Miguel Herz-Kestranek

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Miguel Herz-Kestranek (Wien 2008)

Miguel Herz-Kestranek (* 3. April 1948 in St. Gallen) ist ein österreichischer Schauspieler und Buchautor.

Leben[Bearbeiten]

Herz-Kestranek ist Sohn einer Industriellen- und Künstlerfamilie aus dem ehemaligen Wiener jüdischen Großbürgertum. Großvater Eugen Herz und Großonkel Wilhelm Kestranek nahmen führende Stellungen in der österreichischen Wirtschaft ein. In der Familie gab es Schriftsteller, Schauspieler, Maler, Philosophen (Hans Kestranek) und Opernsänger, sowie den k. u. k. General Paul Kestranek oder den Bischof und ungarischen Historiker Vilmos Fraknói. Mütterlicherseits stammt Miguel Herz-Kestranek aus einer jüdischen Kölner Kaufmannsfamilie mit Namen Rothschild. Seinen Vornamen „Miguel“, verdankt Herz-Kestranek der Emigration seiner jüdischen Eltern, die einander 1945 im Exil in Montevideo kennen gelernt hatten. Sein Doppelname entstand durch die Adoption des Vaters durch dessen Onkel. In den Anfangsjahren des Nazi-Terrors wurde dem väterlichen „Herz“ das großmutterseitige Kestranek hinzugefügt, um das jüdische Herz mit einem vermeintlich tschechischen „Kestranek“ zu „neutralisieren“. Emigration und Ermordung im Konzentrationslager blieb der Familie nicht erspart.

Miguel Herz-Kestranek wurde in St. Gallen in der Schweiz geboren und besuchte die Volkschule in Sankt Gilgen am Wolfgangsee, in Bonn und in Salzburg. In der vierten Klasse des humanistischen Gymnasiums musste der „notorische Durchfaller und Herausgeschmissenwerder“ (Eigendefinition) ins oberösterreichische Ried im Innkreis wechseln, wo er 1968 mit der Matura abschloss. Nach einem Jahr als Gasthörer an der Schauspielabteilung des Salzburger Mozarteums besuchte Herz-Kestranek das Wiener Max Reinhardt Seminar, das er mit dem Diplom abschloss.

Herz-Kestranek war mit der österreichischen Schauspielerin Dorothea Parton verheiratet, mit der eine Tochter hat.[1]

Karriere[Bearbeiten]

1971 begann Herz-Kestranek seine Bühnentätigkeit mit einer Gastrolle am Wiener Volkstheater und absolvierte sein Elevenjahr am Wiener Burgtheater unter der Direktion Klingenberg. Dann wechselte er ans Grazer Schauspielhaus (Direktion Kautek). Nach eineinhalb Jahren ging er zurück nach Wien – ohne Engagement.Er bekam eine Hauptrolle im Wiener Konzerthaus-Kellertheater, das zu jener Zeit zum Wiener Theater in der Josefstadt gehörte. Mit ihm spielten Karlheinz Hackl, Rudolf Jusits, Ludwig Hirsch und Hans Holt. Er wurde daraufhin fest ans Theater in der Josefstadt engagiert (Direktion Haeusserman/Stoß) und dort für sechs Spielzeiten im Engagement blieb, bis 1979 sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde.

Dem Schauspieler bekam ein Engagement bei den Salzburger Festspielen in SchnitzlersDas weite Land“ unter der Regie von Maximilian Schell. Insgesamt war er sechs Mal bei den Salzburger Festspielenzu Gast: Unter anderem in Otto Schenks Inszenierung von „Was ihr wollt“ oder in „Dantons Tod” mit Götz George unter Rudolf Noelte.

Seit 1980 konzentrierte Herz-Kestranek sich auf seine Karriere als Film- und TV-Schauspieler und arbeitet in Deutschland und in internationalen Produktionen, etwa in Italien oder England, aber auch für amerikanische TV-und Kinofilme.

Seinen Durchbruch im österreichischen Fernsehen hatte Herz-Kestranek als „Magister Liguster“ in der ORF-TV-Serie „Familie Merian“. Seine Einsätze als Tatort-Kommissar Ullmann wurden 1986 mit der Wahl zum beliebtesten Österreichischen Tatortkommissar durch eine österreichische Tageszeitung bewertet. Kestranek spielte in mehr als 180 zum Teil internationalen TV- und Kinoproduktionen.

