Mildred Scheel

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Mildred Scheel (1978)
Mildred und Walter Scheel (1976)
Grabstätte auf dem Bonner Alten Friedhof

Mildred Scheel (* 31. Dezember 1932[1][2][3][4][5][6][7]oder 1931[8][9] in Köln als Mildred Wirtz; † 13. Mai 1985 in Köln) war eine deutsche Ärztin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe. Durch ihr soziales und gemeinnütziges Engagement in der Zeit als Frau des Bundespräsidenten der Bundesrepublik, Walter Scheel, wurde sie zu einer der bekanntesten deutschen Frauen der Nachkriegszeit und genoss international hohes Ansehen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Mildred Scheel war das dritte Kind eines Röntgenarztes und seiner US-amerikanischen Ehefrau. Schon als Kind war sie sehr an Medizin interessiert und begleitete ihren Vater häufig in dessen Praxis. Die Familie verließ 1944 das zerbombte Köln und ging nach Amberg.

Nach dem Abitur 1950 in Amberg studierte sie Medizin in München, Innsbruck und Regensburg. Ihr Staatsexamen legte sie in München ab und trat dann dort eine Stellung als Medizinalassistentin mit der Fachrichtung Radiologie an. Anschließend arbeitete sie in verschiedenen Krankenhäusern und als Vertretung in Arztpraxen. 1963 wurde ihre Tochter Cornelia geboren, die sie zunächst alleine aufzog. 1967 lernte Mildred Scheel in einem Sanatorium, in dem sie zu dieser Zeit arbeitete, ihren späteren Ehemann, den Solinger FDP-Politiker Walter Scheel, kennen. Er erholte sich hier von einer Nieren-Operation. Am 18. Juli 1969 heirateten die beiden in München-Schwabing und zogen bald darauf nach Bonn – Walter Scheel wurde im Oktober desselben Jahres Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Das Paar bekam eine gemeinsame Tochter und adoptierte ein Waisenkind aus Bolivien.

Das öffentliche Leben[Bearbeiten]

Mit der Wahl von Walter Scheel zum Bundespräsidenten am 15. Mai 1974 begann für Mildred Scheel das öffentliche Leben mit Aufgaben und Pflichten. Entsprechend der Tradition von Elly Heuss-Knapp und Wilhelmine Lübke wählte die Ärztin Mildred Scheel eine soziale und gesundheitspolitische Aufgabe: die Bekämpfung von Krebserkrankungen. „Dies kann um so besser nur gelingen, wenn sich alle Bürger solidarisch zeigen“, erklärte Scheel bei der Ankündigung ihres Vorhabens. Am 25. September 1974 gründete sie die Deutsche Krebshilfe Sie engagierte sich mit großem Einsatz für die Krebshilfe: Selbst auf Staatsbesuchen sammelte sie Spenden für den Verein.

Das Lebenswerk[Bearbeiten]

Mit der Gründung der Deutschen Krebshilfe 1974 wurde der Grundstein für das gemeinnützige Lebenswerk von Mildred Scheel gelegt. Ihre Organisation zeichnete sich von Anfang an dadurch aus, dass keinerlei Steuergelder erwartet und keine Spenden der Pharmaindustrie angenommen wurden. „Wir müssen absolut unabhängig sein von Politik und Wirtschaftsinteressen, sondern nur den Menschen und deren Gesundheit verpflichtet bleiben“, war ein Credo.

Mildred Scheel hat das Tabu gebrochen, offen und frei über Krebs im Allgemeinen sowie über Unterleibs- und Prostatakrebs im Besonderen zu sprechen.

Kurz nach der Gründung war es Mildred Scheel gelungen, die Ärzteschaft für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Sie initiierte die ersten wissenschaftlichen Ärztetagungen mit Krebsexperten aus Europa, USA und Asien.

Zehn Jahre nach Gründung der Deutschen Krebshilfe wurde bei Mildred Scheel selbst eine Krebserkrankung diagnostiziert, an der sie 1985 verstarb. Das Ehrengrab Mildred Scheels befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn.[9]

Objekt künstlerischen Interesses[Bearbeiten]

Mildred Scheel wurde Objekt künstlerischer Darstellung.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Zu den Ehrungen von Mildred Scheel gehören über 20 Staatsorden. Sie erhielt 1976 den deutschen Medienpreis Bambi. In den Jahren 1977, 1978 und 1979 wurde sie zur Frau des Jahres gewählt. Nach ihr wurden in Dresden das Mildred-Scheel-Haus und die Mildred-Scheel-Straße benannt. Eine Mildred-Scheel-Straße gibt es ebenso in Bonn. Eine Berufsschule in Solingen, eine Berufsschule in Böblingen und eine Realschule in Neuss wurden ebenfalls nach ihr benannt. Die Universität Maryland verlieh ihr 1980 die Ehrendoktorwürde.

