Migdal

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Migdal (Begriffsklärung) aufgeführt.
Migdal am See Genezareth

Migdal (hebr. מגדל, „Turm“; im Neuen Testament in der aramäischen Form Magdala, bei Flavius Josephus unter dem Namen Tarichea) ist ein Dorf am Westufer des See Genezareth, etwa 6 km nördlich von Tiberias.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Antike war Magdala eine größere Stadt. Das hellenistisch geprägte Tarichea war wahrscheinlich spätestens seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. einer der größten Orte Galiläas mit nach Josephus 37600 Einwohnern.[1] Das neutestamentliche Magdala ist bekannt als die Heimat von Maria Magdalena (Maria von Magdala), einer frühen Anhängerin Jesu. In den 1970er-Jahren und von 2007-09 wurden auf dem Gelände der Franziskaner (OFM) Ausgrabungen durchgeführt. Bei Notgrabungen vor dem Bau eines Hotels auf dem benachbarten Grundstück der Legionäre Christi wurden im August 2009 Überreste einer circa 120 m² großen antiken Synagoge mit Mosaikfußboden, umlaufenden Steinbänken und freskengeschmückten Wänden gefunden. Ein auf vier Seiten mit Reliefs verzierter Steinblock zeigt eine Menora.[2] Nach Ansicht der Grabungsleiterin Dina Avschalom-Gorni handelt es sich um die älteste bekannte Synagoge, aus der Zeit des Zweiten Tempels; die Darstellung der Menora hält sie für die älteste erhaltene.[3][4] Andere israelische Archäologen neigen jedoch zu einer späteren Datierung der Synagoge. Ebenso ist bereits eine Wandzeichnung der Menora aus Grabungen in der Jerusalemer Altstadt bekannt. Die Legionäre Christi betreiben seit 2004 das Magdala-Center, wo Papst Benedikt XVI. den Grundstein segnete, und engagieren sich bei den Ausgrabungsarbeiten.[5]

Josephus zufolge kämpften die Einwohner des Ortes gegen Herodes I. und die Römer. Schutz fanden sie vor den Verfolgern in den zahllosen Höhlen des Wadi el-Hamam, einem canyonartigen Tal westlich von Migdal. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen wurde der Ort im Jahr 66 n. Chr. zerstört.

Kreuzfahrer errichteten im 12. Jahrhundert eine Kirche, die später gänzlich verfiel.

Bis 1948 befand sich hier das arabische Fischerdorf al-Medschdel. Im Unabhängigkeitskrieg wurde das Dorf dem Erdboden gleichgemacht.

Die heutige landwirtschaftliche Siedlung Migdal geht auf das Jahr 1910 zurück und hat knapp 2000 Einwohner.

Vereine des Ortes[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carsten Claussen: Versammlung, Gemeinde, Synagoge - das hellenistisch-jüdische Umfeld der frühchristlichen Gemeinden, Vandenhoeck & Ruprecht, 2002, S. 182.
  2. http://blog.bibleplaces.com/2010/06/questioning-date-of-magdala-synagogue.html
  3. http://www.haaretz.com/hasen/spages/1113823.html
  4. Robert Wenning: Israel Magdala - Die wirkliche Synagoge? Und die älteste?; in Welt und Umwelt der Bibel, Archäologie - Kunst - Geschichte, Band 1/2010, Katholisches Bibelwerk e.V., Stuttgart, S. 65.
  5. Webseite des Magdala Zentrums, abgerufen am 17. Juli 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Migdal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

32.83903194444435.507511944444Koordinaten: 32° 50′ N, 35° 30′ O