!" mit Robert McDonald, Piano
  • (mit New Yorker Philharmonikern unter Zubin Mehta)
    • Dvořák: Concerto for Violin and Orchestra in A minor, Op. 53
    • Dvořák: Romance in F minor for Violin and Orchestra, Op. 11
    • Dvořák: Carnival Overture, Op 92
  • Midori "Live At Carnegie Hall" (mit Robert McDonald, Piano)
  • (mit Berliner Philharmonikern unter Zubin Mehta)
    • Bartók: Concerto No.1 for Violin and Orchestra, Op. Posth.
    • Bartók: Concerto No.2 for Violin and Orchestra
  • Midori spielt Paganini: 24 Caprices for Solo Violin, Op.1 (1990 für den Grammy nominiert)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Midori (2012), Seite 11
  2. Midori (2012), Seite 11
  3. Midori (2012), Seiten 16 ff
  4. Midori (2012), Seite 24
  5. Midori (2012), Seiten 29 ff
  6. Midori (2012), Seite 38
  7. Midori (2012), Seite 41
  8. Midori (2012), Seiten 42 ff. Die Wahl zugunsten dieser nah am College gelegenen Privatschule erfolgte trotz Geldsorgen und großer Entbehrungen auf besonderen Wunsch DeLays.
  9. Midori (2012), Seiten 117 f
  10. Midori (2012), Seiten 131 f
  11. Midori (2012), Seiten 217 & 227
  12. Midori (2012), Seite 297
  13. Midori (2012); Seiten 65 ff
  14. Midori (2012), Seiten 89 f
  15. Girl 14, conquers Tanglewood with 3 violins. New York Times vom 28. Juli 1986 Abgerufen am 9. Februar 2012
  16. Vgl. Midori (2012), Seite 295
  17. Vgl. Midori (2012), Seite 142
  18. Midori (2012), Seiten 186 ff & 208
  19. Midori (2012), Seite 232
  20. Midori (2012), Seite 217
  21. Midori (2012), Seiten 201 ff
  22. Midori (2012), Seiten 220, 228 & 233 f
  23. Midori (2012), Seiten 267 ff, 277 & 297
  24. Midori (2012), Seiten 83 ff & 139 f
  25. Midori (2012), Seiten 170 ff
  26. Midori (2012), Seite 237 f
  27. Midori (2012), Seiten 237 ff
  28. Offizielle Website gotomidori.com (Biographie). Abgerufen am 9. Februar 2012

Weblinks[Bearbeiten]