Nach Mildred Scheel wurde 1976 eine Rosensorte benannt.

Vermächtnis und Erfolg[Bearbeiten]

Mildred Scheel hat es bisher als erste Frau eines deutschen Bundespräsidenten vermocht, ihr soziales Lebenswerk zum Nutzen aller Bürger zukunftsorientiert zu sichern. Die Ärztin baute die Deutsche Krebshilfe kompetent und zukunftsweisend mit Hilfe der privaten Spender auf. Seither sind erfolgreiche Institutionen mit ihrem Namen verbunden und im bleibenden Gedächtnis. Dazu gehören die Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung (Bonn 1976), die international wirkende Mildred Scheel Cancer Conference (1977) oder der Förderverein Mildred Scheel Kreis e. V. (Bonn 1977).

Im Jahr 1983 gründete die Deutsche Krebshilfe mit der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Köln Deutschlands erste Palliativstation. Es folgte 1992 auf dem Campus der Uniklinik das Dr. Mildred Scheel-Haus[10] sowie 1993 die Dr. Mildred Scheel Akademie für Forschung und Bildung in Köln.[11]

Seit 2013 bietet die Mildred-Scheel-Akademie Göttingen (eine von fünf aus Spendengeldern der Deutschen Krebshilfe geförderten Akademien für Palliativmedizin in Deutschland) Ausbildungsmöglichkeiten durch qualifizierte Referenten an.[12] In zahlreichen Krankenhäusern und Kliniken gibt es nach der Gründerin der Krebshilfe benannte Stationen und Abteilungen.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

2008 ehrte die Stadt München postum die Krebshilfe-Gründerin durch die Benennung einer Straßenführung in Schwabing-West in Mildred-Scheel-Bogen (Stadtratsbeschluss vom 14. Februar 2008). Damit wird auch daran erinnert, dass die Ärztin in der bayerischen Landeshauptstadt viele Jahre gelebt, gearbeitet und studiert hat.

Zum 40. Jubiläum der Gründung der Deutschen Krebshilfe gab es 2014 posthum für Mildred Scheel die größte öffentliche Würdigung, die jemals die Ehefrau eines Bundespräsidenten erhielt.

„Es war eine Jahrhundertidee, die gefährliche Volkskrankheit Krebs mit einer Bürgerbewegung zu bekämpfen“, würdigte Krebshilfe-Präsident Fritz Pleitgen die Leistungen der Verstorbenen öffentlich in Berlin. [13] Mit der Gründung der Krebshilfe „hat Mildred Scheel eine bedeutende Ära im deutschen Gesundheitswesen eingeleitet. Ihr Anliegen, den Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, ist auch nach ihrem eigenen, viel zu frühen Krebstod, bis heute sehr erfolgreich fortgeführt worden.“ In vier Jahrzehnten habe die gemeinnützige Organisation maßgeblich dazu beigetragen, die Situation von Krebspatienten zu verbessern. Dies sei nur möglich dank des ungebrochenen Vertrauens und der kontinuierlichen Unterstützung aus der Bevölkerung. “Ihr Wirken war und ist für uns alle ein großes Vorbild“, bekräftigte Pleitgen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mildred Scheel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Mildred Scheel: „Wer will, der kann ...“ Deutsche Krebshilfe e. V., abgerufen am 21. Dezember 2013.
  2. Mildred Scheel. Bundespräsidialamt, abgerufen am 22. Dezember 2013.
  3. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
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  5. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  6. Munzinger Archiv
  7. BROCKHAUS, ENZYKLOPÄDIE, 21. Auflage, F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig - Mannheim, 2006, Band 24, S. 188
  8. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  9. a b Sonstige XIX. Mildred Scheel. Abgerufen am 21. Dezember 2013.
  10. Unser Palliativzentrum. Website der Uniklinik Köln, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  11. Dr. Mildred Scheel Akademie – die Fort- und Weiterbildungsstätte der Deutschen Krebshilfe. Deutsche Krebshilfe e. V, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  12. Friedemann Nauck, Universitätsmedizin Göttingen, 4. Juni 2013.
  13. Internationale Pressekonferenz Berlin, 8. Juli 2014