Internationale Produktionen (Auswahl): Hans von Bülow in der zehnteiligen „Richard Wagner-Serie“ an der Seite von Richard Burton als Richard Wagner und Vanessa Redgrave als Bülows Frau Cosima. Weitere Partner waren unter anderem Richard Burton in „Steiner – Das Eiserne Kreuz II“, John Malkovich in „Klimt”, Curd Jürgens in „Fräulein Else”, James Cromwell in „Pius XII”, Clint Eastwood in „Firefox“, Marvin J. Chomsky in „Die Strauß-Dynastie“, Jürgen Prochnow in „Der Poet“, Riccardo Scamarcio in „La freccia nera“ oder Daniel Gelin in „Angelique“. Für das deutsche Fernsehen arbeite Herz-Kestranek unter anderem mit Regisseuren wie Axel Corti, Xaver Schwarzenberger, Andreas Prochaska und spielte gemeinsam mit Christiane Hörbiger, Veronika Ferres, Iris Berben, Götz George, Ulrich Mühe, oder Fritz Karl.

Fernsehfilme und Serien (Auswahl): „Zodiak“, „Radetzkymarsch“, Donna LeonsCommissario Brunetti“- Reihe, „Die Patriarchin“, „Der letzte Zeuge“, „Soko“, „Weißblaue Geschichten“, „Agathe kann's nicht lassen“, „Mit Herz und Handschellen“, „Rosenheim-Cops“, „Der Bulle von Tölz“, „Inga Lindström“, „Der Bibelcode“, „Störtebeker“, „Rosamunde Pilcher“,, “Das Traumhotel”, “Alarm für Cobra 11″,”Soko Leipzig”, „Die Wanderhure“, „Lemminge“. Auch im Rundfunk ist Herz-Kestranek als Lyrik-Rezitator zu hören, zum Beispiel in „Du holde Kunst“ auf Ö1.

Filmografie[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Kestranek spielte Arthur SchnitzlersAnatol“ am Theater in der Josefstadt und Selim Bassa in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“. Insgesamt acht Mal gastierte er bei den Festspielen Reichenau als Thomas Stockmann in Henrik IbsensEin Volksfeind”, Trigorin in TschechowsDie Möwe”, den Grafen in Arthur SchnitzlersReigen” und in NestroysUnverhofft”.

Solo-Programmen sind „Lachertorten mit Noten – Chansons, Couplets, Texte“ oder dem „Wiener Advent“ und „Salzkammergut Advent“. 2000 spielte Herz-Kestranek Professor Higgins im Musical „My Fair Lady“ in Theater von Baden. 2013 spielte er den Milchmann Tevje in „Anatevka” im Landestheater Innsbruck. In der Spielzeit 205/2015 spielt er den den Don Quichotte im Musical "Der Mann von La Mancha” ebenfalls am Landestheater Innsbruck.[2]

Als Entertainer, Chansonnier und Rezitator trat Herz-Kestranek in den vergangenen 30 Jahren auf, mit vorwiegend österreichischer Literatur. Es kamen eigene kabarettistische Programme und Auftritte in Österreich, Deutschland, USA und Israel hinzu und die Zusammenstellung von Rezitationsabenden („Goethe, Schiller, Weinheber“, Wiener Konzerthaus, Mozartsaal 2005). Inzwischen stehen überwiegend eigene Texte im Mittelpunkt seiner Solo-Abende. Herz-Kestranek ist auch Moderator und Diskussionsleiter.

Kestranek trat auch als Produzent und Veranstalter auf, etwa von 2000 bis 2004 der „Wiener Advent“ im Wiener Museumsquartier und zwischen 1999 und 2006 der „Salzkammergut Advent“ in Bad Ischl. Im Salzkammergut konzipierte er ein alpenländisches Adventsingen mit Volksmusik der Region und österreichischer Winter- und Weihnachtsliteratur zum Großteil aus eigener Feder, während das Konzept in Wien ein großstädtisch-wienerisches, literarisch-musikalisches Adventkonzert mit Musikern aus Wiener Orchestern, weihnachtlicher Schrammelmusik und Chören darstellte. Unter dem Motto „Alte Nachbarn – neue Brüder“ vereinte Kestranek den europäische Einigungsgedanken mit musikalischen Crossover-Gästen. Beide Produktionen wurden zu Gastspielen ins Wiener Konzerthaus oder Brucknerhaus in Linz eingeladen.

