Milbitz (Gera)

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Milbitz
Stadt Gera
Koordinaten: 50° 54′ N, 12° 3′ O50.90194444444412.055Koordinaten: 50° 54′ 7″ N, 12° 3′ 18″ O
Einwohner: 157 (2003)
Eingemeindung: 1. Jan. 1919
Postleitzahl: 07548
Vorwahl: 0365

Milbitz bildet zusammen mit Thieschitz und Rubitz den 5,3 ha großen Ortsteil Milbitz/Thieschitz/Rubitz der Stadt Gera in Thüringen mit 656 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2011)[1].

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Milbitz, Ortsansicht
Felsformation an der Schiefergasse

Milbitz liegt im Nordwesten der Stadt Gera an der Weißen Elster.

[Bearbeiten] Geologie

Oberhalb der Bahnlinie gelegen befindet sich die sogenannte Schiefergasse, die mit ihren gewaltigen, offen sichtbaren Gesteinsschichtenablagerungen weltweit als geologische Sehenswürdigkeit gilt. Sie zählt zu den bedeutendsten geologischen Aufschlüssen aus dem Perm vor 255 Millionen Jahren, als die Region den Rand des Zechsteinmeeres auf dem ungeteilten Urkontinent Pangea bildete. Bei der Schiefergasse handelt es sich um ein Profil aus Rotliegendem über Zechsteinkonglomerat und Kupferschiefer bis zur Produktusbank. Erste Beschreibungen stammen ab 1840 vom Thieschitzer Pfarrer Eduard Mackrodt.

In der gleichen Formation befindet sich auch die Kleine Zwerghöhle, gut sichtbar von der Straße in Richtung Gera.

Ehemalige Ausflugsgaststätte Lunapark um 1915

[Bearbeiten] Geschichte

Über den Namen des Ortes gibt es zwei Erklärungen: die erstere nimmt die Herkunft von Mel (Geröll, Müll) im Sinne der Sedimentablagerungen am Elsterufer an, als zweite kommt die patronymische Herkunft von einem sorbischen Ortsgründer Mil in Frage – demnach Milvice gleich Sippe des Mil.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Milwicz am 12. November 1322: Die Vögte von Gera bestätigen dem Kloster Cronschwitz den Kauf von Äckern in der Gemarkung. 1506 erwirbt Bonifatius von Schaurodt das Dorf für 400 rheinische Gulden. Später ging das Dorf Milbitz in die Herrschaft Reuß über, wurde mit seinen damals sieben Hofstellen dem Kammergut in Ernsee fronpflichtig und unterstand im Gegensatz zu den umliegenden Dörfern nicht der Landgerichtsbarkeit, sondern direkt der reußischen Gerichtsbarkeit. Ab 1659 sind die Pferdegüter in Milbitz verpflichtet, Fuhrdienste für die Reußen zu leisten. Zuständiger Pfarr- Und Schulort war das benachbarte Thieschitz.

1918 wurde oberhalb der Straße von Milbitz nach Untermhaus ein Freilichttheater (Reußisches Waldtheater „Heldendank“) mit 1.500 Sitzplätzen eingeweiht. Seine Einnahmen kamen zunächst Kriegsblinden zugute.

Die Eingemeindung in die Stadt Gera erfolgte zum 1. Januar 1919.

[Bearbeiten] Politik

Seit 2001 besteht ein gemeinsamer Ortsteilrat (ehemals Ortschaftsrat) der Ortschaften Milbitz, Thieschitz und Rubitz. Ortsteilbürgermeisterin für Milbitz, Thieschitz und Rubitz ist Christine Türpitz (SPD).

Mitglieder des Ortsteilrates

2001–2004 2004–2009 2009–2014
Bernd Fehse Bernd Fehse Bernd Fehse
Joachim Kühl Joachim Kühl Joachim Kühl
Katrin Lippmann Katrin Lippmann Katrin Lippmann
Michael Möbius Monika Löther Monika Löther
Christian Steinbrenner Michael Möbius Michael Möbius
Roland Zschach Roland Zschach Roland Zschach

[Bearbeiten] Entwicklung der Einwohnerzahl

Jahr 1647 1794 1864 1867 1919 2003
Einwohner [2][3] 31 47 77 81 349 157


Ehemaliges Hauptgebäude der Milbitzer Heilanstalten

[Bearbeiten] Bauwerke

In der Gemarkung Am Weinberg oberhalb des Ortes im Wald gelegen wurden am 11. November 1914 die Milbitzer Heilanstalten, eine Stiftung der Geraer Fabrikantenfamilie Louis Schlutter, ihrer Bestimmung übergeben. 1927 erweitert, diente das Krankenhaus im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und nach 1945 als Standortkrankenhaus der sowjetischen Streitkräfte in Gera. Heute sind die Gebäude ungenutzt und dem Verfall preisgegeben.

