Mike Boit

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Mike Boit (Michael Kipsubut Boit; * 6. Januar 1949 in Eldoret) ist ein ehemaliger kenianischer Mittelstreckenläufer. Nach dem Ende seiner leistungssportlichen Karriere schlug er eine akademische Laufbahn als Hochschullehrer an der Kenyatta University ein.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Boit ist Angehöriger der Volksgruppe der Nandi.[1] Er besuchte bis 1969 die St. Patrick's High School in Iten, die später als „Geburtsstätte“ zahlreicher Spitzenathleten wie beispielsweise Peter Rono, Matthew Birir und Ibrahim Hussein bekannt wurde.[2] Dort entdeckte man bereits früh Boits läuferisches Talent. 1969 wurde er nationaler High-School-Meister im 800-Meter-Lauf. Seine Eltern hingegen legten vor allem Wert auf seine schulischen Leistungen und achteten darauf, dass er stets zu den Klassenbesten gehörte, damit er von den Schulgebühren befreit wurde.[3] Danach ging er an das Kenyatta University College, das er 1972 mit einem Diplom in Sporterziehung verließ.

Sportliche Karriere[Bearbeiten]

Medaillenspiegel
Mittelstreckenlauf
KeniaKenia Kenia
Olympische Sommerspiele
Bronze 1972 München 800 m
Commonwealth Games
Gold 1978 Edmonton 800 m
Silber 1974 Christchurch 800 m
Bronze 1982 Brisbane 1500 m
Afrikameisterschaften
Gold 1979 Dakar 1500 m

Internationale Aufmerksamkeit erlangte der 1,80 m große und 68 kg schwere Boit erstmals bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Im 800-Meter-Lauf gewann er hinter dem US-Amerikaner Dave Wottle und dem für den für die Sowjetunion laufenden Jewgeni Arschanow die Bronzemedaille. In der öffentlichen Wahrnehmung blieb dieses Rennen vor allem wegen des starken Endspurts Wottles in Erinnerung, der eingangs der Zielgeraden scheinbar aussichtslos zurückgelegen hatte.[4] Außerdem belegte Boit im 1500-Meter-Lauf den vierten Platz. Eine weitere Olympiateilnahme blieb ihm verwehrt, weil Kenia die Spiele 1976 in Montreal und 1980 in Moskau boykottierte.[5]

Trotzdem gelang es Boit, sich über Jahre hinweg in der Weltspitze zu etablieren. Bei den British Commonwealth Games 1974 in Christchurch gewann er über 800 Meter die Silbermedaille hinter seinem Landsmann John Kipkurgat und verwies den späteren 1500-Meter-Lauf-Olympiasieger John Walker aus Neuseeland auf den dritten Rang. 1976 stellte Boit bei seinem Sieg beim Internationalen Stadionfest Berlin mit einer Zeit von 1:43,57 Minuten einen Afrikarekord im 800-Meter-Lauf auf. Im folgenden Jahr traf er beim Leichtathletik-Weltcup 1977 in Düsseldorf auf den Doppelolympiasieger Alberto Juantorena aus Kuba. In dem mit Spannung erwarteten Duell über 800 Meter musste sich Boit um eine Zehntelsekunde geschlagen geben.[6] Der spätere Weltmeister Willi Wülbeck aus Deutschland erreichte das Ziel mit deutlichem Rückstand auf die beiden als Dritter.

Bei den Commonwealth Games 1978 in Edmonton feierte Boit im 800-Meter-Lauf einen ungefährdeten Sieg vor dem Jamaikaner Seymour Newman. Im folgenden Jahr startete er bei der ersten Austragung der Leichtathletik-Afrikameisterschaften in Dakar im 1500-Meter-Lauf. Er siegte vor dem Algerier Abderrahmane Morceli, älterer Bruder des späteren Weltmeisters und Olympiasiegers Noureddine Morceli. 1980 lief Boit in San Diego einen Hallenweltrekord über 880 Yards. Im Jahr darauf wurde er zu Kenias Sportler des Jahres gekürt.

Seine letzte internationale Medaille errang Boit bei den Commonwealth Games 1982 in Brisbane. Hinter dem frisch gebackenen Europameister Steve Cram aus England und John Walker belegte er im 1500-Meter-Lauf den dritten Rang. Über dieselbe Distanz erreichte er bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki das Finale, wurde dort jedoch nur Zwölfter und damit Letzter.

