Milestones (Album)

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Milestones
Studioalbum von Miles Davis
Veröffentlichung 1958
Label Columbia Records
Format CD, LP
Genre Jazz
Laufzeit 47:36

Besetzung

Produktion George Avakian
Studio Columbia 30th Street Studio, New York City
Chronologie
Ascenseur pour l’échafaud
1957
Milestones Porgy and Bess
1957

Milestones ist ein Jazz-Album von Miles Davis, aufgenommen in zwei Aufnahmesitzungen am 2. und 3. April 1958, veröffentlicht bei Columbia Records im Jahr 1958.[1][2]

Vorgeschichte des Albums[Bearbeiten]

Nachdem der Trompeter das legendäre „erste Miles-Davis-Quintett“ im Frühjahr 1957 aufgelöst und sich für ein Jahr anderen Projekten zugewandt hatte (so dem großorchestralen Album Miles Ahead, das in Zusammenarbeit mit Gil Evans entstand), kam es zu Beginn des Jahres 1958 zu einer Neugründung dieser Combo in Form eines Sextetts. Hinzu kam als dritte Bläserstimme der Altsaxophonist Julian Cannonball Adderley. „Meine Idee war“, schrieb Miles Davis in seiner Autobiographie, „mit diesem Sextett fortzusetzen, was wir mit Trane, Red, Paul und mir bereits begonnen hatten; nur wollte ich zusätzlich noch die Blues-Stimme von Cannonball Adderley und dadurch das Ganze ausweiten. Ich konnte mir vorstellen, dass Cannonballs bluesiges Altosax gegen das harmonische, akkordische Spiel von Trane, seine freiere Art der Improvisation, ein ganz neues Feeling, einen neuen Sound schaffen würde.“[3]

Die Musik des Albums[Bearbeiten]

Milestones war auch ein Schritt hin auf der Entwicklung zum modalen Jazz; Experimente dieser Art mit dem Spiel auf Skalen hatte der Trompeter schon bei der Filmmusik zu Fahrstuhl zum Schafott angewandt (Ascenseur pour l'échafaud). Diese Entwicklung wird am deutlichsten beim Titelstück Milestones, was schließlich ein Jahr später zur Musik von Kind of Blue führte. In atemberaubenden Soli vollführen hier Cannonball Adderley und John Coltrane ein musikalisches Duell in Stücken wie "Straight No Chaser" und "Sid's Ahead". Bei dem Album fallen die Kontraste zwischen den Bebop-Nummern Dr. Jackle und Two Bass Hit, Jazz-Standards wie die Monk-Komposition Straight, No Chaser und Sid's Ahead (auch unter dem Titel Weirdo bekannt[4]) und den Schritten zum modalen Jazz auf. Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen den sheets of sound in Coltranes Soli und Davis´ eher coolem Spiel.

Die "Milestones"-Session war auch das Ende der aus Jones, Garland und Chambers bestehenden Rhythmusgruppe der Davis-Band; Garland hatte auf diesem Album wenig Gelegenheit für solistische Einlagen. Nur beim Titel Billy Boy, bei dem Davis aussetzt, und in Straight, No Chaser ist er länger zu hören. Bei "Sid's Ahead" ist er nicht zu hören, Davis spielt an seiner Stelle.[5] Kurz darauf setzte Jimmy Cobb für Philly Joe Jones ein; der Pianist Bill Evans begann seine Zusammenarbeit mit Miles, was in die noch im selben Jahr stattfindende Session mündete, bei denen die Titel Love for Sale, Fran Dance, Stella by Starlight und On Green Dolphin Street aufgenommen wurden.[6]

Das Titelstück Miles (oder "Milestones") wurde zu einem Jazz-Standard, der von Jimmy Smith, Wes Montgomery, Bill Evans und vielen anderen Musikern gespielt wurde.

Die Titel[Bearbeiten]

  1. "Dr. Jackle" – 5:46 (Jackie McLean)
  2. "Sid's Ahead" – 13:01 (Miles Davis)
  3. "Two Bass Hit" – 5:13 (John Lewis - Dizzy Gillespie)
  4. "Milestones" – 5:41 (Miles Davis)[7]
  5. "Billy Boy" – 7:14 (Traditional, arr. Ahmad Jamal)
  6. "Straight, No Chaser" – 10:41 (Thelonious Monk)
  • Billy Boy wird im Trio von Garland, Chambers und Jones gespielt. Die CD-Veröffentlichung enthält zusätzliche alternate takes von Two Bass Hit, Milestones und Straight, No Chaser.
  • Die Original-Liner Notes stammten von dem Jazzautor Charles Edward Smith.

Literatur/Quellen[Bearbeiten]

  • Richard Cook, Brian Morton: The Penguin Guide to Jazz on CD. 6th edition. Penguin, London 2002, ISBN 0-14-051521-6
  • Miles Davis, Quincy Troupe (Bearb.): Die Autobiographie. Heyne, München 2000, ISBN 3-453-17177-2
  • Ekkehard Jost: Miles Davis’ MILESTONES als Lehrstück über die Beziehungen zwischen musikalischem Material, Zeitstil und individuellen Ausdrucksmitteln. in: Beiträge zur Popularmusikforschung Bd. 7/8 (1989), S. 5–15 (Volltext)
  • Erik Nisenson: Round About Midnight. Ein Portrait über Miles Davis. Hannibal, Wien 1985, ISBN 3-85445-021-4
  • Peter Wießmüller: Miles Davis. Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten. (= Collection Jazz; 3). Oreos, Gauting 1984, ISBN 3-923657-04-8

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Review des Albums bei allmusic
  2. Einige Quellen nennen den 4. Februar 1958 und 4. März 1958 als Aufnahmedatum; es handelt sich dabei wahrscheinlich um eine Fehlinterpretation der amerikanischen Datumsschreibweise Monat/Tag/Jahr, wonach der 2. April 1958 als 4/2/1958 und der 3. April 1958 als 4/3/1958 geschrieben wird; Miles Davis selbst nennt in seiner Autobiografie (S. 304) nur den April-Termin und keine Februar-Session für sein Album, nachdem er zuvor bei Cannonball Adderley´s Album Somethin’ Else (aufgenommen am 9. März 1958) mitgewirkt hatte.
  3. zit. nach Miles Davis, S. 299
  4. enthalten auf Miles' Album Miles Davis Volume 1 von 1954
  5. Garland kam zu spät zur Session, was Davis sehr verärgerte und zu dessen Rauswurf beitrug. Davis spielt daher hier auf dem Piano, als er mit der Rhythmusgruppe die Saxophonisten begleitet, vgl. Wießmüller, S.119
  6. Letztere drei Titel erschienen auf Miles Davis Sextet and Quintet - Miles at Newport, "Love for Sale" erst in den 1970er Jahren auf der Columbia-Kompliation Circle in the Round.
  7. später oft als Milestones bezeichnet; dies ist jedoch der Titel einer früheren Komposition, die Miles Davis (aus seiner Zeit in der Charlie Parker-Band.) zugeschrieben wurde, aber von John Lewis, Miles Davis gewidmet, geschrieben und 1947 aufgenommen wurde.