Milena Jesenská

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Milena Jesenská (* 10. August 1896 in Prag; † 17. Mai 1944 im KZ Ravensbrück) war eine tschechische Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin; sie gehörte zu den engen Freunden von Franz Kafka.

Leben[Bearbeiten]

Milena Jesenská besuchte das Mädchengymnasium „Minerva“ in Prag und studierte danach Medizin. Nach dem Abbruch des Studiums arbeitete sie an einem Konservatorium und verkehrte in der Prager deutsch-jüdischen Gesellschaft, wo sie unter anderen auch Max Brod und Franz Werfel kennenlernte. 1918 wurde sie von ihrem Vater wegen Drogenproblemen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Nach der Heirat mit Ernst Pollak nahm sie Gelegenheitsarbeiten an. Unter anderem gab sie Tschechischunterricht, arbeitete als Journalistin in Wien und verfasste Übersetzungen. Unter anderem übersetzte sie 1919 mit Kafkas Erlaubnis seine Erzählung Der Heizer sowie weitere seiner Prosatexte vom Deutschen ins Tschechische, worauf sich 1920/21 ihre Beziehung zum Schriftsteller vertiefte. Aus dieser hauptsächlich aus brieflichen Kontakten und wenigen Begegnungen bestehenden Beziehung resultiert ein umfangreicher Briefwechsel - nach Willy Haas ein „erschütternder Liebesroman, eine Orgie an Verzweiflung, Seeligkeit, Selbstzerfleischung und Selbsterniedrigung“.[1] Kafka beendete schließlich die Beziehung im November 1920, worauf auch der Briefwechsel abrupt abbrach. Der freundschaftliche Kontakt riss allerdings bis zu Kafkas Tod nicht ab: Zwei Jahre später wurden wiederum einige vereinzelte Briefe gewechselt, und am Ende seines Lebens übergab ihr Kafka einige seiner Tagebücher.

1923 scheiterte ein Selbsttötungsversuch, Milena Jesenská nahm Drogen, es kam zur Scheidung von ihrem Ehemann. In dieser Zeit freundete sie sich mit Alice Rühle-Gerstel an.

Milena Jesenská lebte 1925 ein Jahr zusammen mit Franz Xaver Schaffgotsch bei Alice in Friedewald-Buchholz bei Dresden und schrieb in deren Zeitschriften mit. Nach ihrer Rückkehr nach Prag arbeitete sie an der Frauenseite in Národní listy (Nationalblätter) und war Mitglied einer Gruppe avantgardistischer linker Intellektueller, der Devětsil (Pestwurz). Sie arbeitete an der avantgardistischen Zeitung Pestrý týden (Bunte Woche) mit und veröffentlichte 1926 die Anthologie Wege zur Einfachheit. Schwerpunkt ihrer Arbeiten war das Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden in der Tschechoslowakei.

1927 heiratete sie Jaromír Krejcar, einen führenden Architekten der Prager Avantgarde.

Jesenská litt unter Arthritis im Kniegelenk. Nach der Geburt ihrer Tochter Jana 1928 verstärkten sich die Schmerzen derart, dass sie nur noch mit Morphin behandelt werden konnten, von dem sie nach kurzer Zeit abhängig wurde. Sie verlor wegen eines einjährigen Krankenhausaufenthaltes ihren Arbeitsplatz und kämpfte, zunächst erfolglos, gegen die Sucht an.

1931 trat Milena Jesenská der Kommunistischen Partei bei. Aufgrund einer kritischen Äußerung über den Stalinismus wurde sie 1936 aus der Partei ausgeschlossen. Sie wurde Kommentatorin der liberal-demokratischen Kulturzeitschrift Přítomnost (Gegenwart). Wenig später gelang es ihr auch, sich nach acht Jahren innerhalb von zwei Wochen von der Morphiumsucht zu befreien.

1939 schloss sie sich dem Widerstand an, nahm illegale Arbeit bei der Zeitschrift V boj (In den Kampf) an und organisierte die Flucht von Juden nach Polen. Deswegen wurde sie im November 1939 verhaftet. Sie wurde ins Dresdner Untersuchungsgefängnis gebracht. Es folgte ein Prozess in Dresden, der mit dem Freispruch endete. Dennoch wurde sie „zwecks Umerziehung“ ins KZ Ravensbrück gebracht. Hier erhielt sie die Nummer 4714 und aufgrund der Nummer den Spitznamen „4711 - Kölnisch Wasser“. Die Kölner Künstlerin Tanya Ury erinnert an diese Geschichte im Rahmen der Videoinstallation Kölnisch Wasser.

Margarete Buber-Neumann beschreibt in ihrem Buch Milena, Kafkas Freundin die sich entwickelnde Freundschaft zwischen den beiden Frauen und ihre letzten Monate im Konzentrationslager. Mit diesem Vermächtnis erfüllte Margarete Buber-Neumann den letzten Wunsch Jesenskás. Sie starb am 17. Mai 1944 an den Folgen einer Nierenoperation im Alter von 48 Jahren im KZ Ravensbrück.

Auszeichnung[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Alles ist Leben - Feuilletons und Reportagen 1919–1933. Hrsg. und mit einer biographischen Skizze versehen von Dorothea Rein. Neue Kritik, Frankfurt am Main 1984, Neuauflage 2008.
  • Ich hätte zu antworten tage- und nächtelang. Die Briefe von Milena. Hrsg. von Alena Wagnerova. Bollmann, Mannheim 1996.
  • Nad naše síly : Češi, Židé a Němci 1937–1939 : články z týdeníku Přítomnost. Olomouc, Votobia 1997, ISBN 80-7198-233-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Margarete Buber-Neumann: Milena, Kafkas Freundin. Langen Müller, München 1977 u. 4. Aufl. 2000, ISBN 3-7844-1680-2.
  • Mary Hockaday: Kafka, Love and Courage - The Life of Milena Jesenská. André Deutsch Verlag, London 1995.
  • Franz Kafka: Briefe an Milena. Frankfurt am Main 1987 (Neuauflage).
  • Steve Sem-Sandberg: Ravensbrück. Roman. Bender, Stockholm 2003, ISBN 91-0-010019-6.
  • Alena Wagnerová: Alle meine Artikel sind Liebesbriefe. Biographie. Bollmann, Mannheim 1994.
  • Margret Steenfatt: Milena Jesenksá. Biographie einer Befreiung. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002, ISBN 3-434-50215-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willy Haas: Nachwort. In: Franz Kafka: Briefe an Milena. Fischer, Frankfurt am Main 1952, S. 271.

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]