Boit blieb dem Laufsport dennoch einige weitere Jahre aktiv verbunden. Zuletzt stellte er Anfang 1989 bei einem Meilenlauf in East Rutherford mit einer Zeit von 4:15,48 Minuten einen Hallenweltrekord in der Altersklasse M40 auf.[7]

Bestleistungen[Bearbeiten]

  1. Diese Leistung wurde bei einer Zwischenzeitnahme in einem Rennen über eine Meile (1609,344 Meter) gemessen. In einem reinen 1500-Meter-Lauf konnte Boit diese Zeit nie unterbieten, stellte sie aber am 12. September 1981 in Hamburg exakt ein.

Akademische Laufbahn[Bearbeiten]

Der Eingang zum Hauptcampus der Kenyatta University in Nairobi

Bereits während seiner Zeit als Leistungssportler trieb Boit seine Ausbildung voran. An der Eastern New Mexico University in Portales absolvierte er ein Studium in Sporterziehung mit dem Nebenfach Biologie, das er 1976 mit einem Bachelor of Sciences abschloss. In den beiden folgenden Jahren erwarb er an der Stanford University zwei Masterabschlüsse. Von 1978 bis 1979 war er erstmals als Gastdozent an der Kenyatta University tätig.

1986 promovierte er an der University of Oregon in Eugene zum Doktor der Erziehungswissenschaften. Seine Dissertation trägt den Titel The Relationship of Teacher Behaviour to Student Achievement in High and Low Achievement High Schools in Nairobi. Seit 1987 ist er Senior Lecturer an der Kenyatta University.

Daneben besetzte er diverse Ämter in der Sportverwaltung. Von 1989 bis 1999 war er Mitglied der Athletenkommission des Leichtathletik-Weltverbands IAAF und von 1992 bis 1995 im Verwaltungsrat der Special Olympics. Zwischen 1990 und 1997 war er Staatsbeauftragter für Sport in Kenia.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Mike Boits Verwandter Philip Boit versuchte sich als Skilangläufer.

1983 stellte Boit einen Rekord der besonderen Art auf. Auf einer abschüssigen Straße in Auckland lief er eine Meile in 3:28,36 Minuten. Damit unterbot er den damaligen Bahnweltrekord des Briten Sebastian Coe (3:47,33 Minuten) um fast 19 Sekunden. Allerdings war Boits Leistung wegen des starken Streckengefälles von etwa 190 Höhenmetern nicht bestenlistenfähig. Außerdem führt der Leichtathletik-Weltverband IAAF keine Straßenrekorde über diese Distanz.[9] Coe indes hatte seinen Weltrekord 1981 im direkten direkten Duell mit Boit beim Memorial Van Damme in Brüssel erzielt.[10]

Ein Verwandter Boits erlangte auf ungewöhnliche Weise internationale Bekanntheit. Der Skilangläufer Philip Boit war 1998 in Nagano der erste kenianische Teilnehmer an Olympischen Winterspielen. Trotz oder gerade wegen seiner Außenseiterrolle erregte der Exot ein großes Medieninteresse.[11] Über die Verwandtschaftsbeziehung zwischen Mike und Philip Boit kursieren verschiedene Versionen. Einigen Quellen zufolge sind sie Brüder, nach anderen Cousins.[11][12] Wieder andere berichten, Philip sei Mikes Neffe.[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Spiegel: Die Hungrigen gewinnen, Ausgabe 32/1995
  2. John Bale: Kenyan Running: Movement Culture, Geography, and Global Change. Frank Cass, London 1996. ISBN 0-7146-4684-9
  3. German Road Races: Eine Geschichte über Professor Dr. Mike Boit von der Yomo-Kenyatta-University in Nairobi, 23. Juni 2009
  4. Sports Illustrated: Dave Wottle (englisch), 2. Juli 2007
  5. Der Spiegel: Kampf gegen die Böcke, Ausgabe 40/1981
  6. Sports Illustrated: Runners Mike Boit And Alberto Juantorena (englisch), 23. Dezember 2002
  7. Los Angeles Times: O'Sullivan Wins Mile, Sets 1,500 Record, Too (englisch), 11. Februar 1989
  8. alltime-athletics.com: All-time men's best 1500 m (englisch)
  9. The New York Times: A Sub-3:30 Mile (englisch), 9. April 1983
  10. Sports Illustrated: Coe On The Go (englisch), 7. September 1981
  11. a b Die Welt: Stolzer Schneepionier aus Kenia, 6. Februar 2006
  12. BBC News: Kenyan finishes last, but wins respect (englisch), 12. Februar 1998
  13. The Independent: Kenyans take up the running on the snow trails (englisch), 21. Januar 1998