Buchautor[Bearbeiten]

Bereits mit 15 Jahren als Schüler reichte er einige seiner Gedichte zu einem Literaturwettbewerb ein und gewann einen Preis – den Vortrag seiner Lyrik im Rundfunk inklusive. Im Gymnasium in Ried im Innkreis gründete er die erste Schülerzeitung dieser Schule mit Namen „Finger” und war bis zum Abitur auch ihr Herausgeber. Nach der Herausgabe eines Buches im Jahr 1987 ist Herz-Kestranek seither Autor von insgesamt 13 Büchern, die auch mehrfach auf CD eingelesen wurden. Dazu kommen Beiträge in Anthologien, sowie Artikel und Kommentare in der deutschsprachigen Presselandschaft.

Zu weiteren Arbeitsschwerpunkten gehört ausgehend vom eigenen Familienschicksal die Geschichte des Exils. In diesem Zusammenhang gestaltete und drehte er anlässlich einer Lesetournee 1988 in Israel sein literarisches TV-Feuilleton „Vergiss das Wort, vergiss das Land“ über österreichische Exilanten in Israel, das mehrmals im TV ausgestrahlt und auf einer Lesetournee in den USA gezeigt wurde. Auch sein aktives Engagement zur europäischen Einigung findet neben zahlreichen einschlägigen Artikeln, Reden und Kommentaren ihren Niederschlag. Ein großes Publikum fand Miguel Herz-Kestranek mit seinen „Schüttelreimen“ in zwei Büchern, die zum Teil in bis zu sechs Auflagen erschienen sind, sowie mit einer deutschsprachigen Schüttelreime-Website.

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

  • Wahl zum beliebtesten Tatort-Kommissar in Österreich durch die Leser der Kronenzeitung (1986)
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (Oktober 2000)[3]
  • Kulturehrenzeichen der Stadt Bad Ischl (2006)
  • Romy-Nominierung Kategorie „beliebtester Schauspieler“ (Mai 2008)
  • Botschafter der Tracht/Konrad Mautner-Preis (2008)
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich (2013)[4]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Oh käm´s auf mich nicht an!, Verlag NÖ Pressehaus, 1987
  • Gereimte Sammelschüttler. Mit Wortspenden geistreicher Schüttelgenossen, Brandstätter, Wien 1995, ISBN 3-85447-606-X
  • Also hab ich nur mich selbst! Stefan Herz-Kestranek - Stationen eines großbürgerlichen Emigranten 1938 bis 1945, (gemeinsam mit Marie-Theres Arnbom), Böhlau, Wien 1997, ISBN 3205987683
  • Mit Éjzes bin ich versehen: Erlebtes, Erdachtes und Erlachtes,(2. Auflage) Ibera, Wien 1998, ISBN 3900436703
  • Mir zugeschüttelt. Neueste und allerneueste Schüttelreime aus österreichischem Volksmund von Apetlon bis Zürs, Brandstätter, Wien 1999, ISBN 3-85447-838-0
  • Georg Terramare: Uns ward ein Kind geboren. Wiener Weihnachstlegenden, Miguel Herz-Kestranek (Herausgeber), Ibera, Wien 2000, IBSN 3900436711
  • wos wea wo waun wia en wean: einbligge in de weana sö, Ibera, Wien 2002, ISBN 3-85052-144-3
  • Wie der Auer Michl einen Christbaum holen ging, Ibera, Wien 2002, ISBN 3-85052-143-5
  • Winterliches & Weihnachtliches aus dem alten Wien, Ibera, Wien 2005, ISBN 978-3-85052-203-8
  • Wortmeldung – Polemiken, Pointen,Poesien
, Ibera, Wien 2007, ISBN 978-3-85052-240-3
  • Anny Robert: Herrlich ist's in Tel Aviv - aus der Wiener Perspektiv'. Erinnerungen, Daniela Ellmauer, Miguel Herz-Kestranek und Albert Lichtblau (Herausgeber), Böhlau, Wien 2006, ISBN 978-3-205-77301-6
  • In welcher Sprache träumen Sie? Österreichische Lyrik aus Exil und Widerstand, Anthologie, Miguel Herz-Kestranek, Dr. Konstantin Kaiser, Dr.Daniela Striegl (Herausgeber), Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft, Wien 2007, ISBN 3-901602-25-9
  • Die Frau von Pollak oder: Wie mein Vater jüdische Witze erzählte, Ibera Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85052-300-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gertrud Aringer, ORF-Pressestelle: "Willkommen Österreich“ am 3. Jänner in ORF 2. OTS, 29. Dezember 2000, abgerufen am 20. Dezember 2013.
  2. http://www.landestheater.at/info/ueber-uns/ensemble/miguel-herz-kestranek
  3. http://kundendienst.orf.at/starsimorf/herz-kestranek.html
  4. http://www.niederosterreich.at/Presse/Pressedienst/Pressearchiv/109586_ez-kestranek.html