Zum Gemarkungsnamen Am Weinberg: In früherer Zeit befanden sich hier die Weingärten der reußischen Herrschaft, deren Bewirtschaftung jedoch über die Jahre eingestellt wurde – wohl aus gutem Grund: Welcher Qualität der Wein hiesiger Provenienz war, deutet Ferdinand Hahn in seiner Geschichte von Gera und seiner Umgegend an: Wächst gut Wein daselbst, wer gern Essig trinkt!

Die alte Franzosenbrücke über die Weiße Elster

Franzosenbrücke. Der Name Franzosenbrücke stammt aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Im Herbst 2011 wurde der Stahlaufbau der Franzosenbrücke über die Weiße Elster abgerissen. Die grazile Konstruktion, ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts als Eisenbahnbrücke bei Zwötzen errichtet, wurde, da der zunehmende Verkehr eine größere Brücke verlangte, dort abgebaut und 1926 anstelle eines hölzernen Vorgängerbaus zur Elsterquerung bei Milbitz umgesetzt. Auf den alten Fundamenten erfolgt nun ein Ertüchtigungsaufbau, der im Sommer 2012 freigegeben werden soll.[4]

[Bearbeiten] Verkehr

[Bearbeiten] Vereinsleben

  • Mittelpunkt des Lebens in der Ortschaft ist die Maibaumgesellschaft Milbitz-Thieschitz-Rubitz e.V.. Neben zahlreichen anderen Aktivitäten ist der jährliche Höhepunkt das Maibaumsetzen.

Ihr Vereinsheim befindet sich im ehemaligen Feuerwehrgebäude in Thieschitz.

Weiterhin gibt es im Ort

  • Reitverein Gera/Thüringen e.V.
  • Verein für Deutsche Schäferhunde, Sektion Gera
  • Tierschutzverein Gera

[Bearbeiten] Bildung

Im Dorf gibt es keine Kindereinrichtung und keine allgemeinbildenden Schulen. Nächstgelegene Kindereinrichtungen sind

  • Kindertagesstätte Kinderparadies in Gera-Untermhaus.

Zuständige Grundschule ist die

  • Staatliche Grundschule Otto Dix in Gera-Untermhaus.

Nächstgelegene Regelschule ist die

  • Staatliche Regelschule Otto Dix Gera-Untermhaus.
Internationales Reitstadion Gera-Milbitz, Summer Meeting 2009
Tierheim

[Bearbeiten] Sport

Als eine der herausragendsten Sportstätten der Stadt Gera befindet sich in Milbitz das Reitstadion Gera-Milbitz. 1974 eröffnet, wurden im Jahr 2000 die Tribünenanlagen komplett erneuert und um eine weitere Reithalle ergänzt. In den vergangenen Jahren brillierte hier die internationale Reitsportelite bei CHIO-Turnieren, Weltcup-Springen oder den Deutschen Meisterschaften im Spring- und Dressurreiten.

[Bearbeiten] Haustiere

Unweit des Reitstadions erreicht man über die Franzosenbrücke das

  • Tierheim der Stadt Gera sowie den
  • Hundesportplatz des Vereins für Deutsche Schäferhunde, Sektion Gera, der seit über 100 Jahren existiert.

[Bearbeiten] Literatur

  • Brodale, Klaus und Heidrun Friedemann: Das war Gera im 20. Jahrhundert. Gudensberg 2002.
  • Cannabich, Johann Günther Friedrich: Neueste Kunde von Baden, Nassau, Hohenzollern, Lippe, Waldeck, Anhalt und den Reußischen Ländern. Weimar 1827.
  • Geiling, Jürgen; Die Elsteraue bei Langenberg; Gera 1998
  • Hahn, Ferdinand: Geschichte von Gera und dessen nächster Umgebung. Gera 1855.
  • Kretzschmer, Ernst Paul: Chronik von Thränitz, Grobsdorf, Zschippern, Kaimberg. Gera 1935.
  • Klotz, Johann Christoph: Beschreibung der Herrschaft und Stadt Gera. Schleiz 1816.
  • Mues, Siegfried: Gera. Ein historischer Spaziergang. Horb 1993.
  • Spörl, Ulla und Frank Rüdiger: Gera in den Goldenen Zwanzigern. Gera 2007.
  • Thüringer Pestalozziverein (Hrsg.): Thüringen in Wort und Bild. Berlin 1900. (Reprint; Augsburg 1997.)
  • o.A.: Hof- und Staatskalender für das Fürstentum Reuß j. L. Gera 1864.
  • Mitteilungen des geschichts- und Altertumsforschenden Vereins. Altenburg, div.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Milbitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Stadtverwaltung Gera, FD 1200
  2. Stadtarchiv Gera
  3. Stadtverwaltung Gera, FD 1200
  4. Steffen Weiß: Franzosenbrücke wird erneuert. In: meinanzeiger.de vom 10. Januar 2012.
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