Mijailo Mijailović

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Foto einer Überwachungskamera kurz vor dem Mord

Mijailo Mijailović (* 6. Dezember 1978 in Stockholm) ist der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh.

Jugend[Bearbeiten]

Mijailo Mijailović wurde 1978 als Sohn serbischer Einwanderer in Schweden geboren. Zeitweise ging er in Serbien zur Schule. Den Besuch der Oberschule in Schweden brach er ab. Seine Jugend wurde als problematisch geschildert.

1997 wurde er in Schweden wegen Körperverletzung verurteilt, nachdem er seinen Vater mit einem Küchenmesser angegriffen und schwer verletzt hatte. Vor Gericht sagte er aus, er wollte einen Streit seiner Eltern schlichten und könne sich an nichts erinnern. Schließlich wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Ein psychiatrisches Gutachten in dem Verfahren sprach von einem dringenden Erfordernis psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung.

In weiteren Fällen wurde er von schwedischen Gerichten wegen illegalen Schusswaffenbesitzes und telefonischer Belästigung zweier Frauen verurteilt.

Mord an Anna Lindh[Bearbeiten]

Am 10. September 2003 stach er die schwedische Außenministerin Anna Lindh im Stockholmer Kaufhaus Nordiska Kompaniet nieder, wo sie ohne Begleitung von Leibwächtern einkaufen war.

Am 11. September starb Anna Lindh an ihren schweren Verletzungen. Der Mord erregte die internationale Öffentlichkeit und führte in Schweden zu einem nationalen Schock und einer Diskussion über das Ende der offenen schwedischen Gesellschaft.

Mijailo Mijailović wurde anhand eines Fotos einer Überwachungskamera aus dem Kaufhaus am 24. September als Tatverdächtiger gefasst und in Untersuchungshaft genommen.

Prozess[Bearbeiten]

Obwohl bei dem Mordfall davon ausgegangen wurde, dass er keine politischen Hintergründe hatte, meinten einige Beobachter, dass Mijailovic die Sozialdemokratin Lindh für ihre positive Haltung zu den NATO-Angriffen gegen Belgrad im Kosovo-Krieg 1999 hasste.

Am 6. Januar 2004 legte Mijailović ein Geständnis ab. Ein psychiatrisches Gutachten in der Hauptverhandlung bescheinigte ihm keine mildernden Umstände, zum Tatzeitpunkt soll er geistig gesund gewesen sein. Er selber hielt an seiner Version fest, er habe Anna Lindh nicht töten wollen, sondern „innere Stimmen“ hätten ihm die Tat befohlen. Am 23. März schließlich wurde er vom Amtsgericht (Tingsrätt) Stockholm zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde nach Berufung am 8. Juli 2004 von der höheren Instanz (Svea hovrätt) aufgehoben, das eine „erhebliche psychische Störung“ konstatierte. In letzter Instanz (Högsta domstolen) wurde jedoch das Urteil des Amtsgerichts am 2. Dezember 2004 bestätigt.

Weblinks[Bearbeiten]