Milchglas

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Fußschale aus Milchglas

Milchglas ist die umgangssprachliche Bezeichnung für opakes Weißglas, eine Glasart, die lichtdurchlässig, aber undurchsichtig ist. Dadurch wirkt das Glas weiß und trübe und wird daher auch Trübglas genannt.

Es gibt grundsätzlich unterschiedliche Methoden, diesen Effekt zu erzielen: Durch Beimischung eines trübenden Stoffes oder durch nachträgliches Aufrauen der Oberfläche.

Trübung durch Beimischung[Bearbeiten]

Durch die Beimischung von Calciumphosphat, Fluoriden oder Zinnoxid vor dem Schmelzen wird eine Trübung des Glases erreicht. Hierfür ist oft Knochenasche benutzt worden, woraus sich der Begriff Beinglas zur Bezeichnung dieser Glasart ableitet. Milchglas, das durch Beimischung von Kryolith – einem Fluorid – entsteht, wird auch Kryolithglas genannt.

Trübung durch Aufrauung und/oder Beschichtung[Bearbeiten]

Die Oberfläche des Glases wird entweder durch Säureätzung oder durch Sandstrahlen aufgeraut. Es entsteht eine Oberfläche wie bei einer Mattscheibe. Durch die angeraute Oberfläche kann das Licht nicht mehr ungehindert durch das Glas hindurch, sodass für das Auge eine Trübung entsteht. Dieser Effekt ist vergleichbar mit dem einer stillen Wasseroberfläche, die bei reinem Wasser den Blick auf den Grund zulässt und bei aufgewühltem Wasser den Grund nicht erkennen lässt. Alternativ ist dieses auch durch die Beschichtung mittels einer speziellen Folie zu erzielen (siehe Glasdekorfolie). Das Anbringen einer Glasdekorfolie stellt keine bauliche Maßnahme dar. Da die Folie jederzeit problemlos wieder entfernt werden kann, wird Klarglas durch das Aufbringen einer blickdichten Folie nicht zu Milchglas.

Anwendungen, Alternativen[Bearbeiten]

Trübung durch in der Regel meist nur einseitiges Aufrauen wirkt nicht so stark streuend wie stark milchige Trübung in der Substanz. Die Wirkung der Rauigkeit der Oberfläche kann durch Benetzen mit Wasser oder Öl deutlich reduziert werden, die Täler im Glas (Brechungsindex etwa n=1,5) werden dabei mit Wasser (n=1,33) optisch gegenüber Luft (n=1) zu 2/3 ausgebügelt. In der Beleuchtungstechnik für Fotografie und Film werden als trübe Flächen auch oberflächlich strukturierte oder in sich opake Kunststofffolien, Pergamentpapier oder durchscheinende Gewebe verwendet, die unzerbrechlich, leicht und zusammenfaltbar sind.

Beim Leuchtmittel der einfachen Wolframfaden-Glühlampe wird durch Innenmattierung des Kolbens eine gewisse Trübung erreicht, eine stärkere jedoch durch einen deckende Innenbeschichtung mit streuendem Pulver. Leuchtstoffröhren sind durch innen anhaftendes Leuchtmittelpulver zugleich mattiert, Röhren-Bildschirme durch aufgedruckte Phosphore.

Die mit rot oder blau eingefärbtem Alkohol gefüllte Kapillare eines Flüssigkeits-Thermometers besteht für kontrastreiche Ablesbarkeit oft aus Milchglas. Leuchten, die sehr gleichmäßig hell erscheinen sollen, werden in opakem Milchglas, oft in Kugelform, ausgeführt, dieses absorbiert jedoch auch einen gewissen Anteil des Lichts. Eher nur kleine plane Flächen, etwa in Eisenbahnweichen-Signalwürfeln werden oder wurden in Milchglas in Blechrahmen ausgeführt, größere Flächen heute oft in opakem Acrylglas, das leichter ist, und stoßfester.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Milchglas – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen