Milchdrüse

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Als Milchdrüse (lat. Glandula mammaria, griech. Mastos) bezeichnet man bei den weiblichen Säugetieren die für die Absonderung der Milch sorgenden Organe. Es handelt sich dabei um spezialisierte Hautdrüsen, die sich von einfachen, tubulären Drüsen ableiten lassen.

Die Milchdrüse entsteht embryonal aus der Milchleiste. Beim Menschen nennt man sie wegen der Lokalisation im Bereich der Brust auch Brustdrüse.

Bau und Lage[Bearbeiten]

Die ursprünglichste Form der Milchdrüsen findet sich als Milchfeld bei den Kloakentieren. Hier sind alle Milchdrüsen vereinzelt in der Fläche und sezernieren die Milch in dieses Feld. Bei den Höheren Säugetieren sind die Ausgänge der Milchdrüsen als Zitzen zusammengefasst.

Nach der Lokalisation der Milchdrüsen unterscheidet man

Milchdrüsen.

Bei den Beuteltieren bildet sich um die Milchdrüse aus einer Hautfalte ein Beutel zur Aufnahme der Jungen.

Mammarkomplexe[Bearbeiten]

Korrosionspräparat der beiden Mammarkomplexe eines Schafeuters

Die Milchdrüse der Höheren Säugetiere setzt sich aus äußerlich abgrenzbaren Drüsenkomplexen zusammen. Jeder dieser Mammarkomplexe trägt eine Warze, die als Zitze und beim Menschen auch als Brustwarze bezeichnet wird.

Die Anzahl der Mammarkomplexe ist je nach Art verschieden und steht in Zusammenhang mit der durchschnittlichen Anzahl der Jungen. Bei Mensch, Pferd, Ziegen und Schafen gibt es beidseits je einen, bei Rindern je zwei, bei Hunden je fünf (manchmal vier), bei Katzen vier, bei Schweinen sogar sechs bis acht Mammarkomplexe.

Hohlraumsystem[Bearbeiten]

Jeder Mammarkomplex kann ein (Wiederkäuer) oder mehrere (meiste Säugetiere) vollständig isolierte Drüsensysteme enthalten. Entsprechend gibt es auf einer Zitze einen oder mehrere Strichkanäle (Ductus papillares). Beim Menschen münden auf einer Papille 15–20 Strichkanäle, beim Hund acht bis zwölf, bei der Katze fünf bis sieben, bei Pferd und Schwein zwei.

Das Hohlraumsystem beginnt mit blind endenden Säckchen, den Alveolen. Sie sind der Ort der Milchbildung und -speicherung. Von den Alveolen gehen ableitende Milchgänge (Ductus lactiferi) aus. Diese ergießen sich in eine Erweiterung, die Zisterne (Sinus lactifer), welche im Zitzenkanal (Strichkanal) nach außen führt.

Feinbau[Bearbeiten]

Die Alveolen besitzen ein einschichtiges Epithel. Je nach Füllungszustand ist es zylindrisch, bei gefüllten Alveolen abgeplattet. Bei der Milchbildung werden jeweils die Zellkuppen abgeschnürt und in das Lumen abgegeben (apokrine Sekretion).

Zwischen den Epithelzellen und ihrer Basalmembran liegen Korbzellen. Sie besitzen die Fähigkeit zur Kontraktion (sogenannte Myoepithelien), die durch das Hormon Oxytocin ausgelöst werden.

Kleine Milchgänge haben ebenfalls ein einschichtiges Epithel, das auch noch Milch bildet. Die größeren Milchgänge besitzen ein ein- bis zweischichtiges Epithel. In ihrer Wand besitzen sie glatte Muskulatur, die dem Milchtransport dient. Das Epithel der Zisterne ist zweischichtig und kubisch, in der Wand liegen wiederum glatte Muskelfasern.

Der Strichkanal besitzt eine kutane Schleimhaut, die stark verhornt ist. Die glatte Muskulatur bildet einen Schließmuskel (M. sphincter papillae), welcher zusammen mit Blutgefäßgeflechten und Schleimhautfalten für den Verschluss der Zitze sorgt und verhindert, dass die Milch einfach abtropft.

Funktion[Bearbeiten]

Milchdrüsen kommen nur bei Säugetieren vor und dienen primär der Laktation. Nur beim Menschen dient ihre Hervorhebung in der weiblichen Brust als sekundäres Geschlechtsorgan zur Steigerung der Attraktivität adulter Frauen.[1][2]

Erkrankungen[Bearbeiten]

Tumoren[Bearbeiten]

Tumoren der Milchdrüse (siehe gesonderte Artikel menschlicher Brustkrebs sowie Mammatumoren der Haussäugetiere) gehören zu den am häufigsten beobachteten Neoplasien in der Kleintiermedizin. Speziell weibliche Hunde sind von diesem Phänomen betroffen. Anders als beim Menschen verhalten sich die gebildeten Tumoren in der Regel wenig aggressiv, obwohl sie häufig Mischformen aus gutartigen (benignen) und histologisch bösartigen (malignen) Geschwülsten sind. Die Bildung von Milchdrüsentumoren scheint bei der Hündin hormonabhängig zu sein. Vor der ersten Läufigkeit kastrierte Hunde haben ein wesentlich verringertes Risiko der Tumorbildung. Diese Frühkastration ist jedoch vom Standpunkt des Tierschutzes her umstritten. Bei Katzen ist die Aggressivität primärer Gesäugetumoren wesentlich höher und mit dem menschlichen Brustkrebs durchaus vergleichbar. Daneben treten Tumoren der Milchleiste auch bei anderen Kleinsäugern wie Ratten oder Hamstern auf.

Mastitis[Bearbeiten]

Eine Entzündung der Milchdrüse wird als Mastitis bezeichnet. Eine große wirtschaftliche Bedeutung haben entzündliche Veränderungen des Euters bei milchliefernden Tieren. Die zu ihrer Bekämpfung meist eingesetzten lokalen Euterpräparate sind im Regelfall antibiotika-haltig. Der Verbraucherschutz erfordert somit eine mehr oder weniger lange Wartezeit, bis die Milch des erkrankten Organs wieder in den Verkehr gebracht werden kann. Dieser Verdienstausfall kann für landwirtschaftliche Betriebe existenzbedrohend sein.

Incontinentia lactis[Bearbeiten]

Als Incontinentia lactis („Milchträufeln“) wird eine Störung im Milchhaltevermögen durch unzureichenden Verschluss des Zitzenkanals bezeichnet. Sie entsteht häufig nach Zitzenverletzungen mit einer Beschädigung des Zitzenkanals.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Geyer: Milchdrüse. In: Salomon et al. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke, Stuttgart, 2. erw. Aufl. 2008, S. 645–655. ISBN 3-8304-1007-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Milchdrüse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Inglis-Arkell Esther: What human traits were evolved only sexual attractiveness? Evolution
  2. Geary David C., Jacob Vigil, Jennifer Byrd-Craven: Evolution of human mate choice. J. Sex Research, Band  41, Nr.  1, Februar 2004, S.  27–42, PDF